Von Krefeld nach Dorsten – Abwechslunsgreiches Ruhrgebiet

Hallo zusammen,

vielen Dank für die netten Kommentare zum letzten Eintrag, der Tour nach Emden. Sowohl hier in den Kommentaren, als auch in verschiedenen Social Media Kanälen kamen wirklich nette Worte und konstruktive Fragen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, vielen Dank.

Heute führt mich meine Tour zwar auch in Richtung Norden, allerdings bin ich in Krefeld gestartet und in Richtung Dorsten gefahren. Wenn ihr Lust habt, nehme ich euch, virtuell und weder beuaftragt, noch bezahlt, gern ein Stück mit. Also, auf geht es. Es ging ein wenig tranig los, irgendwie war am frühen Morgen der Elan noch nicht so richtig mit auf dem Sattel. Etwas schneller als diese Kollegin hier, war ich dann aber doch 😉 .

Beim Thema „Fahrrad in Krefeld“ liest man in sozialen Netzwerken ja immer wieder, dass das eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist und man quasi dem Tode geweiht ist, sobald man sich auf ein Fahrrad setzt. Das ist, wie so oft, natürlich populistischer Mist. Sicherlich gibt es, wie in fast allen Städten hier in der Region, Ecken, da ist das Radfahren alles andere als Vergnügungssteuerpflichtig, aber es gibt auch genug andere Strecken und Wege. Sagen wir es so, ich radel ja fast täglich als Alltagsradler durch die Gegend und komme, meistens, gut zurecht. Besser geht immer, keine Frage, so apokalyptisch wie es gern beschrieben wird, isset dann aber auch nicht. Dieser Weg hier zum Beispiel führt ganz wunderbar parallel zu einer Hauptstraße in Richtung Krefeld Bockum.

Das erste Ziel war Krefeld Uerdingen, dort wollte ich dann am Rhein entlang in Richtung Duisburg radeln. Krefeld hat viele besondere Orte, in Uerdingen gehört die Weinbrennerei Dujardin sicherlich dazu. Über baumbestandene Straßen ging es für mich an den Rhein und zur alten Brennerei.

Wenn ihr mal in der Gegend seid, schaut mal, dass ihr eine Führung dort bucht. Das ist wirklich spannend und interessant. HIER gibt es weitere Infos zur Geschichte der Firma und des Gebäudes.

Weiter am Rhein entlang liegt dann die nächste große, die Stadt prägende, Industrieansiedlung. Der Chempark, 1877 von Bayer gegründet, beherbt heute knapp 40 Firmen und ist mit fast 9.000 Arbeitsplätzen ein wichtiger Player in Krefeld.

Direkt am Rhein gelegen ist der Fluss auch eine wichtige Verkehrsinfrastruktur für die Industrie. Neben seinem unbestrittenen Freizeit- und Wohlfühlwert.

Aktuelle und vergangene Industriekultur findet man in unserer Region ja an allen Ecken und Enden. Wenn man da überall Bilder machen möchte, kommt man ja kaum noch zum radeln 😉 . Ein wirklicher Hingucker ist aber der Wasserturm in Hohenbudberg. Wobei er, meine ich, schon in Duisburg Friemersheim steht.

Gebaut wurde er für den Rangierbahnhof in Hohenbudberg. Damals versorgte er die Dampflokomotiven mit Wasser. Herute ist er Industriedenkmal und beherbergt Wohnungen und ein Künstlerateiler.

Auf dem Deich, neben Rapsfeldern entlang, führte mich mein Weg dann weiter in Richtung Rheinhausen. Dabei bin ich auch an Friemersheim Dorf vorbeigekommen. Das Ensemble dort ist einfach richtig schön. Die kleine Kirche, die Häuser dort. Schaut euch das unbedingt mal an. Es lohnt sich.

Blick auf die Kirche. Auf dem Deich zu radeln ist toll, zwischen Rhein und Deich gibt es noch große Naturflächen.

Aus diesem, gefühlt sehr ländlichen Intermezzo zwischen der ganzen Industrie, geht es dann auch schnell wieder zurück zum Containerterminal in Rheinhausen. Dort steht ein Transformatorhäuschen mit wirklich cooler und passender Streetart.

In Rheinhausen wollte ich dann den Rhein überqueren und habe dazu die Eisenbahnbrücke gewählt. Sie verfügt über einen Fußweg, Radfahren ist dort verboten, wir leben in Deutschland und das Geländer ist zu tief, als das man dort radeln dürfte. NATÜRLICH tut das da auch niemand 😉 . *hüstel*  Die Brücke an dieser Stelle ist schon die vierte, wenn man die Behelfsbrücke amerikanischer Pioniere im Zweiten Weltkrieg mitzählt. Es ist ein faszinierendes Gefühl, wenn man dort rüberfähr…läuft und ein Zug überquert den Fluss. Die Vibrationen sind schon beeindruckend.

Auf dem Rhein fuhr die Wasserschutzpolizei Steife und hatte alles im Blick. Wer die Serie WaPo Duisburg kennt – so ist es nicht 😉 .

Mit Blick auf die Kirche der koptisch-orthodoxen Gemeinde in Duisburg führt mein Weg mich durch Hüttenheim weiter in Richtung Duisburg Mitte und Meiderich.

Unterwegs fuhr mir noch einer der neuen Straßenbahnzüge in Duisburg vor die Linse. Straßenbahnen gibt es in der Stadt am Rhein schon seit 1881, ich bin als Kind ab und an mit der Bahn zu Schule gefahren, allerdings nur, wenn es wirklich „Hunde und Katzen“ geregnet hat, ansonsten war es immer das Fahrrad 😉 . Nach einigen Problemen mit Stromabnehmern und weiteren Details sind die neuen Wagen seit 2023 im Betrieb und es sollen am Ende 54 Stück davon beschafft werden. Auf jeden Fall sehen sie ganz attraktiv aus.

Auf meinem Weg nach Duisburg Meiderich ging es noch durch Kaßlerfeld und dabei auch an der Schwanentorbrücke vorbei. Das ikonische Bauwerk ist eines der Wahrzeichen der Stadt und wird ebenfalls von der Straßenbahn genutzt.

Wer mir hier, oder auf Instagram (trickymartin), schon etwas länger folgt, weiß ja – ich mag Streetart. Diese vergängliche Form der Kunst im öffentlichen raum finde ich, wenn sie gut ist, richtig genial. In Meiderich gibt es eine Unterführung, die immer wieder als „Leinwand“ für neue Kunstwerke herhält. Da sind schon echt starke Sachen dabei.

Von dort aus führt der „Grüne Pfad“, ein Radweg auf einer ehemaligen Bahnstrecke, zum Landschaftspark Duisburg Nord. Das ehemalige Hüttenwerk und der Park drumherum sind heute ein gut besuchtes Ausflugsziel der Region und Teil der Route der Industriekultur. Ich bin wenige Meter davon entfernt aufgewachsen und habe die Transformation hautnah mitbekommen. Schon ein sehr faszinierender Ort.

Neben alter Industrie und verblüffend viel Natur, gibt es auch alte Eisenbahntechnik und Lokomotiven zu sehen. Diese kleine Maschine von Krupp zum Beispiel war immer in Duisburg unterwegs, wurde 1957 ausgeliefert und war bis 2009 im Einsatz, bevor sie zum Denkmal wurde. Könnte sie erzählen, sie hätte sicher etliche spannende Geschichten auf Lager.

Kommen wir nochmal zum Thema Street Art. Auch im Landschaftspark gibt es immer wieder starke neue Bilder zu sehen. Bei meiner Ankunft dort, war eines der Werke, passend zum Ostersonntag, gerade „in der Mache“.

Die Farben und die Intensität einiger Kunstwerke sind wirklich beeindruckend. Eigentlich müsste man die alle in Museen packen. Stattdessen vergehen sie schnell wieder. Ich schaue also, dass ich immer mal wieder dort vorbeikomme. Es lohnt sich wirklich.

Apropos Kunst. Seit 2021 findet man ganz in der Nähe die „Neustadt“. Ein Kunstprojekt von Julius von Bismarck in Zusammenarbeit mit Marta Dyachenko welches im Maßstab 1:25 Gebäude abbildet, die es „im Pott“ mal gegeben hat, die aber mittlerweile abgerissen worden sind. Direkt neben dem Radweg „Grüner Pfad“ findet man diese Gebäudemodelle. Irgendwie finde ich das faszinierend, wie sie mit der Natur drumherum beginnen zu harmonieren.

Der, schon mehrfach erwähnte, „Grüne Pfad“ führt dann bis nach Oberhausen. Dort ging es dann in Richtung Centro und zum Rhein-Herne-Kanal.

Der knapp 45 Kilometer lange Kanal bietet immer wieder Fotomotive, die irgendwie „typisch Kanalradeln im Pott“ sind. Hier zum Beispiel der Gasometer in Oberhausen während das, noch recht neue, Tankmotorschiff „RP Bern“ vorbeizieht. Der Tanker ist von 2024.

Osterfeld heißt der Stadtteil auf der anderen Kanalseite. Dort befindet sich ein großer Rangierbahnhof und ein Betriebswerk der Bahn. Meist trifft man dort jemanden zum quatschen und Eisenbahnen gibt es auch immer zu sehen. Ich mache in Osterfeld eigentlich immer eine kurze Pause.

Neben der Class 66 Lokomotive oben im Bild, hat es mir vor allem die „Ludmilla“, eine Großdiesellokomotive aus der Ukraine, angetan. Die Baureihe 232 hat die Bahn von der ehemaligen Reichsbahn der DDR übernommen. Bis heute ziehen sie schwere Güterzüge durchs Ruhrgebiet.

In der Region kommt man am Bergbau und an der Historie ja kaum vorbei. Das ist in Osterfeld auch nicht anders. Während ich in Richtung der ehemaligen Zeche Jacobi gefahren bin, schaute ich auf Bergleute am Wegesrand.

Die Zeche Jacobi ist heute ein Golfplatz, die Nachnutzung und Transformation hat also funktioniert. Auf dem Grün war auch einiges los. Und es gab durchaus auch jüngeres Publikum zu sehen, also völlig entgegen dem Klischee rund um das Thema Golf 😉 .

Bahntrassen. Es gibt sie zu Hauf im Ruhrgebiet. Auf etlichen fahren tatsächlich Züge, manche sind aber zu wunderbaren Radwegen geworden, besonders alte Zechenbahnen eignen sich ja hervorragend dafür.

Über die Zechenbahn führte mich mein Weg dann zum ersten großen Etappenziel, der Halde Haniel.

Wir Pottkinder sind ja alle nicht auf den Kopf gefallen und als nach dem Ende der Kohleförderung überall im Land riesige Berge mit Abraum herumlagen, kamen schlaue Menschen auf die Idee, die nicht nur zu begrünen, sondern auch noch nen Weg dran und Kunst drauf zu packen. Und schon waren fasziniereden Ausflugsziele geboren – die Halden. Die Halde Haniel ist eine der höchsten im Ruhrgebiet und ist aus dem Abraum der Zechen drumherum entstanden, unter anderem eben auch Prosper Haniel, deshalb der Name.

Neben der Höhe sind noch einige Dinge besonders. Auf dem Haldenplateau, das war mal der höchste Punkt, steht ein Gipfelkreuz. Es wurde von Auszubildenden des Bergwerks errichtet.

Der Weg hinauf ist gleichzeitig ein Kreuzweg. Zum einen, der aus der katholischen Kirche bekannte Leidensweg Jesu, gleichzeitig aber auch ein Weg mit Stationen und Informationen rund um den Bergbau.

Noch ein Stück höher ist man dann am höchsten Punkt angelangt. Der Blick ist faszinierend und es gibt eine Menge zu entdecken. Andere Halden zum Beispiel, in der Ferne ist der Tetraeder zu sehen.

Ich war übrigens nicht der Einzige, der beigeistert in die Ferne geblickt hat, dieser Hund hier war auch ganz fasziniert. Wirkte zumindes so 😉 .

Ich hab es ja eben schon geschrieben, Kunst gehört auch mit zum Haldenkonzept. Auf der Halde Haniel steht der „Windkamm“ oder die „Totems“ des baskischen Bildhauers Agustín Ibarrola. Leider rutscht der Hang etwas weg und das geniale Kunstwerk aus alten Eisenbahnschwellen ist zur Zeit eingezäunt. Angeblich soll es an einen anderen Platz und der Gipfel saniert werden. Schauen wir mal, es verliert mit dem Zaun drumherum leider komplett seine Wirkung.

Es war ja Ostersonntag und auf der Halde wurde ein Osterfeuer vorbereitet. Direkt vor dem Kreuz waren Paletten aufgeschichtet und die Feuerwehr war vor Ort und traf Vorbereitungen. Ich wollte ja noch ein bisschen radeln, aber das Feuer da oben sah bestimmt eindrucksvoll aus.

Von der Halde bergab, was gar nicht so cool ist, wie es klingt, da ich auf dem losen Boden mehr bremsen musste, als fahren zu können, führte mich mein Weg weiter in Richtung „Schwarze Heide“.

Ihr wisst ja, wenn ich unterwegs bin, ist meist irgendwie etwas mit Flugzeugen oder Hubschraubern dabei 😉 . Dieses Mal war es der Flugplatz „Schwarze Heide“. Bottrop, Dinslaken, Voerde, Hünxe und der Kreis Wesel betreiben den Platz. Als Kind war ich oft mit meinen Eltern da, Flugzeuge gucken. An der Begeisterung hat sich nichts geändert, nur älter bin ich geworden.

Es gab Segel- und Motorflug zu sehen, die dort produzierten Extra-Kunstflugzeuge ließen sich aber nicht blicken, klar, am Sonntag hatte man da wohl frei.

Nach einer kurzen Pause habe ich dann die letzten Meter bis nach Dorsten unter die Reifen genommen. Unterwegs gab es noch ein Hagelkreuz zu sehen und dann wartet der Zug auf mich.

Knappe 80 Kilometer war die Tour lang und ich habe, ganz ehrlich, jeden davon genossen. Es war ein toller Ostersonntag und es hat erst dann angefangen zu regnen, als ich mein Rad wieder in der Wohnung hatte.

Wie immer hoffe ich, die Einblicke haben euch gefallen, auch wenn der Beitrag schon wieder ziemlich lange hinter der Tour herhinkt. Ein paar Touren habe ich noch auf Vorrat, ich muss nur mit dem Schreiben anfangen 😉 .

Bleibt gesund und munter und passt auf euch und eure Mitmenschen auf,

Euer Martin

 

 

 

 

3 comments

Kommentar verfassen