Frischer Wind um die Nase – Von Emden nach Norddeich

Hallo ihr Lieben,

ich war auf dem Rad unterwegs. Mal wieder. Seit dem letzten Eintrag hier, gab es sogar schon drei größere Touren, allein zum schreiben bin ich bislang nicht gekommen. Heute nehme ich mir aber mal wieder die Zeit und würde euch gern, wenn ihr mögt, mit auf eine Tour in den Norden nehmen. Also, unbezahlt und unbeauftragt geht es los.

Ich bin ja ein großer Fan meiner Heimatstadt Krefeld, aber manchmal muss es eben Meer sein. An einem Sonntag Ende Januar sah die Wettervorhersage ganz gut aus und so reifte mein Plan, mal wieder nach Emden zu fahren. Also, ab in den Zug um 3.59 Uhr ab Krefeld mit ein paar Zwischenhalten in den hohen Norden.

In Emden wurde ich direkt von einem echten Stück deutscher Geschichte bergüsst. Auf einem Sockel direkt vor dem Bahnhof steht eine Dampflokomotive. Es ist die Lok, mit der im Oktober 1977 die letzte planmäßige Zugfahrt mit einer Dampflok durchgeführt wurde. Eine beeindruckende Maschine.

Vom Bahnhof aus führte mich mein Weg dann in Richtung des historischen Hafens und der Innenstadt. Dort lagen einige Schiffe, alles in allem war aber noch recht wenig los, klar, es war früh am Tag. Das Wetter war auch eher usselig, vereinzelte Sonnenstrahlen brachen zwar durch die Wolken, aber so richtig schön war es nicht.

Ich mag es einfach sehr, mich mit dem Rad auf „frischen“ Wegen zu bewegen, also in Ecken, die ich nicht täglich befahre. Und in Emden und Umgebung war ich jetzt echt lange nicht mehr.

In einer ehemaligen Apotheke, direkt zu Beginn der Fußgängerzone findet sich „Dat Otto-Huus“, ein Museum und Shop rund um den Komiker Otto Waalkes. Er ist gebürtiger Emdener und sicherlich einer der bekanntesten Söhne der Stadt.

Die Eisdiele daneben nutzt den „Ottifanten“ gleich mit 😉

Vorbei an toller Architektur führte mich mein Weg dann hinaus aus Emden in Richtung Flughafen.

Ihr kennt mich ja, wenn es irgendwo was zu mit Flugzeugen oder Helis zu gucken gibt, bin ich dabei. In Emden gibt es einen kleinen Flughafen, der allerdings eine wichtige Rolle im Bereich „Offshore“ spielt. Von hier aus werden die WIndparks und Bohrinseln angeflogen. Dazu sind einige Hubschrauberfirmen in Emden ansässig.

Für Flugbegeisterte wie mich lohnt sich also ein Abstecher immer. Flugbewegungen gab es allerdings erstmal eher wenige zu beobachten. Es blieb alles, wirklich alles am Boden…

Kurz bevor ich mich wieder auf den Sattel schwingen wollte, sprang dann doch noch ein Triebwerk an und wenig später rollte ein Heli vorbei. Für die Besatzung ging es weit hinaus auf die Nordsee. Schon faszinierende Arbeitsplätze. Für mich wäre das allerdings nichts, nur von Wasser umgeben.

Und ab dafür…

Für mich ging es mit Muskelkraft weiter, die Windkraftanlagen im Hintergrund zeigen es an, ich hatte tatsächlich Rückenwind, soll ja hier oben auch nicht immer der Fall sein.

Die Radwege sind gut, die Landschaft flach, ich bin gut voran gekommen. Ein wenig reizarm ist es hier ab und an schon, aber einige Landmarken gibt es dann doch. Windmühlen zum Beispiel.

Oder Kirchen. Es macht schon Spaß hier im hohen Norden zu radeln.

Im kleinen Örtchen Pewsum findet man eine Lokomotive am Ortseingang. Sie erinnert an eine ehemalige Kleinbahnstrecke von Emden nach Greetsiel. Die Denkmal-Lok hat aber wohl auch schon bessere Tage gesehen.

In Groothusen habe ich mir dann die Osterburg angesehen. Eine hochmittelalterliche Wasserburg mit langer Geschichte und wechselhaften Besitzansprüchen. Ein wirklich beeindruckendes Anwesen, welches da ein Meter abseits der Landstraße zu finden ist.

Auf dem Weg zu meinem Pausenziel, Greesiel, kam ich, natürlich, auch am Leuchturm von Pilsum vorbei. Jede und jeder der so in meinem Alter und mit Otto aufgewachsen ist, kennt den bekannten Leuchtturm sicherlich. In den „Otto-Filmen“ war er die Wohnung von „Otto Groß“ 😉 . Heute ist er sicher eines der bekanntesten Wahrzeichen der Region.

Vom Deich aus hatte ich einen herrlichen Blick über die Salzwiesen und das Meer. Das Wetter war etwas merkwürdig, blauer Himmel auf der einen Seite, Wolken auf der anderen, deshalb gab es ein ganz merkwürdiges Licht. Aber an der See ist das mit dem Wetter ja eh immer so eine Sache.

Vom Leuchtturm aus ist es ein Katzensprung nach Greetsiel. Der Ort ist seinem historischen Stadtkern, den Windmühlen und vor allem dem Hafen mit seinen Krabbenkuttern ein echter Touristenmagnet. Glaubt man offiziellen Zahlen, verbucht die Gemeinde im Jahr 600.000 Übernachtungen und 1,5 Millionen Tagesgäste. Mehr als zehn Prozent aller in Deutschland registrierten Krabbenkutter sind hier beheimatet.

Am besten fährt man tatsächlich mit dem Rad hin, die Parkplätze sind, selbst in der Nebensaison, immer gut gefüllt. Ich hab auf jeden Fall eine kurze Pause gemacht, was leckeres gefuttert und den Kuttern zu gesehen.

Mit der Initiative Bürgerradwege unterstützt das Land Niedersachsen den Radwegebau zusätzlich und belohnt dabei bürgerschaftliches Engagement im ländlichen Raum – so auch in diesem Fall. Zur Realisierung des Bürgerradweges an der Landesstraße 27 trug großer Eifer des Vereins „Up Pad gesund mit Rad“ bei. „Dem Engagement der Bürger ist es zu verdanken, dass wir heute diese Einweihung feiern dürfen“, sagte Frank Buchholz, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, während der Eröffnungsfeier.

Dieses Zitat auf der Webseite der Gemeinde Krummhörn anläßlich der Eröffnung eines Bürgerradweges zeigt es, das Engagement der Bürgerinnen und Bürger hat sich vor Ort gelohnt. Ich bin den Radweg gefahren und er ist super.

In regelmäßigen Abständen finden sich sogar kleine Schutzhütten, die ideal für kurze Pausen sind. Das Ganze finde ich richtig klasse.

Das Ziel meiner Tour sollte der Bahnhof in Norddeich sein, dafür bin ich dem Bürgerradweg in Richtung Norden, sowohl der Stadt, als auch der Himmelsrichtung 😉 , gefolgt. Kurz vor Norden gab es zum einen diese schöne Allee…

…und auf den Wiesen und Feldern links und rechts daneben unzählige Zugvögel. Deren Flugmanöver zu beobachten war schon sehr eindrucksvoll.

Achtung, etwas rumpelige Überleitung: Apropos fliegen, Norden hat auch einen kleinen Flugplatz. Ich konnte mir natürlich auch hier einen Abstecher nicht verkneifen. Neben Hubschraubern, ebenfalls für den Offshorebetrieb und den Lotsenversatz, gab es auch einen Inselflieger zu sehen.

Die kleinen, robusten Maschinen verbinden die Inseln vor der Küste mit dem Festland.

Wer nicht fliegen möchte, kann natürlich auch die Fähre nehmen. Die „Frisia III“ kam gerade aus Norddeich zurück.

Bei bestem Wetter und einem Blick über das Meer habe ich meine Radtour dann beendet und bin wieder mit dem Zug nach Hause gefahren.

Ich kann solche Touren nur empfehlen. Einfach mal raus aus allem, ans Meer, die Seele baumeln lassen. Mit dem Fahrrad neue Strecken zu entdecken, das ist einfach herrlich.

Wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen, wenn ihr Fragen habt, immer her damit. Ansonsten wünsche ich euch allzeit gute Fahrt und bleibt gesund und munter.

Euer Martin

5 comments

  1. Eine schöne Tour bist Du gefahren,ich bin so oft „da oben“ und finde,es radelt sich klasse dort!
    Zwei kulinarische Tipps (wenn Du die nicht sogar kennst) noch:
    Die Ostfriesentorte in der Gastronomie der Osterburg ist die beste an der Küste,ebenso wie ein Eis in Norddeich bei Frieseneis. Unschlagbar und alleine die Anreise wert!
    Liebe Grüße aus Bochum,Konni 👋🏼

  2. Ach toll, ich musste deinen Beitrag sofort anklicken. Wir waren letztes Jahr in den Osterferien in Greetsiel und ich hab den Pilsumer Leuchtturm sofort erkannt. Tolle Bilder hast du in deinem Beitrag, da kriege ich sofort Fernweh.

  3. Emden wohnt ein Freund von uns und wo ich deine Fotos so sehe stelle ich fest, dass ich als Kind da mal Urlaub gemacht haben muss. Und aaah, was für Erinnerungen alleine schon wenn ich den Leuchtturm sehe <3

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