Hallo ihr Lieben,
es gibt Dinge, die sind irgendwie mehr als die Summe ihrer Teile. Der Krefelder „Schluff“ ist definitiv ein solches „Ding“. Der historische Dampfzug ist Teil der Krefelder Identität, ähnlich wie das Seidenweber-Denkmal „Ponzelar“ in der Innenstadt oder die Drehbrücke im Rheinhafen. Und so verwundert es nicht, dass die Stadtgesellschaft kollektiv zusammenzuckte, als die Nachricht „Der Schluff fährt ab der nächsten Saison nicht mehr, aus dem „rollenden Denkmal“ wird ein ruhendes.“ die Runde machte. Laut den Stadtwerken, die den Zug zusammen mit einem engagierten Verein betreiben, wird der Unterhalt und die notwendige Streckensanierung zu teuer. Seitdem brodelt es und zwar nicht nur im Kessel der Lok. Schauen wir mal, ob da schon das finale Wort gesprochen ist.
Manchmal schreibt das Leben interessante Geschichten. Eine Freundin hatte vor einiger Zeit mal den Wunsch geäußert, doch mal mit dem Schluff zu fahren, ein Punkt auf der eigenen Bucket-List, der noch nicht abgehakt worden ist. Also haben wir, lange vor der Pressemitteilung der Stadtwerke, Tickets gebucht. Keine schlechte Idee, heute waren die Online-Tickets ausverkauft und der Andrang an den Bahnhöfen war groß.
Wenn ihr Lust habt, nehme ich euch mit Auf die Tour von Sankt Tönis zum Hülser Berg und zurück. Die allermeisten Bilder sind von heute, einige vom vergangenen Sonntag (klar, die während der Fahrt von Außen sind natürlich nicht von heute, soooo langsam fährt der Schluff dann auch wieder nicht) und ein, zwei andere stammen aus den letzten Jahren. Also, auf geht es, unbezahlt und unbeauftragt. Ich war früh in Sankt Tönis….und zwar allein.

Es füllte sich aber ziemlich schnell und so stand der Bahnsteig voll mit Menschen, die die Nachrichten gelesen und gehört hatten und jetzt auf jeden Fall nochmal „schluffen“ wollten. Die Lokomotive, Graf Bismarck heißt sie und ist Baujahr 1947, fährt immer Tender voraus von den Stadtwerken nach Sankt Tönis.

Dort setzt sie dann um, und sich an die Spitze des Zuges.

Das Team des Vereins „Schluff und historische Verkehrsmittel Krefeld“ ist nicht nur sehr engagiert, die Menschen rund um den Zug sind auch super freundlich, zugewandt und hilfsbereit.

Und so wurde geholfen beim Einsteigen, Fahrkarten wurden verkauft und Fahrräder in die beiden Radwagen verladen. Die Stimmung war gut, auch wenn die Infos rund um die Einstellung des Verkehrs natürlich an vielen Stellen Thema waren.


Und dann zuckelten wir los. Aus Sankt Tönis hinaus führt die Strecke nach Krefeld. Die Wagen sind gemütlich, es gibt einen Bistrowagen mit kleinen Snacks und Getränken und auch dort trafen wir auf zugewandte und nette Menschen.


Es waren, wohl auch durch die Nachrichten der letzten Tage, etliche Trainspotter und Fotografen entlang der Strecke und etliche haben sich auch ein Ticket gekauft. Und so wurde gefilmt, geknipst und gefachsimpelt.

Immer wieder beeindruckend, wenn die Dampflok die Sankt-Anton-Straße kreuzt und der Verkehr zum erliegen kommt, aber alle aus ihren Autos freundlich winken.

Der Nordbahnhof mitten in Krefeld war dann auch der Ort, an dem die meisten Fahrgäste eingestiegen sind.

Dort gibt es neben einem Restaurant auch eine Brauerei, die das „Schlüffken“ braut. Welche Museumseisenbahn hat schon ihr eigens Bier? Schon cool, oder?


Nach einem kurzen Halt ging es weiter und die Lokomotive setzte sich schnaufend wieder in Bewegung. Nach einer langgezogenen Kurve war der Krefelder Stadtteil Hüls das nächste Ziel.

Nach einer guten Stunde rollten wir auf den Endbahnhof „Hülser Berg“ zu. Nach der Haltestelle „Hüls“ geht es fast nur noch durch den Wald des Hülser Bruchs, ab und an öffnen sich auch mal Blickachsen auf Felder. Einfach herrlich.



Charmant und immer mit einer Info oder einem flotten Spruch auf den Lippen wurden die Fahrkarten kontrolliert und dann waren wir auch schon am Zielbahnhof.

Am Hülser Berg passiert im Grunde das gleiche wie in Sankt Tönis, die Lokomotive muss umsetzen. Den Rückweg tritt sie Tender voraus an. Das Umsetzen ermöglich für die Eisenbahnfans natürlich tolle Fotomotive.

Und, wie schon gesagt, es war heute richtig voll und alle wollten die Lokomotive sehen.

…es gab einige Fotos und Reels von der Tour, da bin ich sicher.





Nach guten zwanzig Minuten Aufenthalt ging es wieder zurück nach Sankt Tönis. Nicht ohne ein kleines Souvenir zu besorgen und die Fahrt zu genießen.

Der Schluff fährt ab dem 1. Mai jeden Sonntag drei Mal zum Hülser Berg und zurück. Bei meiner Tour heute, fand nur die erste Runde mit der Dampflok statt. Sie wurde dann vom Zug genommen und in ihre Garage gefahren, eine Diesellokomotive der Krefelder Hafenbahn half für die letzten beiden Touren aus.

So ergab sich am Betriebshof der Stadtwerke nochmal die Chance, die Lokomotive in Aktion zu fotografieren und ihre Vertretung gleich mit.


Die MaK Lokomotive fuhr dann in Richtung Sankt Tönis um den Schluff einzusammeln.

Und auch diese Fahrten kamen bei den Leuten gut an, als ich Fotos am Hülser Berg gemacht habe, wurde auf jeden Fall heftig gewunken. Obwohl natürlich eine Dampflok immer noch eine Dampflok ist 😉 .


Wobei ich sagen muss, auf der Rückfahrt sieht die Diesellok sogar besser aus als die Dampflok „Tender voraus“ 😉 .

Aber es ist schon so, wenn wir hier in Krefeld das Wort „Schluff“ hören, dann haben wir die Dampflok im Sinn, wir hören den schrillen Pfiff und wir erinnern uns an Kindheitserinnerungen, Hochzeiten, Betriebsausflüge und viele, viele Fotos dieses rollenden Denkmals.

Was bleibt vom Tag? Die Erkenntnis, dass wir in Krefeld einen echten Schatz haben, einen Schatz, der eben dann doch mehr ist als die Summe seiner Teile. Wir haben einen Zug, der Hobby und Leidenschaft für viele engagierten Vereinsmitglieder ist und wir haben ein Gerät, welches Kinderlachen erzeugt, Erwachsene stehen bleiben lässt und mich heute so oft zum zurückwinken von Menschen an der Strecke gebracht hat, dass ich ein bisschen einen lahmen Arm habe. Vielen Dank an alle Beteiligten für einen wirklich schönen Tag und vielleicht kommt es ja doch noch anders als es ein Blick in die heutige Sonntagszeitung vermuten lässt – es wäre dem Schluff und seiner Stadt zu wünschen.

Ich hoffe, die Einblicke haben Euch gefallen. Wenn ihr auch mal mit dem Schluff fahren wollt, Tickets gibt es auf der Webseite, schaut mal rein und nutzt das Angebot, es kann der Sache nur dienlich sein. WEBSEITE.
Ansonsten passt auf Euch auf, seid nett zu Euren Mitmenschen und habt eine gute Zeit.
Euer Martin