Hallo ihr Lieben,
kennt ihr das Gefühl von Traditionen? Also Dinge, die ihr immer wieder macht? Vielleicht weil ihr etwas damit verbindet, vielleicht weil es euch wichtig ist, oder vielleicht auch nur, weil ihr Spaß dran habt? In meinem Leben gibt es die ein oder andere Tradition, heute nehme ich euch, unbezahlt und unbeauftragt, mal mit in den Hunsrück und ein Stückweit in meine Kindheit. Ach ja, das wird wieder so ein Beitrag mit vielen Flugzeugen, wenn das also nicht so Euer Thema ist, vielleicht trotzdem mal rein gucken und dann vielleicht zum nächsten Beitrag wiederkommen, da geht es wieder um eine Radtour und, kleiner Spoiler, Bäume 😉 .
Jetzt aber ab nach Hermeskeil. Wenn ich als Kind mit meinen Eltern im Hunsrück Urlaub gemacht habe, was ich euch übrigens echt empfehlen kann, die Landschaft dort ist wunderschön, waren wir immer einmal im Flugzeugmuseum in Hermeskeil. Für mich als kleiner „Aviatikgeek“ jedes Mal ein Highlight. Offiziell heißt das Museum „Flugausstellung Peter Junior“ und es ist ein privates Museum. Umso beeindruckender, was man dort alles entdecken kann. Ein bisschen nehme ich euch heute mit. Die Ausstellung hat jedes Jahr von April bis Oktober geöffnet und ich versuche möglichst immer, deshalb sprach ich zu Beginn von Tradition, im April einmal dort zu sein. Irgendwie macht es was mit mir, schon wenn man am Eingang die Concorde stehen sieht.

Obwohl in den Farben des Prototyps lackiert, ist der Flieger ein Mock-Up, also ein Nachbau des Überschalljets. Sie ist auch ein wenig breiter als das Original, sie beherbergt nämlich das Museumscafé 😉 . Wenn ihr euch das Foto anschaut, schaut mal über dem Lufthansa-Schlepper, da erkennt man schon ein großes Propellerflugzeug. Merkt euch das mal, da komme ich gleich noch zu, ist nen ziemlich spezieller Flieger.
Das Museum hat vier große Hallen und einen Außenbereich. Fangen wir mal an der frischen Luft an. Eine VC-10 fällt direkt ins Auge, das große Flugzeug hat eine faszinierende Geschichte, flog schon für BOAC und British Airways, zuletzt für United Arab Emirates. Könnte sie sprechen, sie hätte wohl eine Menge spannende Geschichten zu erzählen.

Ein Blick ins Cockpit ist möglich und lässt erahnen, wie intensiv die Arbeit in einem Drei-Mann-Cockpit in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts gewesen sein muss, lange bevor es Methoden wie das Crew-Resource-Management und eine starke Automatisierung gab.



Faszinierend. Generell steht der Hof voll von echten Klassikern und Flugzeugen, die Geschichte schrieben. Die DC-3, beziehungsweise C-47 in ihrer militärischen Variante gehört natürlich auch dazu. Ich bin ganz happy, dass ich vor ein paar Jahren die Chance hatte, mit einer DC-3 einen Rundflug machen zu können. Da fühlt sich Fliegen nochmal ganz anders an. Wenn ihr Lust habt, schaut mal HIER, ich hatte da damals auch zu gebloggt.


Flugzeuge aus der Zeit des Kalten Krieges gibt es eine Menge zu entdecken, eine BAC Lightning der Royal Air Force zum Beispiel. Ein Flugzeug, dass ich leider nicht mehr Live im Einsatz gesehen habe. Die Bauweise der zwei Triebwerksauslässe, die übereinander liegen, ist schon ungewöhnlich gewesen.

Ich bin jetzt Mitte/Ende Vierzig und interessiere mich seit etwa 40 Jahren für die Fliegerei. Wem das ähnlich geht, wird wohl die Namen Viggen, Starfigther, Mirage, Sabre, Delta Dagger, Fouga Magister, Comet, Dove und ähnlich klingende Bezeichnungen kennen und mit der Zunge schnalzen. Sich im Außengelände umzuschauen ist wie eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Was da heute im Museum steht habe ich, zusammen mit meinem Papa, an den Zäunen und Einflugschneisen dieser Welt noch in Aktion gesehen.

Auch ein Grund, warum ich jedes Jahr mindestens einmal dort bin, es verbindet mich immer irgendwie mit meinem viel zu früh verstorbenen Vater. Es wäre schön, man könnte zusammen hier entlang flanieren, fachsimplen und in Erinnerungen schwelgen.


Neben den westlichen Flugzeugen sind im Museum auch viele kalte Krieger der anderen Seite des Eisernen Vorhangs zu finden.


Die Mil Mi 6 zum Beispiel beeindruckt sehr. Der Hubschrauber ist riesig, flog für die Aeroflot und wurde oft als Transporter und als „Kran“ benutzt. Auch bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kam dieser Typ zum Einsatz.


Was mir in diesem Jahr zum ersten Mal aufgefallen ist, viele Exponate sind eingezäunt. Das ist schade, vorallem dann, wenn man den Grund dafür kennt. Irgendwelche, verzeiht den Ausdruck, Arsc*löch*er haben immer wieder auf dem Gelände Vandalismus betrieben, Dinge abgebrochen oder sonst wie beschädigt. Sowas regt mich wirklich auf. Spinner, die Aufkleber auf die Exponate kleben, Pitotrohre abbrechen oder sonst irgendeine Schei*e veranstalten braucht wirklich niemand. Schaut euch mal diesen Artikel des SWR HIER an.

Werden wir nochmal zivil, diese Tupolev TU 134 in den Farben der Interflug der DDR ist auch ein Highlight finde ich. Das Design der Hecktriebwerke mag ich eh. Sieht man heute kaum noch, aber VC-10, Tupolev TU-154, Boeing 727, Bac-OneEleven, die MD-Serie von McDonnell Douglas oder eben die TU-134 sind schon echt schöne Flugzeuge.

Die Tu habe ich noch fliegen sehen, vor allem aber fliegen hören. Die Flugzeuge dieser Zeit haben noch echte Geräusche gemacht, wenn sie donnernd und qualmend die Startbahnen heruntergerast sind. Die Flüstertriebwerke heutiger Airbus-, Embraer- oder Boeing-Modelle kann man damit nicht mehr vergleichen. Vor meiner aktiven Zeit war die Vickers Viscount auf den Flughäfen unterwegs.

Die Iljuschin Il-18 habe ich tatsächlich noch fliegen sehen, ich meine es gab mal einen Hilfsflug über Düsseldorf, bei dem eine Il-18 zum Einsatz kam.

Erinnert ihr euch an das erste Bild und meinen Hinweis auf das besondere Flugzeug? Es geht um die Lockheed L1049G mit der Registrierung D-ALIN.

Mit dieser Maschine ist Bundeskanzler Konrad Adenauer 1955 nach Moskau geflogen und hat über das Schicksal der verbleibenden Kriegsgefangenen verhandelt – erfolgreich, wie wir heute wissen. Das Stück Geschichte ging nach der Außerdienststellung erst nach Hamburg, war da eine Weile ausgestellt, bevor das Flugzeug schließlich in Hermeskeil ankam.


Die Firma „Breitling“ hatte vor einer Weile mal eine flugfähige Constellation zu Airshows gebracht, ein solches Flugzeug im Flug zu erleben war schon ein besonderes Erlebnis. Nun ja, gut, dass man zumindest einige in Museum bestaunen kann.
In den Hallen könnte man sich stundenlang aufhalten, es gibt unzählige Dinge zu entdecken. Auch dort finden sich komplette Flugzeuge, Legenden wie die JU 52 zum Beispiel.

Oder eine Antonov, Hubschrauber wie die BO-105 oder UH-1D oder MiGs.



Aber es gibt auch Risszeichnungen, Modelle, Helme, Schleudersitze, Zeitungsausschnitte oder Triebwerke zu bestaunen und zu entdecken. Wer sich für Technik begeistert, läuft Gefahr hier zu versacken.






Gerade die Triebwerke sind beeindruckend. Allein die Unterschiede zwischen einem Aggregat welches unter einer Boeing 707 hängt und dem einer Boeing 747 ist faszinierend.


Also liebe Leute, wenn ihr mal in der Ecke seid, schaut euch dieses Museum an. Jeder Euro ist da sicher gut aufgehoben und mit 15 Euro Eintritt für Erwachsene ist der Preis völlig OK, finde ich. Montags ist geschlossen, ansonsten immer von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Alle Infos findet ihr auf der WEBSEITE des Museums.
Mit einem letzten Blick zurück habe ich vom Museum und der eigenen Vergangenheit verabschiedet…

Ganz in der Nähe liegt der Flughafen Hahn, eine ehemalige Airbase der US-Luftwaffe, die heute als Passagier- und Frachtairport genutzt wird. Nach den vielen stillen Zeugen der Luftfahrt, habe ich mir noch ein wenig Kerosinduft und Triebwerksgeräusche gegönnt.


Spannend, wenn man wenige Stunden vorher noch tief in der Historie unterwegs war und erlebt, wie routiniert, sicher und professionell heute geflogen wird.


Und doch – von der Faszination hat die Fliegerei für mich nichts verloren. Immer noch stehe ich heute an Flughäfen und schaue begeistert den Flugzeugen hinterher, lasse mich einfangen von Technik, Flair und Fernweh.

Und damit ist dieser Flugzeugbeitrag auch schon wieder vorbei. Ich hoffe, es hat euch gefallen und vielleicht fahrt ihr ja auch mal in Hermeskeil rum, ich finde, es lohnt sich. Habt eine gute Zeit, bleibt gesund und munter und seid nett zu euren Mitmenschen.
Euer Martin