Hallo zusammen,
ich fange ja oft so an, heute also auch wieder 😉 . Sorry, ich wollte längst meine Radtour gebloggt haben, aber irgendwie kam immer was dazwischen. Jetzt aber. Wenn ihr mögt, nehme ich euch gern auf eine gut 100 Kilometer lange Radtour in Richtung Duisburg und Düsseldorf mit. Unbezahlt und unbeauftragt natürlich.
Los ging es aber vor der eigenen Haustür, vorbei am Kaiser-Wilhelm-Museum. Solltet ihr euch für Design-Möbel interessieren, gerade läuft eine Ausstellung zur Designerin Charlotte Perriand.

Ihr merkt schon, ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter, es war am frühen Morgen zwar noch etwas frisch, aber die Sonne und die herrliche Luft waren ein guter Ausgleich für ein kleines bisschen frieren. Wenn man durch Krefeld radelt, lohnt es sich, sich ein wenig umzuschauen und mal auf die Fassaden zu achten. Da sind wirklich tolle Eindrücke dabei.

Vorbei am eindrucksvollen Gymnasium am Moltkeplatz führte mich mein Weg weiter nach Osten in Richtung Rhein.


Auch wenn es immer mal wieder anders behauptet wird, eigentlich kommt man in Krefeld mit dem Fahrrad ganz gut zurecht. Ich mag es zum Beispiel sehr, die Germaniastraße zu fahren und dann durch die anschließenden Parks zu radeln. Der Schönhausenpark zum Beispiel.

Und auch der Weg parallel zur A57 um weiter in Richtung Uerdingen zu kommen, ist wirklich sehr gut zu befahren.

Mühlen haben wir in Krefeld ja einige, die Buss-Mühle in Uerdingen gehört dazu und lag direkt auf meinem Weg. Ich habe schon so einen kleinen „Mühlen-Fetisch“, wie ein Kollege neulich sagte. Gut erhaltene Windmühlen finde ich wirklich klasse.

In Uerdingen gibt es die Sankt Heinrich Kirche, recht auffällig mit ihrem, für unsere Region, recht eigenwilligen Turm. Ganz witzig fand ich den Sticker, den ich auf einer Lampe in der Nähe entdeckt habe. Passt inhaltlich auf jeden Fall 😉 .


Auch wenn es Leute gibt, die es nicht wahrhaben wollen, Krefeld liegt mit seinem Stadtteil Uerdingen am Rhein, lässt sich nicht wegdiskutieren und ist eigentlich auch recht eindeutig.

Vorbei an den Anlegestellen des Chemparks führte mich meine Route in Richtung Duisburg weiter.

Kritisch beäugt von einer Herde Schafe habe ich Friemersheim Dorf in Angriff genommen. Rauf auf den Deich und vorbei am alten Wasserturm für die Dampflokomotiven.



Friemersheim Dorf steht unter Denkmalschutz und das Ensemble dort ist wirklich schön. Vor allem die Dorfkirche aus dem Jahr 1147 ist sehenswert. Schaut euch dort ruhig mal um, auch die Schenke und das alte Lehrerhaus sind sehenswert.

Während hoch über mir eine Boeing C-17 der US Luftwaffe in Richtung Naher Osten unterwegs war, ging es für mich weiter nach Rheinhausen. Vom ländlichen Idyll in Friemersheim Dorf wurde es immer industrieller.

Vorbei an etlichen neuen Autos, die auf ihren Weitertransport im Logistikpark „Logport“ warten. Hier werden etliche Fahrzeuge via Bahn, LKW und Schiff transportiert. Die Fläche ist schon beeindruckend, die Werte, die dort stehen, sind es auch.

Zusammen mit der Eisenbahn habe ich dann den Rhein überquert, selbstverständlich bin ich, ob des niedrigen Handlaufs auf der Brücke, abgestiegen und haben das Rad geschoben 😉 . Also….vielleicht.


Auf dem Rhein unter mir fuhr die „Atlanta“ vorbei. Quasi ein Heimspiel, das Schiff wurde 1957 in Duisburg gebaut. Lange ists her, arbeiten tut das gute Stück immer noch.

Durch den Stadtteil Duisburg Hochfeld hindurch habe ich mir die neue Brücke dort angeschaut, den „Hochfelder Bogen“. Der Name ist das Ergebnis einer Bürgerbefragung in der Bezirksvertretung Mitte.

In der Kommunikation rund um die Freigabe der Brücke Ende letzten Jahres, habe ich auch wieder gemerkt, warum ich an vielen Stellen mit dem ADFC nicht warm werde. Es geht bei der Interessenvertretung für uns Radelnde ganz oft einfach nicht ohne einen Seitenhieb, ohne Süffisanz in der Kommunikation. Das finde ich schade und ich bin mir sehr sicher, dass das am Ende auch der Sache an sich schadet. So findet sich auf der Webseite des ADFC Duisburg bei einem Posting vom 11. Dezember 2025 der Satz
Dies ist ein Servicepost für die Stadt Duisburg, die es leider nicht geschafft hat, die Fertigstellung zu kommunizieren.
Die Stadt Duisburg hat im Januar allerdings einen Fototermin inklusive Pressemitteilung veröffentlich und es ist zudem eine Einweihung im Frühjahr geplant. Also nur weil zwei Mitglieder des ADFC bereits am 8.11.25 über eine Brücke radeln, ist diese noch lange nicht „offiziell eröffnet“. Ich verstehe nicht, warum immer diese, eigentlich unnötige, Schärfe in solche Meldungen gebracht werden muss. Am Ende des Tages wollen alle dasselbe. Wie auch immer, die Brücke ist da und man kann drüberfahren.

Als Bonus hat man auch noch einen Blick auf den ikonischen Stadtwerketurm. Ist doch was.

Die nächste Etappe war der Innenhafen. Die Mischung aus historischer Industrie und modernen Gebäuden fasziniert mich. Ähnlich wie wir es in Uerdingen beim Rheinblick mit dem alten Kran haben, finden sich auch in Duisburg Erinnerungen an die industrielle Nutzung des Hafens an dieser Stelle. Ich mag sowas sehr, generell bin ich ein großer Fan von Industriekultur.


Über den „Grünen Pfand“ gings dann in Richtung Neumühl. Schon spannend, ich bin mittlerweile so alt, dass ich den heutigen Radweg noch als Bahnstrecke kenne. Wikipedia meint, bis 1987 seien hier Züge gefahren. Kommt wohl hin. Heute kann man dort entspannt radeln, frei von Autoverkehr und Ampeln. Macht Laune.

Nächster Stopp: Landschaftspark Duisburg-Nord. Angeblich nennen Einheimische das Areal auch „LaPaDu“. Nun ja, ich bin keine 200 Meter davon groß geworden und hab noch nie LaPaDu gesagt 😉 . Auf jeden Fall ist das Areal beeindruckend. Das ehemalige Stahlwerk bietet Industriekultur in Reinform.

Eines der Highlights ist sicher der Hochofen 5. Dort kann man hinaufsteigen und hat einen beeindruckenden Blick über die Region.

Für Menschen mit einem Problem mit Höhe ist das sicher nichts, durch die Gitterstufen ist ein Blick nach unten möglich und auch sonst ist das alles ziemlich steil, hoch und an vielen Stellen eng. Wer sich aber traut, bekommt unterwegs viele Infos und Einblicke in die Stahlproduktion.

In knapp drei Kilometern Entfernung wird noch Stahl gekocht, Thyssen-Krupp Steel produziert nach wie vor in Duisburg.

Der Blick auf die Stadtteile und Viertel in denen ich aufgewachsen bin ist immer wieder etwas Besonderes für mich. Es war ne geile Zeit, vielleicht verkläre ich etwas in der Retrospektive, aber ich hatte eine tolle Kindheit und wir haben jeden Tag neue, spannende Abenteuer erlebt.

Überrascht war ich von der Kirche Sankt Joseph in Hamborn. Als Kinder haben wir sie nur „Die Sprungschanze“ genannt und das Kupferdach war immer Grün. Offenbar hat man sich ein neues Dach gegönnt, der Anblick ist, wenn man mit dem Grün aufgewachsen ist, irgendwie ungewohnt. Ach ja, für die Fans der ARD Serie „Feuer und Flamme“. Die Feuerwache 3 liegt direkt daneben, achtet mal drauf bei den nächsten Folgen.

Die Fernsicht von da oben ist schon enorm. Die Kirche im Vordergrund ist Herz-Jesu, meine Tauf- und Kommunionkirche, dahinter der Doppelbock der Zeche Haniel in Bottrop.

Mit Blick in Richtung Moers ist die Halde Rheinpreußen und das Geleucht zu erkennen. Ruhrpott at its best.

Nicht nur der Hochofen, das gesamte Gelände bietet eine Menge zu entdecken. Neben Industriekulisse und dem Charme vergangener Tage und harter Arbeit, gibt es auch Kunst zu sehen.



Streetart ist zum Beispiel ein großes Thema im Landschaftspark. An einigen Stellen entdeckt man eindrucksvolle Kunstwerke, mal auf Dauer ausgelegt, wie zum Beispiel diese Fledermaus….

…mal vergänglich in einem ehemaligen Kohlebunker, wie dieses Werk hier.

Noch deutlich vergänglicher waren nur die Seifenblasen, die ein Künstler, sehr zur Freude der vielen Kinder vor Ort, in die Luft zauberte.


Eher auf Konsistenz ausgelegt ist dagegen das Kunstprojekt „Neustadt“ im Rahmen des Emscherkunstwegs. Julius von Bismarck und Marta Dyachenko haben typische und bekannte Gebäude aus dem Ruhrgebiet im Maßstab 1:25 direkt am Radweg platziert. Das Besondere an den Gebäuden – ihre realen Vorbilder sind alle abgerissen. Ein Blick lohnt sich.

Dem grünen Pfad folgend, ging es dann über die Emscher, ein Fluss, der sich im Laufe der letzten Jahrzehnte massiv verändert hat, weiter in Richtung Oberhausen.

Ich bin ja totaler Flugzeug-Nerd, wisst ihr ja, aber Eisenbahnen finde ich durchaus auch faszinierend. In Oberhausen-Osterfeld, bzw. kurz davor, habe ich also kurz gestoppt und ein bisschen Eisenbahnen geguckt. Manche Hobbies sind schon komisch, keine Frage.

Gute 45 Kilometer ist der Rhein-Herne Kanal lang, die Wege rechts und links bieten sich an vielen Stellen für entspanntes Kanal-Radeln an. In Oberhausen verläuft er parallel zur Emscher und zur Autobahn und bietet mit dem Gasometer ein wunderbares „Typisch Pott“-Motiv.

Am Legoland vorbei ging es nach Mülheim und dort an die Ruhr. Das Ruhrgebiet hat nicht nur eine Menge Industrie, es hat auch viel Wasser, Flüsse und Kanäle.



Direkt am Wasserbahnhof in Mülheim liegt das „Stromaufsichtsboot Bussard“. Das Boot kann zum einen Geschwindigkeitsmessungen auf der Ruhr durchführen, es dient aber auch zur Überprüfung von Fischereianlagen und unterstützt bei Bauvorhaben. Irgendwie liegt es, nahezu, immer an dieser Stelle in Mülheim und gehört so zum gewohnten Blick.

Ich hatte das Thema vorhin schon mal, Streetart, Kunst im öffentlichen Raum, Verschönerungen und Aufwertungen – das mag ich sehr und freue mich immer, wenn ich sowas irgendwo entdecke. Hässliche Verteiler- und Stromkästen eignen sich zum Beispiel ganz hervorragend als „Leinwand“.

Brücken und Unterführungen übrigens auch. Das ist stark, oder?

Das Chamäleon ziert eine Unterführung in Breitscheid. Finde ich richtig klasse.

Ganz in der Nähe befindet sich auch das Schloss Linnep, ich bin allerdings nur dran vorbei geradelt, schön aussehen tut es aber auch aus der Distanz.

In Ratingen-Lintorf führen Güterzuggleise vorbei und ich habe dort noch eine kurze Pause eingelegt und mein mitgeschlepptes Brötchen gefuttert. Passend dazu kam ein Zug in Richtung Angertal vorbei. Wie gesagt, Eisenbahnen mag ich auch.

Nach der Stärkung ging es auf die letzten Kilometer, ihr ahnt es vielleicht schon, einen kurzen Abstecher am Flughafen konnte ich mir dann doch nicht verkneifen.

An der Nordbahn führt seit Ewigkeiten ein Fuß- und Radweg entlang, da bin ich schon mit meinem Papa langspaziert, da gab es die zweite Landebahn noch gar nicht. Faszinierend daran ist, beziehungsweise war, der freie Blick auf den Flughafen, die Flugzeuge und das Drumherum. Den gibt es auf fast der kompletten Länge jetzt leider nicht mehr. Der Flughafen hat dort Solarkollektoren aufgebaut. Das ist aus Klimasicht sicher richtig toll, aus Flugzeugfansicht allerdings eine Katastrophe. Ganz am Anfang geht es noch und ganz am Ende auch.

Das ist schon schade, ich bin da damals mit dem Flugzeugvirus infiziert worden, jetzt ist der lange Spazierweg für Kinder und Familien deutlich langweiliger geworden. Nun ja, ist jetzt halt so.
Bei meiner Radtour entwickelte sich der Krieg im Iran gerade und Emirates war mit einer Boeing 777 in Düsseldorf gestrandet, da der Flughafen in Dubai unter Feuer lag. Der Flieger steht aktuell auch noch dort.

Der Ex-Condor Airbus indes scheint sein aktives Flugzeugleben ausgehaucht zu haben. In einer Ecke des Flughafens steht er, ohne Triebwerke, herum und dient als Landeplatz für Vögel.

Für mich ging es durch den Lantzsch’er Park und über den Rhein in Richtung Heimat. Es wurde dann auch schnell dunkel und so langsam merkte ich dann doch meine Oberschenkel und vor allem meinen Hintern.


Eine von Neun. Die Persil-Uhr in Krefeld Fischeln war ein Geschenk der Firma Henkel. 1998 wurde das Unternehmen 90 Jahre alt und es wurden neun Uhren in Deutschland verschenkt. Eine davon auch nach Krefeld. Das Motiv ist deutlich älter und sicherlich ein starkes Beispiel für Werbe- und Gebrauchsgrafik aus den 1920er Jahren. Ich finde super, dass sie in Krefeld steht.

Und das soll es dann auch gewesen sein. Ich hoffe, der lange Beitrag hat euch gefallen. Sorry nochmal, dass so lange nix kam, aber irgendwie fehlte mir ein wenig die Zeit. Hier liegen aber noch etliche Bilder von Radtouren, Museums- und Zoobesuchen. Weitere Beiträge sind also in der Pipeline.

Die Tour war dann am Ende über 100 Kilometer lang, meine erstes in diesem Jahr. Schauen wir mal, wie es weitergeht. Bleibt alle gesund und munter und seid nett zu euren Mitmenschen. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.
Euer Martin