Hallo zusammen,
es ist mal wieder Zeit, euch auf eine kleine Tour in die Region mitzunehmen. Heute geht es kurz über die Grenze zu den Niederlanden, nach Venlo. Keine superlange Strecke und auch auf altbekannten Wegen, aber vielleicht habt ihr ja trotzdem Lust, mich ein bisschen zu begleiten. Wie immer ist dieser Beitrag hier von niemandem beauftragt, geschweige denn bezahlt worden. Also, wollen wir?
Los ging es vergangenen Monat, genauer am 22. Juni, von Krefeld aus. Über die, ganz wunderbare, Blumenstraße führte mich der Weg in Richtung Westen. Das Sonnenblumen-Mural macht mir einfach jedes Mal wieder gute Laune.

Krefeld hat viele Vorteile, einer davon ist die Abwechslung. Mit dem Rad ist man in wenigen Minuten von Urbanität zu Industriekulisse, von Flusslandschaft zu Landwirtschaft geradelt. An Schicksbaum vorbei führte mich meine Tour zügig raus aus der Stadt in die ländlichen Teile. Und da wir hier in Krefeld nicht so aufs Geld schauen müssen, haben wir natürlich auch „Regenbogenmaschinen“ 😉 .

Kennt ihr diesen Clip noch? Ging damals viral…schaut mal hier:
Nun ja, abseits von Regenbogenmaschinen ging es weiter in Richtung Kempen, dort kam mir der RE10 entgegen. Aktuell rumpelt es ein wenig mit der Pünktlich- und Zuverlässigkeit dieses Angebotes, aber an sich ist die Strecke rauf nach Kleve eine gute Sache. Habe ich auch schon oft genutzt, klappt auch mit dem Fahrrad ganz gut.

Der Zug fährt auch am Gut Heimendahl vorbei, hält dort aber nicht. Das ist mit dem Fahrrad deutlich einfacher, eine kurze Pause zwischen den Tieren ist immer schön und es gibt auch immer was zu entdecken. Empfehlen kann ich auch die Hoffeste oder Ritterspiele dort. Das lohnt sich sehr.

Bei meinem Stopp gab es aber keine Ritter, sondern Hühner und Schafe zu sehen, ist ja auch schon was.


Über landwirschaftlich genutze Wege habe ich dann die kleine Kapelle „Sankt Peter“ erreicht. Galubt man dem Netz, gehen die Ursprünge auf das Jahr 900 zurück. Heute ist das kleine Gotteshaus ein echtes Kleinod und für mich ganz oft ein kurzes Pausenziel.

Der Radweg in Richtung Tönisvorst ist vor kurzem neu gemacht worden und, obwohl mal parallel zur Straße fährt, ist das wirklich gut geworden. Geht also durchaus, das mit der Radwegsanierung.

Wo wir aber eben beim Thema Sankt Peter ja ein stückweit im sprituellen Bereich unterwegs waren, habe ich gleich noch etwas für diejenigen, die sowas mögen. Zwischen Kempen und Grefrath findet sich ein keltisches Labyrinth. Vor einigen Jahren habe ich es, durch Zufall, bei einer Radtour entdeckt, dabei liegt es ganz offen, direkt neben der Straße.

Eingezäunt und mit einem, sehr irdisch und typisch deutschen Haftungsausschlussschild versehen, liegt es da und lädt Besucherinnen und Besucher zum Betreten ein.

Und, ganz ehrlich, auch wenn ich jetzt sicher nicht der größte Spirituelle vor dem Herrn bin, dort einen Moment zu sitzen, sich die vielen Figuren anzuschauen und einfach ein bisschen auf den Pfad zu starren….das tut schon gut.


Also, wenn ihr mal in der Nähe seid, probiert es ruhig mal aus. Wenn ihr dem Himmel zwar gern nah seid, es aber eher mit knallharter Wissenschaft und Phsyik haltet – wenige Kilometer weiter befindet sich der Flugplatz Grefrath Niershorst. Dort sind Höhenflüge genauso möglich wie der tiefe Fall. Mit dem Luftsportverein Grenzland ist das Segelfliegen ein großer Teil des Flugbetriebs dort.

Motorflüge gib es auch, dieser Flieger hier machte sich gerade auf den Weg in den hohen Norden, ich meine Bremen wäre es gewesen. Auf jeden Fall bringt das Design Farbe auf die Flugplätze.

Ja, und dann sind da noch die Menschen, die sich, ohne Not, aus einem intakten Flugzeug stürzen. Kann man machen, wäre aber nix für mich. Vor dem Tandemsprung gibt es letzten Anweisungen am Boden…

…dann geht es mit der Cessna auf eine Höhe zwischen 3.500 und 4.000 Meter…

…und dann recht fix wieder unter – ohne Flugzeug. Sagen wir es so, die Begeisterung der Menschen nach diesem Erlebnis spricht dafür, dass das eine Menge Spaß macht. Da ich aber, aktuell, eh ein paar Kilo zu schwer bin, komme ich auch nicht in Versuchung. 😉

Mit einem letzten Blick auf die Rückkehr der Schleppmaschine der Segelflieger habe ich mich dann wieder auf den Weg gemacht.

Über die Niers nach Grefrath hinein und dort gab es einen Abstecher zum Friedhof. Meine verstorbene Ex-Frau und gute Freundin Manuela liegt dort und da muss ein kurzer Stopp und ein kurzes Innehalten einfach sein, zumal an unserem Hochzeitstag. Nun ja…

Von Grefrath aus ging es bergauf in Richtung Nettetal. Oben angekommen, fällt der Blick unweigerlich auf die Stammenmühle. Vor kurzem saniert und mit neuen Flügeln ausgestattet ist sie das weithin sichtbare Wahrzeichen der Region.

Sie ist sogar überregional berühmt. Da sie auf der höchsten Erhebung zwischen Köln und London steht, wurde dort 1953 eine Relaisstation errichtet, die die erste Liveübertragung im deutschen Fernsehn ermöglichte. Es war die Krönung der Queen. Weitere spannende Infos findet ihr auf der Webseite der Mühle HIER.

Die deutsch-niederländische Grenze war das nächste Ziel. In Nettetal findet sich Kunst im öffentlichen Raum. Ich mag sowas ja. Oft genug fährt man mit dem Auto einfach an Skulpturen oder Gemälden vorbei, dabei ist es manchmal ganz spannend. Die Kaltblut-Skulptur von Peter Rübsam zum Beispiel ist irgendwie cool. Seit 2007 steht das Kunstwerk hier und mir gefällts.

Ganz in der Nähe liegt die wunderbare Seenlandschaft der Krickenbecker Seen. Die vier Seen sind durch Torfabbau entstanden und mittlerweile ein Naturschutzgebiet. Wenn ihr euch dort mal ans Seeufer setzt und ein wenig die Zeit verstreichen lasst, merkt ihr, wie viel Leben um euch herum stattfindet. Solche Biotope sind faszinierend.

Am ehemaligen Tor 9 des Nachtjäger-Stützpunktes Venlo vorbei bin ich dann in Richtung Grenze geradelt. Es tut gut, diese auch jetzt noch, einfach so überqueren zu können. Ich hoffe, und wir sollten alles dafür tun, dass wir diese uns so lieb gewonnenen Freiheiten in Europa auch weiterhin behalten werden. Nur ein kontinuierlicher Austausch mit Menschen aus allen Nationen der Welt sorgt dafür, dass wir selbst nicht am eigenen Tellerand mit dem Blick stoppen.

In dunklen Zeit war der Platz Heimat von Kampfflugzeugen der Luftwaffe und zudem ein KZ-Außenlager für Zwangarbeiter. Heute wird der PLatz friedlich genutzt, der örtliche Segelflugverien nutzt Reste des Start- und Landebahnsystems. Wenn ihr euch ein wenig im Wald drumherum umschaut, stoßt ihr immer wieder auf Ruinen und Reste der ehemaligen Nutzung.


Den Rückweg habe ich dann mit dem einen oder anderen Schweißtropfen mehr auf der Stirn unternommen. Das Hinterrad wurde zunehmend schwammig, ich hatte mir offenbar einen schleichenden Platten eingefangen. Dank eines netten Niederländers, der witzigerweiße mit einer Fußluftpumpe unterwegs war, habe ich den Reifen noch einmal voll aufgepumpt und mich dann auf den Rückweg gemacht. Zudem zogen auch noch dunkle Wolken auf….also, ab dafür.

Die Venloer Straße in Richtung Osten wird dann plötzlich sehr gerade und sehr lang 😉 .

Es hat aber am Ende alles geklappt. In Kempen musste ich noch an der geschlossenen Bahnschranke warten, der RE10 hatte Vorfahrt. Ich saß zwar „auf heißen Kohlen“ wegen meines Reifens, die zwei Trupps Feuerwehrleute in ihren HLFs hatten es aber sicher noch eiliger. Aber, was will man machen…

Die sich öffenden Schranken wirkten dann allerdings so wie das Erlöschen der Startampel bei einem Formel 1 Rennen, die Maschinisten gaben ordentlich Gas 😉 .

Mit etwas Restluft im Reifen und im Martin bin ich dann wenig später wieder in Krefeld angekommen. Ich bin ja ein großer Fan von Menschen, die Dingen „Gesichter“ geben…auf dem Ortseingangsschild hat jemand unserem Stadtheiligen, Dionysius, Augen in den Heiligenschein geklebt….sieht irgendwie witzig aus 😉 .

Na ja, auf jeden Fall war es eine schöne Tour, die am Ende knappe 79 Kilometer auf das Stadtradeln-Konto eingezahlt hat und mir wieder geziegt hat, in was für einer wundervollen Gegend ich doch leben darf.

WIe immer hoffe ich, die Einblicke haben euch gefallen, wenn ihr Fragen habt, immer her damit. Ansonsten wünsche ich euch eine gute Zeit, bleibt gesund und munter und bis zum nächsten Mal.

Euer Martin
Eine schöne Landschaft und tolle Bilder! LG Edeline