Ihr Lieben,
ich war mal wieder auf dem Rad unterwegs, dieses Mal bei uns in der Region. Eigentlich war die Tour anders geplant, aber weil ich mich erst verlesen und dann im Datum vertan habe 😉 gibt es keine Oldtimer auf einer Halde und keine Flugzeuge in Wesel zu sehen. Stattdessen einfach ein bisschen Radtourdoku. Unbezahlt und, wie immer, unbeauftragt, ging es letzten Samstag vormittags in Krefeld los.
Es ist immer ganz schön zu sehen, wenn es Blumen in der Stadt gibt. Gerade wenn an den schönen Fassaden in der Innenstadt bunte Blumen wachsen, hat das was.

Vorbei am Tempel im Kaiser-Friedrich-Hain führte mich mein Weg in Richtung Nord-Osten durch die Stadt. Klappt übrigens ganz gut, auch auf die Gefahr hin, dass ich in sozialen Netzwerken wieder, möglicherweise gewollt, falsch verstanden werde, wenn ich schreibe, dass Krefeld nicht Kopenhagen ist und es an vielen Stellen sicher besser ginge, wenn man als Mensch auf dem Rad unterwegs ist, aber man selbstverständlich in Krefeld mit dem Rad fahren kann. Lest gern mal in meinen Beitrag zum Thema „Stadtradeln“ rein.

Nun ja, sei es drum, für mich ging es dann auf den Hermann-Kresse-Weg. Dort gibt es neue Tafeln eines Baumlehrpfades. Finde ich richtig gut.


Überhaupt ist Krefeld ziemlich grün. Wie bei vielen unserer Großstädte merkt man das so richtig erst dann, wenn man entweder auf dem Rad unterwegs ist – oder sich das Ganze von oben anschaut.

Mein erstes Ziel war Moers und dort die Halde Rheinpreußen mit dem „Geleucht“ auf dem Haldenplateau. Unterwegs bin ich an einem Feld vorbei gekommen, in dem sich eine einzelne Gruppe Sonnenblumen eingenistet hat, drumherum war davon nichts zu sehen.

Keine Wolke am Himmel, ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich so wenig Haare am Hinterkopf habe, dass ich mit Kappe unterm Helm radeln muss, da ich sonst sofort einen Sonnenbrand kriege 😉 .

Da tat es dann richtig gut, ein ganzes Stück auf dem „Grafschafter Rad- und Wanderweg verbringen zu können. Er verbindet den Hülser Berg mit Moers und ist einfach wunderbar zu fahren. Die meiste Zeit radeln man unter Bäumen daher.

Die Halde Rheinpreußen besteht aus dem Aushub der gleichnamigen Zeche. Die Älteren unter uns kennen vielleicht noch die Disco PM, sie war in einigen der ehemaligen Zechengebäude untergebracht. Wie immer bei den Zechen des Ruhrgebietes liegen auch Zechensiedlungen ganz in der Nähe. Diese typischen Bergarbeitersiedlungen sind oftmals saniert und stehen unter Denkmalschutz. Auch in Moers gibt es einige solcher Siedlungen. Ist schon richtig schön in weiten Teilen.

Auf der Halde angekommen fiel mir als erstes das Fehlen von Oldtimern auf. Ich hatte in einer Facebook-Gruppe gelesen, dass an diesem Tag das Haldenplateau für die Besitzerinnen und Besitzer historischer Fahrzeuge freigegeben sein. Nun ja, zwar keine Autos, aber das „Geleucht“, ein Kunstwerk in Form einer Grubenlampe, stand da, wo es immer steht und ist nach wie vor ein echter Hingucker.

Der Blick ins Ruhrgebiet von dort oben ist schon spannend. Industrie, Infrastruktur und aktuell die Tatsache, dass verdammt wenig Wasser im Rhein ist.


Von der Halde, mit ordentlich Schwung, ging es weiter nach Rheinberg. Dort habe ich an einer Tankstelle Pause gemacht und mir etwas kaltes zu trinken besorgt. Beim Blick auf die Preistafel war ich dann schon verwundert, beim Start meiner Tour in Krefeld kostete der Liter Superbenzin 2,16 Euro….offenbar gibt es in Rheinberg edleren Sprit 😉 .

Gut, dass ich nur Cola nachtanken musste. Gestärkt ging es dann weiter in Richtung Wesel. Nach den nicht angetroffenen Autos, hatte ich mir ein Fliegertreffen am Flugplatz in Wesel als Ziel vorgenommen.

Nun ja, was soll ich sagen, wer ordentlich liest, hat Vorteile. Die Oldtimer durften erst ab 15 Uhr auf die Halde, da war ich längst wieder weg und das Fliegertreffen war eine Woche später – schön war die Radtour trotzdem. Ich bin dann allerdings nicht mehr bis nach Wesel gefahren, sondern haben Kempen in meine Routenplanung eingebaut.
Unterwegs bin ich auf ein wirklich gutes Rasthäuschen gestoßen. Bei der Wärme und vor allem der prallen Sonne, tat es gut, einen Moment im Schatten sitzen zu können.

An der Decke des Häuschens zeugten Schriftsätze von einer unglücklichen Liebe.


Spannend wäre es, mal die Geschichte aus der Sicht von Julie zu hören…das scheint ja ein ziemlich dramatischer Valentinstag gewesen zu sein, damals im Jahr 2023. 😉


Ich hoffe, beide sind inzwischen wieder glücklich. Sind ja schon mehr als drei Jahre ins Land gegangen. Deutlich mehr Jahre gibt es schon das Schloss Ossenberg. Leider im Privatbesitz und nicht zugänglich. Es macht aber auch von Außen schon ein bisschen was her.


Ganz in der Nähe, direkt an der Xantener Landstraße, steht die Ossenberger Mühle. Ihr wisst ja, Mühlen finde ich klasse. Wenn sie gut erhalten und restauriert sind, sind es echte Hingucker.

Ein Blick die Xantener Landstraßen entlang zeigt – es war heiß, richtig heiß. Die Luft flimmert und ich war für jeden Schatten dankbar. Auf dem Fahrrad geht das meist immer noch, da man ja den Fahrtwind hat.

Viel trinken ist angesagt. Direkt neben der Mühle standen etliche ehemalige RTWs und Krankenwagen. Die gehören jetzt allerdings zur „Cocktail-Ambulanz“ 😉 .


Die Fahrzeuge sind zu Cocktail-Bars umgebaut und können, wenn ich das richtig verstanden habe, inklusive Inhalt für Parties gebucht werden. Na denn – Prost.

Ich bin bei meiner Cola geblieben und weiter in Richtung Westen gefahren. Vorbei an ausgedehnten Feldern und Landwirtinnen und Landwirten, die sich um die Felder gekümmert haben.

Trocken und warm. Überall. Die Kosten für die Bewässerungen sind in diesem Jahr sicher richtig hoch. Beim radeln ist es schön, wenn man immer mal wieder in den feinen Sprühregel der Bewässerung fährt. Also, es kommt ein bisschen drauf an, wo das Wasser her ist, aber es kühlt auf jeden Fall schön ab.

Das Stück durch den Wald bei Kamperbrück war einfach herrlich. Es ist schon eindrucksvoll, wie viel weniger heiß es ist, wenn man durch den Schatten der Bäume radelt.

Einsatzfahrzeuge gucken in Schaephuysen und dann ging es hinauf auf den Windberg, immerhin fast 70 Meter hoch 😉 .


Kurze Pause im Schatten, Schmetterlinge gucken und die Aussicht genießen. Der Blick geht in Richtung Aldekerk und zeigt, wie flach die Region in Richtung Niederlande dann doch ist.


Auf dem Windberg betreibt die Bundesnetzagentur eine Funkkontrollmessstelle. Außer, dass ich weiß, dass das ein tolles Wort für „Galgenmännchen“ ist, weiß ich aber leider so gar nichts dazu zu sagen. Ihr? Was macht so eine Kontrollstelle? Piratensender suchen?

Das nächste Ziel war die Mühle, ihr wisst schon, mein Mühlenfetisch, auf dem Tönisberg, bei der Anfahrt konnte ich das Fördergerüst der ehemaligen Zeche Tönisberg ausmachen. Die Bauten waren Teil der Zeche Niederberg aus Neukirchen-Vluyn. Das Fördergerüst sollte längst abgerissen sein, es gab aber Bürgerproteste gegen den Abriss.

Die, schon mehrfach restaurierte, Mühle ist eine von ganz wenigen erhaltenen Kastenbockwindmühlen der Region. Sie stammt wohl aus dem 17. Jahrhundert und hat schon so einiges erlebt. Aktuell sieht sie wirklich wunderbar aus und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

An der Wache der Bundespolizei in Kempen vorbei ging es dann durch die Altstadt und weiter nach Gut Heimendahl.



Und dann lagen gute 80 Kilometer, viel Wärme und eine wirklich schön Tour hinter mir. Fazit: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick gefallen, mal schauen, was als nächstes kommt, es liegt ja noch das ein oder andere hier auf Halde. Man kommt ja zu nix 😉 .
Also, habt eine gute Zeit, seid nett zueinander und fahrt vorsichtig.
Euer Martin
Das ist ein sehr interessanter Beitrag mit echt schönen, tollen Bildern! Dieser Kaiser Friedrich Tempel gefällt mir sehr und auch die Mühlen, die du gesehen hast. War eine schöne Strecke, die du geradelt bist. Durch den Wald war bestimmt wunderbar, ich kann diese Fotos riechen! haha
Danke, dass du mich mitgenommen hast!
Sabine aus dem Mausloch