Dampflok, Flugzeuge, Schiffe und viel Natur

Hallo zusammen,

der Urlaub ist zwar zu Ende, das Radeln aber natürlich nicht. Ich bin immer noch dabei Radtouren der letzten Wochen hier aufzuarbeiten ;), wobei so ein Blogbeitrag ja immer irgendwie so ist, als würde man die Tour nochmal machen, nur ohne dicke Waden. Also, es ist ein bisschen Arbeit, aber es macht auch viel Spaß. Die Tour, auf die ich euch heute mitnehmen möchte war am 24. Oktober und wurde eigentlich durch eine Nachricht von einem Bekannten von mir ausgelöst. Es stand die Fahrt einer historischen Dampflokomotive an. In Corona-Zeiten eine echte Seltenheit, die meisten Vereine haben alle Touren abgesagt, in der aktuellen CoronaSchutzVerordnung sind solche Fahrten sogar verboten, Ende Oktober ging es aber noch, natürlich mit Pflicht zur MundNasenBedeckung und eben den Regeln wie im normalen ÖPNV auch. Die Chance diesen Zug zu knipsen wollte ich mir nicht entgehen lassen und hab mir gedacht, da mache ich ne Radtour draus. Die Lok kam früh, also muss ich auch früh raus. Als erstes ging es in Richtung Uerdingen, vorbei am Haus Neuenhofen in Bockum.

In Uerdingen dann über den Rhein und weiter nach Osten in Richtung Düsseldorf. Zwischen B208 und Wittgatt ging dann die Sonne auf. Meine Wetterapp hatte für den Tag wenig Wolken, viel Sonne und vor allem keinen Regen vorhergesagt. Nun…das klappte alles nicht so richtig, aber hier war es zumindest noch trocken.

Mein Ziel war der S-Bahnhof von Düsseldorf Angermund. Er liegt an der Bahnstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf und genau diese sollte der Sonderzug passieren. Über die Heltorfer Schlossalle radelte ich dann auf den Fotopunkt zu.

Am Bahnsteig angekommen traf ich auf einige weitere Eisenbahnfotografen. Alle mit Maske und genügend Abstand zueinander, es gibt also durchaus vernünftige Menschen in unserm Land. Zwei große Fragen drängten sich auf, die erste, bleibt es trocken, die zweite, auf welchem Gleis kommt der Zug. Wenn er auf dem Fenrverkehrsgleisen vorbeikommt, haben wir alle genug Platz um einen ganz eigenen Fotowinkel zu wählen, kommt er auf den S-Bahn Gleisen, wird es knapp. Nun, es blieb nicht trocken und der Zug kam, natürlich, auf dem S-Bahngleis ;). Aber auch jetzt klappte die Verständigung gut und wir standen, dank Zoom an den Kameras, hintereinander, leicht versetzt, und fotografierten durch die Lücken. Der Zug kam pünktlich. Böse Zungen würden behaupten, das klappte halt früher besser als heute bei der Bahn. Die Lokomotive ist Baujahr 1923, hat eine bewegte Geschichte und steht heute da, als käme sie frisch aus dem Werk. Wenn ihr ein paar Infos zur Lok haben wollt, schaut mal HIER und zur Sonderfahrt die ich fotografiert habe geht es HIER lang. Natürlich ist dieser ganze Beitrag mal wieder unbezahlt und unbeauftragt.

So, das Ziel war erreicht, es nieselte leicht, den Zug hatte ich im Kasten, was nu? Zurück wollte ich noch nicht, also habe ich mich wieder in den Sattel geschwungen und bin weiter gefahren. Vorbei am Haus Litzbrück, direkt neben dem Bahnhof, lange ein Hotel und Restaurant, angeblich sollte es Ende des Jahres verkauft werden, keine Ahnung, es macht auf jeden Fall was her, auch wenn schon so ein bisschen die Farbe abblättert.

Knapp 3 Kilometer Luftline von den Gleisen in Angermund entfernt verlaufen die Güterzuggleise in die gleiche Richtung, ich dachte mir, wenn du schon mal in der Ecke bist. Also, ging es weiter in Richtung Osten nach Lintorf.

Obwohl es noch nieselte habe ich die Fahrt aus ganzem Herzen genossen, ich liebe einfach diese Herbstfarben. Auf dem Foto kommen die gar nicht so gut rüber, wie es auf dem Rad gewirkt hat. Herrlich. Die Bahnstrecke in Lintorf ist für viele Eisenbahnfotografen ein bekannter und beliebter Fotopunkt. Im Nieselregen, ohne die Ankündigung eines besonderen Zuges, war ich aber alleine vor Ort. Zwei Züge habe ich abgewartet, einen aus Richtung Duisburg, einen aus Richtung Düsseldorf. Bei letzterem war aus dem Niesel dann Regen geworden und innerlich haderte ich mit der Wetterapp ;).

Mein Weg führte mich dann weiter in Richtung Düsseldorfer Innenstadt. Ich habe mich für den Weg durch das wunderbare Naturschutzgebiet Überanger Mark entschieden. Aktuell es ist wohl noch als „einstweilen“ unter Naturschutz stehendes Gebiet ausgewiesen, es soll aber dauerhaft Naturschutzgebiet werden. Das wäre klasse, es ist nämlich wunderschön dort. Tolle, ursprünglicher, Wald, Wander- und Radwege und einfach eine wunderbare, frische Luft gibt es dort.

Direkt neben dem Wald verläuft die Autobahn A52, und auch an deren Rändern zeigen sich die Herbstfarben. Ich glaube, ich schrieb es schon mal irgendwo, aber ich liebe den Herbst. Die Luft ist oftmals frisch und klar, die Farben der Natur wunderbar intensiv und…mein Heuschnupfen macht mir keine Probleme 😉

Ich kann mich ja auch immer wieder für die kleinen Flugplätze begeistern. Die Fliegerei fasziniert mich seit frühester Kindheit, es ist für immer noch ein Wunder, wenn ich sehe wie Geräte, die deutlich schwerer sind als Luft, fliegen. Ja, ich verstehe die Physik dahinter, weiß wie sich das mit dem Schub und dem Auftrieb und den ganzen anderen Kräften verhält…und trotzdem, es ist pure Faszination für mich. Und dabei ist es auch egal, ob es eine tonnenschwere Boeing oder ein filigranes Segelflugzeug ist, Hauptsache es fliegt. Also habe ich in meine Tour einen kleinen Schwenk zur „Wolfsaap“ gemacht. Das Segelfluggelände liegt auf einem Hügel und man muss schon ordentlich bergan radeln um hin zu kommen. Am Fuß des bewaldeten Gebietes gibt es einen Spielplatz und offenbar wachsame Nachbarn 😉 Man radelt, erneut, durch schönen Wald, nur eben…bergauf 😉

Oben angekommen, immer noch im leichten Nieselregen, flog mir der erste Segler entgegen. Mit drei oder vier Segelflugzeugen wurde geflogen. Ich bin dann bis rauf zum Start gefahren und habe eine kleine Pause gemacht und ein bisschen Flugzeuge geguckt. Wie gesagt, immer wieder schön.

Bei uns sind die Flieger ja oft weiß mit ein bisschen Design, die Kolleginnen und Kollegen beim Düsseldorfer Aero-Club fliegen aber diese wunderschöne rote ASK13. Macht auch bei dem miesen Wetter was her, finde ich.

Bei der Landung muss man als Radelnder allerdings ein bisschen aufpassen, nicht das man nen Flieger vor den Kopf kriegt 😉

Hat aber, trotz Niesel, super geklappt. Ein, zwei Anflüge habe ich mitgenommen und ein bisschen mit dem einen oder anderen gequatscht und dann ging es wieder in den Sattel und weiter.

Bergab und zügig ging es dann in Richtung Düsseldorf Innenstadt. Aus dem Wald raus immer mehr in Richtung Großstadt. Aber auch hier gab es tolle herbstliche Momente zu sehen. Auf der Heinrichstraße zum Beispiel, beim Blick über die nördliche Düssel.

Durch den Zoopark und am Werhahn vrobei bin ich über die Jägerhofalle zur Königstraße gefahren. Ein wenig underdressed fühlte ich mich in meinem Bikeklamotten auf der Prachtstraße ja schon, als ich an einer roten Ampel einem McLaren aber ein paar Meter abgenommen habe, fühlte ich mich dann schon recht cool ;). Am Ende der Jägerhofalle steht der Brunnen mit dem Namen „Der Besucher“, dargestellt ist der Meersgott Trition und ein Nilpferd. Dank der, mittlerweile ebenfalls als denkmalgeschützt eingestuften, Algen auf der Figur heißt der Brunnen im Volksmund „Jröner Jong“. Passt ja auch irgendwie ganz gut…

Nächster Stop war dann der Johannes Rau Platz direkt am Rhein. Schaut man der dortigen Statue ins Gesicht und erinnert sich an den Mann, der lange Jahre Landesvater von NRW gewesen ist und dann der achte Bundespräsident wurde, schaut man ihn an und ruft sich sein Zitat „Versöhnen statt spalten“ ins Gedächtnis, dann ist es nur schwer zu ertragen, dass dieser Platz mittlerweile der Treffpunkt der sogenannten Queerdenker-Demonstrationen ist.

Direkt hinter dem Platz begann bei meiner Tour die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung. Heute ist diese in Düsseldorf deutlich ausgeweitet worden, zu diesem Zeitpunkt musste ich erst ab dort die MNB tragen. Was soll ich sagen, ich hatte sie die ganze Zeit in Düsseldorf auf, bin mit Brille geradelt, und finde die Argumente von Radelnden die ich aktuell viel lese nicht so wirklich stichhaltig. Mit einer vernünftigen Maske ist es überhaupt kein Problem damit zu radeln. Viele von uns tun das jeden Winter um das Gesicht vor Kälte zu schützen, da stört es uns auch nicht. Also, da wo es angeraten ist eine Maske zu tragen, tut das doch einfach.

Beim Blick an der Uferpromenade entlang fiel mir ein buntes Schiff auf dem Rhein auf, erneut kam mir also einer der Ineos Tanker auf dem Rhein vor die Linse. Neulich war es die „Onion“, diese Mal die „Aloo“. Was es damit auf sich hat findet ihr HIER.

An der Altstadt und den Rheinterrassen vorbei führte mich mein Weg, immer mit der Maske auf, bis nach Golzheim. Es waren einige Menschen unterwegs, aber deutlich weniger als sonst an einem Samstag. Ob das an Corona oder dem Wetter lag, keine Ahnung, ich war auf jeden Fall nicht böse drum.

Der Flughafen war mein nächstes Ziel. Ich hatte geschaut, ob irgendwas besonderes käme, wenn ich schon mal in der Ecke mit dem Rad unterwegs bin. Emirates stand schon mit einer Boeing 777 auf dem Vorfeld, kein Passagierflug, die sollten erst ein paar Tage später wieder starten, sondern ein Frachtcharter für medizinische Waren. Als ich ankam wurde die Maschine noch entladen, also bin ich weitergefahren. Am „General Aviation Terminal“, das ist der Bereich für die Geschäftsflieger und Privatjets, habe ich meinen ersten Honda-Jet „in Echt“ gesehen. 2016 wurden die ersten an Kunden ausgeliefert, aber irgendwie sind wir uns nie über den Weg gelaufen….oder ich hab nicht drauf geachtet.

Da sich bei der Triple Seven, also der Boeing 777 aus den Emiraten, nichts bewegte bin ich weiter um den Flughafen geradelt, über die Eisenbahnbrücke am Ende und dann wieder an den Zaun neben der Landebahn. Dort ist immer noch eine Bausstelle, so das man einen kleinen Umweg machen muss, aber pünktlich zum Start der Maschine nach Dubai stand ich am Zaun. Dieses Gefühl, diese Begeisterung, die ist es, die ich meinte, als ich weiter oben geschrieben habe, die Fliegerei fasziniert mich. Maximal hat der Flieger ein Startgewicht von knapp 300.000 Kilogramm, wie schwer er hier war, keine Ahnung, beeindruckend ist es auf jeden Fall.

Vom Flughafen aus musste ich ja wieder über den Rhein, den ich Morgens mittels Brücke in Uerdingen überquert hatte. Ich hab mich für die „Michaela 2“ entschieden, die Fähre, die Kaiserswerth und Langst miteinander verbindet. Für kleines Geld habe ich übergesetzt.

Auf der Fähre konnte ich dann die „Pax“ aufnehmen, ein kleines Binnenschiff mit einer so herrlich alten Form. Eine Recherche im Netz ergab, das Schiff ist Baujahr 1909. Wow! Und immer noch ist sie im Frachtdienst unterwegs und leistet ihren Dienst. Tolle Sache finde ich.

Die letzten Kilometer bis nach Hause waren dann ein Katzensprung, ich bin, natürlich, wieder über die Promenade gefahren. Ich freue mich schon, wenn das nächste Stück fertig ist und man von der Burg Linn aus ganz bequem bis zur Kuhleshütte fahren kann. Das wertet dann auch die Burg Linn nochmal radtechnisch auf, finde ich.

Und so war ich, knapp 97 Kilometer nach dem Start wieder zu Hause, das Wetter war nicht so cool, das was ich erlebt und gesehen habe, aber umso mehr. Eine weitere schöne Radtour durch unsere Region. Ich habe auch wieder ein Relive Video für Euch und wie immer gilt, wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen.
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.