Ostersonntag – Mammutbäume, Segelflugzeuge und viel Natur. Tour nach Kaldenkirchen.

Hallo zusammen,

bei meinen letzten Touren lag der Schwerpunkt eher auf Industriekultur, dieses Mal geht es raus aufs Land. Wenn ihr mögt, nehme ich euch gern mit in Richtung Niederlande. Wie immer, unbezahlt und unbeauftragt, aber mit viel guter Laune.

Los ging es am Ostersonntag in Krefeld, direkt vor der Haustür. Nach wenigen hundert Metern stand ich am Alexanderplatz. Berlin hat damit nix zu tun, unser Alexanderplatz ist nach einem Krefelder Ölmühlenbetreiber benannt. Alexander König. In dieser Jahreszeit blüht dort die Kirschblüte, immer wieder schön anzusehen.

Am sehr futuristisch wirkenden Campus der Fachschaft Design der Hochschule Niederrhein vorbei führte mich mein Weg weiter durch Krefeld.

In Richtung Westen führt der Radweg parallel zur Bahnstrecke nach Viersen, der Weg ist gut zu fahren und unterwegs trifft man auf eine alte Dampfwalze. Daran befestig ist dieses Schild hier. Finde ich klasse.

Und so sieht das gute Stück dann komplett aus. Ich musste ja weiter, sonst wäre ich auch ein bisschen auf der Walze herum geklettert.

Folgt man der Bahntrasse weiter kommt man auch an Forstwald vorbei. Dort hat die Stadt Krefeld innerhalb sehr kurzer Zeit eine Flüchtlingsunterkunft für Schutzsuchende aus der Ukraine errichtet. Ich bin da schon sehr stolz auf die Stadt in der ich lebe, nicht nur die Verwaltung macht da eine Menge, auch viele Ehrenamtliche helfen und organisieren. Das allerdings nicht erst seit gestern, sondern schon seit 2015. Eigentlich sogar schon immer, diese Stadt hat eine lange Geschichte von Toleranz, Hilfsbereitschaft und Empathie. Das finde ich dann schon wirklich klasse.

Solltet ihr euch für das Thema Schutzsuchende aus der Ukraine in Krefeld interessieren, sei euch die städtische Homepage empfohlen, da gibt es viele Sonderseiten. HIER

Im Forstwald selbst sind Radelnde nicht erwünscht. Das könnte man auf jeden Fall aus dieser Botschaft eines Baumes herauslesen, er hat das Fahrradsymbol einfach mal „aufgefressen“ 😉 .

Wenig später bin ich dann auf die Schluff-Trasse eingebogen. Von Sankt Tönis bis nach Hüls fährt die historische Dampfeisenbahn noch, von Sankt Tönis in Richtung Süchteln ist die Strecke heute ein Radweg. Ab und an ein wenige rumpelig, alles in allem aber wirklich schön zu fahren.

Nach einer Weile bin ich in Richtung Grefrath abgebogen, vorbei am wunderschönen Haus Neersdonk. Ein alter Adelssitz. Angeblich soll es dort spuken, zwei Damen rollen in der Neujahrsnacht Wollknäule auf und ab und singen dazu ganz schauerlich. Nun, bei strahlendem Sonnenschein und mitten am Tag habe ich weder Damen gesehen, noch schaurigen Gesang gehört 😉 .

An einem ehemaligen Baggersee wurde 2014 eine tolle Pausenstelle realisiert. Blick über den See, bequeme Bänke und ein Insektenhotel laden zum verweilen ein.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr irgendwie auf dem Schlauch steht? Also Dinge offensichtlich sind und man selbst aber das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf hat? Nun, ich habe echt nen Moment gebraucht, bis ich verstanden habe, dass da über dem Insektenhotel NABU steht 😉 .

Nach Grefrath Oedt bin ich durch diese wunderbare Allee gefahren. Wir haben es schon verdammt schön hier in der Umgebung.

Unterwegs fällt der Blick auf die Sankt Vitus Kirche in Oedt und auf die Gebäude der ehemaligen Girmes Produktionsstätte.

Wer hier schon länger mitliest, der ahnt sicherlich, dass ich von Oedt aus natürlich kurz am Flugplatz rumgefahren bin. An der Burg Uda vorbei, Sonntags kann man da, dank des Heimatvereins, auch auf den Turm stiegen und tolle Aussichten genießen.

Parallel zur Niers ging es dann zum Flugplatz. Das Boot lag da schon 😉 .

Am Flugplatz Grefrath Niershorst angekommen bin ich zum Segelflugstart geradelt, dort lagen auch schon Segelflugzeuge im Gras, geflogen wurde aber noch nicht.

Wenig später ging es dann aber los und hoch hinaus. Ich weiß tatsächlich nicht genau wie es im Moment, wegen Corona, aussieht, aber eigentlich sind die Segelfliegerinnen und Segelflieger total umgängliche Menschen, die sehr offen sind. Das solltet ihr nutzen, wenn ihr mal an einem Segelflugplatz seid und die Leute dort ansprechen. Ein Mitflug ist fast immer drin und ein ganz wunderbares Erlebnis.

Auch mit Motor wurde an diesem Morgen geflogen, diese Cessna aus dem Jahr 1972 gehört irgendwie zum Inventar, ich habe sie schon soooo oft vor der Linse gehabt. Ein echter Klassiker der Lüfte.

Sehr dynamisch, sehr tief kam dieser Flieger angeflogen, ebenfalls eine alte Bekannte, die Socata Tampico habe ich schon in Aachen und Geilenkirchen vor der Linse gehabt.

Einen Segelflieger im Anflug habe ich mir noch angeschaut, dann ging es weiter in Richtung Nettetal.

Weiter ging es, erneut, auf einer Bahntrasse. Der Bahnradweg von Kempen nach Nettetal führt auch an Grefrath vorbei und so habe ich mich dann auf die Trasse gepackt und bin, bergan, weiter gefahren. Direkt am Radweg steht ein weiteres Flugzeug. Es fliegt nicht mehr, hat es sogar noch nie getan. Trotzdem kennen und lieben es viele Menschen in Grefrath. Das Flugzeug war ein beliebtes Klettergerüst auf einem Spielplatz. Als es in die Jahre gekommen ist und nicht mehr aktuellen Sicherheitsregelungen entsprochen hat, sollte es weg. Jetzt steht es als Denkmal am Radweg, finde ich genial.

Der Weg führt auch an den Krickenbecker Seen vorbei, bei diesem Wetter natürlich ein herrlicher Abschnitt der Tour. Das ein oder andere Segelboot war zu sehen und das alles fühlte sich tatsächlich ein bisschen an wie Urlaub.

In Kaldenkrichen bin ich dann zum Ziel meiner Tour abgebogen, der Sequoia Farm. Vor einiger Zeit war ich schon mal dort, da war das Areal aber noch geschlossen. In der Sommersaison kann man dort, ohne Anmeldung oder Eintritt, Sonntags rein und sich an den Pflanzen und Bäumen erfreuen. Innerhalb des Areals gibt es ein Sparschwein, ich finde es lohnt sich, dieses ab und an mal zu füttern 😉 .

Die Mammutbäume sind wirklich beeindruckend, nicht nur wegen ihrer Größe, sie fühle sich auch irgendwie ganz besonders an. Wenn ihr in der Ecke seit, besucht mal die Farm. HIER gibt es Infos dazu.

Kaldenkirchen liegt direkt an der niederländischen Grenze, also habe ich mich entschlossen einen kurzen Abstecher in die Niederlande zu machen. Erstmal ging es an einer Baumschule vorbei, etliche Pflanzen wachsen da heran.

Unter der A61 hindurch führte mich mein Weg dann schließlich über die Grenze und in das Naturschutzgebiet Venloer Heide.

In der Venloer Heide liegt der ehemalige Fliegerhorst Venlo. Der Platz diente im Zweiten Weltkrieg, unter anderem, deutschen Nachtjägern als Basis. Ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, auch KZ-Häftlinge waren hier eingesetzt. Ein Erinnerungsort, direkt auf der deutsch-niederländischen Grenze erinnert an diese Zeit. Die linke Mauer steht in den Niederlanden, die rechte auf deutscher Seite. Sich mal einen Moment Zeit nehmen lohnt sich dort.

Auf einem Teil des riesigen Areals ist nach wie vor ein Flugplatz, allerdings nicht für Nazi-Flieger, sondern für den örtlichen Segelflugclub der Niederländer. Wenn ihr ein bisschen was zur bewegten Geschichte des Platzes lesen mögt, schaut mal HIER.

Ich habe, natürlich, noch ein bisschen Flugzeuge geguckt und kurz Pause gemacht. Was soll ich machen, ich bin halt davon fasziniert…also, von Flugzeugen, nicht vom Pause machen 😉 .

Quer durch den Wald ging es dann wieder nach Deutschland zurück, das nächste Ziel sollte Kempen sein. Über den rumpeligen Waldboden zu fahren war anstrengend, aber auch wunderschön. Man musste sich schon sehr konzentrieren.

Wenig später wurde der Waldweg dann zu einem asphaltierten Feldweg, dem Scharenbergweg. Leicht bergab, dann mal bergan, meist schnurgerade. Gut zu fahren.

Etwa auf Höhe Grefrath, mittlerweile wieder auf einer normalen Landstraße unterwegs, bin ich in eine große Baustelle gefahren. Die Straße wird neu gemacht, für Autos gibt es kein Durchkommen, mit dem Rad schon.

Ein Stück weiter liegt schon der neue Asphalt. Keine Autos, aber solch ein Untergrund….super.

Meine Standardstrecke als ich noch in der Region gewohnt habe, einmal scharf links abbiegen und an der Abtei Mariendonk vorbei und dann weiter in Richtung Kempen.

Von Kempen aus war es dann nur noch ein Katzensprung. Vorbei an der Burg und dann weiter in Richtung Krefeld. In der Burg befindet sich auch das Kreisarchiv, da war ich mal zu Gast bei einer Recherche der Mediothek Krefeld, ist aber ewig her.

Zwischen Kempen und Krefeld gibt es eine kleine Weide mit zwei wunderschönen Poitou-Eseln. Diese Großeselrasse ist bedroht und ich halte hier eigentlich immer kur an und schaue mir diese tollen Zottelwesen an. Irgendwie sind die total niedlich.

Auf der Sankt Töniser Straße gab es seit längerem eine Baustelle rund um die, in der Mitte, verlegten Straßenbahn-Schienen. Diese Baustelle ist weg und jetzt liegen die Gleise in einem grünen Gleisbett. Das hat was und finde ich wirklich gut.

Und dann war ich wieder daheim. Eine schöne Tour raus aufs Land war das. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen.

Es gibt auch dieses Mal wieder einen ReliveClip, schaut gern mal rein.

Bleibt gesund und munter, achtet auf euch und eure Mitmenschen und fahrt vorsichtig.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 comments

  1. Danke, insbesondere für die vielen Segelflieger: mein Patenonkel war (ehrenamtlicher) Fluglehrer auf dem Egegelsberg und jedes Jahr zum Geburtstag, bis zu seinem Herzinfarkt, bekam ich einen Rundflug geschenkt, mal mit dem Segelflieger, mal mit dem Motorsegler, mal mit einem kleinen Motorflugzeug. Bei mir kamen gerade viele Erinnerungen hoch 🙂

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