Frankfurt mit dem Rad – drei Tage in Hessen

Hallo zusammen,

ich habe ja versprochen, in diesem Jahr wieder vermehrt zu bloggen und zu radeln. Heute nehme ich euch aber erst noch einmal mit ins Jahr 2024, genauer in den November. Ich hatte ein paar Tage frei und bin zum radeln nach Frankfurt gefahren. Das bedeutet, es könnte sein, dass ihr gleich hier das ein oder andere Flugzeug zu Gesicht bekommt 😉 . Viele von euch wissen ja, ich bin großer Flugzeugfan und „Spotter“, also ein Mensch, der Flugzeuge fotografiert. Wenn ich also an einen der verkehrsreichsten Flughäfen des Landes fahre, bleibt das ein oder andere Flugzeugfoto nicht aus 😉 . Ich freue mich aber über jede und jeden, der meinen, unbezahlt und unbeauftragt geschriebenen, Beitrag trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deshalb, weiter liest.

Da der Text recht lang wird, habe ich mal ein kleines Inhaltsverzeichnis erstellt, ihr könnt dann direkt zu den Tagen springen, wenn ihr wollt.

Inhalt:

Ankunftstag

Ich bin mit der Bahn nach Frankfurt gefahren. Ich habe das Deutschland-Ticket, damals kostet es noch 49 Euro, und habe mir eine landesweit gültige Fahrradkarte dazu gekauft, witzigerweise geht das nicht online, sondern nur am Automaten im Bahnhof, nun ja.

Gewohnt habe ich nicht in Frankfurt direkt, sondern in Schwanheim. Das liegt zwischen der Innenstadt und dem Flughafen und war für mich als Basislager ideal. Im Hotel „Zur Post“ habe ich zwei ruhige und bequeme Nächte verbracht, das Hotel hat eine Fahrradgarage, sogar mit einer kleinen Werkstatt, und sehr freundliches Personal. Ich war zum zweiten Mal dort und kann es echt empfehlen. Einfach, aber gut.

Die Wettervorhersage für die drei Tage war gut, es kam allerdings etwas anders, aber so ist es ja meistens 😉 . Nach der Anreise und dem einchecken wollte ich auf jeden Fall eine schnelle Runde zum Flughafen machen und so ging es dann aus Schwanheim in Richtung Süden, erstmal durch jede Menge Wald. Spricht man über Frankfurt, hat man ja meist eine Großstadt mit enger Bebauung vor Augen, aber es gibt drumherum wirklich eine Menge Grün.

Der Abend verwöhnte mit wundervollem Licht und angenehmen Temperaturen. Am Flughafen angekommen, boten sich auch direkt etliche Motive.

Der Flughafen verfügt über vier Bahnen, wovon eine ausschließlich für Landungen und eine ausschließlich für Starts benutzt wird, die beiden anderen werden für beides genutzt. Die 07L, bzw. 25R ist die jüngste Bahn, liegt im Norden und ist diejenige, auf der nur gelandet wird. Parallel dazu liegen noch die 07 Center / 25 Center und die 07R / 25L und im Westen des Platzes liegt die Startbahn 18, die nur für Starts genutzt wird.

Unter dem Namen „Startbahn West“ wurde sie überregional duch die Proteste gegen ihren Bau bekannt. Im Abendlicht kann man schön beobachten, wie die Flugzeuge auf die Startbahn aufrollen und dann beschleunigen. Es ist für mich immer wieder faszinierend.

An diesem Ende des Flughafens befindet sich auch ein Teil der Fracht, die großen Frachtflugzeuge sind also gut zu sehen. Es ist schon beeindruckend, was da so alles reinpasst.

Wenn Flugzeuge auf der Nordbahn gelandet sind, rollen sie, mitunter, direkt zum Frachtterminal und kommen dabei dem Betrachter oder der Betrachterin sehr nah, sehr eindrucksvoll.

Ihr merkt schon, mich fesselt das jedes Mal und dabei habe ich es schon so oft gesehen 😉 . Nun ja, irgendwann bin ich dann weiter gefahren, der Plan für den Abend war, einmal um den Flughafen und wieder zurück. Ein paar Kilometer weiter gab es noch einen kurzen Stopp um Flieger beim Eindrehen auf die Bahn zu beobachten, ehe es in Richtung Osten um den Platz ging.

Im Osten des Flughafens, zwischen Autobahn A5 und dem Neubau des Terminals 3 befindet sich das Luftbrückendenkmal. Dort steht eine C-47 und eine C-54, beides Typen, die wichtige Rollen bei der Versorgung des eingeschlossenen Berlins 1948 gespielt haben.

Zu der C-54 gibt es noch einen interessanten FunFact. Das Flugzeug hat nie bei der Luftbrücke teilgenommen, es war lange als Passagierflugzeug im Einsatz. Sie flog für diverse Halter, auch in der Schweiz und in Afrika und wer weiß wo noch. Spannend ist aber, dass sie für die Dreharbeiten zum Film „Flug in Gefahr“ benutzt wurde. Filmfans wissen bescheid, das ist die Verfilmung eines Buchs von Arthur Hailey. Die Cockpitcrew fällt wegen einer Fischvergiftung aus und ein Passagier, ehemaliger Jagdflieger, muss das Flugzeug, mit Hilfe von Ansagen eines Piloten am Boden, zu Boden bringen. Und ja, das ist auch die Story eines der besten Komödienfilme aller Zeiten, „Airplane“ im Original, „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ in der deutschen Version, unter anderem mit Leslie Nielsen. Ach ja, die „Benjamin Blümchen“ Folge „Benjamin als Pilot“, hat diesselbe Stroy 😉 .

Nachdem es verdammt schnell dunkel geworden ist, habe ich einen letzten Blick auf den Flughafen geworfen und bin zurück ins Hotel geradelt. Bereit für den kommenden Tag.

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Fahrt nach Frankfurt

Nach einer Nacht in einem bequemen Bett wollte ich am kommenden Tag früh raus, die Wettervorhersage sah gut aus. Mein Plan war, wie könnte es anders sein, erstmal an den Flughafen zu radeln und dann in Richtung Frankfurter Innenstadt zu starten. Also, kurz duschen, Klamotten packen, Rollos hoch ziehen und sehen….Nebel! Nun ja, egal, wird ja vielleicht noch. Mein Weg führte mich durch die „Schwanheimer Wiesen“, ein großes, flaches Wiesengebiet, also, glaube ich, wirklich viel gesehen habe ich nicht 😉 .

Aber die Luft war herrlich frisch und kalt und es lies sich super radeln. Nach der Wiese führte mich die Route dann wieder durch den Wald, genau wie am Vortag, und zur Start- und Landebahn 07L / 25R.

Geflogen wurde, gesehen habe ich davon wenig. Ich bin dann noch ein wenig parallel zur Bahn gefahren, bevor ich mich in Richtung Süden und dann einmal ans Ende der Startbahn 18 aufgemacht habe.

Nach Osten fahrend bin ich dann, durch die Dürbruchschneise, in Richtung Walldorf geradelt. So ganz allmählich wurde der Nebel etwas lichter. Der angekündigte blaue Himmel bei strahlendem Sonnenschein war allerdings nirgends zu entdecken.

In Walldorf habe ich mir diese Häuser angeschaut, auf den Treppenhäusern wurden Kirchtürme aufgemalt, finde ich irgendwie cool.

Erneut am Flughafen vorbei, dieses Mal parallel zur Autobahn A5, bin ich dann in Richtung Norden geradelt. Immer noch war es recht nebelig, aber ab und an gab es ein Flugzeug zu sehen.

Und dann, als hätte jemand den Fön angestellt, riss der Nebel auf und die Sonne brach durch. Ich habe das ja schon ein, zwei Mal geschrieben, es ist faszinierend, wie viel Wald rund um den Frankfurter Flughafen zu finden ist. Hört man „Frankfurt“, denkt man ja irgendwie immer an Hochhäuser und Innenstadt, aber drumherum ist schon echt eine Menge Grün. Ich bin wieder durch lange Waldschneisen gefahren und habe das, dieses Mal mit Sonne, sehr genossen.

Ungefähr auf Höhe Niederrads kam ich dann am Main an und der Blick über den Fluss war dann schon eher das, was man von Frankfurt erwartet. Die ersten hohen Gebäude und es wurde deutlich urbaner.

Kurz bevor ich dann den Main überquert habe, gab es das typische Frankfurt-Panorama, und das bei wirklich bestem Wetter. Hätte ich mir so auch am frühen Morgen am Flughafen gewünscht, aber nun ja, machste nix dran.

Durch Frankfurt zu radeln ist dann typisches Großstadtradeln in Deutschland. Es funktioniert, man muss sich aber höllisch konzentrieren. Das legendäre Euro-Symbol vor dem ehemaligen EZB-Gebäude, eine Skulptur von Ottmar Hörl, darf als Wegpunkt natürlich genausowenig fehlen wie die Justizia am Gerechtigkeitsbrunnen „auf dem Römer“.

Einmal durchs Rotlichtviertel mit interessanter Balkon-Deko und dann wieder runter an den Main führte mich der Weg.

Ganz spannend, auch in Frankfurt gibt es Gleiskörper der Straßenbahnen, die begrünt sind. Das machen wir jetzt in Krefeld auch an einigen Stellen, finde ich wirklich klasse. Ist gut für die Umwelt und sieht zudem auch richtig toll aus.

Es gab dann doch noch ein Flugzeug-Foto mit Sonne. Über der Stadt drehte diese 747 der Lufthansa nach dem Start ab und machte sich auf den langen Weg nach Mexiko.

Ich hingegen bin so langsam aber sicher wieder zurück nach Schwanheim geradelt. Bei Griesheim, noch auf der anderen Mainseite, bin ich über eine Brücke dann über den Fluss gefahren. Dort herrschte reger Binnenschiffsverkehr und so habe ich noch ein bisschen Pause gemacht und Schiffe geguckt. Bei dem herrlichen Wetter war das wirklich ein schöner Tourausklang. Etwas über 60 Kilometer waren es am Ende.

Im Ort habe ich sehr gut zu Abend gegessen und mich früh hingelegt, der folgende Tag sollte eine weitere Tour bereithalten.

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Von Darmstadt nach Schwanheim

Wie gesagt, die Wettervorhersage für die Tage war super, Sonne und blauer Himmel. Der Tag startet allerdings genauso wie der vorherige und die Fahrt mit dem Zug von meinem Basislager nach Darmstadt fand dann entsprechend im Nebel statt.

Na ja, ich wollte hier radeln, also wird jetzt auch geradelt 😉 . Mein Plan war es, ein wenig durch Darmstadt zu fahren, mir das ein oder andere anzuschauen und dann wieder in Richtung Hotel zu radeln. Also, ab dafür.

In der City habe ich dann einen längeren Text auf dem Boden entdeckt. Dort wurde mit Kreide eine „Catcalling“ Aktion beschrieben. Ich habe mich da ein wenig schlau gemacht, es gibt eine Initiative, die solche Vorfälle „ankreidet“. Scheiße genug, dass das nötig ist, aber die Idee, sowas mal sichtbar zu machen, finde ich gut. HIER findet ihr die Webseite dazu. Es gab wohl auch schon einen Preis der Stadt Darmstadt dafür…allerdings kurze Zeit später vom Ordnungsamt auch die Ansage, dass diese Aktionen nicht erlaubt sind. Wie das am Ende ausgegangen ist, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall gab es diesen Text.

Mein Ziel war dann die Mathildenhöhe. Seit 2021 ist das Gebäude-Ensemble Weltkulturerbe. Auf einem Hügel gelegen faszinieren die Häuser, die Kapelle und der Hochzeitsturm sobald man darauf zu radelt. Die ehemalige Künstlerkolonie ist schon beeindruckend.

Direkt daneben gab es noch ein Areal mit Picknickmöglichkeiten. Natürlich war da alles menschenleer um die frühe Uhrzeit und bei dem usseligen Wetter.

Lediglich eine Kürbisse begrüßten mich bei meiner Tour.

Zurück in Richtung City ging es über Fahrradstraßen und an der Orangerie vorbei. Darmstadt hat schon wirklich schöne Ecken.

Bevor es dann langsam aus der Stadt hinaus und in Richtung Frankfurt ging, bin ich natürlich noch bei der ESA rumgefahren.

In Darmstadt befindet sich das European Space Operations Centre, kurz ESOC. Etliche Raummissionen wurden von hier aus gesteuert und überwacht. Das Space Safety Centre ist ebenfalls hier beheimatet und kümmert sich um die Erkennung und, im Idealfall, Abwehr von Gefahren aus dem Weltraum.

Schon ein spannendes Thema. Für mich ging es dann auf die Radschnellverbindung nach Frankfurt. Schon eindrucksvoll, was da an Radweg entstanden ist. Abseits von Autoverkehren kommt man mit dem Rad auf einer sehr gut ausgebauten Trasse voran.

Für Eisenbahninteressierte auch ganz nett, die meiste Zeit parallel zur Eisenbahnlinie. Dort herrscht, neben regelmäßigem Passagierverkehr, auch viel Güterzugeinsatz. Es gibt also immer was zu gucken.

Ich wollte aber gar nicht in einem Rutsch durch bis nach Frankfurt, sondern noch einen kleinen Stopp am Flugplatz Egelsbach machen. Der kleine Platz dient hauptsächlich dem Geschäftsreiseflugverkehr und Privatpiloten. Klar, sich in den unglaublich geschäftigen großen Bruder, den Flughafen Frankfurt, einzureihen ist sicher kein Spaß und auch deutlich teurer. Bei meiner Ankunft flog gerade ein Businessjet ab, da war ich mit der Kamera allerdings nicht fix genug. Mir blieb dann dieser Robinson-Helicopter, der fleißig seine Runden drehte.

Auch nett 😉 . Ganz in der Nähe gibt es auch noch Kunst zu sehen. Die Skulptur „Seelenvogel“ passt von der Optik und der Thematik natürlich sehr gut in die Nähe eines Flugplatzes.

Unterwegs zurück ins Hotel habe ich dann noch die A5 überquert und mir ELISA angeschaut. Die Oberleitungen für das Testprojekt eines elektrifiziertem, innovativen Schwerverkehr auf Autobahnen stehen noch, der Strom ist aber seit diesem Jahr abgeschaltet. Aktuell läuft wohl, wenn ich das richtig verstanden habe, die Auswertungsphase. Seit 2019 konnten Hybrid-LKW auf diesen „E-Highway“ Strom ziehen.

Natürlich, wie könnte es anders sein, führte mich meine Route am Ende dann noch am Flughafen vorbei, richtig gut war das Wetter zwar immer noch nicht, aber um ein bisschen Flugzeuge zu gucken, hat es gereicht.

Und das war es dann auch mit dieser Tour.

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Nach einer weiteren Nacht im Hotel ging es dann am frühen Morgen wieder mit dem Zug zurück nach Krefeld. Auch hier hat alles recht gut geklappt, die Tour am Rhein entlang ist mit der Bahn tatsächlich auch wirklich schön.

Das Wetter hätte halt besser sein dürfen, aber alles in allem bin ich zufrieden wieder heim gefahren. Sicher war das nicht das letzte Mal, dass ich dort geradelt bin, die Ecke ist wirklich schön und für mich als Flugzeugfan auch „Erlebnissicher“ 😉

Es waren gar nicht so viele Kilometer über die paar Tage, knappe 160 rum, aber ich habe viel gesehen und erlebt und um einfach mal den Kopf frei zu bekommen, war das echt Gold wert. Mal schauen, vielleicht mache ich das dieses Jahr nochmal.

Wenn ihr Fragen rund um den Trip habt, immer her damit. Jetzt wünsche ich euch aber erstmal eine gute Zeit, bleibt gesund und munter und danke fürs mitlesen.

Euer Martin

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