Nebel, Sonne, Wasser und viele Kilometer – Von Krefeld nach Roermond und Venlo

Hallo zusammen,

in meiner Monatszusammenfassung hatte ich euch ja noch drei Blogbeiträge aus dem Februar versprochen. Nun, hier ist der erste. Anfang letzter Woche war die Wettervorhersage für das kommende Wochenende noch klasse gewesen, 9,5 Stunden Sonne oder so. Nun ja, als ich am Samstag Morgen aufs Rad gestiegen bin, war es frisch, nebelig und klamm. Wenn ihr mögt nehme ich euch trotzdem mit auf eine Rundfahrt in die Niederlande, unbezahlt und unbeauftragt natürlich.

In Krefeld steht die Gaststätte „Et Bröckske“, oder besser, seit kurzem stehen nur noch die Außenmauern. Das Gebäude wir im wahrsten Sinne kernsaniert, lediglich die Außenmauern bleiben stehen. Das ermöglicht ganz spannende Einblicke, wie etwa auf den „Seidenweber“ an einer der Wände.

Wenn man sich das aktuell so anschaut, kann man sich ja kaum vorstellen, dass das mal wieder richtig schön wird. Aber so ist das ja meist bei Sanierungen. Ich bin auf jeden Fall echt gespannt und freue mich drauf zu sehen, wie es da weiter geht.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr etwas sieht, was irgendwie nicht zusammenpasst, aber dann irgendwie doch? Also, ich bin am Hauptfriedhof vorbeigeradelt und habe eine Werbung an einer Bushaltestelle entdeckt, darauf ein Kissen und das Wort bequem….und irgendwie habe ich das mit den Grabsteinen dahinter in Verbindung gebracht….keine Ahnung, irgendwie fand ich das….strange 😉 .

Auf der Suche nach der Sonne ging es für mich weiter, der nächste Zwischenstopp sollte der Flugplatz in Mönchengladbach sein, dazu ging es erstmal in Richtung Willich.

Trotz dichten Nebels fielen mir diese beiden Gartendekorationen direkt ins Auge, das wir aktuell mitten im Karneval stecken hatte ich völlig vergessen, ein Fehler wie sich später noch zeigen sollte 😉 .

In Willich ging es dann auf die ehemalige Bahntrasse, den heutigen Alleenradweg. Er führt weiter in Richtung Mönchengladbach.

Unter einer Brücke hab es etliche Tags, in meinen Augen eher Schmierereien, aber auch klare Botschaften zu entdecken 😉 . Dieser hier kann man ja, auch im Angesicht der aktuellen geopolitischen Lage, nur zustimmen.

Dieses Star-Trek-Pokemon-Space-Hasen Teil ist nicht gemalt, sondern mit irgendeiner Folientechnik aufgebracht, fand ich irgendwie interessant.

Am Flugplatz in Mönchengladbach war nicht viel los, das lag sicherlich auch am Nebel. Auf dem Vorfeld steht nach wie vor eine abgestellte Maschine der irischen Aer Lingus.

Ich habe dort mein mitgebrachtes Brötchen gefuttert und ein bisschen Flugzeuge geguckt. Nach und nach wurde die Sicht auch etwas besser. Ein Privatjet der österreichischen Globe Air machte sich auf den Weg.

Die Bemalung dieser kleinen Cirrus fand ich ganz interessant, nicht so trist und langweilig wie man es oft auf diesen privaten Kleinflugzeugen sieht.

Und obwohl die Tür dieses Business-Jets offen stand bin ich dann doch beim Rad geblieben und hab mich wieder auf den Weg gemacht.

An der Niers entlang ging es dann in Richtung Mönchengladbach weiter. Etwas schlammig bei dem feuchten Wetter war der Weg zwar, aber die frische Luft und das radeln unter Bäumen war einfach herrlich.

In Mönchengladbach selbst bin ich dann am Minto, dem noch recht neuen Einkaufszentrum, vorbeigefahren. Die Architektur ist schon irgendwie cool.

Ganz in der Nähe der Quelle des Gladbach steht das Sudhaus der Brauerei Hensen. Die Produktion von Bier wurde dort in den 1970ern eingestellt, aber 2017 neu gestartet. Ich bin kein Biertrinker, aber das Team dort scheint mit ihren Produkten Erfolg zu haben. Das Gebäude ist auf jeden Fall was fürs Auge.

Ein Stück weiter in Richtung Westen habe ich dann einen Blick auf die Villa Brandts erhaschen können. Die Wikipedia weiß über Franz Brandts zu berichten, dass er 1865 den mechanischen Webstuhl in Mönchengladbach einführte und sich vor allem wegen seinem sozialen Engagement für seine Mitarbeitenden einen Namen gemacht hat. Auf jeden Fall ist die Villa ein Blickfang.

Ganz überrascht war ich von dieser kleinen Marienkapelle in Mönchengladbach Hardt. Zwischen lockerer Wohnbebauung stand sie plötzlich da. Ein wahres Kleinod.

Ich habe dann auch mal eine Kerze angezündet, das kann, denke ich, bei der aktuellen Weltlage sicher nicht schaden.

Es gibt ja immer wieder sogenannte Lost-Places, also Orte, die nicht mehr ihre eigentliche Aufgabe erfüllen, verlassen sind und nun verfallen. Es gibt eine ganze Szene, die sich diesen Plätzen und Orten verschrieben hat. Diejenigen, die das mit Verstand machen, dokumentieren die, durchaus morbide, Faszination mit der Kamera und halten sie so für die Nachwelt fest. Oftmals bewegen sie sich dabei in einem rechtlichen Graubereich oder gleich ganz in der Illegalität, da sie meist Hausfriedensbruch betreiben. Selten habe ich Warnungen davor aber so explizit und deutlich an einem Gebäude gesehen wie an der ehemaligen „Kent School“ in Hostert.

Schaut man sich im Netz um, kann man eine Menge über das Gebäude lesen, spuken soll es dort, Geister von getöteten Kindern gehen um. In der Tat hat das Gebäude eine dunkle Geschichte. Im Nationalsozialismus starben hier über 100 Kinder in einer sogenannten Kinderfachabteilung, einem ekelhaften Euphemismus für Experimente und Euthanasieprogramme der Nazis. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene waren hier untergebracht. Und es stimmt schon, auch wenn ich ein Mann der Wissenschaft bin und sicher nicht an Geister glaube, aber der Ort hat etwas düsteres an sich. Zumal an einem grauen Tag wie es der Samstag Vormittag war. Wenn ihr Fotos aus dem Inneren sehen wollt, bis vor einiger Zeit waren Fototouren möglich, diese Bilder gibt es hier zu sehen. FOTOS AUS DER KENT SCHOOL

Nach der Nutzung im Zweiten Weltkrieg war das Gebäude noch als britisches Internat in Gebrauch, daher auch der Name Kent-School.

Direkt neben dem Gelände, und natürlich frei zugänglich, liegt die Gedenkstätte Waldniel-Hostert. Sie erinnert an die Menschen, die in der Einrichtung umgebracht wurden. Der Ort macht etwas mit mir. Alle diese Orte lassen das Grauen spüren. Es gibt dieses Böse, welches man erspüren kann, wenn man solche Orte besucht. Ich finde es ganz wunderbar, dass an die Toten erinnert wird, dass es Paten für die Gedenkmünzen gibt, die in die Wand eingelassen wurden. Die Erinnerung wach zu halten ist wichtig…heute vielleicht mehr denn je.

Von den Eindrücken und Gedanken durchaus belastet habe ich mich auf den weiteren Weg gemacht. Ganz anders und deutlich fröhlicher wirkte dann eine Haltestelle auf mich. Eine Haltestelle mit integriertem Bücherschrank. Auch nicht schlecht.

Übrigens komme ich ja auch dem Bibliothekswesen und es gibt nicht wenige von uns, die diese Dinger hassen wie die Pest, weil es bessere Altpapiercontainer sind 😉 . Ganz so weit würde ich nicht gehen wollen, aber die erwartbare Literatur, die man in JEDEM dieser Schränke findet war vorhanden….inklusive dem obligatorischen Konsalik. Ihr wisst was man über Konsalik-Romane sagt? – Konsaliks sind wie ein Pornofilm, kennste einen, kennste alle. Nun ja….nen Literaturnobelpreis bekommt man mit dieser Literatur wohl wirklich nicht, verkauft haben sie sich aber immer ganz gut….eine weitere Parallele zum Pornofilm 😉

So, nach dem, ganz bewusst, heftigen Themenwechsel ging es weiter neben Landstraßen und durch Wälder in Richtung deutsch/niederländische Grenze.

Das Radeln in den Niederlanden ist einfach anders, jede und jeder der schon mal dort mit dem Rad unterwegs war, weiß das. Kurz hinter der Grenze beginnt eine Fahrradstraße durch den Nationalpark De Meinweg. Besser und entspannter kann man kaum radeln.

Und dann kam auch endlich die Sonne durch. Nach herrlichen Kilometern durch Felder und Wälder hielt ich langsam auf das erste Etappenziel zu, Roermond. Was ich irgendwie so gar nicht auf der Schirm hatte war das Thema Karneval. Das man in den Niederlanden Karneval feiert hatte ich zwar schon mal gehört, was ich in Roermond erlebt hab, hätte ich aber irgendwie nicht erwartet. Die Musik war laut, die Menschen gut drauf, es wurde getanzt, gelacht, getrunken und die ein oder andere medizinisch wirksame Pflanze angezündet. Kurzum, man versteht zu feiern bei unseren Nachbarn. Ob das angesichts nach wie vor recht hoher Coronainfektionszahlen alles so sinnvoll ist, sei mal dahingestellt, die Hospitalisierungsrate scheint es ja zuzulassen. Die Stimmung war auf jeden Fall…ausgelassen.

Ich hab dann eher die Ruhe gesucht und bin runter an die Maas und habe ein bisschen die Sonne genossen und Pause gemacht. Roermond ist wirklich ein schönes Städtchen. Ein Besuch dort lohnt sich auf jeden Fall, auch, oder gerade, ohne den Karneval, je nach Vorliebe 😉 .

Nach der Pause ging es wieder aufs Rad und weiter in Richtung Venlo. Die Radwege sind hier immer baulich von der Straße getrennt und so wird selbst das Radfahren neben einer Landstraße unkompliziert und angenhem.

Im kleinen Ort Beesel ereignete sich vor lange Zeit ein Drachenkampf 😉 . Ein Drache fraß immer wieder Schafe von den Weiden, der König wurde um Hilf gebeten, er rückte zwar mit einer Armee aus, man konnte den Drachen aber nicht besiegen. Am Ende der Legende erschien der heilige Georg und besiegte den Drachen. Heute gibt es eine jährliche Prozession und Festspiele rund um diese Sage und der Drache ist im kleinen Ort an vielen Stellen zu sehen. Sehr markant und auffällig in einem Kreisverkehr. Der Künstler Rik Van Rijswik hat diesen Drachen geschaffen. Eindrucksvoll würde ich sagen.

Der Ort Reuver liegt zwischen Beesel und Venlo, durch ihn bin ich hindurchgefahren und habe mich dann immer mehr der Maas genähert.

Der Weg führte immer näher an die Maas heran, bis ich dann bei Steyl schließlich direkt am Fluss entlang geradelt bin. Mittlerweile war das Wetter richtig herrlich und ich kam gut voran. Die Ecke da rund um Roermond und Venlo ist wirklich klasse für Radtouren geeignet.

Nicht nur in Roermond, auch in Venlo ist das Thema Karneval ein großes. Dort bin ich allerdings nicht weiter in die City geradelt, sondern am südlichen Teil des Bahnhofs vorbei in Richtung Deutschland gefahren.

Auf der Bahnstrecke zwischen Emmerich und Elten wird aktuell gebaut, deshalb fahren einige der Züge über Venlo in die Niederlande. So auch dieser ICE, der hier aus Amsterdam kommend in Richtung Grenze unterwegs ist.

Kurz nach dem Grenzübertritt, übrigens völlig ohne Kontrollen und friedlich, wie man das mit einem Nachbarland eben so macht (beste Grüße in den Kreml), habe ich lernen müssen, dass es nicht nur Menschen die Haare schneiden gibt, die bekloppte Wortspiele können, es gibt solche Leute wohl auch in der Landwirtschaft 😉

Über Nettetal führte mich meine Route dann nach Grefrath. Nach einer weiteren Pause ging auch so langsam die Sonne unter.

Im letzten Licht habe ich dann den Bahnradweg zwischen Grefrath und Kempen unter die Räder genommen, bevor der Himmel dann in wunderbaren Farben endgültig in Richtung Nacht wechselte.

Toller Moment.

Einen letzten Fotohalt habe ich noch eingelegt, an der schönen Sankt Peter Kapelle bei Kempen. Danach ging es in einem Rutsch nach Hause. 135 Kilometer waren es am Ende knapp, mein Hintern meinte dann auch, es ist jetzt genug. 😉

Ich habe noch einen Relive Clip für euch und hoffe ansonsten, die Tour und die Beschreibung hat euch gefallen und ihr seid auch beim nächsten Mal wieder mit dabei. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, zwei Berichte aus dem Februar fehlen ja noch 😉 .

Bleibt gesund und munter, schließt die Ukraine und die Menschen dort, und überall sonst wo Krieg und Unterdrückung herrscht, in Eure Abendgebete mit ein und achtet auf euch und eure Mitmenschen.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

9 comments

  1. immer wieder schön deine Berichte und Touren, eine etwas andere Sichtweise wie du es machst finde ich sehr interessant, gut finde ich auch die PausenLokale. Gerne weiter so. cool

  2. Hallo Martín,
    Diese Tour war einfach hammermäßig gut! Würde sie gerne als 2Tagestour (kein Ebike) nachfahren.
    Kannst Du mir die GPX-Datei zukommen lassen.

    Waren heute am Krefelder Umweltzentrum, ein guter Tipp von Dir, leider hat das Cafe amTraarer FH derzeit nur SA + SO geöffnet. Sind dann in der Mühlenbäckereifündig geworden. War eine sehr schöne Tour.

    Bis bald mal wieder..
    LG aus dem Norden DU
    Petra

  3. Lieber Martin. Wie immer bin ich von deinem Bericht, den Fotos und dem Tourverlauf sehr begeistert. Ich freue mich auf weiteres im Rückenwind-Blog. LG

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