Duisburg, Essen, Mülheim und das Kruppsche Stammhaus

Hallo zusammen,

so langsam bin ich mit meinen Blogbeiträgen am Ende meines Urlaubs angekommen. Heute nehme ich Euch nochmal mit ins Ruhrgebiet. Nach der letzten Tour mit meiner Mutter, die ja von Hugo geleitet wurde, ist die, über die ich heute schreiben möchte, wieder eine von Petra ausgesuchte Runde gewesen. Nach Essen sollte es gehen, natürlich nicht direkt, sondern mit schönen Abstechern. Los ging es, wie immer, am Iltispark in Duisburg. Wie immer, mit CoronaSchutzVerordnungs-konformen Abstand radelten wir in Richtung Ruhr los. Ach ja, wenn ich hier Geschäfte oder Firmen nenne, dann einfach so, unbeauftragt und unbezahlt ;).

Die Tour startete mit einer schlimmen Verletzung von mir, es stand alles auf der Kippe und nicht wirklich gut um mich. Glücklicherweise hatte Petra ein Pflaster dabei 😉 . Ich bin so blöd an einem Dornenbusch vorbeigefahren, dass er mir die Hand zerfetzt hat….also….na ja…es war…na gut, es war ein Kratzer. Aber es hat geblutet 😉

Geschwächt aber willens durchzuhalten bin ich dann weitergefahren. Eine erste, ganz kurze Pause, haben wir dann an der Ruhr gemacht. Immer wieder schön in den Ruhrwiesen, viele Vögel flogen umher und überhaupt ist es an einem Fluss einfach immer irgendwie schön.

An der A40 entlang ging es dann in Richtung Mülheim. Dort sind wir dann weiter in Richtung Süd-Osten gefahren und kamen dabei am Zwiebelmann vorbei. Überall in Mülheim stehen Altkleidersammel-Container des Diakoniewerks Arbeit und Kultur gGmbH und alle sind anders bemalt. Schöne Idee und wir kamen eben beim „Zwiebelmann“ vorbei.

In Mülheim-Styrum ging es dann am Wassermuseum Aquarius vorbei. Der 1892 gebaute, knapp 50 Meter hohe, Wasserturm versorgte einst die Röhrenwerke von Thyssen und beherbergt heute eine, mehrfach ausgezeichnete, Ausstellung rund um das Thema Wasser. Wenn wir nach den aktuellen Beschränkungen alle wieder in Museen dürfen, ein Besuch dort lohnt in jedem Fall, schon wegen der spektakulären Aussicht. Aber auch die Ausstellung ist klasse und informativ.

Um auf den Radschnellweg zu kommen, sind wir dann über die Ruh gefahren. Dafür haben wir die „Blaue Brücke“ benutzt, eine Brücke, die seit 1990 auf den Pfeilern einer alten Eisenbahnbrücke an dieser Stelle errichtet wurde. In dieser Region sind die meisten Brücken über die man so als radelnder Mensch fährt ja früher mal Eisenbahnbrücken gewesen, hier ist es anders, diese Brücke kam nach der Eisenbahn ;). Die Aussicht von dort in Richtung Mülheim ist wirklich toll. Eine schön gewählte Strecke hatte Petra uns da unter die Reifen gelegt.

Etwa auf Höhe des Bahnhofes in Mülheim beginnt der Radschnellweg in Richtung Essen, es geht zwar latent leicht bergan, das radeln auf diesem breiten und perfekt ausgebauten Radweg ist aber ein Genuss, egal in welche Richtung.

Zwischen den Bäumen am Rand kann man immer mal wieder den Blick auf typische Ruhrpott-Idylle werfen. Der Schrebergarten ist so legendär wie Fördertürme und Eisenbahnen. Gehört halt alles irgendwie hier hin.

Man bewegt sich halt viel auf alten Bahntrassen. Apropos alt, so langsam näherten wir uns dem Ziel dieser Radtour, dem Stammhaus Krupp. Das Gelände drumherum heißt heute „Krupp-Gürtel“ und ist ein großes Städtebauprojekt. Unter anderem befindet sich das Hauptquartier von ThyssenKrupp hier.

Früher war an dieser Stelle die Krupp Gussstahlfabrik, letztlich die Keimzellen dessen, was heute ThyssenKrupp ist. Da macht es dann auch Sinn, dass man dort das Stammhaus findet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es komplett zerstört, in den 60ern, zum Firmenjubiläum baute man es aber, ganz in der Nähe des alten Standortes wieder auf. Heute ist es ein Museum und irgendwie atmet man an dieser Stelle auch ein gutes Stück Geschichte des Ruhrgebietes und damit Geschichte unserer Landes.

Nach einer Pause vor Ort führte uns unser Weg wieder auf den Radschnellweg. Dort wird auch gerade an einer Brücke über den Berthold-Beitz-Boulevard gebaut, wodurch schon bald das nervige verlassen des Radweges und das umständliche Queren mittels Ampel entfällt. Mit Blick auf das Gerüst von Schacht Marie der Zecher Amalie ging es also wieder auf den RS1, zurück in Richtung Mülheim.

Wenig später stand eine erneute Pause an, dieses Mal etwas länger und in einem Café. Direkt am Niederfeldsee liegt das Café „Radmosphäre“. Was klingt wie einer dieser furchtbaren Frisörnamen ist ein liebevoll eingerichteter Ort mit leckerem Kuchen, Flammkuchen oder ner Currywurst. Überhaupt ist das ganze Areal dort wirklich schön gestaltet. Der See liegt auf ehemaligem Bahngelände, es gibt zwei Aussichtspunkte, die den ehemaligen Bahndamm an dieser Stelle kennzeichnen und bei schönem Wetter, und ohne eine Pandemie im Nacken, ist das ein toller Ort um sich mit Menschen zu treffen.

Nach der Stärkung nutzen wir weiterhin den RS1, aber nur bis etwa auf Höhe Schönbeck, dann ging es Richtung Norden zum Hexbachtal. Wo wir bei Radmosphäre bei einem „geht-so“ Wortspiel waren, kommt hier gleich das nächste…und, schon wieder eine BO-105. Ein Cocktailanbieter ist mit dem „HubschrauBAR“ unterwegs. Wie ich auf seiner Facebook-Seite gesehen habe, wurde die gute alte 105er kurz nach meinem Foto Opfer einer Sprayer-Attacke. Die, mit Verlaub, Arschlöcher sterben auch irgendwie nicht aus, oder?

Durch das, wirklich wunderschöne, Hexbachtal, vorbei am namensgebenden Hexbach, ging es bergab in Richtung Oberhausen. Das Hexbachtal als Naturschutzgebiet ist toll zu befahren, Waldwege, aber fester Untergrund und als wir jetzt dort waren, war auch relativ wenig los, das sieht an einem schönen Wochenendtag sicher anders aus.

Über eine ziemlich beeindruckende Brücke Ripshorster Straße ging es weiter zum Informationszentrum Haus Ripshorst. Die Brücke aus dem Jahr 2009 ist 125 Meter lang und ich finde mit ihren geschwungenen Elementen sieht sie richtig cool aus. Unter der Brücke liegen etliche Gleise für Personen- und Güterzüge.

Im Informationszentrum Haus Ripshorst gibt es eine Fülle von spannenden Details rund um die Emscher und deren Renaturierung, hier gibt es auch Infos zur „Router der Industrienatur“, ganz ähnlich wie die der Industriekultur, die man ja mittlerweile, zumal wenn man aus unserer Ecke kommt, ganz gut kennt, gibt es sowas eben auch für die Natur, die sich alte Industrieanlagen zurückerobert.

Einen Katzensprung von dort entfernt liegt der Rhein-Herne-Kanal, ihm sind wir, in Richtung Osten ein kurzes Stück gefolgt und waren dann am nächsten interessanten Punkt der Tour, dem ehemaligen Klärwerk Läppkes Mühlenbach. Früher wurden hier Abwasser gereinigt, heute ist das Gelände ein Park, im Klärbecken treiben Seerosen und im ehemaligen Faulturm findet sich die tolle Klanginstallation „Mangrove“ von Alexander Rüdiger Titz.

Außerdem kann man auf den Kühlturm steigen und hat einen schönen Rundumblick. Das Timing war gut, während ich auf den verpackten Gasometer in Oberhausen und das Kunstwerk „Zauberlehrling“ davor blickte, knatterte der Blimp „Theo“ heran.

Wenn das Prallluftschiff, beheimatet am Flugplatz Essen Mülheim, über das Ruhrgebiet fliegt, hört man oft, da fliegt ein Zeppelin. Klugscheißer wie ich wissen dann, das stimmt nicht, ein Zeppelin hat ein Innengerüst, das Luftschiff „Theo“ aber nicht. Egal, irgendwie gehört er zum Pott dazu, wenn er gemächlich seine Runden dreht. Sieben Passagiere haben Platz und mit knapp 400 Euro für einen 90 Minuten Rundflug ist man dabei. Wie schon so oft geschrieben in diesem Beitrag…außerhalb von Coronazeiten natürlich.

Während ein Teil unserer Gruppe dann noch zu einem Restaurant geradelt ist, bin ich mit meiner Mutter langsam Richtung Heimat aufgebrochen. Ich musste ja schließlich noch zurück zum Bahnhof. Als erstes haben wir aber den Rhein-Herne-Kanal überquert, dabei konnte man auf dem Brückengeländer ganz gut erkennen, dass Nazis nicht nicht hellsten Kerzen auf der Torte sind, die Intension auf der Brücke ist klar, die Ausführung aber dilettantisch. Es ist schon was dran am Gerhard Bronner Zitat:

Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi

 

Am Kanal radelten wir dann bis zum Stadion von Rot Weiß Oberhausen und von dort aus dann nach Neumühl. Nach der Verabschiedung bin ich dann ein Stück über den Grünen Pfad, erneut eine ehemalige Eisenbahntrasse, gefahren und dann in Richtung Duisburg Zentrum.

Durch die City, vorbei am riesigen Kunstwerk „Lebensretter“ von Niki de Saint Phalle, welches seit 1993 die Innenstadt ziert und bei uns Duisburgern deutlich plakativere Spitznamen als „Lebensretter“ hat ;), ging es zum Bahnhof.

Und damit endet der Bericht zu meiner letzten Tour in meinem Urlaub. Wie in einem der anderen Berichte schon geschrieben, eigentlich war das, wie bei so vielen Menschen, alles ganz anders geplant, trotzdem habe ich das Beste draus gemacht. Und, ganz ehrlich, rückblickend waren es schon verdammt tolle Touren. Also, vielen Dank für diese hier an Petra, die die Tour geleitet hat, und an alle anderen aus „Mamas Radel-Gang“, die mich haben mitfahren lassen. Danke.

Natürlich gibt es auch hier wieder ein Relive Clip, und das Angebot, wenn ihr Fragen haben solltet, ab in die Kommentare damit.

Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen.
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu „Duisburg, Essen, Mülheim und das Kruppsche Stammhaus

  1. Hallo Martin, wieder mal super gemacht… besonders, das wir über die Ruh (r) gefahren sind 😘! Einfach klasse ! Ich glaube im Namen aller zu sprechen, das Du immer gerne mitfahren kannst….🚴‍♀️🚴‍♂️! Bis dahin,
    Allzeit Luft auf den Pneus
    Petra

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  2. Sehr schön – wieder viel Anregung für uns, auch in Pandemiezeiten mit dem Rad Neues kennenzulernen – und diesmal eine Länge, die wir auch leisten können. 😉

    Gefällt 1 Person

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