Hochwasser in der Region – Radtour nach Orsoy, Duisburg und Uerdingen

Hallo zusammen,

gefrierender Eisregen vor dem Fenster, Schneematsch auf der Straße. Beste Bedingungen um sich an den Rechner zu setzen und einen Blogbeitrag zu schreiben ;). Ich nehme euch heute mit auf eine Radtour vom letzten Donnerstag. Die Wettervorhersage war ganz OK und so war klar, der Urlaubstag sollte auf dem Rad verbracht werden. Wasser übt schon immer eine große Faszination auf die Menschen aus, Hochwasser erst recht. Aktuell hat man so ein bisschen das Gefühl, alles was draußen passiert hat so ein bisschen Eventcharakter. Es gab früher schon Hochwasser und es gab früher auch schon Schnee….in der Pandemie und im Lockdown werden solche Phänomene aber zu magischen Anziehungsmitteln. Ich gebe zu, ganz frei davon kann ich mich auch nicht machen, allerdings fand ich Hochwasser schon immer faszinierend. Als gebürtiger Duisburger lebt man ja auch damit und kann auch die Gefahren die davon ausgehen ganz gut einschätzen. Wenn man sich an Absperrungen, gesunden Menschenverstand und, aktuell, auch an Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln hält, finde ich auch nichts verwerfliches daran, sich das Naturspektakel anzuschauen. Vielleicht lehrt es uns auch wieder ein bisschen Respekt vor der Natur, ihrer Schönheit, aber auch ihrer Kraft.

Lange Einführung, kurzer Fakt, es sollte eine „Hochwasser-Runde“ werden. Los ging es vor der Haustür und erstmal in Richtung Moers. Wir haben in Krefeld einige wirklich gute Streetarts. Eines davon ist an der Hundefreilaufwiese am Dahlerdyk.

Weiter ging es dann am Kliedbruch, Traar und durch das Naturschutzgebiet Riethbenden in Richtung Moers. Kurz vor Kapellen dann das erste Hochwasser….hier lag es allerdings an einem verstopften Gullideckel 😉

Das Wetter war wirklich klasse, nicht zu kalt, trocken und vor allem sonnig. Ich kam auch gut voran, bin bei diesem Teil der Tour auch, ganz langweilig, auf dem direkten Weg geblieben und an der Straßen entlang gefahren. Etwas stutzig machte mich dann diese Figur an der ich vorbeikam. Wer gedient hat, wird es direkt erkennen, dass ist eine Schießstandfigur wie sie auch bei der Bundeswehr zum Einsatz kommt. Warum steht sowas an einer Landstraße? Ein Schaukasten daneben gab Aufschluss, es war die Einfahrt zum Gebäude einer Reservistenkameradschaft. Wieder was gelernt, ich wusste gar nicht, dass es in Moers eine gibt.

Über ein kurzes Stück des „Grafschafter Rad- und Wanderweges“ ging es dann nach Moers hinein. Dort habe ich am Bahnhof Getränke nachgekauft und bin dann zum Abzweig Meerbeck geradelt.

Wer mir hier schon länger folgt, der weiß, wenn ich durch Moers radeln, stoppe ich immer kurz an diesem Bahnübergang, in der Hoffnung was vor die Linse zu bekommen. In diesem Fall gelang mir das mit einer Lokomotive der DB Cargo, welche immerhin schon 1968 ausgeliefert wurde. Ein paar Umrüstungen hat sie mitgemacht, Fernsteuerung und Umlaufgitter zum Beispiel, aber die alte Dame ist immer noch im Einsatz und zieht hier Wagen vom Gelände von Ineos. Ach ja, ihr wisst ja, keinen Auftrag und keine Bezahlung, einfach nur einen Blogbeitrag 😉

Nach kurzer Rast nahm ich das erste echte Etappenziel in Angriff, die Halde Rheinpreußen. 74 Meter geht es hoch um dann einen wunderbaren Blick über die niederrheinische Bucht zu haben. Zumindest dann, wenn es nicht so diesig ist. Der strahlende Sonnenschein war ein wenig einem milchigen Dunst gewichen, aber eindrucksvoll war der Blick trotzdem. Ich war ja schon öfter dort oben, aber der Blick über das Rheinhochwasser war schon etwas besonderes. Man erkennt ganz gut, warum die Rheinauen so sinnvoll sind.

Diese Seenlandschaft da links und rechts, die ist normalerweise nicht da. Das „Geleucht“, eine überdimensionale Grubenlampe, ist aktuell leider nicht begehbar, das wären nochmal 9 Meter höher, aber trotzdem ist es faszinierend dort oben. Seit 2007 steht dieses, Abends toll beleuchtete, Kunstwerk auf der Halde und zeigt die Verbundenheit der Region mit dem Bergbau.

Dieser Hund hier hatte nach dem Aufstieg offenbar auch erstmal Lust auf nen kräftigen Schluck Wasser ;). Ich blieb bei meiner Cola und machte mich dann wieder auf den Weg bergab.

Seit ich denken kann bin ich, früher mit meinen Eltern, jetzt oft mit Freunden, Bekannten oder allein, in Baerl am Rhein spazieren gegangen. Dort kann man auch ganz schön in Richtung Orsoy radeln. Bei Hochwasser geht das natürlich nicht, aber auf dem angrenzenden Parkplatz konnte ich am Donnerstag die Schiffe auf „Augenhöhe“ fotografieren. Ganz ungewöhnliche Perspektive dort.

Auf dem Weg an sich war aber recht schnell Schluss mit dem Fortkommen, da hatte Vater Rhein was gegen. Witzig, dass genau an dieser Stelle das Schild für das Aufheben von Ver- und Geboten der Schifffahrt steht ;).

Man sieht es hinten links schon, die Wiesen sind auch überflutet. Das sind die Bereiche, die auf dem Foto von der Halde vorhin auf der linken Seite im Wasser lagen. Gut, dass der Rhein hier soviel Platz hat. Ich bin dann über Binsheim, ein ganze Stück weg vom Rhein, weiter nach Orsoy gefahren. Vorbei an den gefluteten Wiesen. Die Gänse fanden das alles, glaube ich, ziemlich cool.

Ich hatte am Vorabend via Facebook bei der Rheinfähre angefragt, ob sie denn noch fahren würden. Die Antwort kam prompt, Donnerstag auf jeden Fall noch. Heute weiß ich, es war der letzte Tag, aktuell fährt die Fähre nicht. Schon von weitem sah ich die „Glückauf“ von Walsum ablegen und in Richtung Orsoy fahren.

Es ist schon beeindruckend zu sehen, wenn sie zwischen Bäumen hindurchmanövriert. Normalerweise ist da halt Wiese, aktuell – der Rhein.

Auf einem Archivbild von mir, es stammt von 2018, erkennt man ganz gut, wie die Fähre um die Bäume herumfährt.

Die Abfahrt fand direkt am Stadttor in Orsoy statt, wer die Ecke da kennt, weiß, wie hoch das Wasser dann dort stehen muss. Der Verkehr wurde mittlerweile eingestellt, weil das Anlegen auf der anderen Seite, in Walsum, nicht mehr funktioniert, bei so einem hohen Pegelstand.

Wer hier noch im Halteverbot stand wurde nicht abgeschleppt, kann sein Auto aber jetzt bei Rotterdam aus dem Fluss fischen 😉

Die Überfahrt hatte dann auch eher etwas von Flusskreuzfahrt. Etwa 15 Minuten kurvten wir zwischen Bäumen und Binnenschiffen umher, bis wir trocken und sicher am anderen Ufer ankamen. Das dieser Spaß das gleiche kostet wie der kurze Hüpfer bei normalem Wasserstand spricht für das Fährteam 😉

…ob es am Ende ALLE trocken rüber geschafft haben….nun ja… 😉

Schwelgern war das nächste Ziel, ich wollte ein bisschen Industrie gucken und mich an heißem Stahl aufwärmen ;). Also ging es zum Alsumer Berg, vorher aber über die Brücke des Stahlwerkes. Ich mag das ja total gern, wenn es zischt, qualmt und nach Eisen riecht. Ich bin dann eben doch ein Pott Kind und auf Kohle geboren ;).

Es kam dann auch tatsächlich ein Zug mit zwei Tropedowagen. Ein Blick in die Öffnung ist immer ein bisschen wie der Blick in die Hölle. Vielleicht nicht gemütlich, aber kuschelig warm. Die Hitze, die da aufsteigt ist schon beachtlich und oben auf der Brücke deutlich zu spüren.

50 Meter rauf auf den Alsumer Berg hieß es als nächstes. Diese ehemalige Schutthalde bietet tolle Ausblicke, viel Grün und sogar ne Sitzgelegenheit. In der Ferne sieht man den Landschaftspark Nord, direkt vor der Nase befindet sich das Stahlwerk Schwelgern mit seinen Hochöfen.

Und so ganz anders ist der Blick in die andere Richtung. Viel Feld, viel Natur, wenig Industrie.

Ich habe sicher keine Höhenangst, aber ob ich den Job dieses Baggerführenden da oben haben möchte? Ich glaube nicht. Die Aussicht ist sicher der Hammer, aber das Ding schwankt sicher ordentlich. Und ich frage mich, muss der arme Mensch  jeden Morgen da rauf klettern…oder wohnt er da?

Ich zuckelte unterdessen von meinem 50 Meter Berg runter und warf noch einen Blick auf den „Duisburger Mäuseturm“ bevor ich auf dem Deich in Richtung Ruhrort weitergeradelt bin. So richtig klären, warum die Ruine „Mäuseturm“ heißt konnte ich nicht, es ist auf jeden Fall eine ehemalige Pumpstation um Wasser für das Stahlwerk zu gewinnen.

Auf dem Rheindeich, weit genug weg vom Hochwasser, führte mich mein Weg auch unter den beiden Brücken durch, die man von der Halde Rheinpreußen so schön sieht. Einmal die Autobahn- und dann die Eisenbahnbrücke. Letztere, die Haus-Knipp Brücke, ist von 1912, wurde im Krieg gesprengt und wieder aufgebaut. Von Mitte der 90er bist Anfang der 2000er Jahre wurde sie nur eingleisig befahren, das zweite, stillgelegte Gleis wurde aber wieder aktiviert. Ich hatte bei meiner Tour Glück und konnte sogar einen Zug darauf fotografieren.

Der Radweg auf dem Deich ist wirklich schön zu fahren, verrückt, dass das mein erstes Mal war. Wenn ich in dieser Ecke unterwegs war, bin ich meist auf der anderen Rheinseite gefahren. Auf jeden Fall gelangt man so problemlos und sehr entspannt nach Ruhrort. Dort ist ein beliebtes Hochwassermotiv natürlich die Mühlenweide. Auf dem freien Gelände finden Feste, Trödelmärkte und die Kirmes statt. Aktuell ginge da aber maximal eine Regatta 😉 . Ein Wahrzeichen Duisburgs ist der knapp 40 Meter hohe Flaggenmast, welcher ein Mastnachbau eines Segelschiffes ist.

Ein Blick zurück auf den Rhein, das viele Wasser, die Brücken und, links im Bild, das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen.

Auch der Hafenmeister des Ruhrorter Hafens ist natürlich Hochwassererfahren und weiß, wie man trockenen Fußes zur Arbeit kommt. Bedarf halt ein wenig bauliches Geschick und nen heißen Draht zu einem Gerüstbauer.

Das radeln und das Wasser gucken macht hungrig. Von Ruhrort ging es über Ruhrwehr in Richtung Innenstadt. Zum ersten Mal habe ich bewusst wahrgenommen, dass beim Ruhrwehr alle Tor geöffnet sind, da das Wasser auf der einen Seite den gleichen Pegel hat wie auf der anderen Seite.

Durch den Innenhafen, vorbei am neuen Landesarchiv, ging es zum Etappenziel „Happy Snack“.

Ich glaube heute heißt die Bude „Pommes Express“ oder so, in meiner Jugend hieß es Happy Snack und zeichnete sich dadurch aus, dass man dort auch um 3 Uhr Nachts noch ne Suppenschüssel voll Fritten bekam. Sind wir öfter man nach der Disco, so hießen Clubs damals ;), vorbei gefahren. Hach ja. Egal wie der Laden jetzt heißt, die Fritten sind immer noch richtig gut. Und, anders als manch andere Frittenbude aktuell…es hat sich nix geändert, die hatten nie einen Gastraum ;). Also, to-go gab es da schon immer.

Derart gestärkt ging es weiter. Durchs, leere, Rotlichtviertel in Richtung HKM. Anders als bei meiner letzten Tour bin ich aber nur an den Lokomotiven vorbei geradelt, so langsam schwand das Licht und ich wollte noch ein paar Bilder in Uerdingen machen.

Also, ohne Fotos, an Tiger and Turtle und HKM vorbei, durch Mündelheim und rauf auf die Uerdinger Rheinbrücke. Von dort aus gelang ein erster Blick auf die Promenade und das geschlossene Rheintor. Auch hier sieht Hochwasser beeindruckend aus.

Hier war ich dann auch zum ersten Mal froh, dass ich eine FFP3 Maske dabei hatte, die Promenade war dann doch recht voll. Anders als ich es gelesen hatte, hielten sich die Menschen aber an die Spielregeln und überkletterten keine Absperrungen. Muss man ja auch nicht, eindrucksvoll sieht das ganze auch von dort aus, von wo man gefahrlos und legal gucken kann.

Gut das darauf nochmal hingewiesen wird, für den Fall, dass man vergessen haben sollte, wie der Fluss heißt 😉

Zum Abschluss des Hochwasserthemas noch eine eindringliche Bitte. Haltet Euch an die Spielregeln. Das ist alles super faszinierend, ich weiß und ich teile die Begeisterung. Aber, es ist auch gefährlich. Die Strömung ist unglaublich stark, es ist viel Treibgut im Wasser. Geht nicht zu nah ran, macht keine gefährlichen Selfies bei denen ihr mit den Füßen im Wasser steht. Passt auf Euch auf. Das ihr auch auf sowas wie Abstand, MundNasenBedeckungen und ähnliches achtet, wenn es mal zu voll wird, brauche ich ja nicht mehr schreiben, das hat ja jede und jeder auf dem Schirm, oder? Also, an allen Stellen, bis auf Uerdingen, war ich nahezu allein und konnte mit Abstand das Schauspiel beobachten.

Die letzten Meter meiner Tour führten mich dann durch Linn, vorbei an der Burg und parallel zum neuen, noch nicht eröffneten, Stück der Promenade bis zum „Trifft“. Dieser Frisöladen-Name tut mir übrigens körperlich weh ;). Ich weiß nicht, warum gerade die haarschneidende Zunft so einen Hang zu wirklich schlechten Wortspielen entwickelt hat…

Wie bei so vielen meiner Touren gingen die letzten Meter über die fertige Promenade zwischen Trift und Feuerwehr und dann stand ich, nach knappen 90 Kilometern, wieder zu Hause. Eine tolle Tour war das, viele Eindrücke und eine schöne Runde.

Wie so oft habe ich noch einen Relive Clip für Euch und hoffe ansonsten, Euch hat es gefallen. Wenn ihr Fragen habt, nur keine falsche Scheu, immer her damit.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Hochwasser in der Region – Radtour nach Orsoy, Duisburg und Uerdingen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.