Flugzeuge ganz nah, Natur und ein Stadtfest – von Krefeld nach Köln

Hallo ihr Lieben,

ich wollte längst schon wieder was gebloggt haben, aber…ach ihr wisst schon, irgendwie ist ja immer was. Heute geht es wieder um eine Radtour, aber es geht auch um Flugzeuge und es ist nicht immer chronologisch, auf jeden Fall zu Beginn nicht und vielleicht ist es auch etwas Flugzeugexessiv, aber…ich fang mal vorne an 😉 . Wie immer ist das hier unbezahlt und unbeauftragt. Ich bin allerdings immer noch ganz beseelt vom Erlebten. Also, wenn ihr mögt, legen wir los.

Ich muss ein wenig ausholen. Das ich ein großer Aviatik-Nerd bin und Flugzeuge mich seit frühester Jugend faszinieren wisst ihr ja schon, zumindest, wenn ihr hier öfter mal reinlest. Mein Kinder- und Jugendzimmer sah so aus….und das ist nur eine der vier Wände 😉

Der Flughafen Düsseldorf hat mich im Grunde sozialisiert, mein Papa war ganz oft mit mir dort, ich bin schon so alt, damals gab es nur eine Bahn und Airlines wie die LTU flogen noch mit Mustern wie der Tristar oder der MD11 durch die Gegend. Damals halt. Nun ja, das Flugzeugvirus hatte mich erwischt und geheilt bin ich davon bis heute nicht.

Um schwerwiegende Schäden zu verhindern müssen wir Flugzeugmenschen immer mal wieder zu Flughäfen und uns Flugzeuge aus der Nähe anschauen. Der Flughafen Düsseldorf war nicht nur schon immer für mich am schnellsten zu erreichen, er hat auch, erst eine, später sogar zwei, Besucherterrassen. Ich habe bei der Lufthansa am Standort Düsseldorf ein zweiwöchiges Schulpraktikum gemacht, damals war das alles noch möglich, inkluisve Cockpitmitflug. Good old times. Nun ja, was ich sagen möchte ist, der Flughafen Düsseldorf spielte eine große Rolle in meiner Kindheit und Jugend und, ehrlicherweise, spielt er diese Rolle bis heute. Lange Stunden habe ich bei Wind und Wetter auf der Terrasse gestanden und mir Flugzeuge angeschaut. Zusammen mit anderen „Verrückten“ sind Bekanntschaften, ja sogar Freundschaften entstanden.

Und dann kam Corona.

Die Luftfahrt kam nahezu zum erliegen und auch die beiden Terrassen wurden geschlossen, bzw. die am Fernbahnhof nicht geöffnet. Seitdem sind diese so wunderbaren Möglichkeiten des „Flugzeuge guckens“ in Düsseldorf vorbei. Es gibt gute andere Fotomöglichkeiten rund um den Platz, aber die Nähe, das Unkomplizierte und dieses „Gefühl“ ist nicht so wie früher. In den sozialen Netzwerken liest man immer wieder vom Wunsch, einer Wiedereröffnung der Terrassen, am liebsten natürlich von beiden. Eine befindet sich direkt auf dem Dach des Terminals und sie bietet einen tollen Blick auf das Gewusel auf einem Flughafen und die zweite, aus Flugzeugfotografensicht vielleicht sogar die „bessere“, auf dem Dach des Fernbahnhofes ganz im Osten des Platzes. Hier steht man tatsächlich in Wurfweite neben den Flugzeugen, wenn sie zum Start rollen oder zur Landung ansetzen.

Das ist allerdings auch schon ein Großteil des Problems, welches eine Öffnung aktuell verhindert. Die Terrassen liegen, beide, anders als an vielen anderen Airports, im Sicherheitsbereich. Das bedeutet, wenn ich sie besuchen will, brauche ich eine Sicherheitskontrolle, also genauso, als würde ich fliegen wollen, und auf der Terrasse muss permanent Sicherheitspersonal vorhanden sein. Rechnet euch das mal durch, Siko plus Personal, den ganzen Tag auf zwei Terrassen – um da eine gewisse Wirtschaftlichkeit reinzubringen, wäre der Eintritt wohl astronomisch. Und so ist das Ganze zwar immer mal wieder Thema in der aufgeregten, und oftmals nur bis zur eigenen Nasenspitze denkenden, Facebook-Bubble, aber konkrete Ideen, ob und wie man da wieder was möglich macht, sind, öffentlich, noch nicht laut geworden.

So, lange Rede, jetzt kommt der Plottwist. Vor einiger Zeit tauchte in den sozialen Medien dieses Bild auf und der Hinweis, dass die Terrasse am Fernbahnhof, im Airport Sprech „Station Airport“ genannt, an den letzten drei Wochenenden in den Sommerferien öffnen würde.

Na klar, der übliche Nörgelmob den wir aus den sozialen Netzwerken kennen, war zur Stelle, aber auch viele Jubelpostings und eine gewisse Aufregung war den Kommentaren zu entnehmen. Um eine Überfüllung zu verhindern gab es die Chance, Tickets zu buchen, kostenfrei, und sich bestimmte Zeitslots zu sichern. Da ich es nur fair finde, dass viele Menschen in diesen Genuss kommen, habe ich mir lediglich zwei Slots gebucht, einmal den ersten Samstag um 10 Uhr und dann den „Early Bird“ Termin am Sonntag um 5.45 Uhr. Den Sonntagstermin habe ich mit einer Radtour verbunden und um die soll es heute hier gehen. Los geht es aber mit ein paar Eindrücken der beiden Tage. Also, ich fange zwar mit der Radtour am Sonntag an, springe immer mal wieder in den Samstag und radel dann von Düsseldorf weiter nach Köln. Wir probieren das jetzt einfach…..also, es folgen gleich einige Flugzeugbilder 😉 .

Es war, und das war eine Wohltat nach den heißen Tagen zuvor, ziemlich frisch, als ich mich um kurz nach vier Uhr aufs Rad gesetzt habe und von Krefeld aus los gefahren bin.

Die Luft war herrlich, über den Feldern lag noch Nebel und das Rad fahren hat richtig Spaß gemacht. Wenn ihr normalerweise um diese Uhrzeit im Bett liegt – probiert das mit der Radtour mal aus.

Da ich ganz in Ruhe auf die Terrasse wollte und nicht ständig Sorge um mein Fahrrad gebrauchen konnte, habe ich mir eine Abstellbox am Flughafen-Bahnhof gemietet. Für einen Euro konnte ich dort, via App, mein Rad abstellen, inklusive der Packtaschen und dem anderen Zeugs. So hatte ich nur die Kamera im Anschlag. Feine Sache.

Und dann war er da, der Blick über das Vorfeld. Die vielen Lichter, die ersten laufenden Triebwerke. Ein Flughafen erwacht.

Der Check-In auf die Terrasse verlief schnell, freundlich und reibungslos und so fand ich mich mit vielen anderen Flugzeugfans am frühen Morgen an unserem Lieblingsort Flughafen. Waren am Samstag Vormittag noch viele Familien mit Kindern vor Ort, trieb es zu dieser nachtschlafenden Zeit eher die Fotografen und Hardcorefans auf die Terrasse.

Ein tolles Gefühl. Wer diese Begeisterung für die Fliegerei und den Flughafen nicht teilt, kann sich da vielleicht schwer hineinversetzen, aber ich war tatsächlich beseelt.

Ganz interessant zu sehen, waren auch die Reaktionen aus den Cockpits. Es wurde gewunken und gegrüßt, was das Zeug hielt.

Die Sonne ging auf, der Mond unter. Der Tag begann…und das mit dem Duft von Kerosin in der Nase und dem Klang der Triebwerke in den Ohren – herrlich.

Es ist an der Zeit, mal DANKE zu sagen. Für den Flughafen war das sicher nicht so trivial, diese Tage zu organisieren. Das Ticketing, das Personal, das Ganze drumherum. Mir hat es richtig gut gefallen, ich würde mich freuen, wäre das ein Auftakt gewesen, die Möglichkeiten einer Terrasse weiter zu ergründen. Neben den Stars dieser Öffnungstage, den Flugzeugen, gab es auch noch eine Menge drumherum, gerade für Familien mit Kindern. Walking Acts streiften umher, es gab Kinderschminken, eine Tombola und Getränke und Snackautomaten. Am Samstag gab es, zumindest für mich, ein besonderes Highlight. Die An- und Abflüge wurden live auf der Terrasse kommentiert. Der Kommentator, der da in seiner gelben Weste zwischen den begeisterten Besucherinnen und Besuchern stand, war Michael Hanné, ehemaliger Geschäftsführer und Arbeitsdirektor des Flughafens Düsseldorf. Darüber, und über seine wunderbare Art zu kommentieren und Geschichten zu erzählen, habe ich mich sehr gefreut.

Diejenigen, die sich nicht so für Flugzeuge interessieren, müssen jetzt stark sein, oder ein bisschen scrollen, ein paar Bilder habe ich noch, wie gesagt, ich war dann doch recht beseelt auf „meiner“ Terrasse. Die Fotos stammen vom Samstag und Sonntag.

Nicht alles, was flog, hatte einen Motor 😉

Über die eine oder andere Sonderlackierung habe ich mich auch gefreut. Den modernen Airbus im Condor-Look der 1960er zu sehen ist immer wieder toll. Es zeigt auch, wie zeitlos damals schon das Design war. Funktioniert auf nem modernen Jet immer noch verdammt gut.

Und auch wenn es für mich die falsche Borussia ist, der Eurowings Airbus im aktuellen BVB-Look macht schon was her, oder?

Es waren die Flieger, es waren aber auch die Menschen, die das Erlebnis so schön gemacht haben. Friedlich, begeistert und rücksichtsvoll. Jede und jeder konnte sein Foto oder Video machen und es wurde gefachsimpelt, gequatscht und geschaut.

Boeing 757 von Condor zu sehen ist eh immer schön, wenn man aber weiß, dass diese schon sehr bald die Flotte verlassen werden, ist es fast ein bisschen wehmütig.

Und dann soll es das auch mit dem Thema Flugzeuge und Besucherterrasse erstmal gewesen sein.

Wie gesagt, vielen Dank an den Flughafen und all die vielen Menschen, die das möglich gemacht haben. Und natürlich an diejenigen, die dieses Angebot so rege genutzt haben, das kann ein deutliches Signal gewesen sein.

Für mich ging es dann am Sonntag nach meinem Zeitslot wieder aufs Fahrrad, vorbei an einem Zaun, dessen Besitzerin oder Besitzer ganz offenbar eine Schilderleidenschaft hat 😉 .

Streetart fasziniert mich ja auch jedes Mal, vor allem dann, wenn sie richtig gut gemacht ist. In einer Seitenstraße in der Nähe des Flughafens, fiel mir dieses Bild auf. Ich mag sowas ja echt gern.

In Düsseldorf gibt es auch immer wieder den Kontrast zwischen Alt und Neu zu entdecken, spannende Architektur oder interessante städtebauliche Ideen. Aus einem alten Kasernengelände ist Wohnbebauung geworden, mit viel Grün drumherum…

Und direkt gegenüber glänzen moderne Fassaden mit der Sonne um die Wette.

Auch kleine Oasen gibt es, so zum Beispiel der Deichsee im Südpark. Viele Joggerinnen und Jogger kamen mir entgegen und Wasservögel kurvten um den See und landeten schließlich.

Durch den Stadtteil Wersten hindurch bin ich dann ins Naturschutzgebiet Urdenbacher Kempe geradelt. Und plötzlich liegt die Großstadt hinter mir und es gibt Felder, Apfelbäume und viel Grün zu sehen. Ebenfalls sehenswert ist das „Haus Bürgel“. Wer sich für Archäologie interessiert ist dort gut aufgehoben. Das mittelalterliche Lehnsgut war auch schon ein römisches Kastell und gehört, so wie die Funde in Krefeld auch, zum Welterbe Niedergermanische Limes. Vor Ort findet sich auch ein Museum, schaut dort mal vorbei, es lohnt sich. Die Natur drumherum ist dann quasi der kostenfreie Bonus.

Das „Haus Bürgel“ steht schon nicht mehr in Düsseldorf, sondern in Monheim. Dort gibt es auch, direkt am Rhein, ein weiteres spannendes Museum. Früher waren auf dem Rhein viele Aalschokker unterwegs und es wurden Aale gefangen. Die „Fiat Voluntas“ ist ein solches Schiff und sie ist, aufgeständert, als Museum zu besuchen. Aktuell ist drumherum gerade eine Baustelle, deshalb war das mit dem Foto etwas schwierig, aber wenn ihr mal in der Ecke seid, schaut mal vorbei.

Generell wird in Monheim gerade fleißig gebaut. Die Straße, die direkt am Rhein und an der „Leda“, einer Skulptur von Markus Lüpertz vorbeiführt, ist auch nicht so ganz einfach mit dem Rad zu befahren.

Die „Gänseliesel“ ist das Wahrzeichen der Stadt Monheim, die „Leda“ von Lüpertz eine Interpretation, die durchaus zu Kontroversen geführt hat. Kunst und Schönheit liegen ja bekanntlich immer im Auge des Betrachtenden 😉 .

Apropos kontrovers diskutiert. Weniger Meter weiter befindet sich der „Monheimer Geysir“. Der vom Künstler Thomas Stricker geschaffene, künstliche, Geysir bricht tatsächlich hin und wieder aus. Dazu müssen Sonnenstunden gesammelt werden und das Wetter passen. Ich hatte bei meiner Tour nur ein bisschen Wassernebel und Zischen – immerhin. Wenn ihr mehr zu diesem Projekt lesen wollt, schaut mal hier, auf der Seite der Stadt gibt es Infos dazu. HIER

Vor der Promenade lag die „Onion“. Die bunten Schiffe von Ineos fallen auf, mittlerweile sind, meine ich, vier dieser Tanker auf dem Rhein unterwegs. Sie verbinden Antwerpen mit Köln und liefern Butangas.

Viel, viel kleiner, aber trotzdem sehr bliebt ist das „Piwipper Böötchen“. DIe kleine Personenfähre verbindet, am Wochenende und an Feiertagen, Monheim mit der Gaststätte „Piwipp“ in Dormagen. Bin ich auch schon mit gefahren, macht Laune. Dieses Mal gabs aber nur das Foto, dann ging es weiter auf der Monheimer Seite des Flusses.

1914 gebaut, dann lange bei Henkel im Einsatz, stand diese kleine Dampfspeicherlokomotive eine ganze Weile auf einem Spielplatz. Seit 2015 ziert sie einen Kreisverkehr in Hitdorf als Denkmal. Sie ist toll restauriert und sieht aus, als könne die direkt wieder loslegen und rangiern.

Erst seit Ende Juli 2024 verkehrt zwischen Hitdorf, welches zu Leverkusen gehört, und Langel auf Kölner Seite wieder eine Fähre. 2023 kam es dort zu einer Haverie und die „neue“ Fähre, „St. Michael“, Baujahr 1954, fährt seit dem 29. Juli wieder. Wie immer in angespannten Haushaltslagen steht das Angebot auf der Kippe. Ich bin aber auf jeden Fall trocken, bequem und schnell über den Rhein gekommen.

Andere waren da schneller, sind aber auf keinen Fall trocken geblieben….und die Fahrradmitnahme ist sicher auch nicht so trivial 😉 .

Am Rhein entlang führte mich meine Tour dann an den Ford Werken vorbei in Richtung Kölner City.

Ich bin zwar weder geritten, noch war es spät, Nacht oder windig….einen Erlkönig habe ich trotzdem gesehen. Ich habe von den aktuellen Ford-Modellen leider so gar keinen Plan, scheint aber ein E-SUV zu sein.

Mein Ziel war Köln Ehrenfeld, dort wollte ich ein großes Wandplakat für die neue Staffel der Netflix-Serie Wednesday fotografieren. Was soll ich sagen, das hat auch geklappt, ein großes Stadtfest im Vedel gab es als Dreingabe dazu.

Neben viel leckerem Essen gab es auch Livemusik. Dieses Duo performte „Totale Finsternis“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“. Passt ja irgendwie zur Adams Tochter an der Wand.

Nach einer Runde durch Ehrenfeld und der einen oder anderen Essenspause bin ich in Richtung Deutz weiter gefahren.

Kurz vor der Hohenzollernbrücke gab es noch diesen Walking Act zu sehen. Ich weiß gar nicht mehr, wofür die Person Werbung gemacht hat, ich hatte nur unfassbares Mitleid – es war nämlich auch ohne pinkfarbenes Bärenkostüm schon richt warm…

Das obligatorische Foto von Brücke und Dom habe ich noch gemacht und dann ging es mit dem Zug zurück nach Hause.

…allerdings mit einem RE, nicht mit dem ICE 😉 .

Wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen, die nächste Tour ist schon gemacht, mal sehen, wann ich zum schreiben komme 😉 .

Bleibt gesund und munter und mir gewogen.

Beste Grüße,
Martin

 

One comment

  1. Tja, Martin, die Düsseldorfer sind schon eine echt coole Truppe. Leider kann ich hier ja kein Bild hochladen. Aber dank freundlicher Menschen bei der Flugsicherung und beim Flughafenbetrieb konnten wir in Corona-Zeiten mit unserer DG1000 (Segelflugzeug) im F-Schlepp in Düsseldorf landen. DG 1000 und Remo (Schleppflugzeug) auf der großen Bahn zu erleben war schon echt witzig. Gibt’s coole Bilder von, die wir z.T. aus unserem UL schießen konnten :-). Sowas geht natürlich nur, wenn die Menschen mitspielen und wenn sowas wie Corona für die nötige Gelassenheit im Flugbetrieb sorgt …

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