Hallo zusammen,
es geht nochmal um die Fliegerei, aber auch um meine eigene Geschichte und warum mich das Geräusch eines Nachbrenners sentimental werden lässt. Aber, fangen wir vorne an. Es ist, denke ich, unstrittig, dass die Weltlage angespannt ist. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg auf die Ukraine bedroht, mittelbar, auch unsere Sicherheit und es kann nicht schaden, sich zu wappnen. Die Bundeswehr tut das aktuell an etlichen Stellen, unter anderem auch bei der Luftwaffe. Neben vielen internationalen Übungen trainieren die Soldatinnen und Soldaten aktuell auch den Einsatz ihrer Kampfjets von zivilen Flughäfen aus. Bei den sogenannten „Dispersed Operations“ geht es darum, die Zusammenarbeit zwischen militärischem und zivilem Personal zu üben und zu schauen, welche Schwierigkeiten dabei entstehen können. Ziel ist es, im Verteidigungsfall nicht nur auf die eigenen Plätze angewiesen zu sein. Dabei hat die Luftwaffe schon in Hannover, Münster, Bremen, Lübeck und Hamburg trainiert.
In dieser Woche ist der Flughafen Weeze in der Nähe von Kevelaer die Ausweichbasis. Das Taktische Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ aus Nörvenich hat mit Eurofighter-Jets an die deutsch-niederländische Grenze verlegt und führt jetzt eine Woche lang Operationen vom Airport Weeze aus durch.
Besonders an diesem Flughafen ist seine Vergangenheit als Airbase der britischen Royal Air Force. Als RAF Laarbruch bin ich mit diesem Platz aufgewachsen.

Ich verbinde viele glückliche Erinnerungen an meinen Vater mit diesem Flugplatz. Schon ganz früh sind wir zusammen dort hingefahren und haben gemeinsam am Zaun gestanden und „Flugzeuge geguckt“. Tornados, Harrier, Phantom, später auch Hubschrauber wie die Chinook oder den Super Puma. Es war immer was los und gerade die gemeinsame Zeit habe ich sehr genossen. Am Platz gibt es mit dem „Royal Air Force Museum Weeze“ einen tollen Ort um in die Geschichte einzutauchen. Schaut mal auf der Webseite nach, ein Besuch dort lohnt sich sehr.

Ich fühle mich dem Flughafen dort seit Jahren verbunden und verfolge die Entwicklung dort die ganze Zeit, inklusive der Umwandlung zu einem zivilen Airport. Da waren wilde Zeiten dabei und als Flugzeugfan gab es immer was zu erleben.


Mittlerweile ist es halt eine Menge Ryanair, aber auch das schon eine ganze Weile.

Und jetzt also die Luftwaffe. Seit 1999 ist es das erste Mal, dass wieder Kampfjets regulär hier landen. Zu zwei Flughafengeburtstagen waren einige Jets da, aber es ist das erste Mal, dass sie wieder in militärischer Mission da sind. Als ich Dienstag früh vor Ort war, nieselte es leicht und so richtig hell wurde es nicht. Die Flughafenfeuerwehr war ebenfalls vor Ort und übte an den Jets.


Die Flugzeuge stehen im Norden des Platzes, da wo auch schon Musikfestivals und Sportevents stattgefunden haben. Es ist ein sehr spezielles Gefühl, die Flugzeuge auf dem ehemaligen Militärgelände zu sehen.

Der Ablauf ist genau wie auf einem Militärplatz auch, es gib einen sogenannten „Last Chance“-Bereich, in dem die Flugzeuge ein letztes Mal vor dem Start von ihren Warten überprüft werden.

Und dann geht es auf die Bahn und ab dafür. Bei meinem Besuch gingen drei Einsitzer auf ihre Mission, gefolgt von einer doppelsitzigen Maschine.


Die Feuerwehr hatte ein wachsames Auge auf die Flugzeuge.


Die Einsitzer gingen alle ohne ihren Nachbrenner raus, der Eurofighter braucht ihn nicht zwingend, der Doppelsitzer allerdings legte einen „unrestricted takeoff“ hin.


Bei einem „unrestricted takeoff“ nutzt ein Flugzeug den vollen Schub und steigt so schnell wie möglich, meist senkrecht, nach oben um schnell Höhe zu gewinnen.

Das ist, zumal wenn man direkt daneben steht, beeindruckend und macht auch ein bisschen mehr Geräusch als eine Boeing 737 oder ein Airbus A320.

Beim Geräusch des Jets, auch als er in den Wolken verschwand, hatte ich einen echten Gänsehaut „Full Circle Moment“. Für einen kurzen Augenblick war ich wieder der Junge der mit seinem Vater am Zaun steht und staunend den Fliegern zuschaut. Mein Vater ist vor einiger Zeit verstorben, aber an dieser Nummer hätte er seine helle Freude gehabt.


Beeindruckend!

Nach dem Ende der Mission kamen die Flieger wieder rein, dieses Mal wurde aus dem Westen gelandet.




Die Flugzeuge rollten danach wieder auf ihre Parkpositionen und die wurden dort schon von den Fluggerätmechanikern erwartet.

Ich hab einige nette Menschen getroffen, Flugzeuge gesehen, Kerosin gerochen und Jetnoise genossen. Ein toller Tag. Wollen wir hoffen, dass die Luftwaffe für sie wichtige Erkenntnisse aus der Übung zieht und sie am Ende niemals in einem Ernstfall wird einsetzen müssen.
Mit dem Abrücken der Feuerwehr, vielen Dank für den Gruß mit dem Blaulicht 😉 , endet dann auch mein Besuch in Weeze.

In Köln habe ich dann noch ein schnelles Bild einer ukrainischen Antonov gemacht und dann war es das mit den Flugzeugen für diesen Tag.

Ich hoffe, euch haben die Einblicke gefallen, die Luftwaffe ist noch bis Ende der Woche in Weeze, falls ihr also auch mal schauen wollt. Ansonsten wünsche ich Euch eine gute Zeit, bleibt gesund und seid nett zu Euren Mitmenschen.
Euer Martin