Wir. Dienen. Deutschland. – Tag der Bundeswehr

Hallo zusammen,

ich hatte in der vergangenen Woche zwei Tage die Gelegenheit, mich bei der Bundeswehr umzusehen. Dafür bin ich den Kameradinnen und Kameraden sehr dankbar. Bevor ich hier aber mit vielen, vielen Bildern von diesen Tagen berichten möchte, poste ich eine Triggerwarnung.

Hier wird es gleich um das Militär gehen, es gibt Waffen zu sehen, Panzer, Soldatinnen und Soldaten, Hubschrauber und Einsatzszenarien. Wer daran kein Interesse hat, oder vielleicht mit PTBS zu kämpfen hat, und Angst vor Triggern hat, dem empfehle ich, diesen Beitrag NICHT zu lesen. In naher Zukunft folgen Berichte über meine Hamburg-Reise und Radtouren, vielleicht wartet ihr dann eher auf diese Beiträge oder schaut euch bei den vielen Radtouren der Vergangenheit um.

Tag 1 – Munster

Seit 2015 gibt es in Deutschland den „Tag der Bundeswehr“. Dabei öffnen etliche Standorte im Land ihre Türen und geben Einblicke in die Tätigkeitsfelder der Bundeswehr. Wenn ihr hier schon länger mitlest, wisst ihr ja zum einen um meine eigene Vergangenheit als Soldat, aber auch um meine Begeisterung für die Fliegerei. Weil ich mich das ganze Jahr über mit Flugzeugen beschäftige, suche ich mir zum Tag der Bundeswehr jedes Mal Standorte heraus, die genau das nicht tun. Eine Armee ist so vielfältig und mich interessieren eben auch die vielen anderen Einheiten und Tätigkeiten. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit im niedersächsischen Munster am Freitag vor dem Tag der Bundeswehr fotografieren zu können. Munster, ohne „ü“, ist der größte Standort des Heeres und beherbergt viele Einheiten und Schulen. Die Fotos entstanden bei einer Übung, einem fiktiven Gefecht um ein Dorf. Auf dem Weg dorthin, kamen mir schon Kameradinnen und Kameraden in ihren Panzern entgegen, die alles für den nächsten Tag vorbereitet haben.

Die angenommene Lage der Übung war die Rückeroberung eines kleinen Dorfs, welches vom Gegner gehalten wird. Dazu wurden Kampfpanzer Leopard 2, Schützenpanzer Puma, Transportpanzer Fuchs, Panzerhaubitzen 2000, ein Brückenlegepanzer Biber, Spähwagen Fennek und Geländewagen Wolf eingesetzt. Panzergrenadiere und, und daran merkt man dann, wie realitätsnah und aktuell solche Übungen sind, Drohnen kamen ebenfalls zum Einsatz.

Die Drohnen dienen einerseits der Aufklärung, können aber auch Wirkkörper zum Einsatz bringen.

Bei den Gefechten wurde auch die Bedrohung durch gegnerische Drohnen aufgezeigt. Dabei ist auch hier die Bandbreite von komplexen Systemen bis hin zu günstigen Consumerdrohnen gegeben. Gefährlich für die eigenen Truppen sind sie alle.

Der Einsatz der schweren Großgeräte war beeindruckend. Die Geräuschkulisse von fahrenden Panzern und Gefechtslärm lassen mich als Beobachter nicht kalt.

Auch der abgesessene Kampf wurde gezeigt. Dabei verlassen die Soldatinnen und Soldaten die Fahrzeuge und kämpfen sich von Haus zu Haus vor.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass hier eine Glorifizierung von Krieg stattgefunden hat, sondern eine, ziemlich realitätsnahe, Darstellung von Taktiken und Fahrzeugen. Zu diesem Bild gehört es auch, dass Soldatinnen und Soldaten Verwundungen davon tragen. Im dargestellten Szenario kam zur Evakuierung ein GTK Boxer in der Sanitätsausführung zum Einsatz. Ich fühlte mich bei den Bildern an den Satz von meinem Hauptmann damals erinnert: „Schaue nie auf einen Sanitäter herab, irgendwann wirst Du zu einem hinaufschauen.“

Die Panzerhaubitze wirkte aus der Distanz und hat die, durch Drohnen aufgeklärten, Feindkräfte bekämpft. Die Panzerhaubitze 2000 ist schon ein beeindruckendes Stück Militärtechnik, spätestens hier gibt es dann auch einen direkten Bezug zur aktuellen weltpolitischen Lage, die Streitkräfte der Ukraine setzen von Deutschland gelieferte PzH 2000 bei ihrem Kampf gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands ein.

Zerstörte Brücken, in der fiktiven Lage ein Problem, können vom Brückenlegepanzer Biber überwunden werden.

Das Wetter zeigte sich an diesem Morgen von seiner wechselhaften Seite. Von strahlendem Sonnenschein bis zu Starkregen war alles dabei.

Ganz interessant waren auch ehemalige Systeme der Bundeswehr. Nach der Übung wurden einige der Exponate gezeigt. Ein Brückenlegepanzer war dabei und der, ebenfalls aktuell in der Ukraine im Einsatz stehende, Flugabwehrpanzer Gepard.

Auf dem Weg zurück zum Auto gab es auch noch einen Raketenwerfer LANCE zu sehen, er stand bis in die 1990er Jahre im Einsatz der Bundeswehr.

Und damit endete der Tag in Munster. Die Organisation vor Ort war klasse, vielen Dank an dieser Stelle allen Beteiligten, die das möglich gemacht haben. Für mich ging es dann weiter in Richtung des zweiten Standortes am nächsten Tag.

Tag 2 – Glückauf-Kaserne in Unna

Für den eigentlichen „Tag der Bundeswehr“ am Samstag habe ich mir die „Glückauf-Kaserne“ in Unna ausgesucht. Der Standort beheimatet ein Versorgungsbataillon, ein Sanitätsbataillon, ein Logistikzentrum und einiges mehr.

Am Ende des Tages kann eine Armee nur mit Nachschub funktionieren. Die hochmodernen und eindrucksvollen Waffensysteme benötigen Treibstoffe und Munition, die Kameradinnen und Kameraden wollen was Essen und auch viele, viele andere Dinge müssen bedacht werden. Deshalb habe ich mir ganz bewusst diesen Standort ausgesucht um mich zu informieren. Nachschub, Instandsetzung und Logistik – spannende Themen.

Sowohl die Zivilangestellten, als auch Soldatinnen und Soldaten hatten etliche Stationen aufgebaut, es gab dynamische Vorführungen und aus allen Bereichen waren Ansprechpartnerinnen und -partner verfügbar. So konnte man ins Gespräch kommen und an vielen Stellen hinter die Kulissen blicken.

Auch interaktiv wurde einiges geboten, ob man nur die Hindernisbahn bezwang oder mit einem Bagger versucht hat seine Feinmotorik zu beweisen, interessant war es auf jeden Fall.

Einblicke in Werkstätten waren ebenso möglich wie in Waffentechniken und die Ausstattung anderer Verbände, wie etwa dem KSK oder der Luftwaffe.

Als Aviatikfan hat mich natürlich auch der H145 gefreut. Zumal in der Ausführung für die Spezialkräfte.

Auch die Feldjäger waren vor Ort und haben Ausrüstung gezeigt und über ihren Auftrag gesprochen. Diese Truppe sollte später noch wichtig werden, dazu aber gleich mehr.

An einer weiteren Station demonstrierten die „Wölfe“ des Jägerbattaillon ihre Fähigkeiten beim Orts- und Häuserkampf. Diese sehr eindrückliche Demonstration zeigte sehr deutlich, dass Einsätze nicht so wie im Film oder bei „Call of Duty“ ablaufen, sondern dass die Kameradinnen und Kameraden hier ernsthaft ihr Leben aufs Spiel setzen und im Falle eines Falles nicht irgendwo wieder „respawnen“. Es war nach der Demonstration merklich stiller im Publikum und die eingesetzten Kräfte haben eine Menge Fragen beantwortet. Ich fand es sehr gut, auch diesen Aspekt mal so nah zu zeigen. Es ist etwas anderes die Lautstärke, den Geruch und die Intensität von Schussabgaben live zu erleben, auch wenn es hier natürlich Übungsmunition war und auf Sprengkörper verzichtet wurde. Für einen ersten Einblick taugte das Szenario durchaus.

Ein bisschen Flugzeuge gab es dann auch für mich, wenn auch nicht von der Luftwaffe, sondern von der Marine. Die noch sehr neue P8 Poseidon machte einen Überflug. Viele der Besucherinnen und Besucher hielten den Jet allerdings für einen Urlaubsflieger auf dem Weg zum Flughafen Dortmund, Unna liegt ja direkt in der Einflugschneise. Die P8 basiert auf der Boeing 737, insofern ist die Anmutung nicht so ganz falsch. Die P8 ist allerdings ein U-Boot Jäger und ein Patrouillen-Flugzeug und somit das größte Kampfflugzeug der Bundeswehr.

Mit der Bundeswehr trafen dann einige Aktivisten den völlig falschen Adressat. Ausgestattet mit einem Plakat und einer Flagge enterten sie einen ausgestellten Puma-Panzer und entrollten ihr Banner. Das blutige Balkenkreuz ist allerdings nicht wirklich richtig. Ihnen ging es um die Kritik an Völkermord mit deutschen Waffen. Die Bundeswehr als Parlamentsarmee steht aber für einen Wertekanon, der Völkermord kategorisch ausschließt. Wenn man also meint gegen den Einsatz von Waffen zu demonstrieren, die von deutschen Rüstungskonzernen hergestellt werden und dann von Despoten zum Einsatz gebracht werden, ist eine Kaserne der Bundeswehr am „Tag der Bundeswehr“ definitiv der falsche Ort dafür. Das sahen die Feldjäger ähnlich und der Spuk war nach kurzer Zeit vorbei. Ich bin kein Jurist und kann die Folgen für die jungen Männer nicht abschätzen, aber anders als in so manchem Terrorstaat, werden sie wohl am Abend sicher in ihren eigenen Betten geschlafen haben und keine Gefahr für Leib und Leben fürchten müssen.

Apropos sinnfreie und geschmacklose Aktion. Auch beim Publikum gab es die ein oder andere, nun ja, zumindest geschmacklich fragwürdige, Entgleisung 😉 . Ich weiß natürlich, dass das ein Zitat der Band Rammstein aus ihrem Lied „Pussy“ ist, obs jetzt hier so passend ist? Nun ja…

Zurück zum Thema. Die dynamischen Vorführungen beeindruckten sehr. Es wurde gezeigt, wie Fracht verladen und gelöscht wird und es gab eine Vorführung, wie man in Unna mit Falschparkern umgeht 😉 .

Der Bergepanzer „Büffel“ nahm sich eines (Schrott-) Autos an…

Nun ja, ein bisschen Show gehört dazu.

Im „echten Leben“ ist dieser Panzer allerdings dafür da, Gefechtsfahrzeuge abzuschleppen oder beim Tausch von Komponenten zu wirken. Das wurde natürlich auch demonstriert.

Der Tag der Bundeswehr war eine rundum gelungene Veranstaltung, die auch anderen Organisationen einen Bühne bot, dem THW zum Beispiel.

…und der 501st Legion 😉 . Star Wars geht halt immer.

Neben einer Leistungsschau habe ich diesen Tag vor allem als Instrument begriffen, die Truppe in der Mitte der Gesellschaft zu zeigen. Schon immer waren die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr Bürgerinnen und Bürger in Uniform. Ich halte es für wichtig, dass das wieder deutlicher wird. Hier übernehmen Menschen ganz bewusst Verantwortung für sich, für ihre Mitmenschen und für die Werte, für die die Bundesrepublik seit ihrer Gründung steht. Für unsere Art zu leben und für unsere Freiheit. Das klingt pathetisch, ist aber, auch mit Blick auf die angespannte Weltlage, am Ende des Tages eben genau das.

Gerade das mit der Freiheit und den Werten ist wichtig. Als ich die Kaserne verlassen habe und unterwegs zum Auto war, fiel mir eine Gruppe Demonstrantinnen und Demonstranten auf der anderen Straßenseite auf. Sie demonstrierten gegen die Bundeswehr und die Wehrpflicht, die wir aktuell ja gar nicht haben, und taten so ihre Meinung kund. Und das finde ich genau richtig. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann muss ich das auch kommunizieren dürfen. Eine Demo anzumelden und an einem solchen Tag dort zu stehen und seine Ansichten zeigen zu können ist ein hohes Gut.

Es ist, aus meiner Sicht, bedauerlich, dass die Transferleistung nicht gelingt, dass den Demonstranten diese Möglichkeit nur gegeben wird, WEIL es Menschen gibt, die sich jeden Tag für unsere Sicherheit einsetzen und unsere Rechte, darunter auch das Recht auf freie Meinungsäußerung, verteidigen. Ich hatte versucht mit dem einen oder anderen ins Gespräch zu kommen, bin aber am Ende gegen eine, aus meinem Blickwinkel, heftige Naivität nicht angekommen. Ob eine solche Demo vor einer Kaserne der Roten Armee in Moskau wohl möglich wäre?

Als ich am Auto angekommen bin, habe ich dann doch noch ein bisschen Luftwaffe gesehen, wenn auch aus der Ferne. Eine Dreierformation des A400M überflog den Stützpunkt.

Über 50.000 Besucherinnen und Besucher waren in Unna und haben sich mit Soldatinnen und Soldaten unterhalten, Einblicke in die Aufgaben, die Tätigkeiten und die Gedanken der Truppe bekommen. Ich bin den Kameradinnen und Kameraden für ihren Dienst sehr dankbar und sage ihnen das auch immer mal wieder. Am 15. Juni ist der Veteranentag in Deutschland, vielleicht nutzt ihr ja mal die Chance und sagt einer Frau oder einem Mann in Uniform einfach mal „Danke“.

Bleibt gesund und munter, seid nett zu Euren Mitmenschen und lest beim nächsten Mal gern wieder rein.

Euer Martin

2 comments

  1. Wieder ein sehr Interessanter Blog von dir weiter so lese immer gerne mit auch deine anderen Berichte komme ja auch aus Krefeld
    Gruß Heinz

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