Hallo zusammen,
nachdem nun auch die letzte Nachmeldemöglichkeit vorbei ist, steht das diesjährige Ergebnis des Stadtradelns 2026 in Krefeld fest. 617.348 Kilometer haben 2.920 aktive Radlerinnen und Radler erstrampelt. Nicht schlecht. Ich war dieses Jahr auch wieder mit dabei und habe mit 1.136 Kilometern mein bislang bestes Ergebnis bei diesem Wettbewerb erzielt. Warum es darum aber nur in zweiter Linie geht, was das „Stadtradeln“ ist und warum mir das ewige Genörgel auf die Nerven geht – darum soll es im heutigen Blogbeitrag gehen. Unbezahlt, und dieses Mal ist der Hinweis hier wichtig, unbeauftragt natürlich.
Kennt ihr das STADTRADELN überhaupt? Beim Stadtradeln fahren Menschen drei Wochen lang möglichst viele Alltags- und Freizeitwege mit dem Fahrrad, sammeln Kilometer gemeinsam in Teams und zeigen dadurch, wie wichtig und nützlich das Fahrrad für die eigene Stadt ist.

Ich bin in diesem Jahr im Team der Stadtverwaltung gefahren und seit einiger Zeit hat man die Möglichkeit, Unterteams zu gründen und so sind wir als Fachbereich 13 mitgefahren. Von 29 Unterteams haben wir es immerhin auf Platz 7 geschafft und die Stadtverwaltung als Gesamteinheit hat sich Platz 1 erradelt. Das freut mich auch deshalb sehr, weil man in sozialen Netzwerken recht häufig den Vorwurf liest, von „denen“ würde ja niemand in Krefeld mit dem Rad unterwegs sein.
Apropos soziale Netzwerke. Lasst mich ein, zwei Dinge rund um Social Media im Allgemeinen und Social Media in Krefeld im Besonderen los werden. Als ich damals, 2013, das Stadtradeln als „Communitybuilding-Instrument“ für die Mediothek entdeckt habe, war die Social Media Welt noch eine andere. Natürlich gab es auch damals schon Accounts, die an allem etwas zu bemängeln hatten, denen es niemand jemals recht machen konnte und die bereits vor 2013 durch sinnfreie Postings und Kommentare aufgefallen sind. Funfact an dieser Stelle: Diese Accounts gibt es bis heute und sie haben an ihrer destruktiven, oftmals unfairen und populistischen Art auch nichts verändert.

Heute ist der Ton aber in der Breite ein anderer geworden. Die Sichtweise des Gegenübers kann nicht einfach stehen bleiben, sie muss aktiv bekämpft werden. Etliche Accounts sehen sich im Besitz der alleinigen Wahrheit, das macht eine Diskutieren auf Augenhöhe schwierig.
Gerade rund um das Thema „Fahrrad“ erlebe ich das oft. „Man kann in Krefeld kein Fahrrad fahren!“ ist da zu lesen, auch die Tatsache, dass es in dieser Stadt Menschen gibt, die sich jedes Jahr auf das Stadtradeln freuen und das Ganze als Urlaubsevent nutzen wird ignoriert und der Zeitraum als „Feigenblatt“ bezeichnet. Das ist schon unfair und gemein und so sicher auch nicht richtig. Dieses Jahr hat es dann auch noch der ADFC abbekommen, „Papiertiger“, „machen nichts“, „braucht keiner“ war da zu lesen. Und ja, es sind immer dieselben Accounts. Ich mache jetzt seit über 20 Jahren Social Media in Krefeld, ich weiß natürlich was von wem wann kommt. Das macht es aber nicht weniger einfältig und populistisch und es ärgert mich auch nicht weniger, wenn es kommt. Gerade dann, wenn es persönlich wird. „Du fährst doch selbst hier nie Rad, sonst wüsstest Du, dass das in Krefeld unmöglich ist.“ Nun ja, eigentlich fahre ich sogar fast jeden Tag in Krefeld mit dem Rad und daher weiß ich, dass es sogar ziemlich gut möglich ist. Da wo rot ist, bin ich in der letzten Zeit mit dem Rad gefahren 😉 .

Die Trolle im Netz machen es sich oft zu einfach, wenn sie sagen, alles ist Mist. Dank des Engagements des ADFC zum Beispiel sind Einbahnstraßen für Radelnde geöffnet worden.

Poller und Drängelgitter wurden abgebaut und durch farbige Markierungen Raum für Menschen auf dem Rad geschaffen.

Mir ist klar, dass „Farbe keine Infrastruktur ist“, aber es zeigt eben auch, dass das Märchen von „man kann hier nicht radeln“ und „niemand macht etwas“ eben genau das ist, ein Märchen. Radwege wie der in Gatherhof…

…oder die Markierung auf der Friedrich-Ebert-Straße sind Schritte in die richtige Richtung.

Baulich vom Autoverkehr getrennte Wege, verfüllte Schlaglöcher, funktionierende Fahrradstraßen oder die Radpromenade sind alles Verbesserungen für uns Biker, die ich allerdings in Social Media kaum wahrnehme. Warum nicht? Weil man mit „Alles ist Scheiße und so gefährlich ist Radfahren“ eben deutlich besser die Aufmerksamkeitshysterie bedienen kann.




Das alles macht Krefeld nicht zu Kopenhagen und es ist sicher auch nicht der feuchte Traum eines jeden radaffinen Menschen, es zeigt aber, dass man in Krefeld sehr wohl mit dem Fahrrad fahren kann und die Ergebnisse des Stadtradelns zeigen ja auch, dass das etliche Menschen tun. Dafür reicht allerdings auch ein Blick aus dem Fenster.
Also, es gibt in Krefeld in Sachen Fahrrad eine Menge zu tun, die aktuelle Haushaltslage macht das sicher nicht einfacher, aber die Situation ist weder apokalyptisch, noch taugt sie als Ausrede, das Fahrrad stehen zu lassen und stattdessen das Auto zu nutzen. Es gibt in Krefeld auch etliche Menschen, die seriöse und konstruktive Kritik rund ums Rad und die Radkonzepte äußern, sich ernsthaft engagieren und durchaus auch in der Lage sind, erreichtes auch mal als solches anzuerkennen. Ich würde mir für die Zukunft mehr von diesen Stimmen wünschen.
Meine, und die Hoffnungen vieler Radfahrenden in Krefeld, liegen nicht zuletzt deshalb auf Jerome. Jerome ist Koordinator für Rad- und Fußverkehr in Krefeld und hat das diesjährige Stadtradeln organisiert.

Neben einem witzigen Video als Aufruf zur Teilnahme, war er vor allem bei den gemeinsamen Touren dabei und kam mit etlichen Leuten ins Gespräch. Da waren sicher gute Anregungen und Hinweise dabei. Es ist schon sinnvoll, einfach mal zu sprechen, anstatt reflexartig in einem sozialen Netzwerk „draufzuhauen“.
Mit der Auftakttour ging es also am 15. Juni los, organisiert vom ADFC war es eine schöne Runde durch Stadt, Feld und Wald und sie klang im Biergarten des Stadtwaldhauses aus. Geht schlimmer 😉 .

Besonders umstellen musste ich mich im Stadtradelzeitraum nicht, ich fahre ja auch sonst viel Rad, aber einige längeren Touren waren dann doch dabei. Auch wenn das meiste kurze Strecken zu Terminen oder zum Abendessen bei Freundinnen und Freunden innerhalb Krefelds oder den Nachbargemeinden gewesen ist…

…haben die Tour auf dem Emscherweg (kann ich empfehlen) und natürlich die Radtour mit meiner Mutter ins niedersächsische Scheeßel einige Kilometer mehr auf den Zähler gebracht.

Für mich war das Stadtradeln wieder eine gute Zeit, die ich, allein oder mit Freundinnen und Freunden, auf dem Rad verbracht habe. Zusammen mit anderen Menschen das Thema Fahrrad und Fahrradverkehre sichtbar machen ist eine gute Sache, egal wie viele Menschen versuchen, das Ganze madig zu machen. Es geht nicht darum, dogmatisch zu werden, es geht darum eine der coolsten Fortbewegungsarten die wir so haben einfach mal zu Feiern und sichtbar zu machen.


Dafür bin ich allen, die mitgemacht haben, die ich getroffen habe und die den ganzen Bums jedes Jahr organisieren sehr dankbar. Ich freue mich schon aufs Frostpendeln und das Stadtradeln 2027 in Krefeld.
Euer Martin