Ihr Lieben,
ein Blick auf die Welt ist aktuell schwer zu ertragen, oder? An vielen Stellen herrscht Krieg, Terror, Verwüstung und Hass. Gleichzeitig zeigt uns die Natur gerade sehr deutlich, was sie davon hält, dass es immer noch Menschen gibt, die den, von uns selbst gemachten, Klimawandel leugnen. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und, gerade auch hier bei uns, riesige Wald- und Wiesenbrände, die die Menschen aus ihren Häusern treiben. Ein Blick auf Google Maps, welcher nur die größten Brände zeigt, macht demütig.

Zu all den Katastrophen und Kriegen kommen dann noch Überforderung und Hilflosigkeit bei vielen Menschen, welche dann in Hass, Hetze und Dauergenörgel in sozialen Netzwerken umschlägt. Beruflich lese ich jeden Tag Kommentare in Facebook-, Instagram-, Youtube- oder Mastodonkommentarspalten und ich kann euch versichern, Vergnügungssteuerpflichtig ist das alles nicht. Wenn ihr das mal selbst ausprobieren möchtet, postet doch mal eine Regenbogenflagge.
Die Feuerwehr als Blaupause?
Ich habe gerade, auch im beruflichen Kontext, viel mit der Feuerwehr zu tun. Und irgendwie rücken die Infos, die ich rund um die vielen Einsätze bei Wald- und Vegetationsbränden zur Zeit bekommen, meine Sicht auf die Menschen ein wenig zurecht.

Da brennt vor ein paar Tagen in Krefeld eine riesige Fläche an einer Bahnstrecke und es kommen Menschen, ehrenamtlich, in ihrer Freizeit um zu löschen. Gerade sind unzählige Feuerwehrleute aus NRW unterwegs um im Hürtgenwald zu helfen. Die allermeisten davon tun das gerade in ihrer Freizeit, tun dies ehrenamtlich.

Während die einen mutig von der Couch aus gegen eine bunte Flagge und queere Menschen hetzen, gehen andere ins Feuer und helfen der Gesellschaft buchstäblich unter Einsatz der eigenen Gesundheit. Rund um den Brand im Hürtgenwald tauchen Hilfsangebote aus der Bevölkerung auf, Getränke und Verpflegung werden gestellt, Stellplätze für Wohnwagen werden angeboten und Evakuierte bekommen Wohnraum offeriert – schnell, unkompliziert und nahbar.

Als ich heute Nacht durch die Social Medias gescrollt bin und mir Einsatzberichte oder Hilfsangebote durchgelesen habe, habe ich gemerkt: Es gib das Gute im Menschen. Es gibt die Menschen, die sich für andere einsetzen, die nicht lamentieren, alles besser wissen und vor dem Bildschirm klugscheißen, sondern die anpacken, anbieten und da sind, wenn man sie braucht. Klar, solche Menschen findet man natürlich bei der Feuerwehr, ob nun hauptamtlich oder im Ehrenamt, aber es gibt sie eben auch ohne Helm und Uniform. Oftmals braucht es Umstände wie ein Hochwasser oder, wie aktuell, Brände und Katastrophen um das Beste aus den Menschen zu holen, aber, es ist da.
Ich würde mir wünschen, wir würden auch im Alltag mehr agieren wie „in der Lage“, würden achtsamer miteinander umgehen, weniger oft aus der Haut fahren, weniger oft die Lebensmodelle anderer Menschen kritisieren und Hass, Hetze und Nörgelei in Engagement, Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn verwandeln. Es hat wohl keine bessere Zeit dafür gegeben als jetzt.
Wenn wir als Menschen wieder Selbstwirksamkeit erleben, wenn wir merken, dass Gutes zu uns zurückkommt, dann schaffen wir es vielleicht aus der Spirale aus Angst, Hoffnungslosigkeit und Lethargie zu brechen und zu erkennen, wie gut es uns eigentlich geht, wie wichtig jede und jeder ist und dass es in den Parlamenten gar keine Alternative geben muss, die sich vom Negativen ernährt.
In diesem Sinne, danke an all die vielen Helferinnen und Helfer da draußen, an die vielen Menschen die in unserem Land im Ehrenamt aktiv sind. Danke für Euren Dienst und kommt gesund an Körper und Geist wieder nach Hause – immer.
Euer Martin
Die Sommer meiner frühen Kindheit spielten sich in Gey ab – zunindest in meiner Erinnerung waren sie groß und meine erste echte Berührung mit der Landwirtschaft.
Die Tönisvorster freiwillige Feuerwehr ist auch hin: ich feiere das!
Du sprichst mir im wahrsten Sinnes des Wortes aus dem Herzen.