Fahrt aufs Land – die Niers, Grefrath, ein alter Flugplatz und viel Natur

Hallo zusammen,

nach wundervollen Touren die immer irgendwie mit der Bahn begannen oder endeten, nehme ich Euch heute mal wieder mit auf eine Radtour durch die Region vor der Haustür. Am Samstag bin ich Krefeld gestartet und auch dort wieder angekommen. Eine schöne Tour in Richtung Deutsch-Niederländische Grenze und die Krickenbecker Seen. Wie immer ist hier nix beauftragt oder bezahlt und für das was auf Seiten passiert, die ich gleich irgendwo verlinke bin ich auch nicht verantwortlich 😉 . Los ging es aber mitten in Krefeld, vorbei am Stadtgarten auf die Westparkstraße und zum Stadthaus. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der VerSeidAG beherbergt heute noch einige Krefelder Fachbereiche der Verwaltung und ist sanierungsbeürftig. Eindrucksvoll ist der von Egon Eiermann entworfene Bau aber dennoch.

Aus Krefeld raus ging es dann über die Kempener Allee und die Venloer Straße. Mit einem Blick rüber nach Hüls bin ich dann in Richtung Kempen abgebogen. Quer durch die Felder bei kalter, aber wunderbar frischer Luft.

Die Hülser Straße ist mittlerweile von etlichen Halteverbotsschildern gesäumt, da man verhindern möchte, dass Menschen den dortigen See als Badesee nutzen. Der ehemalige Baggersee wird immer wieder illegal zum schwimmen genutzt.

Ich bin nicht wirklich informiert was die Kempener Lokalpolitik angeht, ich habe aber mitbekommen das auf Höhe der Feuerwache ein Kreisverkehr gebaut werden soll und deshalb sehr alte und wertvolle Linden gefällt werden sollen. Dagegen regte sich Widerstand, es gab alternative Pläne, die allerdings mit einer höheren Flächenversiegelung einhergingen. Wie es am Ende ausgegangen ist, weiß ich nicht, Fakt ist, es wurden einige der Bäume bereits gefällt und das ist schon ein belastendes und trauriges Bild im ansonsten so malerischen Kempen.

In Kempen selbst herrscht in der Fußgängerzone die Pflicht zum Tragen einer MundNasenBedeckung. Da ich also am Rand der Fußgängerzone eh anhalten musste um die Maske aufzusetzen konnte ich auch dieses Schild fotografieren. Neulich in Bad Münstereifel musste ich noch daran denken. Dort arbeitete man mit Verboten, hier in Kempen setzt mal auf Fairness. An diese Samstag hat das auf jeden Fall gut geklappt, ich bin durch die Innenstadt geradelt bis es zu voll wurde und dann hab ich ein Stück geschoben. Klappte problemlos.

Überhaupt hat die Kempener Altstadt viel zu bieten, das ist ein wirklich richtig schönes Städtchen. Ein bummel dort lohnt immer, schon wegen der tollen Häuser und engen Gassen. Hier habe ich aber in der Tat mein Rad geschoben.

Weiter ging es in Richtung Wachtendonk. Dabei bin ich auch an einem schönen Hof vorbei gekommen, die ein wirklich großes Modellhaus in der Einfahrt hatten, entweder ein stylisher Briefkasten oder ein Vogelhaus. Auf jeden Fall macht es was her.

In Wachtendonk gibt es einen „Selfie-Point“, laut Touristeninfo sogar einige, ich habe bei meiner Radtour den auf der Niersbrücke gefunden. Wenn da schon extra so ein Punkt ist, muss man ja auch ein Selfie machen, oder? 😉

Apropos Niers, mein nächstes Ziel war die AiWA in Wachtendonk, die „Anlage im Wasser“. Dabei handelt es sich um eine kleine Fähre über die Niers. Auf dem Weg dahin ging es über Feldwege und zwischen Feldern hindurch.

Die Fähre war früher mal eine Gierfähre, das bedeutet, mit einem großen Ruder konnte man sie mittels Strömung der Niers von der einen auf die andere Seite steuern. Das Problem dabei war nur, die Niers hat unterschiedlich starke Strömungen und wenn es doof lief, kam man gar nicht rüber. Seit einiger Zeit ist die Fähre jetzt eine „Seilkurbelfähre“, man zieht sich quasi selbst an einem Seil über das Wasser. Macht ne Menge Spaß und verbindet das eine mit dem anderen Ufer.

Durch das Naturschutzgebiet nahm ich dann Kurs auf Venlo, jedenfalls so grob. Nachdem ich die L39 überquert hatte wurde es auch wieder ruhiger und ich kam gut voran. Schöne, baumbestandene Landstraßen und über einige Meter meines Weges hatte ich auch eine flauschige Begleitung. Der Hund lief eine ganze Weile neben oder hinter mir her ;).

auf dem „Alten Venloer Weg“ ging es durch wunderbaren Wald weiter, dann ein Stück an der Autobahn entlang und rauf auf das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Venlo. Der Platz ist heute ein großes Naherholungsgebiet mit tollen Wanderwegen, Wald und Heide. Im Zweiten Weltkrieg war er Teil eines dunkeln Kapitels, Zwangsarbeiter mussten beim Bau helfen und eine KZ-Außenstelle gab es auch. Eine wilde Mischung an Flugzeugen war hier stationiert, Dornier, Messerschmitt, Junkers, alles mit dabei. Glaubt man der Wikipedia wurden von diesem Platz aus ca. 580 alliierte Flugzeuge abgeschossen. Heute ist dort alles friedlich und ein Segelflugclub nutzt die alten Bahnen, die heute allerdings Graspisten sind. Mitten im Wald finden sich noch etliche Reste des Platzes, unter anderem eine alte Rundbogenhalle. Hier geht es zur Website des Fördervereins. HIER

Wenige Meter auf niederländischem Gebiet durch den Wald und dann an der Grenze entlang zu einer kleinen Gedenkstätte mit vielen Informationen rund um den Flugplatz. Trotz des wunderschönen Wetters waren wenig Menschen unterwegs, die die da waren waren mit ihrem Hund unterwegs oder radelten an der frischen Luft.

Aus dem Naturschutzgebiet Venloer Heide ging es dann rüber ins Naturschutzgebiet Krickenbecker Seen. Mein eigentliches Ziel an diesem Tag. Durch Torfabbau sind diese wundervollen Seen entstanden und bieten heute Tieren und Erholungssuchenden eine Menge Rückzugsmöglichkeiten. Ich bin durch wunderbaren Wald geradelt und habe dann eine kurze Pause am Poelvensee eingelegt.

Herrlich. Nach der kurzen Pause ging es wieder in den Sattel und weiter in Richtung Hinsbeck. Nach knackigem Anstieg ist man dann auf dem Hinsbecker „Berg“ und an der „Stammenmühle“. Die Mühle wurde 1854 erbaut und vor einiger Zeit wurden die Flügel restauriert. Aktuell befindet sich darin eine Geigenwerkstatt. Auf jeden Fall passt sie wunderbar in die Umgebung und ist das sichtbare Zeichen für eine wundervolle Bergabpassage bis nach Grefrath hinein. Unterwegs hat man eine wunderbare Weitsicht, bevor man im „Tal“ in Grefrath ist.

Kurz vor dem Ortseingang Grefrath bin ich nach Süden abgebogen um noch ein kurzes Stück auf dem Bahnradweg zu radeln. Er führt von Lobberich nach Grefrath und ich habe die letzten paar Meter mitgenommen. Nicht ohne Grund. Seit einiger Zeit steht dort ein Flugzeugklettergerüst auf zwei Stelzen am Wegesrand. Das ist etwas Besonderes und ich freue mich sehr darüber. Warum? Nun, dieses Gerüst stand seit 1953 in Grefrath auf Spielplätzen und etliche Menschen sind darauf herumgeklettert. Als es jetzt auf Grund neuer Bestimmungen nicht mehr benutzt werden durfte, wurde es durch einen großen, bunten Kletterbaum ersetzt. Als Erinnerung an diese lange Zeit steht das Gerüst jetzt am Rand des Radweges. Finde ich eine wirklich schöne und tolle Idee.

Wenn ich schon mal in Grefrath bin, muss natürlich auch ein Abstecher zum Flugplatz sein. Über eine alte Straße, die heute nicht mehr wirklich von Autos befahren wird, ging es zum Flugplatz. Dort angekommen gab es auch tatsächlich eine Flugbewegung zu sehen.

Am Flugplatz Grefrath hat sich die niederländische Flugschule „Wings to fly“ eingerichtet. Mit modernen Ultraleichtflugzeugen bieten sie dort Flugstunden an. Ich habe bei meiner Radtour die TL-3000 Sirius vor die Linse bekommen, macht schon was her der Flieger. Hoch über den Platz flog dann noch ein A350 der Lufthansa von Frankfurt nach Mexiko, der ein oder andere Langstreckenflug wird ja dann doch noch durchgeführt.

Wieder nach Krefeld bin ich dann an der Burg Uda, die ist im Grefrather Stadtteil Oedt, vorbei gefahren. Dahinter liegt noch ein ganz schönes Gebiet mit vielen kleinen Bachläufen und Wiesen. Auch hier gibt es immer wieder Tiere zu entdecken. Es ist schon ein schönes Fleckchen Land dort. Mit dem Niersauenprojekt Burgbenden wird da viel renaturiert. Hier gibt es Infos dazu. HIER

Von dort aus habe ich mich auf die ehemalige Schluff-Trasse gesetzt und bin in Richtung Sankt Tönis gefahren. Mittlerweile sank die Sonne recht fix und es wurde immer dunkler und vor allem kälter. Man merkt dann doch, es wird langsam Winter. Unterwegs bin ich noch an einer Windanlagenbaustelle vorbei gekommen, bevor die Sonne dann, wie ich fand recht spektakulär, ganz verschwand.

Und dann war ich, nach knapp 78 Kilometern wieder zu Hause. Es war eine schöne Tour durch bekannte Gefilde. Ich mag es ganz gern immer mal andere Regionen mit dem Rad zu entdecken, aber zu Hause radeln hat dann schon auch seinen Reiz. Man braucht kein Navi, kennt alle Ecken und kann sich ganz auf den Moment konzentrieren. Wie so oft habe ich auch noch einen Relive Clip für Euch. Solltet ihr Fragen zur Tour haben, nur keine falsche Scheu, immer her damit.

Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen,
Euer Martin

3 comments

  1. Hallo Martin,

    Wenn es doch nur wärmer wäre, würden wir diese gerne nachfahren! Aber jetzt….der neue härtere Lockdown…..das mäste Frühjahr kommt bestimmt und dann ist alles hoffentlich wieder viel entspannter.

    Dir eine schöne Advents- und Weihnachtszeit
    Mit sportlichem Radlergruß
    Petra

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