Karsamstag auf dem Rad – Von Duisburg nach Krefeld

Hallo zusammen,

die Tage rund um Ostern habe ich genutzt um einige schöne Radtouren zu machen. Karfreitag ging es von Duisburg nach Dortmund, wenn ihr mögt, lest gern mal HIER nach, am Karsamstag führte mich mein Weg von Duisburg nach Krefeld. Wenn ihr Lust habt, nehme ich euch gern wieder, unbezahlt und unbeauftragt, mit auf Tour.

Los ging es mit der Bahn in Krefeld am Hauptbahnhof. Generell finde ich die ÖPNV Anbindungen ab Krefeld ziemlich gut. Ich bin früh am Morgen aufgebrochen.

Ich erlebe „die Bahn“, also die vielen Eisenbahnunternehmen die in Deutschland den ÖPNV übernehmen, als deutlich besser als ihr Ruf. Auf der Fernstecke hatte ich mit dem Rad bislang nur Ärger, im Nah- und Regionalverkehr klappte es in 99 Prozent meiner Touren genau wie geplant. Da kann man auch ruhig mal eine Lanze für die Bahn brechen. An diesem Samstag bot das Unternehmen DB-Regio sogar Zeitreisen an, zumindest wenn man dem Display im Zug glauben schenken wollte 😉 .

Leider habe ich den Zeitsprung verpasst, ich bin nämlich eine Station vorher ausgestiegen. Duisburg Hochfeld-Süd. Falls ihr das auch mal machen wollt, kurze Info, der Haltepunkt hat keinen Aufzug.

Ganz nah an der Bahnstation beginnt der Rheinpark. Das ehemalige, etwa 60 Hektar große, Industrieareal wurde zum Naherholungspark umgebaut. Es gibt durchaus ruhige Ecken, aber auch eine Skaterbahn und Gastro. Besonders markant dürften die verbleibenden Industrieruinen sein, die die Leinwände für teils richtig starke Streetarts bilden.

Generell wird es in diesem Beitrag einige Bilder dieser Kunstform zu sehen geben, ihr wisst ja, ich stehe drauf 😉 .

Noch recht frisch ist dieses, hm, Logo? Es zeigt Schlägel und Eisen als Zeichen für den Bergbau und in der Mitte die, mittlerweile, ikonischen Türme der Duisburger Stadtwerke.

Auf der Website der Stadt Duisburg findet sich ein kleiner Imagefilm über den Rheinpark, wenn ihr mal schauen wollt, einfach klicken. Über die Legalität der Copteraufnahmen in Rheinnähe schweige ich mich mal aus, das ist sicher alles abgeklärt 😉 .

Auf dem Rhein tuckerte ein Schiff von Gefo Gas vorbei, neulich hatte ich eines der Schiffe dieser Reederei auf einem der Kanäle der Region fotografiert. Dieses hier trägt den Namen „Schloss Versailles“.

Vom Rheinpark führte mich mein Weg mitten durchs, um diese Zeit völlig verschlafene, Rotlichtviertel weiter in Richtung Stadtwerketurm.

Eben noch als stilisiertes Logo gesehen, erheben sich die Türme der Stadtwerke in den Himmel. Beziehungsweise das Gerüst der Türme. Das dazugehörige Heizkraftwerk wird gerade abgerissen, der Turm steht unter Denkmalschutz und soll wohl erhalten bleiben.

Neuenkamp war das nächste Ziel. Ihr wisst ja, ich mag Industrieanlagen und dieses Hafenflair. Das hat man rund um den größten Binnenhafen Europas natürlich an vielen Stellen.

Ich hab ja vorhin schon geschrieben dass es jede Menge Streetart zu sehen gibt. An der Straße „Am Deichtor“ findet man dieses bunte Gebäude, auf jeden Fall ist es einen Besuch wert. Es gibt so viel zu entdecken.

Zum Beispiel auch ein Bild mit dem „Rheinorange“ drauf. Diese Skulptur steht ganz in der Nähe an der Ruhrmündung in den Rhein. Sie sieht aus wie eine glühende Bramme, also ein Stahlrohling, und ist dank ihres Namens dann auch noch ein Wortspiel. Der Farbton ist offiziell der Farbton RAL 2004 – Reinorange.

An der Großbaustelle „A40 Brücke“ vorbei ging es in Richtung Ruhrmündung.

Hohle Pfosten gibt es ganz offenbar auch in Duisburg….

Eben noch als Streetart auf einer Wand, jetzt in echt an der Mündung der Ruhr in den Rhein. Die Skulptur „Rheinorange“.

Die Ruhr und der Hafenkanal werden von einem Brückenzug überspannt, die Oberbürgermeister Karl Lehr Brücke ist davon sicher die markanteste. Da sie in die Jahre gekommen ist, wir gerade eine neue Brücke errichtet, die Bögen davon werden an Land gefertigt und sind gut einsehbar. Schon faszinierend, das zu beobachten.

Ich bin aber noch, ganz regulär, über die Karl-Lehr Brücke gefahren.

Kurz hinter dem Brückenzug befindet sich das Haus Ruhrort. Der Bau diente einst als Verwaltung in der Montanindustrie und ist aus dem Jahr 1922. Auch das Finanzamt und das Lokalradio waren hier schon untergebracht. Aktuell befindet sich hier eine Augenklinik. Ich bin ja gebürtiger Duisburger, den Namen „Haus Ruhrort“ kannte ich gar nicht, im Volksmund heißt das Gebäude „Tausendfensterhaus „, auch wenn es in Wirklichkeit nur knapp halb so viele Fenster sind 😉 .

Parallel zu einer aktiven Bahntrasse ging es auf einer ehemaligen Strecke in Richtung Untermeiderich weiter. Duisburg ist dann an vielen Stellen eben doch viel grüner als man glaubt.

Kurz vor der Vohwinkelstraße gibt es immer wieder, teils spektakuläre, Streetart zu bewundern. Immer wenn ich in der Ecke bin, fahre ich dort entlang. Das faszinierende, aber manchmal auch traurige, an Streetart finde ich ja die Vergänglichkeit. Entweder durch Idioten die ihre Tags drübersprayen oder durch andere Künstlerinnen und Künstler, oder sogar durch die Erstellenden selbst – Streetart verschwindet oftmals schnell wieder. So ist es auch im Duisburger „Graffiti-Tunnel“, so bezeichnet Google Maps die Brücke dort. Unlängst noch starke Harry Potter Motive gefunden, waren es dieses Mal richtig eindrucksvolle Frauenporträts.

Cool, oder? Schaut euch mal diese Augen an, ich finde das richtig eindrucksvoll. Mal sehen, wie lange diese Bilder sichtbar bleiben.

Ebenfalls beeindruckend, wenn auch auf ganz andere Art und Weise, ist der „Grüne Pfad“. Wer hier schon länger mitliest, oder selbst öfter in der Region radelt kennt diesen Radweg, welcher, Überraschung, auf einer ehemaligen Bahntrasse von Meiderich nach Oberhausen führt.

Der Radweg führt an einem DER Highlights der Industriekultur vorbei. Auf jeden Fall ist der Landschaftspark Duisburg Nord für mich eines der faszinierendsten Industriedenkmäler hier in der Region. Seit einiger Zeit ist der ehemalige Hochofen wieder begehbar und ich habe das sonnige Wetter und die Gelegenheit genutzt da mal wieder rauf zu kraxeln 😉 .

Auf dem Weg nach oben bekommt man faszinierende Einblicke in die Technik und auf vielen Erklärtafeln werden die Prozesse anschaulich dargelegt, die es braucht um Stahl zu kochen.

Und dann ist man irgendwann oben, setzt sich kurz unter ein Sauerstoffzelt 😉 (ein Hoch auf die Pollenallergie) und genießt dann den wunderbaren Ausblick über das Umland.

Faszinierend finde ich den Blick vom ehemaligen Hochofen auf die zwei aktiven Öfen in Duisburg Schwelgern.

Und das viele Grün in der Stadt, auch wenn Industrie, Infrastruktur und Gebäude natürlich in einem so dicht besiedelten Bereich durchaus auch gut zu sehen sind.

Ein Blick auf den Stadtteil Hamborn von hier oben zeigt zum einen ein altes Fördergerüst, ganz in der Nähe bin ich zur Schule gegangen, den Wasserturm und Kirchen.

Gerade die Sankt Joseph Kirche ist da durchaus markant. Als Kinder haben wir die Kirche immer „die Sprungschanze Gottes“ genannt…wenn ihr das Bild seht, wird klar, warum 😉 .

Hach ja, nach ner ganzen Weile in Erinnerungen schwelgen bin ich dann wieder vom Ofen geklettert und hab mich aufs Rad gesetzt. Vorbei an ausrangierten Eisenbahnwagen für den Transport von flüssigem Stahl ging es weiter.

Auch im Landschaftspark findet sich an der einen oder anderen Stelle Kunst in Form von Streetarts. Diese hier zum Beispiel befinden sich in der Nähe einer Skaterbahn.

Offizieller in Sachen Kunst wird es dann einige hundert Meter weiter, kurz vor einer Autobahnunterführung befindet sich „Neustadt“, ein Kunstprojekt im Rahmen des „Emscher-Kunst-Weges“. Dabei wurden Modelle bekannter Architektur(sünden) aus dem Ruhrgebiet aufgestellt. Man kann als Besucherin oder Besucher einfach ganz entspannt hindurch wandeln. Irgendwie ein tolles Gefühl.

Ich bin den „Grünen Pfad“ fast bis zum Ende durchgefahren und dann ein Stück neben der Emscher geradelt. Mein nächstes Ziel war dann der Rhein-Herne Kanal bei Oberhausen.

Als Kinder waren wir oft an der „blauen Brücke“ über den Kanal und haben Schiffe geguckt. Das gleiche habe ich dieses Mal auch gemacht. Die „blaue Brücke“ führt direkt neben Bahngleisen über den Kanal. Hinauf und hinunter führen nur Treppen und eine Schiebeschiene für Räder. Ich hab das Rad aber unter stehen lassen und bin kurz rauf gelaufen und hab, wie damals, Schiffe geschaut. 😉

Rechts verläuft ein Rad- und Spazierweg am Kanalufer entlang, den habe ich auch später genutzt um weiter zu fahren.

Die Nautilia, Baujahr 1981, tuckerte heran und unterfuhr die Brücke auf ihrem Weg in Richtung Herne.

Auf der Brücke gab es auch ein Statement zu entdecken…als Streetart würde ich es jetzt nicht bezeichnen, aber durch das Herz wird es ja schon fast liebevoll 😉

Nun ja, wie gesagt, am Kanal entlang ging es weiter in Richtung Duisburg, bzw. in Richtung Schleuse Oberhausen-Lirich.

An der Schleuse kann man die Kanalseite wechseln, das habe ich gemacht und bin weiter in Richtung Duisburg gefahren.

In Obermeiderich gib es einen kleinen Hafen, dort lag die „Rain Empress“, ein Chemikalientanker. Das Schiff ist zwar nicht sehr groß, hat aber dank spezieller Bauweise den Vorteil in Bereichen zu fahren, in denen andere Schiffe spezielle Genehmigungen brauchen. Vor dem Schiff sieht man auf dem Wasser die Wirkung einer Ölsperre. Druckluft sprudelt aus dem Boden und generiert so eine Barriere.

Ein kurzes Stück am Kanal entlang ging es weiter, dann bin ich abgebogen, habe die Ruhr überquert und bin nach Duisburg hinein gefahren.

Dort gab es ein bisschen klassisches Großstadtradeln, also mitten durch die City, Radwege neben geparkten Autos und viel Hektik. Ich mag sowas ja ganz gern mal, auch wenn man das Konzentrationslevel deutlich erhöhen muss.

Das nächste Ziel war der Sportpark Wedau. Die Regattabahn dort und die vielen Wasserflächen machen das Areal zu einem wirklich interessanten Ort. Etwas unscheinbar steht dort auch die Flamme der Universiade 1989. Das bislang einzige Mal, dass diese „Olympiade der Hochschulen“ in Deutschland stattgefunden hat, war 1989 in Duisburg. Ich weiß noch, dass wir damals Freikarten von der Schule bekommen haben und tolle Sportarten live gesehen haben. 2025 sollen die Spiele zurück in die Region Rhein-Ruhr kommen, das wird sicher klasse.

Die Regattabahn hat schon eine Menge spannender Wettkämpfe gesehen, Ruderboote aber auch die faszinierenden Drachenboote sind hier unterwegs. Wenn da was los ist, sind auch mehr Zusehende da, als bei meiner Radtour.

Quasi nebenan liegt das Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte. Durch eine kleine Siedlung bin ich dort hin gefahren. Übrigens ganz spannend, was sich manche Menschen so in den Garten stellen. 😉

Die Sechs-Seen-Platte ist herrlich, ein großes Areal mit viel Wasser und tollen Wegen. Man kann dort einfach spazieren gehen oder sich auch mal ans Wasser setzen und den lieben Gotte ne gute Frau sein lassen.

Das ich, natürlich, noch an der Station des Rettungshubschraubers Christoph 9 rumgefahren bin, ist klar, oder? 😉 . Die Unfallklinik in Buchholz beherbergt den Heli und liegt direkt an der Sechs-Seen-Platte.

Meine Tour führte mich, noch ein wenig durch das Naherholungsgebiet, weiter in Richtung Düsseldorf Angermund.

Am Tor zur Burg Angermund vorbei habe ich dann Kurs auf den Flughafen Düsseldorf genommen. Wenn ich schon mal in der Ecke bin, kann man ja auch mal schauen, was am Flughafen so los ist.

Am Naturschutzgebiet Hinkesforst vorbei ging es weiter. Ich neige ja dazu mich gelegentlich zu wiederholen, aber es ist einfach eine wirklich grüne Region hier, auch wenn sie dicht besiedelt ist und Industrie immer noch eine große Rolle spielt.

Der Stopp am Flughafen war nur kurz, dafür habe ich aber mal wieder einen Airbus A380 vor die Linse bekommen. Nach wie vor finde ich das Flugzeug nicht wirklich „schön“, durch die zwei Decks wirkt es immer ein bisschen zu kurz, aber, ich finde es beeindruckend. Das Ding ist einfach ein riesen Koffer. Hier verzögert er gerade auf der Landebahn 05L in Düsseldorf nach einem Flug aus Dubai.

Einmal am Flughafen entlang führte mich der Weg dann nach Lohausen, der Düsseldorfer Stadtteil liegt direkt am Flughafen. Unterwegs bin ich am GAT vorbei gefahren. Die Abkürzung steht für „General Aviation Terminal“, als das sehr kleine, aber sehr exklusive Terminal für die Geschäftsreise-Jets. Hier stand eine Cessna 525 der Lufthansa. Die Airline mit dem Kranich im Heck bietet aber keine super exklusiven Reisen an, der Jet gehört zur Trainingsflotte der Lufthansa.

In Lohausen habe ich eine längere Pause gemacht, wer meine Blogbeiträge aus dieser Region kennt, ahnt warum….Meteora Grill heißt die Lösung 😉

Gestärkt ging es an die letzten Kilometer bis nach Hause. Bei den letzten Touren bin ich meist über die Rheinbrücke gefahren, dieses Mal habe ich mir die Fähre von Kaiserswerth nach Langst ausgesucht. Die „Michaela 2“ hat mich dann auch sicher auf die andere Rheinseite gebracht.

Aufgrund des Passagieraufkommens und der aktuellen Energiepreise fährt die Fähre zur Zeit „nur“ zu den Winterfahrzeiten, das bedeutet, um 19 Uhr ist Schicht am Fluss.

Auf der anderen Rheinseite führt ein ganz wunderbarer Rad- und Fußweg weiter in Richtung Krefeld. Den bin ich dann gefahren, bestes Wetter, angenehme Luft, ein toller Radweg. Im Ernst, viel schöner geht es ja kaum 😉 .

Wenig später war ich in Linn, bin dieses Mal aber nicht an der Burg Linn vorbeigefahren, sondern am Greiffenhorst Schlösschen. Ein wirkliches Kleinod in einem wunderschönen Park. Wenn ihr da mal in der Nähe seid, schaut es euch mal an.

Na gut, so ganz ohne Burg Linn ging es dann doch nicht…aber nur auf der Außenseite des Burggrabens 😉 . Im Ernst, es ist schon verdammt schön hier.

Über die Radpromenade habe ich die letzten Kilometer unter die Räder genommen und eine weiterer, wirklich angenehme Tour in der Region beendet.

An den Laternen der Straße „Trift“ wurde dann auch deutlich…wir sind in der Osterzeit. Die Nachbarschaft dort ist bei solchen Dingen echt klasse. Immer wieder gibt es solche kleinen Aktionen an den Laternen, zu Weihnachten und eben jetzt zu Osten. Finde ich richtig toll.

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Ich hoffe, euch hat der Bericht gefallen, die Tour war auf jeden Fall herrlich, zumal bei dem Wetter. Viele Jugendflashbacks, interessante Ein- und Ausblicke und knappe 85 Kilometer. Schön war es. Ich habe noch einen Relive-Clip für euch und ansonsten gilt natürlich – wenn Fragen auftauchen, immer her damit 😉

Bleibt gesund und munter, achtet auf euch und eure Mitmenschen und fahrt vorsichtig 😉

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6 comments

  1. Hallo Martin,
    schöne Tour durch meine Heimatstadt.

    Der Dinosaurier steht übrigens im Vorgarten meines früheren Grundschullehres Bernd Mendorf. Meine Grundschulzeit (gleich schräg gegenüber befindet sich heute noch die Schule) liegt allerdings schon 55 Jahre hinter mir und Bernd Mendorf lebt schon lange nicht mehr.
    Beste Grüße aus Wanheim

    Hermann-Josef Hassel

  2. Hallo Martin,
    immer wieder überraschend wie abwechselungs reich deine Beiträge sind!
    Die Skaterbahn hat es mir diesesmal besonders angetan.
    Schade, dass sie von Witten aus gesehen ziemlich weit weg ist.
    Da würde ich alte Oma auch mal zu gern mit meinem BMX Rad hin.
    Schönes Wochenende und liebe Grüße Dagmar

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