Sonne, Eisenbahn und Flugzeug – kalte Runde durch die Region

Hallo zusammen,

während ich hier sitze und diesen Blogbeitrag tippe, schlägt der Regen von draußen an die Fenster. Kein gutes Wetter zu radeln, dann doch lieber in Erinnerungen an letzten Sonntag schwelgen. Da war es trocken, kalt, aber trocken. Also hieß es mal wieder, ab aufs Fahrrad, den Kopf frei bekommen. In einem Flugzeugforum hatte ich gelesen, dass am Abend ein Boeing 747, also ein Jumbojet, nach Düsseldorf kommen sollte. Also plante ich das mal so locker als Ziel ein. Los ging es mal wieder vor der Haustüre und zuerst in Richtung Krefeld-Uerdingen. Ach ja, wie immer ist der Beitrag unbeauftragt und unbezahlt.

Vorbei an der Buss-Mühle und über die neue Fahrradstraße an der Nikolaus-Gross-Straße führte mich mein Weg nach Uerdingen hinein. Das Wetter war super, ganz anders als am schmuddeligen Samstag zuvor. Aber kalt war es, ich war ganz froh einige Schichten an Klamotten an zu haben.

Am Rhein angekommen konnte man das aufkommende Hochwasser schon ganz gut erkennen. Der Fluss war schon ziemlich breit. Nach einem Blick in beide Richtungen, unter anderem in die langsam höher steigende Sonne ging es dann über die Rheinbrücke hinüber auf die Duisburger Rheinseite.

Von Mündelheim aus führte mich mein Weg in Richtung Hüttenheim, vorbei an dem umfangreichen Gleisvorfeld des Hüttenwerkes Krupp-Mannesmann. Seit 1909 wird hier Stahl erzeugt und wenn siech jemand für Industriekulissen oder Eisenbahnen interessiert, gibt es hier immer etwas zu sehen. Langweilig wird mir sowas irgendwie nicht ;).

Überhaupt gibt es dort in der Ecke einiges zu entdecken. Zum einen dieses starke Graffiti direkt gegenüber des Stahlwerks. Ich habe mir mal die Instaseite des Künstlers angesehen, sind starke Sachen dabei. Habe ich Euch hier mal verlinkt. MARTEN MINDSTATES.

Ebenfalls ganz in der Nähe, gegenüber eines Tores des Werkes, gibt es seit 2011 ein Denkmal für die Fremd- und Zwangsarbeiter in Zeiten des Nationalsozialismus in der Hütte. Azubis haben es gestaltet und ich muss zu meiner Schande gestehen, ich bin schon etliche Male dranvorbei gefahren, ohne es gesehen zu haben. Das passiert mir ab jetzt nicht mehr und wenn ihr mal in der Nähe seid, haltet ruhig mal an.

Von weitem sichtbar und auch über die Stadtgrenzen von Duisburg hinaus bekannt ist dagegen die Landmarke „Tiger and Turtle“ oder „Die Achterbahn“, wie das gute Stück im Volksmund heißt. Leider ist das Kunstwerk an sich immer noch auf Grund von Corona gesperrt, der Ausblick vom Gipfel der Halde ist aber auch so fulminant. Hier mal ein Blick in Richtung Rhein.

Ein tiefes Grollen vom Fuß der Halde ließ mich nach unten Blicken und eine große Diesellokomotive schob sich in Richtungen Hüttenwerk. Die „Baureihe 247“ wie sie in Deutschland heißt basiert auf der Class 66, welche ursprünglich für den britischen Markt entwickelt wurde. Mittlerweile sieht man solche Lokomotive aber in fast ganz Europa. Ich mag das Design sehr, es weicht so herrlich von den langweiligen Einheitslokomotive ab, die man hier sonst so sieht.

Da sie ohne Wagen in Richtung HKM fuhr, hegte ich die Hoffnung, sie später nochmal, behangen, vor die Linse zu bekommen. Also ging es von der Halde runter und weiter in Richtung Wanheim.

Dort habe ich dann ein wenig Pause gemacht und auf die Lokomotive von eben gewartet. Sagte ich schon, dass es doch recht frisch war? 😉 Aber, die Sonne und die Luft waren herrlich und wenn man in diesen pandemischen Zeiten schon einfach so vor die Tür darf, dann sollte man das einfach genießen. Habe ich getan.

Kurze Zeit später kam die Lokomotive dann auch schon angefahren. Dieses Exemplar hat auch schon eine längere Historie hinter sich, Baujahr war 2008, ausgeliefert wurde sie an ECR in Paris. Aktuell fährt sie wohl für DB Cargo, deshalb auch das kleine Bahnlogo vorn. Auf jeden Fall mag ich dieses Luftraumprofil, also die Form der Lokomotive von vorn, sie sieht eben so…anders aus.

Das nächste Ziel war die Sechs-Seen-Platte, dazu bin ich durch den Biegepark gefahren. Ein wirklich tolles Areal, welches ich bislang auch noch nicht kannte. Der „Alte Angerbach“ schlängelt sich durch die Wiesen und es gibt wunderbare Spazierwege. Da es noch recht früh war, war ich nahezu allein dort unterwegs. Es gibt dort auch einen schönen Spielplatz und Sitzmöglichkeiten. Wirklich nett.

In das Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte bin ich über Buchholz eingefahren. Wenn ich in der Ecke bin geht ein Blick natürlich immer zum Rettungshubschrauber Christoph 9 welcher hier stationiert ist. Bei den „Helden von Buchholz“ war aber alles ruhig und so ging es dann durch die schönen Waldwege weiter in Richtung Wedau.

Viel später hätte ich, glaube ich, da nicht langradeln sollen, es wurde zu sehens voller, viele Menschen nutzten das schöne Wetter um um die Seen zu spazieren. Ich habe das Gebiet dann verlassen und bin zur Ruderanlage in Duisburg Wedau gefahren. Bei dem tollen Wetter waren auch dort einige Jogger unterwegs und auf dem Wasser tummelten sich die ersten Menschen in Booten.

Direkt neben der Strecke liegt das alte Ausbesserungswerk Wedau. Hier brummte es mal rund um die  Eisenbahn, seit 2004 liegt das Gelände brach. Vor ewigen Zeiten habe ich da mal „Lost Places“ Fotografie gemacht, gespenstische Atmosphäre. Vieles ist mittlerweile abgerissen, ob und wenn ja was da Neues entsteht….keine Ahnung. Das Gebäude der Werksfeuerwehr mit dem charakteristischen Uhrenturm steht auf jeden Fall noch.

Mit dem Thema Eisenbahn ging es noch ein bisschen weiter, von Wedau bin ich nach Duisburg Bissingheim und Entenfang geradelt. Dort betreibt die Bahn ein Ausbildungswerk und eine Werkstatt. Früher war das mal DB Gleisbau. Dort stand abgestellt stand diese wunderschöne Baureihe 225. Die Lokomotive hat auch schon einiges gesehen, sie ist Baujahr 1969 und hatte schon so einige Nutzungen. Aktuell gehört sie der DB Bahnbaugruppe.

Die nächste, etwas längere, Pause habe ich dann in Ratingen Lintorf gemacht. Auch hier gab es noch ein bisschen Eisenbahnen zu gucken, das wichtigere war aber die Currywurst-Pommes vor Ort. Aktuell kann man sich ja leider nirgendwo mal reinsetzten, in Ruhe essen oder sich aufwärmen. Mir ist natürlich klar, dass das in der Pandemie schon auch ein Luxusproblem ist, schade ist es trotzdem. Also gab es „Currywurst-Pommes“ to-go auf der Packtasche meines Fahrrads. Lecker war sie trotzdem.

Es ist ja immer ganz schön, wenn man erkennt, dass man nicht der einzige Mensch mit bescheuerten Hobbies ist ;). Besonders toll finde ich es dann, wenn die Lokführerinnen und Lokführer winken, aufblenden oder ein Signalton abgegeben, wenn sie uns Fotografen an der Strecke sehen. Wichtig ist, dass wir uns an die Spielregeln halten, nicht zu nah am Gleis sind und keinen Stress bei den Kolleginnen und Kollegen auf der Lok auslösen. Das hat hier super geklappt und so winkt man sich fröhlich zu und genießt zum einen sein Hobby und zum anderen das Interesse an der eigenen Arbeit.

Durch ein schönes Waldstück bin ich dann in Richtung Angermund weitergefahren. Von dort am Kalkumer Schloss und an der Diakonie in Kaiserswerth vorbei bis zum Flughafen.

Auf den Waldwegen war ich die meiste Zeit allein unterwegs, im Schlosspark in Kalkum und auch rund um die Diakonie wurde es dann aber wieder recht voll. Auf dem Spazierweg rund um den Flughafen waren allerdings nur wenige Menschen unterwegs.

Im Bereich der Geschäftsreiseflugzeuge konnte ich diese Cessna ablichten. Es zeigt sich wieder, dass ich von Mode offenbar keine Ahnung habe, ich habe den Jet für den einen DJs gehalten, Marc Cain ist aber ein deutsches Modeunternehmen. Wieder was gelernt ;).

Als ich auf der anderen Seite des Flughafens ankam startete gerade eine Boeing 777 von Emirates in Richtung Dubai. Mittlerweile war es aber schon mit der Sonne und dem Licht nicht mehr wirklich weit her.

Die angekündigte Boeing 747 hatte zudem auch noch Verspätung und so habe ich dann am Zaun ausgeharrt, wenigstens anschauen wollte ich mir den Jet. Ob das noch für ein Foto reichte, mit der kleinen Kamera, den kalten Fingern und dem verschwindenden Licht? Nun ja, so richtig reichte es nicht, aber immerhin kann man erkennen, dass es ein Flugzeug ist ;).

Das Flugzeug wurde 1995 an Singapore Airlines ausgeliefert und ist zwischendurch auch noch für World Airlines geflogen. Aktuell wir sie von Aerotranscargo eingesetzt und fliegt, nach großer Wartung, seit September 2020 wieder durch die Gegend. Letzten Sonntag eben bei blödem Licht auch in Düsseldorf 😉

Die letzten knapp 20 Kilometer bis nach Hause wurde es jetzt schnell dunkel. Über den Rhein ging es mit der Flughafenbrücke und dann über Meerbusch und Strümp nach Krefeld.

Parallel zur Strecke der U76 Straßenbahn führt ein schöner Radweg durch Fischeln, den habe ich auf den letzten Metern genommen. So ging ein langer, kalter Tag auf dem Rad zu Ende, was soll ich sagen, es war herrlich.

Ich habe noch einen Relive Clip für Euch und hoffe natürlich die kleine Runde hat Euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt, nur keine falsche Scheu, immer her damit.

Bleibt gesund und fahrt vorsichtig, Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 comments

  1. Den Park, den Sie entdeckt haben, haben wir auch mal zufällig gefunden – in der Pause eines Juggerturniers in einer naheliegenden Turnhalle. Mit viel Eis, es war schon ein paar Tage eisig, sah er noch besser aus.
    Vielen Dank für den Bericht, alles kannte ich noch nicht, das wird sich nun ändern…

Kommentar verfassen