Radeln im Norden – Von Emden nach Greetsiel und zurück

Moin zusammen,

am vergangenen Samstag lud das Wetter mal wieder zu einer Radtour ein. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr glaubt, ihr sitzt insgesamt zu selten am Meer? Nun, ich brauchte mal wieder ein bisschen Meeresbrise um den Kopf frei zu bekommen. Also habe ich mir eine Tour in Emden zusammengestellt. Für, relativ, kleines Geld kommt man dort am Wochenende ganz gut mit dem Zug hin und zurück. Ist allerdings nix für Menschen die am Wochenende gern ausschlafen. Unbezahlt und unbeauftragt habe ich mich also um kurz nach 5 Uhr am Samstag Morgen auf den Weg zum Bahnhof in Krefeld gemacht.

Von dort ging es nach Münster, die Umsteigezeit war so bemessen, dass ich mir noch zwei leckere Börek mit Hackfleisch kaufen konnte und dann brachte mich die Westfalenbahn bis nach Emden Hauptbahnhof. Sehr nettes Zugpersonal, genug Platz für Fahrräder und pünktlich auf die Minute, besser geht es nicht.

Blick aus der Lok auf den Wasserturm am Bahnhof in Emden. Er steht seit 1999 unter Denkmalschutz.

OK, ich gebe es zu, es war leider nicht der Blick aus der Lokomotive die mich nach Emden gebracht hat, sondern aus einer ganz wunderbaren Denkmallokomotive die vor dem Bahnhof steht. Im Netz habe ich einige Infos dazu gefunden, die Lokomotive ist etwas ganz besonderes, sie hat die letzte Dampflokfuhre in Deutschland gemacht. Schaut mal HIER, da finden sich einige Infos zu ihr. Auf jeden Fall sieht sie super aus.

Der Komiker Otto Waalkes ist gebürtig aus Emden und mit seiner Heimatstadt fest verbunden. Dort findet sich auch „Dat Otto Huus“, ein Otto-Museum mit allerlei Devotionalien und Exponaten rund um den Künstler und sein Werk. Ganz typisch für ihn sind die „Ottifanten“.

Wenn man sich dafür interessiert, lohnt ein Besuch in jedem Fall, die Ausstellung ist wirklich nett gemacht.

Direkt gegenüber liegt das Feuerschiff „Amrumbank“ im Ratsdelft. Auch das ist ein Museum, es gibt ein Restaurant und ein Trauzimmer. Das Schiff wurde Anfang der 1980er Jahre außer Dienst gestellt und ist seitdem Museumsschiff.

Ich bin dann am alten Binnenhafen entlang gefahren und dann weiter in Richtung Ems-Jade Kanal aufgebrochen. Im Binnenhafen fiel mir die „Ems“ ins Auge, das älteste noch seetüchtige Schiff der Meyer-Werft in Papenburg. Baujahr 1934.

Das Wetter war wirklich herrlich, blauer Himmel, frisch und klar. Allerdings auch sehr windig. Auf meinem Weg zum Ems-Jade Kanal kam ich an der „Neuen Kirche“ vorbei. Die evangelische Kirche ist aber gar nicht so neu, sondern aus den 1640ern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie neu aufgebaut. Ein wirklich schönes Bauwerk finde ich.

Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt und genauer hinschaut gibt es viele spannende Details zu entdecken. Auch hier lohnt es sich, einen Stopp einzulegen.

Wer meine Beiträge hier verfolgt, der weiß ja um mein Interesse an Industrie, an Schiffen, Häfen und Schleusen und allem was damit zusammenhängt. Im Ruhrgebiet gibt es ja eine Menge Kanäle mit etlichen Schleusen und Wehren. So etwas wie die Kesselschleuse in Emden ist in Deutschland aber einmalig. Glaubt man der Wikipedia sogar europaweit. Gleich aus vier Richtungen können Boote in die Schleuse einfahren und in dem großen „Kessel“ in der Mitte in eine beliebige Richtung wieder ausfahren. Schon beeindruckend.

Mein Weg führte mich dann eine Weile am Ems-Jade Kanal entlang. Der Radweg war zwar vom Regen aufgeweicht, aber alles in allem gut befahrbar.

Der Kanal verbindet Emden mit Wilhelmshaven und wird überwiegend touristisch genutzt. Zum einen mit Schiffen auf dem Kanal, aber auch mit einem Radwanderweg neben dem Kanal.

Mein nächster Halt war dann der Flugplatz Emden. Der Platz ist überschaubar, aber ich habe mich bei meinem ersten Besuch vor einiger Zeit „schockverliebt“. Neben der Privatfliegerei finden sich dort vor allem immer wieder, zumindest für mich, interessante Hubschrauber. Die ostfriesischen Inseln sind nicht immer mit dem Schiff zu erreichen, jede nach Tide geht das auch mal gar nicht. So müssen Menschen bei einem medizinischen Notfall in die Festlandkrankenhäuser ausgeflogen werden. Diesen Ambulanzflugbetrieb hat Northern Helicopter mit einem BK-117 übernommen. Der Hubschrauber ist in Emden fest stationiert und für mich als Aviatikfan ein echter Hingucker, die BK-117 sieht man in Deutschland kaum noch. Dieses Exemplar ist Baujahr 1995.

Flächenflugzeuge gibt es auch, es werden Flüge zu den Inseln angeboten. Der Ostfriesische Flugdienst führt die Flüge mit Britten-Norman Islander Flugzeugen durch. Vor Ewigkeiten bin ich mal mit denen geflogen, war ein tolles Erlebnis.

Den Löwenanteil an Flugbewegungen machen aber die Offshore-Dienst aus. Die Windparks und Bohrinseln vor der Küste müssen versorgt werden, Mitarbeitende hin und her geflogen werden und letztlich müssen auch für diese Menschen Rettungsdienste aufrecht erhalten werden. Einige Unternehmen sind da in Emden vor Ort, bei meiner Radtour war vor allem die Firma HeliService aktiv.

Wenn ihr mal in Emden seid und ihr euch ein bisschen für Hubschrauber begeistern könnt, schaut mal dort vorbei, man ist verdammt nah dran und kann eine Menge entdecken.

Kurz bevor ich weiter gefahren bin, kam noch ein VIP Heli herein, wahrscheinlich zur Wartung. Im ersten Moment zuckt man ja zusammen, wenn man unmarkierte schwarze Hubschrauber sieht, man hat ja genug amerikanische Filme gesehen 😉 . Beim zweiten Blick steht die Registrierung aber an der Rotornarbe. Der Heli kam aus Posen und stand dann später vor der Halle.

Vom Flugplatz aus bin ich, auf einem Radweg unter der A31, in Richtung „Hinter Tief“, einem kleinen Wasserlauf, geradelt.

Und kaum ist man aus der Stadt raus, wird es flach und ländlich. Ab jetzt zeichnen sich die Wege meist durch laaaaaange Stücke gerade aus aus ;).

Über das „Knockster Tief“ bin ich weiter in Richtung Norden geradelt. Übrigens scheint die pubertierende Jugend hier auch eher von einer gewissen Langeweile heimgesucht zu werden….da bieten sich schlechte Wortgags auf Straßenschildern offenbar an 😉 .

Obwohl die Landschaft von jetzt an relativ reizarm wurde, zumindest wenn man ansonsten das dicht besiedelte Ruhrgebiet gewöhnt ist, gab es immer wieder etwas zu entdecken. In Hinte zum Beispiel diese Windmühle aus dem Jahr 1869.

Highlights in der sehr flachen Region sind tatsächlich die Kirchen unterwegs. Sie bieten einen Chance mal einen Moment Pause zu machen und das Auge hat was zu gucken. Die Cirkwehrumer Kirche zum Beispiel ist von 1751 und durchaus fotogen.

Einige Kilometer weiter gibt es das nächste Gotteshaus zu sehen, dieses Mal fällt der schiefe Turm der 1250 erbauten Kirche in Uttum direkt ins Auge….also, sprichwörtlich natürlich 😉 .

Die Kirchendichte in der Gemeinde Krummhörn ist schon verdammt hoch. Die Radwege sind super ausgebaut und man kommt, zumal wenn man den Wind im Rücken hat, sehr gut voran. Nur, wie schon gesagt, alles in allem ist es recht reizarm dort oben.

Das mit dem reizarm änderte sich schlagartig als ich auf das Dörfchen Greetsiel zugefahren bin. Der Ort ist wirklich ein Kleinod und die vielen historischen Gebäude und das ganze Flair dort holen einen tatsächlich etwas runter und lassen Entspannung aufkommen.

Der Fischereihafen ist schon fast kitschig schön mit seinen vielen vertäuten Kuttern, den kreischenden Möwen um den Geruch nach Meeresluft und frischem Fisch.

Ein Deichhuhn habe ich allerdings nicht entdecken können…allerdings gab es ganz in der Nähe frische Brathähnchen….was aber sich ein Zufall war.

Kunst gibt es auch zu sehen, regional gefärbt zum Beispiel ein Fischskelett…

…oder eine Skulptur eines Netzflickers direkt im Hafen. Falls ihr zu letzterem noch ein paar Infos haben wollt, ich habe da einen Youtube Clip zur Skulptur und dem Maler und Bildhauer Hans-Christian Petersen gefunden. Könnt ihr gern mal reinschauen.

Den Ort habe ich dann in Richtung Pilsum verlassen, nicht ohne einen Blick zurück auf die „Grüne Windmühle“, eine der beiden Zwillingsmühlen in Greetsiel.

Der nächste Halt sollte wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen der Region sein, der Pilsumer Leuchtturm. Der Turm steht auf dem Nordseedeich und wurde durch einen der Otto-Filme berühmt. Heute kann man sich dort trauen lassen und er ist ein beliebtes Fotomotiv. Auf dem Weg dorthin bin ich an einer Vogelbeobachtungs-Station vorbei geradelt.

Allerdings gab es keine Vögel zu sehen (den schlechten Gag „Es war nix mit Vögeln“ mache ich jetzt mal nicht….und ja, ich weiß, dass man das dann klein schreiben würden, wenn damit gemeint wäre….ach, egal 😉 )

Bestimmt spannend, wenn man sich hier ein paar Stunden auf die Lauer legt. War mir aber nicht nach, ich bin weiter zum Leuchtturm gefahren.

Gebaut hat ihn übrigens der Maschinenbauhersteller Gutehoffnungshütte aus Oberhausen, also ein echtes Pottkind an der Küste.

Das was folgte war dann irgendwie ein stückweite eine echte Qual. Knappe 6 Kilometer lang zog sich der weg zwischen Nordsee und Deich entlang, bei einem konstanten Gegenwind, der mich echt fluchen ließ. War die restliche Tour wirklich Genuss, war dieses Stück echt ätzend 😉 .

Ich sagte es eingangs schon, die meisten Wege waren lang und gerade. So auch der letzte Rest der Tour, am Campener Tief entlang in Richtung Emden.

Kurz vor der Stadt gab es dann noch eine Windmühle zu sehen, das müsste so auf Höhe des Ortes Twixlum gewesen sein.

Direkt am Bahnhof steht ja zum einen die Denkmallokomotive, es gibt aber auch eine kleine Dampfeisenbahnanlage. Dort fahren Modell-Lokomotiven umher. Als ich ankam begann man gerade das aufrüsten. Ich musste aber einen echten, großen Zug erwischen und konnte nicht lange zugucken. Spannend scheint das aber auf jeden Fall zu sein.

Und das soll es auch schon wieder gewesen sein. Ich habe noch einen Relive Clip für euch und hoffe natürlich, euch hat der Bericht ein klein wenig gefallen. Wie immer gilt, wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, gebt Acht auf euch und eure Mitmenschen und fahrt vorsichtig.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 comments

    1. Vielen Dank 😁 Ach, das ist ne richtig schöne Tagestoure gewesen. Entspannt was lesen im Zug und dann ne wunderbare Radrunde. Und da die Bahnverbindung da rauf echt gut ist, kann man das mal machen 👍
      LG Martin

  1. Ach schön, da kommen Erinnerungen hoch! In Greetsiel war ich in den 90ern mal, scheint sich nicht viel verändert zu haben!

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