Wärme, Fähren, Overloon und die erste 100 Kilometer Tour im August

Hallo zusammen,

was für eine Tour. Schon seit einiger Zeit wollte ich mir mal die neue Brücke in Overloon ansehen. Das die BeNeLux Staaten immer ziemlich kreativ sind, wenn es darum geht etwas Spannendes, Cooles oder Innovatives für Radlerinnen und Radler auf die Beine zu stellen, ist ja mittlerweile bekannt. Baumwipfelwege, Touren durch Seen oder schwebende Fahrradkreisverkehre sind nur einige dieser Aktionen. Im vergangenen Jahr hat das Museum Overloon, welches sich thematisch mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, eine Brücke durch die Ausstellungshalle gebaut, welche nur für Menschen auf Fahrrädern geöffnet ist. Nachdem ich das gelesen hatte, wollte ich dort unbedingt mal drüber fahren. Also habe ich mir das Museum als Ziel rausgepickt und eine Route dorthin geplant. Los ging es, wie so oft, in Krefeld.

Die Wettervorhersage sprach von heißen 35 Grad und so fasste ich den Plan, möglichst früh im Sattel zu sitzen. Um kurz nach 6 Uhr ging es los. Der Mond stand noch gut sichtbar am Himmel als ich in Richtung Promenade aufbrach.

Die Krefelder Promenade, ein ziemlich genialer Fahrradweg, wenn er denn dann komplett fertig ist, hat es letzte Woche groß in die Presse geschafft. Ein erstes Teilstück, über das ich bei dieser Tour auch gefahren bin, wurde letzten Sonntag eröffnet. In der Nacht davor haben, bislang unbekannte Täter, 29 frisch gepflanzte Bäume abgesägt. Graffitis auf dem Boden und der ein oder andere Tweet im Netz legen nahe, dass Aktivisten Angst hatten, die Bäume könnten den Radweg beschädigen. Nun ja, ob diese Form der Meinungsäußerung die richtige Wahl ist, ich denke nicht. Ich hab hier mal das Video der Stadt Krefeld zur Eröffnung eingestellt, dort gibt es auch Infos über die weiteren Teilstücke.

Das Radfahren auf dem schon fertigen Stück ist auf jeden Fall klasse, und auch die ganz eigenen Ausblicke, die man dort vorher so nicht hatte, sind spannend. Hier spiegelt sich zum Beispiel die aufgehende Sonne im Übungshaus an der neuen Feuer- und Rettungswache.

Apropos Sonnenaufgang, nach der Abfahrt von der Promenade habe ich noch einen kurzen Schlenker durch den Schönwasserpark gemacht, dort ging die Sonne dann wunderbar über dem See auf. Krefeld hat schon wirklich wundervolle Ecken und Momente.

Wenn ich in meinen 13 Jahren Krefeld eines gelernt habe, dann das die Krefelderin oder der Krefelder gern und episch diskutiert und noch lieber motzt ;). Das ist sicherlich eine nicht ganz saubere Pauschalisierung, aber es ist schon was dran, so richtig richtig machen kann man es in dieser Stadt nicht wirklich. Seit jetzt etwa drei Wochen haben wir auf der Sankt-Anton-Straße einen sogenannten Pop-Up Radweg. Es sind ein paar hundert Meter auf denen jeweils eine Fahrspur nur für Radfahrende eingerichtet worden ist. Ihr könnt Euch vorstellen, was in den Social Medias los war, als es dort plötzlich zu Stau kam. Wie man als Autofahrer, und ich bin selbst leidenschaftlicher Autofahrer, nach drei Wochen immer noch jeden Morgen in den gleichen Stau fahren kann ist mir ein Rätsel. Entweder steige ich wirklich mal probeweise aufs Bike um, oder, wenn das aus welchen Gründen auch immer, nicht geht, nehme ich doch ne Alternativroute, oder? Nun ja, ich als Radler finde diesen Weg auf jeden Fall ziemlich klasse und radel ihn ganz gern. Eine interessant zu lesende Position nimmt auch ein Krefelder Journalist auf seinem Blog dazu ein, schaut mal hier bei Sven Schalljo.

Nun ja, mein Weg führte mich dann durch den Stadtgarten langsam aus der Stadt hinaus. Immer noch waren die Temperaturen sehr angenehm, auch wenn die Sonne langsam an Kraft gewann. An der Peter-Lauten-Straße warnt ein Schild vor einem gefräßigen Monster…

…und genauso sieht die Bestie auch aus. Gut, dass es einen Elektrozaun gibt 😉 . Übrigens hat das Pferd sich während der ganze Zeit meines Anhaltens, Absteigens, Kamera rausholens und fotografierens keinen Zentimeter bewegt.

Der nächste kurze Stopp fand dann schon „auf dem Land“ statt. Über die Alte Kempener Landstraße ging es in Richtung Kempen. Dort gibt es einen Vogelturm. Von 1925 bis 2001 diente dieses Bauwerk der Stromversorgung der umliegenden Höfe, als diese Funktion überflüssig wurde, haben die Stadtwerke Krefeld, der NABU und die Stadt Krefeld aus dem Turm einen Vogelturm mit Nistplätzen gemacht. Feine Sache. Da mal ein bisschen zu gucken kann durchaus interessant sein.

Da die Sonne jetzt so langsam höher stieg, habe ich mich dann zum ersten Mal eingecremt, es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.

Ich habe es bei der einen oder anderen Tour schon mal geschrieben, dass es mittlerweile an immer mehr Feldern Blühstreifen gibt finde ich wirklich klasse. Zum einen ist es für die Insekten sicher eine Bereicherung, aber auch für uns Menschen macht das optisch durchaus was her, besonders wenn es, wie in diesem Fall, Sonnenblumen sind. Ganz kurz vor Kempen standen etliche davon am Wegesrand.

Kempen an sich ist ja immer einen Besuch wert, die wunderbare Altstadt, die vielen Restaurants, das Kino…da ich aber ja noch viel Weg vor mir hatte, ging es fix an der Mühle von 1481 vorbei und wieder raus aus der Stadt.

An Ziegelheide vorbei war das nächste Ziel die Niers. Quer durch die Felder wurde es zunehmend wärmer, aber immer noch ganz gut zu fahren. Einen kurzen Stopp gab es am Vorster Feld mit Blick auf den Fluss. Danach ging es wieder in den Sattel und nach Wachtendonk.

Kurz hinter dem Ortskern von Wachtendonk liegt die „Niersfähre“, eine kleine, handbetriebene Fähre über die Niers. Mit einem Kurbelrad holt man die Fähre und bewegt sich dann auch so über den Fluss.

Vorbei an Haus Ingenraedt steuerte ich meinen nächsten Stopp an. Die Langdorfer Straße läuft auf eine wunderbare Bank direkt unter einem riesigen Baum zu. Dort zu sitzen und ein bisschen was zu trinken und auf die Geräusche aus dem Baum zu lauschen. Auf Komoot wird die Bank als Radhighlight gelistet, durchaus zu Recht.

Langsam wurde es dann doch heiß, aber es waren ja noch ein paar Kilometer ;). Weiter zwischen Feldern und über Wirtschaftswege und einsame Landstraßen ging es nach Straelen. Als Logo hat sich die Stadt ein großes, grünes Sofa gewählt und den Slogan „Alles im grünen Bereich“ genutzt. Ganz witzig ist es da, dass dieses Sofa auch vor dem Rathaus steht.

Ganz schön platziert, direkt gegenüber, steht ein „Alltagsmensch“ der Künstlerin Christel Lechner, ein Fotograf, welcher das grüne Sofa in den Sucher nimmt. Nette Idee. Das er Karo trägt ist natürlich perfekt.

Nächstes Ziel – die deutsch-niederländische Grenze. Zwischen Feldern ging es weiter, mittlerweile war ich dann doch dankbar über jeden Schatten den ich finden konnte. Auf den Feldwegen sehnte ich mir dann immer den nächsten Abschnitt mit Bäumen herbei. Die Temperaturen fielen dort immer deutlich ab.

Die Landwirte pumpten auch Liter um Liter um Liter Wasser auf ihre Felder. Das ist übrigens noch schöner als Schatten durch Bäume, ab und an mal unter einem Bewässerungsstrahl durchradeln. Das hat was.

Direkt hinter der Grenze taucht man ein in das wunderbare Leeremarksche Heide Gebiet. Tolle Waldwege, und viele Bäume machten das radeln, zumal bei den aktuellen Temperaturen, wirklich zu einem Genuss.

An den bekannten Gärten in Arcen vorbei war mein Ziel die Maas. Die Schlossgärten und das Schloss an sich lohnen einen Besuch, überhaupt ist Arcen ein schönes Städtchen direkt am Fluss.

Ein wenig vor den Toren der Stadt quert eine Fähre die Maas. In dieser Region gibt es einige Fähren, manchen sind nur Personen- und Radlerfähren, andere können auch Autos übersetzen. Die in Broekhuizen ist auch bei Autos gut aufgestellt.

Eine sanfte Briese wehte an der Maas, während der Überfahrt konnte man ein bisschen Schiffe gucken. Überhaupt ist es hier zwischen Arcen und Bergen wirklich traumhaft schön. Flache Dünen, Tiere, der Fluss, hier zu radeln lohnt sich auf jeden Fall.

Das das Fahrradfahren in der Niederlanden einen anderen Stellenwert hat als in Deutschland ist ja wahrlich kein Geheimnis. Es ist dort viel mehr in den Alltag eingebunden als bei uns. Deshalb gibt es oft Radwege mit einer baulichen Trennung von der Fahrbahn für Autos, da wo es das nicht gibt, überwiegt meist die gegenseitige Rücksichtnahme. Das funktioniert tatsächlich sehr gut, übrigens in beide Richtungen. Ich selbst empfinde es immer wieder als Genuss dort zu radeln.

Kurz vor Venray bekam man als Radfahrer dann wieder einen eigenen Radweg nur für sich, übrigens ist er im weiteren Verlauf auf beiden Seiten eng mit Bäumen bestanden, die Oberfläche allerdings ist Topfeben, es geht also durchaus. Hier käme wohl niemand auf die Idee, die Bäume wegen eines Radweges abzusägen.

Je näher man Venray und der Region rund um Overloon kommt, umso mehr realisiert man, dass das schöne, bewaldete friedliche Gebiet nicht immer so friedlich gewesen ist. Im September und Oktober 1944 fand hier eine erbitterte Schlacht zwischen alliierten Kräften und der Wehrmacht statt. Um das Dorf Overloon wurde erbittert gekämpft. Kurz vor Venray steht dieses Denkmal, welches an die Soldaten des 1. Battalion Royal Norfolk Regiment erinnert. Einen Moment innehalten und die Inschriften lesen ist notwendig um zu verstehen, auf was für Boden man sich bewegt.

Durch die Dünen rund um Overloon radelt man dann auf das Museum zu. Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust, zum einen das Herz eine technikbegeisterten Menschen, der die Entwicklungen und Erfindungen welche im Bereich Kriegsgerät, gerade auch in der Fliegerei, im Zweiten Weltkrieg gemacht wurden, absolut beeindruckend findet und zum anderen das Herz eines friedensliebenden Menschen, der die Kriegserzählungen seiner Oma im Ohr hat und nie einen Krieg erleben will. Die Faszination des Grauens und der Appell, darauf zu achten, das Krieg in einem Museum bleibt, das ist es, was solche Orte ausstrahlen. Jedenfalls für mich. Der Slogan des Museums ist dann auch „Krieg gehört ins Museum“. An einem russischen Panzer im Außenbereich vorbei fährt man dann über die neue Fahrradbrücke tatsächlich durch das Museum hindurch. Eine wirklich gelungene Aktion.

Lohnenswert. Da das Museum ja mein Hauptziel war, gab es dort natürlich eine längere Pause. Die original niederländischen Fritten, der Kibbeling und zwei eiskalte Cokes waren jetzt genau das richtige Mittel der Wahl.

Nach der Stärkung ging es weiter, so langsam startete der Rückweg. Ich wollte noch einen Bogen über Bergen und den Airport Weeze machen und fuhr deshalb in Richtung Osten aus dem Ort. Einen letzten Moment des Innehaltens gab es dann noch am Overlooner Soldatenfriedhof. Es bedrückt, wenn man die vielen Namen und die Todesdaten sieht, so viele junge Menschen….

Kurz vor Nieuw Bergen stand ich erneut an der Maas und wartete auf eine Fähre. Mit 80 Cent war die überfahrt sogar noch mal 40 Cent günstiger als auf der ersten Flusskreuzung, ging aber genauso fix und unkompliziert.

Mittlerweile war es richtig heiß, das merkte man besonders dann, wenn sich kein Schatten fand und man über heißen Asphalt rollte. Kurz vor dem Flughafen in Weeze flimmerte die Luft über der Straße und so langsam kippte meine gute Laune ein wenig ;).

Am Flughafen habe ich mich dann in den Schatten eines ehemaligen Bunkers der Royal Air Force gesetzt und ein bisschen Flugzeuge geguckt. Es ist in Corona-Zeiten immer noch recht wenig los und in Weeze ja eh meist sehr Ryanair-lastig, aber immerhin gab es ein Flugzeug zu sehen. Wärmer kann es am Zielort auch nicht gewesen sein.

Die Fliegerei hinter sich hat aber wohl dieses Exemplar, es dient der Flughafenfeuerwehr zu Trainingszwecken. Das hätten sich die Erbauer des eleganten Businessjets sicher auch nicht träumen lassen.

Vom Flughafengelände runter ging es rechts rum in Richtung Twisteden. Dort liegt der Freizeitpark Irrland und eine wirklich schön restaurierte Mühle. Letztere beherbergt heute einige Ferienwohnungen. Stelle ich mir wirklich schön vor, in so einer Mühle zu wohnen.

Für den weiteren Rückweg war ich dann schrecklich unkreativ. Ich weiß, dass es zurück nach Krefeld viele schöne Wege gibt, ich wollte aber einfach aus der Hitze raus 😉 und bin, ganz langweilig, an der B9 entlanggeradelt. Über Geldern, Kerken und Aldekerk in Richtung Tönisberg. Das war recht anstrengend, mittlerweile gab es auch einen leichten Gegenwind, der aber keine Abkühlung brachte. Nun ja, selbst gewähltes Leid 😉

In Aldekerk war ich versucht den Zug für den restlichen Weg zu nehmen. Der Niersexpress fährt ja von dort direkt bis Krefeld. Aber andererseits, ich war soweit gekommen, die letzten 20, 30 Kilometer werden doch wohl zu schaffen sein.

Also wieder aufs Rad und weiter. Eine kleine Belohnung habe ich mir aber dann in Hüls abgeholt, ohne ein Eis kann man bei so einem Wetter ja auch nicht ernsthaft durch Hüls radeln, oder? Also gab es zwei Kugeln und dann nahm ich den Rest Weg unter die Reifen.

Was soll ich sagen, klebrig, fertig und nass geschwitzt kam ich nach 145 Kilometern wieder zu Hause an, ein bisschen stolz war ich dann schon, habe aber auch erkannt, zumal bei dem Wetter, mehr geht aktuell nicht. Es war eine aufregende, tolle Runde, bei ich am Ende aber auch froh war, wieder daheim zu sein.

Wie so oft habe ich wieder einen Relive Clip für Euch und hoffe, Euch haben die Eindrücke ein wenig gefallen. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit in die Kommentare.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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