Seltener Flieger, buntes Auto, viel Natur und eine lange Radtour

Hallo zusammen,

ich hole auf. Da ich zuletzt etwas weniger zum radeln gekommen bin, habe ich mal die Chance, den Stapel „ungebloggter“ Touren abzuarbeiten. Wenn ihr mögt, nehme ich euch jetzt auf die Tour vom ersten Mai mit. Noch gar nicht sooo lange her, oder? Es sollte dann auch die, bis dahin, längste Tour des Jahres werden. Geplant war es etwas anders, aber das Hobby mit den Flugzeugen grätschte dazwischen – aber, der Reihe nach. Ach ja, unbezahlt und unbeauftragt ist das hier natürlich, wie immer.

Früh am Morgen bin ich in Krefeld losgeradelt. Hinter der Dionysius-Kirche ging gerade die Sonne auf. Menschen waren an diesem Feiertag so gut wie keine auf den Straßen.

Ab und an kam mir jemand entgegen, Hunde wurden ausgeführt und der ein oder andere nahm die frühen Straßenbahnen durch die noch schlafende Stadt.

Mein Ziel war die Trabrennbahn in Dinslaken. Dort findet, mittlerweile seit 23 Jahren, ein großes Treffen von Porsche-Fahrerinnen und -fahrern statt. Bis auf ein, zwei Ausnahmen war ich jedes Jahr dabei. Da hängen also sehr viele, sehr schöne Erinnerungen dran. Also, damit ihr mich nicht falsch versteht, ich bin da Zuschauer und finde die Autos wunderschön, als Besitzer kann ich da leider nicht aufschlagen 😉 . Ich hab halt mein Fahrrad. Na ja, auf jeden Fall ging es von Krefeld in Richtung Norden weiter. Vorbei an „Tubuku-Streetart“. Das Künstler-Duo aus Krefeld hat schon an vielen Stellen gearbeitet, unter anderem auch an dieser Kneipe hier.

Aus der Stadt raus, hinein ins Hülser Bruch, einem großen Naturschutzgebiet hier in Krefeld. Gerade am frühen Morgen ist das radeln dort ein echter Genuss. Frische Luft, wenig Menschen und manchmal noch etwas Nebel über den Feldern.

Der Hülser Berg liegt im Hülser Bruch und ist die höchste natürliche Erhebung in Krefeld. Mit 63 Metern ist da ja schon fast alpines Hochland 😉 . Aber im Ernst, wenn ihr mal da seid, nutzt auf jeden Fall den Johannesturm. Der Aussichtsturm bringt euch, mittels knapp 160 Stufen, nochmal 30 Meter höher und ermöglicht einen tollen Ausblick.

Kurz bevor ich dann weiter in Richtung Dinslaken fahren wollte, erreichte mich die Nachricht, dass ein Airbus der libyschen Regierung nach Düsseldorf kommen sollte. Nur eine kurze Stippvisite, Grund unklar, aber der Flieger war noch nie da und wer weiß, wann man nochmal die Gelegenheit bekommt, den vor die Linse zu kriegen? Also, Planänderung und erstmal nach Düsseldorf. Leider die völlig entgegengesetzte Richtung. Das Naturschutzgebiet Niepkuhlen lag dadurch dann auf meinem Weg. Diese Altrheinrinne zieht sich kilometerweit durchs Land und zeichnet sich durch viele Tümpel, kleine Wasserläufe und Seen aus.

Dort entlang zu fahren ist schon wirklich schön. Dass das dort nicht immer so einfach ist und Natur ab und an etwas Hilfe braucht, ist rund um die Niepkuhlen immer wieder Thema. Dass es dort zum Beispiel eine seltene Symbiose zwischen einer Muschel und einem Fisch gibt, finde ich ziemlich spannend. Wenn ihr mögt, schaut mal hier rein:

Nun ja, über die Niepkuhlenbrücke führte mich meine Tour dann so langsam aber sicher in Richtung Nordosten.

Das Schöne an Krefeld ist ja, neben vielem Anderem, die Tatsache, dass man unheimlich schnell vom urbanen Charakter ins dörfliche Millieu radelt. Die Maibaumtradition kam mir an vielen Stellen unter, vor einigen Häusern standen Maibäume, aber es gab auch größere, „offizielle“ Exemplare. Dorfleben halt.

Schon schön. Dazu das wunderbare Wetter, eine Radtour ganz nach meinem Geschmack. Da machte es auch nichts, dass ich quasi erstmal in die falsche Richtung unterwegs war.

Über Traar, Elfrath und Gartenstadt ging es dann nach Krefeld Uerdingen hinein. Dort konnte ich dann kurz meinem „Mühlenfetisch“, wie ein Kollege es mal nannte, frönen, bevor es in den Linner Rheinhafen ging. Windmühlen finde ich in der Tat richtig faszinierend. Sie sind immer auch Zeugen einer spannenden Geschichte. Die Buss-Mühle in Uerdingen zum Beispiel wurde gebaut, weil sich die Bevölkerung entwickelte und es eine verstärkte Nachfrage nach Mehl gab. Das war im Jahr 1795. Und heute, 230 Jahre später, steht sie immer noch.

Apropos historische Bauwerke. 1905 drehte sich die Drehbrücke im Rheinhafen Linn zum ersten Mal. Nicht so alt wie die Windmühle, trotzdem beeindruckend. Bis zum heutigen Tag erfüllt sie ihre wichtige Funktion.

Auch hierzu gibt es, wenn es euch interessiert, einen Videofilm. Eva-Maria Eifert, Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde, erklärt darin ein wenig was zur Brücke und ihrer Funktion und Relevanz für den Hafen. Anlass für das Video, welches meine Kollegin gemacht hat, war damals eine abgeschlossene Sanierung der Brücke. Also, schaut gern mal rein, man sieht auch, wie die Brücke sich bewegt.

Vom Rheinhafen aus ging es also weiter in Richtung Flughafen. Es gibt dort einen sehr schönen Rad- und Fußweg entlang des Deiches. Das Ganze wird als „Fairness-Zone“ bezeichnet und meiner Erfahrung nach klappt das auch ganz gut. Selbst die Rennradfahrerinnen und -fahrer, bei manchen habe ich immer das Gefühl, ich bin plötzlich mitten in die Tour de France geradelt, haben genug Platz um vorbei zu zischen 😉 .

Und dann war das erste Etappenziel auch schon erreicht, es hieß „Welkom op de luchthaven van Düsseldorf“.

Ein Marketing-Gag, aber ein wirklich charmanter. Ab dem 26. April hieß der Flughafen Düsseldorf offiziell „Düsseldorf Luchthaven“, also Flughafen in niederländischer Sprache. Eine gute Woche lang war das Logo orange, bei den Durchsagen im Terminal gab es neben dem normalen deutsch und englisch auch eine niederländische Version und die vielen Gastorbetriebe im Airport hatten sich mit niederlädnischen Spezialitäten eingedeckt. Sogar ein Selfiepoint war eingerichtet worden. In den Maiferien des Nachbarlandes reisen unglaublich viele Niederländerinnen und Niederländer ab Düsseldorf in den Urlaub und so wollte man da ein wenig Gastfreundschaft zeigen. Finde ich eine klasse Idee. Hauptziele auch bei unseren Nachbarn – Warmwasserziele, wie etwa die Türkei.

Ich war gerade noch rechtzeitig um das Ziel dieses Abstechers, den Regierungsflieger aus Libyen, zu fotografieren.

Warum der Gast da war? Keine Ahnung, die Spekulationen unter den Fotografen reichten vom Abschiebeflug bis zu Verkaufsgesprächen bei Rheinmetal. Nun ja, schaut man sich an, wie wir als Land oftmals mit Familien umgehen, die wir abschieben, kann ich mir nicht vorstellen, dass dafür Regierungsflieger benutzt werden, an allen anderen Spekulationen mag ich mich nicht beteiligen. Ich hab mich auf jeden Fall gefreut, das seltene Flugzeug vor die Linse zu bekommen.

Da der Aufenthalt angeblich nur kurz sein würde, habe ich noch ein wenig gewartet und geschaut, was sonst noch so herumfliegt.

Der Start des Regierungsairbusses war dann gleichzeitig auch mein Startsignal für den Rest meiner Tour, es lagen ja noch einige Kilometer vor mir bis nach Dinslaken.

Vom Flughafen aus bin ich in Richtung Angermund gefahren, direkt an der Anger entlang. Ziel war die Sechs-Seen-Platte, ein Naherholungsgebiet in Duisburg. Der Weg an der Anger entlang ist wirklich klasse zu radeln, keine Autos und viel Grün.

Wenn man Glück hat, kann man sich sogar ein Wettrennen liefern – Spoiler, obwohl mein Kontrahent offenkundig nur über ein PS verfügt….verloren habe ich trotzdem 😉 .

Über 1630 PS hat die EC-135 vorzuweisen, die ich dann kurze Zeit später vor die Linse bekam. Unser Rettungsheli hier im Pott, „Christoph 9“ kam von einem Einsatz zurück.

Ich bin ja jedes Mal aufs Neue von Hubschraubern fasziniert. Dass wir in Deutschland ein so gut ausgebautes Luftrettungsnetz haben, beruhigt mich sehr. Ich möchte sie nie brauchen müssen, aber es ist toll zu wissen, dass es engagierte Crews mit tollen Hubschraubern gibt, die immer für uns da sind.

Direkt an das Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte, daran schließt auch das Gelände des Krankenhauses an, an dem der Hubschrauber stationiert ist, schmiegen sich die Sportanlagen Wedau. Dazu gehört auch die Regattabahn. Knappe 2200 Meter lang und 120 Meter breit, rechts und links sind tolle Wege zu radeln oder joggen. Wenn hier Rennen stattfinden lohnt ein Besuch in jedem Fall, ist eine tolle Atmosphäre.

Mein Kurs war jetzt straight in Richtung Norden, wenig später habe ich dann die Ruhr überquert und näherte mich meiner alten Heimat, Duisburg Neumühl.

Vorbei am Landschaftspark Duisburg Nord, nach wie vor eine echte Empfehlung. Schaut euch das Areal mal in Ruhe an, es gibt dort unglaublich viel zu entdecken. Auf dieser Tour bin ich allerdings eiskalt dran vorbei gefahren.

Wer mir hier schon länger folgt, der weiß ja um meinen Faible für Streetart-Kunstwerke. Deshalb ist ein Abstecher in den Landschaftspark, dort gibt es immer was zu entdecken, auch eigentlich Pflicht. Allerdings habe ich auch interessante Bilder an einer Brücke in Hamborn, kurz vor Marxloh entdeckt.

Hier habe ich dann auch wieder mal gemerkt – Du wirst nicht jünger. Rechts von der Brücke stand bis vor Kurzem die Rhein-Ruhr Halle. Eine Multifunktionshalle, in der ich nicht nur Schulsport hatte, sondern auch Michael Jackson bei seinem Wetten, dass? – Auftritt 1995 live gesehen habe. Wie wir damals in die Halle gekommen sind, schreibe ich mal besser nicht, auch wenn es wahrscheinlich verjährt ist 😉 . Auf jeden Fall war das ein krasses Erlebnis.

An der Stelle entsteht jetzt eine neue Wache der Freiwilligen Feuerwehr Duisburg. Kinners, wie die Zeit vergeht.

Nochmal Streetart und dann wieder aufs Rad und weiter durch Marxloh nach Dinslaken.

Und dann doch nochmal sentimental. Ich habe in Hamborn mein Abitur gemacht, auf dem Clauberg-Gymnasium. Die Gebäude gibt es noch, soweit ich weiß beherbergen sie heute die Gesamtschule Emschertal, aber das Clauberg Gymnasium wurde aufgelöst, weil die Neuanmeldungen irgendwann zu gering waren. Ich bin gern dort zur Schule gegangen und überzeugt davon, dass die Zeit dort, neben meiner Erziehung „von Hause aus“, dazu beigetragen hat, mich zu dem weltoffenen und, ich hoffe, empathischen Menschen zu machen, der ich heute bin. Zuletzt als „Türkenschule“ verschrien, war es schon immer ein Anliegen der „Schule ohne Rassismus“, den Schülerinnen und Schülern die Vorteile einer diversen Gesellschaft zu vermitteln und sie so gegenüber Populismus und dummem Hass und falscher Hetze zu härten. Engagierte Lehrerinnen und Leher, die es immer auch ermöglicht haben, mal im besten Wortsinne „quer“ zu denken, dazu viele Mitschülerinnen und Mitschüler aus diversen Kulturkreisen sorgten nicht nur für geniale Buffets bei festlichen Anlässen, sie haben auch schnell deutlich gemacht, dass die Verschiedenheit der Herkunft nichts Negatives ist, im Gegenteil.

Sagen wir es so, als ich da am 1. Mai 2025 so vor der Skulptur-Schleife am Haupteingang stand, ging mir schon einiges durch den Kopf. Ob ich wohl alle Entscheidungen von damals mit meinem Wissen von heute genauso getroffen hätte – wahrscheinlich schon 😉 .

So, nun aber genug sentimentaler Rückblick, weiter geht es mit schnellen und schönen Autos. Die Modelle aus dem Hause Porsche fand ich schon immer klasse, deshalb bin ich auch seit dem ersten Jahr bei dem großen Club-Treffen in Dinslaken dabei. Auch in diesem Jahr gab es wieder viel zu entdecken.

Besonders freue ich mich natürlich immer über die Klassiker, die alten Porsche-Modelle. Faszinierend ist es doch zu sehen, dass vom Ur-Elfer, damals hieß er übrigens noch 901, bis Peugeot mit Klage drohte und man einfach aus der 0 eine 1 gemacht hat, bis zum aktuellen Modell immer die Designsprache erhalten geblieben ist. Feiere ich sehr.

Seit einigen Jahren habe ich, neben meinen ganzen anderen Interessen, ja irgendwie auch eine gewisse Begeisterung für Kunst entwickelt. Mit diesem wunderschönen 911 GT3 RS kommen dann gleich zwei Leidenschaften zusammen. Ein richtig geniales Artcar ist da entstanden. Und so war der Besuch beim Porschetag dann doch auch irgendwie wie ein Museumsbesuch und somit gleich doppelt gut für die Seele.

Die Location auf der Trabrennbahn steht wohl immer mal wieder zu Diksussion, für 2026 ist es aber auf jeden Fall wieder dort geplant, also, wenn ihr am 1. Mai 2026 noch nichts vorhabt und euch für schöne Autos interessiert – die Trabrennbahn Dinslaken solltet ihr auf dem Schirm haben.

Nach einer leckeren Bratwurst und ein, zwei Gläsern kalter Cola ging es wieder aufs Rad und so langsam zurück in Richtung Heimat. Da ich ja noch auf der falschen Rheinseite war, bot sich die „Glück Auf“ als Lösung an. Die „Glück Auf“ ist ein Fährschiff, welches seit 1958 zwischen Orsoy und Walsum verkehrt. Sie war damit das erste motorgetriebene Schiff auf dieser Strecke. Ursprünglich gebaut um Mitarbeitende der Zeche Walsum schnell zu transportieren, ist sie heute gerade bei Ausflüglern mit dem Rad sehr beliebt. Das liegt zum einen sicherlich an der Abkürzung, zum anderen aber auch am sympathischen Team und der guten Social Media Arbeit.

Außerdem ist die Überfahrt immer auch sowas wie eine Mini-Kreuzfahrt, die zudem ungewöhnliche Fotopositionen bietet.

…und bequemer als schiwmmen isset allemal 😉 .

In Orsoy angekommen habe ich die letzten Kilometer unter die Reifen genommen. Klassisches „Niederrhein-Radeln“ würde ich sagen, Alleen und Felder, aber und an eine Kirche mit Friedhof, wie es halt so ist, hier in der Region.

In Moers wurde es dann wieder urbaner und an vielen Stellen wurde Bergbaugeschichte sichtbar. Loren, Seilscheiben und der Gruß der Bergleute „Glück Auf“ finden sich an einigen Stellen.

So langsam wollte ich auch ankommen, deshalb war ich froh, als ich von der Heyenbaumstraße in Krefeld auf den Radweg in Richtung Zentrum eingebogen bin. Eine lange, faszinierende und anstrengende Tour neigte sich dem Ende.

Am Ende waren es tatsächlich gute 120 Kilometer. Dadurch, dass ich am Flughafen und an der Rennbahn ja länger Pause gemacht habe, fühlte es sich nicht so lang an, aber ich habs dann am Abend und vor allem am nächsten Tag schon in den Knochen gemerkt – wie gesagt, man wird auch nicht jünger.

Wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen. Wenn irgendwelche Fragen auftauchen, immer her damit. Ich setze mich dann jetzt auch zeitnah an den nächsten Text, dieses Mal geht es mal wieder in die Niederlande. Jetzt aber erstmal eine gute Zeit, bleibt gesund und munter und gebt Acht auf euch und eure Mitmenschen.

Euer Martin

 

 

 

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