Kamp-Lintfort und die Halden

Hallo zusammen,

nach etlichen Wanderungen in der letzten Zeit gibt es heute mal wieder einen Bericht über eine Radtour. Mein Hauptziel war Kamp-Lintfort. „Schuld“ daran ist ein Facebook-Posting von Rene Schneider, Politiker aus Kamp-Lintfort. Er hatte berichtet, dass die erste reguläre Niederrheinbahn den Haltpunkt Kamp-Linfort Süd erreicht hat. Kamp-Lintfort Süd? Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass man anlässlich der Landesgartenschau dort eine alte Zechenbahn reaktivieren wollte, dann aber nie wieder was davon gehört. Nun, das hatte offenbar geklappt.

Also habe ich mich am letzten Donnerstag, einem Feiertag, auf den Weg gemacht. Die Bahn fährt nämlich aktuell nur an Wochenenden oder eben Feiertagen. Los ging es in Krefeld. Vorbei am wunderbaren Pavillon im Kaiser-Friedich-Hain.

Mein Weg führte mich weiter in Richtung Neukirchen-Vluyn, aus der Stadt raus ging es dann vorbei an Feldern und Landstraßen, ich sag es ja immer wieder, der Niederrhein ist schon verdammt schön. Wir hatten ja Vatertag, viele Menschen mit Bollerwagen sind mir nicht entgegen gekommen, die Kontaktsperren dank Corona greifen also. Allerdings sind hier bei uns an Himmelfahrt auch schon die Kühle am frühen Morgen blau 😉

Weiter durch die Anlagen eines Golfclubs, auch wirklich herrlich zu radeln, auch wenn man immer mal wieder Menschen mit Schlägern und Caddys ausweichen muss. Gerade am Morgen war die Luft noch frisch, die Natur schön anzusehen und überhaupt konnte man, wenn man sich drauf eingelassen hat, das Leben tatsächlich genießen.

So war dann auch nach einer schönen ersten Etappe das erste Ziel erreicht. Kamp-Lintfort. Die Landesgartenschau an sich schaue ich mir bei Gelegenheit noch an, mir ging es heute um die Eisenbahn. Direkt dort, wo ich früher stand und Aufnahmen von Lokomotiven im Werksgelände der Zechen gemacht habe, gibt es jetzt einen provisorischen, aber barrierefreien, Kopfbahnhof, den Haltepunkt Kamp-Lintfort Süd.

Dort stehen dann auch die Ankunfts- und Abfahrtszeiten. Wie gesagt, an den Wochenenden und an Feiertag und zwar immer stündlich verkehrt der Zug. Es ist „Der Niederrheiner“, die RB31, die normalerweise, und aktuell unter der Woche, von Xanten nach Duisburg und umgekehrt fährt. Während der LaGa macht er eben den Schwenk nach Kamp-Lintfort. Nach der Landesgartenschau soll eine solche Verbindung auch dauerhaft in den Regelfahrplan aufgenommen werden. Fände ich eine klasse Sache.

Ich habe dort früher oft fotografiert. Die Zeche Friedrich Heinrich und deren Kohlezüge nach Rheinkamp waren stets ein tolle Motiv. Ich hätte nicht gedacht, dass auf den 2012 stillgelegten Gleisen jemals wieder ein Zug fährt. Schon faszinierend. Zwischen diesen beiden Bildern hier liegen 12 Jahre. Ich musste tief in meinem Archiv kramen, bis ich das Foto gefunden habe. Damals brachte der Zug leere Wagen in die Zeche, heute Touristen zur Landesgartenschau. Strukturwandel at its best!

 

Nach dem ich meine Bilder also im Kasten hatte ging meine Tour weiter, noch zwei Halden wollte ich erklimmen. Die erste ist ganz in der Nähe, die Halde Pattberg. Ihren Ursprung nahm sie in den 1960ern, heute ist sie renaturiert und hat ein Wegesystem bis hinauf zum Gipfel. Kommt man dort an hat man eine tolle Aussicht über die Umgebung und ist mit 64 Metern über der Umgebung und 85 Metern über dem Meeresspiegel auch, für niederrheinische Verhältnisse, im „alpinen“ Bereich angekommen 😉

Von so einer Halde runterfahren macht tendenziell mehr Spaß als hinauf, aufpassen muss man trotzdem, der Untergrund ist recht lose. Sicher unten angekommen ging es am Bahnhof Rheinkamp, wo mir erneut der „Niederrhein“ vor die Linse fuhr, vorbei in Richtung Orsoy. Hier knubbelte es sich dann ein wenig, im großen Fahrradwegenetz der Region ist das kleine Örtchen direkt am Rhein offenbar ein wichtiger Knoten. Trotzdem hielten sich alle an die Abstandsregeln.

Dank Maske, also eigentlich einer MundNasenBedeckung, konnte ich mich dann auch beim örtlichen Grill anstellen und eine „Pommes/Currywurst“ abgreifen. In dem vollen Ort wollte ich aber nicht essen, also rauf auf den Deich und mit wundervollem Rheinblick eine leckere Currywurst gegessen. Sagen wir es so, das Leben könnte schlechter sein.

Gestärkt und voller Motivation ging es in Richtung der nächsten Halde. Raus aus Orsoy, am Deich und am Rhein entlang, vorbei am wunderschönen Gebäude der freiwilligen Feuerwehr in Baerl ging es weiter zur Halde Rheinpreußen.

103 Meter über dem Meeresspiegel hat man auf dieser Halde einen tollen Ausblick, ganz oben steht auch noch das „Geleucht“, eine große Grubenlampe, ein Denkmal und weithin sichtbare Landmarke. Ich muss bei Gelegenheit dort mal im Dunkeln rauf, das sieht sicher super aus. Der Blick auf die Autobahnbrücke und die Haus-Knipp Eisenbahnbrücke ist beeindruckend, ein wirklich lohnendes Ziel.

Auch hier ging es fix wieder hinunter und weiter in Richtung Rhein. Im Duisburger Stadtteil Essenberg gibt es einen Radweg direkt am Wasser entlang, blickt man zurück, hat man einen schönen Blick auf die Rheinbrücke in Ruhrort und den Hafenmund. Dort kam mir die Avalon vor die Linse, das 2008 gebaute und in Terneuzen gemeldete Schiff habe ich schon einige Mal an verschiedenen Stellen gesehen, schon witzig, wie klein die Welt doch manchmal ist.

So langsam ging es zurück in Richtung Krefeld. Bei bestem Wetter, es war mittlerweile richtig warm geworden, radelte ich also grob in Richtung Elfrather See. Vorher ging es aber noch am Toeppersee vorbei. Das letzte Mal, dass ich dort bewusst gewesen bin war wohl 2005 bei den World Games. Kinners, wie die Zeit vergeht. Es waren auch hier wieder viele Menschen unterwegs, die meisten hielten sich aber an die Abstandsregeln. Bei den Wasserski-Fahrern war das eh kein Problem, die zogen allein ihre Runden ;).

Am Elfrather See vorbei führte mich mein Weg dann rauf zur Egelsberg Mühle und zum Flugplatz. Die Mühle, frisch restauriert mit neuen Flügeln glänzte mit der Sonne um die Wette und auch die Segelflieger waren unterwegs. Hätten die Zuschauer keine Maske getragen und wäre am Flugplatzrestaurant keine „Einlasskontrolle“ gewesen, es hätte sich fast wie normaler Vatertag angefühlt. Schön war es trotzdem

Von dort aus ging es dann, recht direkt, nach Hause. Eine herrliche Tour mit vielen spannenden Eindrücken und der Erkenntnis, wir haben es schon echt schön hier und eine Menge Abwechslung bietet unsere Region auch. Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen, ich habe noch ein Relive Video angehangen 😉

Gruß,
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Kamp-Lintfort und die Halden

  1. Die Halde Pattberg fehlt noch in unserer „Haldensammlung“ – allerdings neigen wir dazu, die Halden zu Fuß zu erklimmen 😉
    Vielen Dank für die Inspiration – und es klärt sich für mich die Frage, warum die Schienen wieder so befahren aussahen 😉

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