Tour nach Kaldenkirchen – Natur, Menschen die aus Flugzeugen fallen und eine Erschütterung der Macht

Hallo Leute,

ich war am Sonntag auf dem Rad unterwegs und wenn ihr mögt, nehme ich Euch mit auf eine Runde aufs Land ;). Unbeauftragt und unbezahlt natürlich, wie immer. Nach einem Blick auf die Wetter-App hatte ich den Sonntag als Radeltag eigentlich schon abgeschrieben und wollte mich der Steuererklärung widmen. Ein Blick aus dem Fenster zeigte am Morgen aber einen wunderbaren blauen Himmel und so hakte ich den Steuerkram in Gedanken ab, zog die Radklamotten an und hab mich auf den Sattel geschwungen. Nachdem meine letzten Touren in Richtung Großstadt, Schwerindustrie und an den Rhein führten, hab ich mich dieses Mal für die andere Richtung entschieden. Ich bin in Richtung Westen gefahren. Vorbei am Kaiser-Wilhelm Museum startet die Tour nach Kaldenkirchen.

An der Filialkirche Sankt Joseph bin ich dann abgebogen und in Richtung Forstwald weitergefahren.

Über die Alte Gladbacher Straße bin ich dann zum Hauptfriedhof gefahren, ich mag diese Brücke dort, hat irgendwas altertümliches, ich weiß auch nicht.

Am Hauptfriedhof entlang führte mich mein Weg nach Tackheide und von dort aus ein Stück an der Straße entlang bis zum Denkmal für die Schlacht bei Krefeld.

Die Schlacht bei Krefeld fand 1758 statt und man hat bei Grabungen rund um die, ebenfalls im Forstwald verlaufende, Landwehr etliche Uniformschnallen und -knöpfe aus dieser Zeit gefunden. Man radelt also nicht nur durch einen herrlichen Wald, sondern auch auf geschichtsträchtigem Boden.

Der Forstwald ist wirklich klasse, mit dem Rad in wenigen Minuten aus der Innenstadt erreichbar und man kann so wunderbar tief einatmen. Viel Grün, lange Wege und es gibt sogar ein kleines Wildgehege.

An immer mehr Feldern findet man aktuell sogenannte Blühstreifen. Das sind Streifen die rund um die Felder angelegt sind und in denen viele Blumen blühen können. Damit will man Lebensraum für Insekten schaffen. Kurz hinter Forstwald bin ich auf einen solchen Streifen voller Sonnenblumen getroffen. Einfach herrlich. Sonnenblumen machen irgendwie direkt gute Laune, oder?

Es lag auch noch Tau auf den Blättern, Natur ist schon einfach immer wieder schön. Am Feld und den vielen Sonnenblumen entlang habe ich meinen Weg in Richtung Anrath eingeschlagen.

Die evangelische Kirche in Anrath ist ein echter Hingucker finde ich. Die Farbe, zumal mit diesem tollen blauen Himmel am Sonntag, ist einfach klasse. Ein wirklich schönes Fotomotiv.

Bodenständiger geht es da am Knast in Anrath zu, direkt an der Mauer der Justizvollzugsanstalt liegt ein Bolzplatz für Jugendliche, inklusive eines alten Eisenbahnwaggons, welcher zum Jugendtreff umgebaut worden ist.

2010 gab es ein Projekt die Mauer der JVA von Jugendlichen gestalten zu lassen, davon ist noch das ein oder andere zu sehen, die „Wall of Art“ war mit Streetart ihrer Zeit ein Stück voraus.

Ob man sich beim Spielen auf dem Bolzplatz von den Insassen auf der anderen Seite der Mauer inspirieren lässt? Keine Ahnung, ich hoffe mal, der Strick am Baum wird zum klettern, und nur zum klettern benutzt ;).

Von Anrath ist es ein Katzensprung rüber nach Vorst, auf einem baulich getrennten Radweg unter tollen Bäumen ging es in den heutigen Gemeindeteil von Tönisvorst. Vorst war mal eigenständig und lang an der Bahnlinie der Krefelder Eisenbahn.

Heute ist diese Bahnlinie ein Radweg, die sogenannte Schluff-Trasse. Sie führt schnurgerade in Richtung Süchteln.

In weiten Teilen unter einem wundervollen Baumdach radelt man über die alte Trasse. Von Regen war übrigens immer noch nichts zu sehen, im Gegenteil, ich hatte mittlerweile die lange Hose und den leichten Pulli gegen Shorts und T-Shirt getauscht.

Aber nicht nur mir war war, auch diese Gruppe Kühe zog den Schatten unter dem Baum dem Herumstehen in der Sonne vor.

Folgt man der Trasse quert man irgendwann die Niers und landet in Süchteln. Ich hab es dieses Mal etwas anders gemacht und bin vor der Niers in Richtung Norden, in Richtung Grefrath, abgebogen. Über Wirtschaftswege ging es weiter, einfach herrlich hier zu radeln, mitten in der Natur, man kann durchatmen, es ist ruhig, man hört das ein oder andere Tier und ist ansonsten bei sich. Schön.

Die Niers ist ja ein begradigter Fluss. Das eine solche Begradigung durchaus eine Menge Gefahren mit sich bringen kann, ist ja nicht erst seit den letzten Wochen klar geworden. In der Nähe der Burg Uda gibt es das Niersauenprojekt Burgbenden. Hier wurde ein Niersaltarm renaturiert und ist seitdem eine Heimat für viele Lebewesen, zugleich aber auch Hochwasserfläche im Falle eines Falles.

Um 1300 entstand die Burg Uda, heute sind nur noch der Turm und ein paar Mauerreste erhalten. Man kann auch den Turm besteigen, die Aussicht ist klasse von dort oben. Ich war diesen Sonntag leider etwas zu früh dran, hab das aber schon mal gemacht, den Beitrag dazu gibt es HIER.

Die Burg steht im Grefrather Ortsteil Oedt, von dort aus führt ein Weg, wieder an der Niers entlang, nach Grefrath selbst. Dabei kommt man auch am Flugplatz vorbei. Einmal kurz über die Niers und man ist da.

Ich mag den kleinen Platz sehr, zum einen sind dort spannende Flugzeuge stationiert, YAK-52 zum Beispiel, zum anderen ist eigentlich immer was los. Die örtlichen Segelflieger sind oft in der Luft, eine Flugschule, Gastflugzeuge und Fallschirmspringer bevölkern den Platz. Letztere waren auch am Sonntag zu Gange. Auch wenn ich nach wie vor nicht verstehen kann, wie man aus einem intakten Flugzeug springen kann, es scheint ja eine gewisse Faszination auszuüben ;).

Es waren in den paar Minuten in denen ich vor Ort war alles Tandemsprünge, also erfahrene Springerinnen und Springen schnallen sich Gäste vor den Bauch und springen aus der Cessna.

Gelandet wird dann an dieser Flagge im Bildhintergrund. Also, die Menschen die abgesprungen sind, die Cessna landet auf der Piste 😉

Der Platz liegt nur einige wenige Fahrradminuten von der Innenstadt Grefraths entfernt. Der Markplatz dort ist wirklich schön und die Sankt Laurentius Kirche überragt das Treiben auf dem Platz.

Vor dem örtlichen Supermarkt hing schon die Regenbogenflagge, als das noch nicht überall Thema war, Grefrath ist schon ein schönes und offenes Städtchen.

Von Grefrath aus führte mich mein Weg hinauf zur Stammenmühle. Die Mühle, welche bei der Krönung der Queen 1953 als Relaisstation fungierte, weil sie der höchste Punkt war, wird durch einen Förderverein ins Schuss gehalten. Erstmal ging es bergan um dann eine kurze Pause an der Mühle zu machen.

Im vergangenen Jahr mussten die morschen Flügel abgenommen werden, aktuell sammelt man Spenden für neue Flügel. Schaut doch mal auf die Seite der Mühle, da gibt es viel historisches und ein Spendenkonto, falls ihr mögt 😉 HIER.

Die Etappe zu den Krickenbecker Seen war dann ein Traum, vom Hinsbecker Berg wieder unter geht es fix, fixer jedenfalls als rauf ;). Ich bin dann in Richtung de Witt See gefahren und so langsam tauchten mehr Wolken am Himmel auf, darunter auch durchaus dunkle. Ich spoiler aber mal, ich bin komplett regenfrei bis nach Hause gekommen.

Am de Witt See kann man herrlich die Seele baumeln lassen, die Nette habe ich dort überquert und bin dann ein Stück am See entlang gelaufen, der Weg da ist zu eng zum radeln….zumal es ein Fußweg ist ;).

Direkt am See führt auch der Bahnradweg vorbei, er führt ja von Grefrath nach Kaldenkrichen und so habe ich den Rest des Weges unter die Reifen genommen und bin bis zu meinem Lieblingseisenbahnfotopunkt 😉 gefahren. Hier führt die Strecke aus den Niederlanden kommend in Richtung Ruhrgebiet vorbei. Obwohl ein Ausbau seit langer Zeit diskutiert wird, ist sie zwischen Kaldenkirchen und Dülken immer noch eingleisig. Ich hatte Glück und fast zeitgleich mit mir kam eine 2018 gebaute Vectron Lokomotive, behangen mit etlichen Containerwagen, aus den Niederlanden herangerauscht.

Von Kaldenkirchen aus bin ich an der B221 entlang in Richtung Louisenburg gefahren. Man radelt zwar an einer Landstraße entlang, aber am Sonntag und dank baulicher Trennung, zumindest zu Beginn, ist das trotzdem ganz gut zu fahren. Man kommt auf dieser Route auch an den Resten des Flugplatzes Venlo vorbei. Er liegt auf deutscher und niederländischer Seite, auf der niederländischen Seite werden Teile davon auch noch als Segelflugplatz benutzt. Der Platz war im Zweiten Weltkrieg ein Nachtjäger-Platz und es finden sich noch viele Ruinen und Reste davon. Da beide Regierungen, die deutsche und die der Niederlande, aktuell erneut darum bitten, sich derzeit nicht zu besuchen, die Niederlande als Hochrisikogebiet eingestuft wurden und letzten Sonntag dort eine sehr hohe 7-Tageinzidenz herrschte, bin ich natürlich nicht über die Grenze geradelt.

Stattdessen wollte ich mir die alte Rundbogenhalle ansehen. Mitten im Wald steht dort ein Stein- und Stahlgerippe einer alten Flugzeughalle. Während ich also von der Straße abbiege und in den Wald vordringe, spüre ich plötzlich eine Erschütterung der Macht. Was war passiert? Ich dachte kurzzeitig, ich sei auf dem Waldmond Endor gestrandet.

Es waren dann aber doch nur, sehr nette und freundliche, Mitglieder der Star Wars Cosplay Gruppe „501St Legion – German Garrison“ bei einem Fotoshooting. HIER findet ihr Infos über die Mädels und Jungs, schon ne coole Truppe mit der ich auch schon im Rahmen der „Star Wars Reads Days“ zu tun hatte.

Mit einem klassischen Foto der Rundbogenhalle im Gepäck ging es dann wieder aufs Rad, zurück aus einer weit, weit entfernten Galaxis in Richtung Wankum.

Über Wankum und Wachtendonk war Kempen mein nächstes Ziel. Obwohl es sich zuzog war es nach wie vor herrlich auf dem Rad. Bislang bin ich oft die Venloer Straße gefahren, am Sonntag habe ich den parallel dazu verlaufenden Westerheckweg entdeckt, ein Unterscheid wie Tag und Nacht und einfach schön zu fahren.

Wenig später dann der Batzensteg….irgenwie musste ich an „Kein Pardon“ denken, kennt den Film noch jemand von Euch 😉 ?

Mit der ständigen Angst auf den nächsten Metern von schwarzen Riesenfröschen angegriffen zu werden bin ich dann, unter immer mehr Wolken, nach Kempen gefahren. Ich habe weder schwarze Riesenfrösche, noch sonstige Amphibien zu Gesicht bekommen.

In Kempen bin ich an der wunderschönen Mühle vorbeigeradelt. Das Wahrzeichen der Stadt stammt aus dem Jahr 1481 und ist sicher eines der markantesten Bauwerke der Stadt.

Von Kempen aus ging es dann zurück nach Krefeld. Am Gut Heimendahl vorbei. Das ist auch jedes Mal wieder ein tolles Fotomotiv, die ganze Ecke da zwischen Kempen und Krefeld ist wirklich schön.

Über die Kempener Alle bin ich dann nach Krefeld hinein gefahren. Übrigens immer noch komplett trocken obwohl es in der Nähe wohl schon geregnet hat.

Laut Wikipedia gilt das Krefelder Stadthaus als überregional bedeutendes Werk der deutschen Nachkriegsarchitektur. Es ist auf jeden Fall von Egon Eiermann errichtet worden und war ursprünglich das Verwaltungsgebäude der VerSeidAG, bevor später die Stadt Krefeld dort einzog.

Ähnlich alt, aber deutlich hässlicher, ist das Seidenweberhaus am Theaterplatz. Der Veranstaltungsort hat die ideale Größe für eine innerstädtische Eventlocation und es wurden schon rauschende Feste dort gefeiert. An einigen Stellen marode ist sein Abriss durch den Rat der Stadt Krefeld beschlossen worden, in ein, zwei Jahren soll es soweit sein. Jetzt hat das Krefelder Stadtmarketing dem alten Klotz eine würdige „Abrissparty“ spendiert.

Das Stadtmarketing arbeitet seit einigen Jahren auf das große Stadtjubiläum nächstes Jahr hin. Unter dem Signet „Krefelder Perspektivwechsel“ gibt es seit einiger Zeit immer wieder Veranstaltungen und Aktionen, die die Stadt Krefeld ihren Bürgerinnen und Bürgern näherbringen soll, gerne auch auf ungewöhnliche Art. Dazu gehören auch bislang drei, jetzt vier, „Galleries“. Dabei handelt es sich um Streetart-Aktionen, die kontinuierlich näher an die Stadt gerückt sind. Am Umweltzentrum am Hülser Berg gibt es die Woodart-Gallery, am Rhein in Krefeld-Uerdingen die Rhine Side Gallery und in einem alten Bunker am Bahnhof gab es die Downtown-Gallery. Jedes Mal waren dort talentierte Streetartkünstlerinnen und -künstler am Werk. Das aktuell Projekt macht das Seidenweberhaus zur Leinwand. Eine gute Woche lang haben die Kunstschaffenden dort gewerkelt und das Ergebnis ist der Hammer. Tubuku, meine Lieblingskünstler hier aus Krefeld, waren natürlich auch dabei, aber auch viele andere. Meine Kollegin aus dem Presseamt, Ramona, hat eine super Clip dazu gemacht, schaut mal hier:

Aktuell stehen noch die Gerüste davor, die kommen aber jetzt in den kommenden Tagen weg. Wenn ihr in der Gegend seid, schaut es Euch mal an, ich finde vieles davon richtig stark.

Und damit war meine Sonntagsrunde dann auch schon wieder zu Ende geradelt. Knappe 82 Kilometer sind es geworden. Wie so oft habe ich noch nen Relive Clip am Start und hoffe ansonsten, es hat Euch gefallen. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, habt eine gute Zeit und bis zum nächsten Mal,

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7 comments

  1. Hallo Martin, wieder mal wunderschön! Wie schnell man doch aus der alten Kaufmannsstadt ins Grüne fahren kann….👏.

    Wir müssen dieser Tage Dieters Motorrad nach Kempen bringen…wollten die 🚴‍♀️🚴‍♂️ mitnehmen und eine Tour fahren um die Wartezeit zu überbrücken. Kannst Du mir bitte den Track schicken?

    Herzlichen ❤️ Dank 😊 im Voraus
    LG Petra

    1. Vielen Dank fürs Kompliment. Ich war am Wochenende unterwegs, und hab deshalb erst jetzt den Kommentar gesehen. Ich wünsche Dir auch ein schönes Wochenende gehabt zu haben 😉
      LG Martin

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