Meine längste Wanderung – und die merkwürdigste…

Hallo zusammen,

ihr ahnt es an der Überschrift, immer noch kein neues Fahrrad, aber für Mai steht es auf dem Plan, da muss was Neues her, ich habe Radelschmacht 😉 Trotzdem will man sich ja bewegen, gerade in den aktuellen Corona-Zeiten tut Luft und mal was anderes als die eigene Tapete, ich habe eine spannende Raufaser an der Wand, zu sehen. Nachdem ich mich beim letzten Mal mit meinem Schuhwerk derb verzockt hatte, habe ich mir dieses Mal ein flaches Geläuf ausgesucht. Ich bin zwar schon mal mit dem Rad rund um den Düsseldorfer Flughafen gefahren, aber noch nie wirklich komplett drum herum gelaufen. Also ging es gestern an einem Parkplatz im Osten des Geländes los. Sonne, blauer Himmel, ein paar vereinzelte Menschen, ideal für eine kleine Wanderung in Corona-Zeiten.

Als Kind bin ich diesen Weg oft mit meinen Eltern gelaufen, rechts ist nämlich die Anflugbefeuerung für die Landebahn 23L des Flughafens und, je nach Windrichtung, fliegen dort die Flugzeuge ziemlich tief vorbei. Dieses Mal nicht. Was als erstes auffiel, es war still. Und zwar erschreckend still. Am Anfang hörte man noch die Landstraße, bzw. die Autos dort, aber nach ein paar hundert Metern war es auch damit vorbei. An einem internationalen Flughafen spazieren zu gehen und von Stille zu sprechen war schon merkwürdig.

Entlang des Weges gibt es einige Stationen an denen man etwas lernen kann, hier zum Beispiel Holzarten erkennen, schon spannend. War mir sonst, mit dem Blick in die Luft, nie aufgefallen. Auch ein schöner Spielplatz ist dort, der ist aktuell natürlich gesperrt.

Durch den verlassen da liegenden Fernbahnhof des Flughafens ging es über die Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf, auch hier war weit und breit niemand zu sehen. Der Skytrain, die Schwebebahn, welche den Bahnhof mit dem Terminal verbindet fuhr zwar, aber außer einer versprengten Gestalt war dort niemand zu sehen.

Auf der anderen Seite, runter und ein erster Blick aufs Vorfeld. Wenn man überlegt, dass wir gerade Osterferien haben und der Flughafen in normalen Zeiten jetzt einem Bienenstock gleichen würde, ist es ein absolut unwirkliches Gefühl, auf dem Vorfeld so viele Flugzeuge stehen zu sehen, mit teilweise abgedeckten Triebwerken, dazu die fast schon drückende Stille. Ein ganz anderes Erlebnis Airport als es das sonst ist…

An der Polizeifliegerstaffel vorbei ging es weiter in Richtung Terminal, auch hier gab es keine Menschenseele zu sehen, richtig unheimlich war es dann im Terminal selbst. Vier Flüge standen auf den Anzeigetafel, wenn man sich öfter am Flughafen bewegt und weiß, wie es dort normalerweise aussieht, lässt sich erahnen, mit welcher Heftigkeit Corona die Luftfahrtbranche trifft. Und alle, die mit dran hängen, nahezu alle Geschäfte sind geschlossen, die Sicherheitsschleusen unbesetzt, auch im Terminal….Stille. Ich nehme auch schon die Maßnahmen in Krefeld wahr, sehe oftmals nur Zweiergruppen und natürlich merke ich am eigenen Leib, wie das ist, wenn alles geschlossen hat, man nicht mal eben was essen gehen kann oder sich mit Freunden treffen. Hier, in diesem leeren, stillen Terminal, einem Ort, der normalerweise brummt und voller Leben ist, sind die Auswirkungen wir ein Schlag ins Gesicht.

Weiter ging es dann rund um den Flughafen, immer mal wieder konnte man einen Blick auf die abgestellten Flugzeuge erhaschen. Nach wie vor bewegte sich auf und rund um den Flughafen gar nichts.

Mein Weg führte mich dann am Terminal für die Privatjets vorbei und dann an den Kopf des Start- und Landebahnsystems. Mittlerweile war ein Airbus von Eurowings gestartet und die App Flightradar zeigte eine RegionalJet im Landeanflug an. Also bin ich die paar Minuten stehen geblieben und zu schauen, ob sich da tatsächlich ein Flugzeug bewegt.

Tatsächlich. Davor und danach, ihr ahnt es. Stille! Beim Blick über das Vorfeld stach der Germanwings-Airbus ins Auge. Auch schon von der Geschichte eingeholt, die Airline wird gerade abgewickelt. Mal sehen, wie viele es noch trifft, wie die Luftfahrtbranche nach Corona aussieht. Die Dash von Flybe, ebenfalls eine Airline die in die Pleite geflogen ist, stand allerdings schon vor Corona hier.

Nach der bebauten Seite des Flughafens wurde der Weg jetzt zusehens grüner, es ging in Richtung Fußweg parallel zur Nordbahn. Am Schwarzbach vorbei, immer mit Blick auf den Flughafen kam schon bald der neue Feuerwehrtrainer in Sicht.

Und dann flog doch tatsächlich ein weiteres Flugzeug an mir vorbei, bezeichnenderweise wieder eine Maschine von Germanwings. Aber wenigstens ein wenig Flughafengeräuschkulisse, wenn auch nur kurz.  An der Bahn entlang kam mir lediglich ein Jogger entgegen, ansonsten sah ich in weiter Ferne ein paar Radler, ansonsten war es ruhig.

So langsam taten mir dann doch die Füße weh und ich war froh, als ich auf die Kalkumer Schlossallee einbiegen konnte, den Parkplatz fast vor Augen. Apropos vor Augen, viele Menschen fahren einfach dran vorbei, an der Straße steht aber ein Denkmal für die KZ Insassen eines Düsseldorfer Außenlagers. Es lohnt sich, da mal einen Moment innezuhalten und sich die Informationen durchzulesen. Wer sich schon mal vorbereiten möchte, hier gibt es erste Infos. HIER

So, nach knapp 15 Kilometern war ich wieder am Auto, eine merkwürdige Wanderung war das. Frische Luft, rechtschaffen k.o., wunderbares Wetter…aber eben komisch. Ich habe natürlich noch einen Relive Clip für Euch, wünsche Euch aber schon mal einen guten Tag und bleibt vor allem gesund, Leute.

Euer Martin

 

 

4 Gedanken zu „Meine längste Wanderung – und die merkwürdigste…

  1. Ja, es ist schon anders. Deutlich anders. Deshalb wohl ist der Himmel so blau, wie wir ihn sonst höchsstens am Meer oder im Hochgebirge zu sehen bekommen. Die Farben der Natur, so kommt es mir jedenfalls vor, so intensiv wie nie – das ist etwas, an das wir uns auch erinnern werden, diese unnatürliche Stille und diese Farben…
    Ich bin ja gegen zu viel Flugverkehr, vor allem innerdeutsch. Aber die Leidenschaft, die Flugzeuge fliegen zu sehen, das Getümmel am Flughafen – all das teile ich durchaus…

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  2. Ja, trotz des Singens der Vögel an diesen österlichen Frühlingstagen herrscht eine fast gespenstische Stille um uns herum. Sie lässt uns überdeutlich spüren, was meomentan alles fehlt oder unmöglich ist.

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