Das zerbrechliche Paradies – Radtour zu einer wunderbaren Ausstellung in Oberhausen

Hallo zusammen,

nach etlichen Touren fernab der Heimat, nehme ich euch, wenn ihr wollt, dieses Mal mit in die Region. Gestartet und beendet habe ich meine Radtour in Krefeld, euch davon erzählen tue ich ohne eine Bezahlung dafür zu bekommen und beauftragt hat mich auch niemand. Ziel war eine Fotoausstellung in Oberhausen, dazu aber später mehr. Los ging es vor der Haustür und vorbei am Kaiser-Wilhelm-Museum.

Im Museum läuft zur Zeit eine Ausstellung zu den Künstlern Beuys und Duchamp, Beuys ist sowieso großes Thema dieses Jahr in Krefeld. Der, nicht zuletzt durch seine Fettinstallationen bekannt gewordenen, Beuys wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden und wurde in Krefeld geboren. Deshalb gab es schon ne Menge Aktionen hier rund um ihn. Die aktuelle Ausstellung ist wohl etwas ganz Besonderes, weil man Beuys und Duchamp so noch nie zusammen gesehen hat….habe ich mir sagen lassen, ich bin auf dem Gebiet ein echter Laie 😉

Vom KWM aus führte mich mein Weg am Sprödentalplatz vorbei, wie gesagt, wir sind in der Zeit Anfang Oktober, die Stadt Krefeld hat da gerade, auf Anweisung des Landes, das Impfzentrum abgebaut. Aus heutiger Sicht….nun ja, wisst ihr selbst.

Nach einem kleinen Knick bin ich die Tiergartenstraße in Richtung Osten gefahren, sie führt auf den Zoo hin, daher macht der Name schon Sinn ;). Auf der Tiergartenstraße habe ich dann einen echten Exoten gesehen, habt ihr schon mal ein Amphicar 770 gesehen? Das Amphibienfahrzeug stammt aus den 60ern, war nie so wirklich ein kommerzieller Erfolg, vereint aber auf perfekte Weise Auto und Boot.

Besonderer Clou….die Schraube 😉

Im Krefelder Stadtarchiv finden sich Bilder aus den 1960ern, das war damals sicherlich schon ein großer Spaß. Um mit dem Auto fahren zu dürfen, also auf dem Wasser, braucht man einen Sportbootführerschein.

Schon irgendwie ne coole Sache, die sich aber wohl nicht durchgesetzt hat. Na ja, ich war ja eh mit dem Rad unterwegs, da bleibe ich dann lieber auf dem Trockenen ;). Weiter ging es also in Richtung Zoo Krefeld, dort dann mittels Brücke über das Pinselohrschwein-Gehege und weiter in Richtung Uerdingen.

Am wunderschönen Rathaus von Bockum vorbei habe ich dann Kurs auf den Rhein und die Rheinbrücke bei Krefeld-Uerdingen genommen.

Auf dem Rhein war einiges los, am Horizont versuchte sich die Sonne ein wenig bemerkbar zu machen, so richtig durchsetzen konnte sie sich nicht, nett anzusehen war es dennoch.

Im Rheinhafen, direkt vorne am Pegel, lag die „Diomedea“, eine 110 Meter langes Güterschiff. Der Krefelder Hafen ist für Schiffsfans durchaus immer mal wieder ein Besuch wert, nicht nur wegen der historischen Drehbrücke, sondern auch wegen immer mal wieder spannender Schiffe oder Lasten.

Nach der Rheinquerung ging es für mich weiter nach Hüttenheim. Wer mir hier schon länger folgt, der weiß ja, dass ich einen Faible für Industrie, Eisenbahn, Schiffe und das ganze Drumherum habe. Deshalb ist bei meinen Radtouren auch meist immer ein bisschen was von diesen Themen mit dabei. Hüttenheim wird natürlich vom dortigen Hüttenwerk, HKM, dominiert.

Immer wieder gibt es Eisenbahnen zu beobachten, es riecht nach Stahl und auch wenn keine Kohle mehr in der Nähe gefördert wird, irgendwie fühlt sich sowas immer noch nach „Ruhrpott“ an.

Ich habe es euch hier schon in einigen Beiträgen gezeigt, aber mir gefällt das Streetart gegenüber des Stahlwerks einfach zu gut, deshalb kommt auch dieser Bericht nicht ohne das Bild von Mindstates aus. Schaut auch gern mal auf die Website. Ich finds ziemlich stark.

Kurz dahinter gibt es eine ganz schöne Stelle um Eisenbahnen zu fotografieren. Wenn man so ein Foto hier sieht, glaubt man ja kaum, dass man mitten im Pott ist und hier Stahl gekocht wird.

Aus der Gegenrichtung kam wenig später eine BR 232, ihr Spitzname ist „Ludmilla“, weil sie in Russland gebaut wurde. Dieses Exemplar hier wurde 1975 an die Deutsche Reichsbahn der DDR ausgeliefert. Schon irgendwie krass, dass sie immer noch im Einsatz ist. Hätte sich damals auch keiner träumen lassen, dass sie mal durchs Ruhrgebiet fährt.

Die Azubis von HKM haben vor einiger Zeit ein Mahnmal zum Thema Zwangsarbeit im Dritten Reich angefertigt, an diesem vorbei führte mich meine Route weiter in Richtung Naherholungsgebiet „Sechs-Seen-Platte“.

Dort ging es, wer mich kennt ahnt es, zuerst am Landeplatz des Rettungshubschraubers Christoph 9 vorbei. Ich schätze die Arbeit der Crews dort wirklich sehr und muss ja zugeben, der Heli fasziniert mich natürlich auch.

Das Naherholungsgebiet an den Seen dort ist einfach wunderschön. Man kann durch viel Grün radeln, immer mal wieder am Wasser anhalten, sieht halt nicht so aus, wie man sich Duisburg vorstellt…ist es aber trotzdem ;).

Bei meinen letzten Touren war der Aussichtsturm dort immer auf Grund der Pandemie gesperrt. Dieses Mal konnte man nach ganz oben steigen und eine wunderbare Aussicht genießen. Schon echt grün hier.

Aber natürlich ist man immer noch im Ruhrgebiet und das sieht man auch. Am Horizont erkennt man die Hochöfen von Duisburg. Ich mag den Kontrast zwischen Natur und Schwerindustrie sehr. Bin halt Duisburger Jung.

An weiteren schönen Stromkästen vorbei ging es nach Bissingheim und dort am ehemaligen, mittlerweile fast völlig abgerissenen Bahnbetriebswerk vorbei in Richtung Ruhr.

Über die A3, also, mittels Brücke natürlich 😉 , führte mich meine Tour dann in den Speldorfer Wald und runter an die Ruhr.

Durch die Ruhrauen zu radeln ist an sich sehr schön, allerdings haben sich auch hier Querdenkende selbst disqualifiziert. Deppen gibt es also auch hier in Mülheim.

Allerdings gab es nirgendwo die von den Impfgegnern und Querdenkenden so oft zitierten Schlafschafe, im Gegenteil, obwohl es in der Wiese lag, war es hell wach.

In Oberhausen wurde es dann wieder innerstädtisch, aber mit großen Flächen für Menschen auf dem Rad. Viel los war auf den Straßen eh nicht, ich kam super voran.

Am Gasometer, direkt neben dem Rhein-Herne Kanal angekommen habe ich das Rad angeschlossen, dort sind etliche Abstellmöglichkeiten vorhanden, und hab mich in die, zu diesem Zeitpunkt noch recht überschaubare, Schlange der Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ angestellt. Bis Ende der 80er des letzten Jahrhunderts war der Gasometer der größte Scheibengasbehälter in Europa. Dort wurde Gas gespeichert welches für die Hütten im Umkreis benötigt wurde. Eine riesige Stahlscheibe lag auf dem Gas und sorgte so für den nötigen Druck. Je nach Füllstand konnte diese Scheibe auf und ab gleiten. Heute ist der Behälter eine Ausstellungsfläche und die Scheibe ist eine der Ausstellungsebenen. Eine wirklich beeindruckende Sache.

Die aktuelle Ausstellung zeigt, vorallem, großformatige Fotos. Beeindruckende Naturaufnahmen, Close-Ups von Tieren und unberührter Natur. Aber auch Umweltprobleme und Folgen des Raubbaus an unserem Planeten werden gezeigt. Alles in allem sehr eindrucksvoll.

Auf der ehemaligen Gasscheibe kann man sich hinstellen und hinsetzen und auf ein gigantisches Modell der Erde blicken. Darauf werden immer wieder andere Infos projiziert. Wirklich eindrucksvoll. Ein Besuch lohnt in jedem Fall.

Der Clou am Gasometer ist das Dach. Neben wechselnden Ausstellungen im Inneren ist es auch möglich dem Riesenzylinder aufs Dach zu steigen und einen wunderbaren Blick über das Ruhrgebiet zu haben.

Auch die Halden der Nachbarschaft sind gut zu erkennen, etwa die Halde Haniel, die ich auch schon einige Male erradelt habe.

Für Eisenbahnfans ganz spannend, man kann auf den großen Bahnhof in Oberhausen Osterfeld blicken und Eisenbahnfotos sehen von dort oben ein bisschen aus wie auf einer Modellanlage. Ich hatte Glück und konnte einen Bauzug fotografieren. Davor hing eine Lokomotive der Baureihe 225. Sie stammt aus dem Jahr 1970 und war lange in Krefeld beheimatet, bevor es sie an etliche andere Stationen verschlagen hat. Aktuell gehört sie der EfW aus Frechen.

Die Ausstellung ist sehenswert, wirklich. Nachdem ich mir alles in Ruhe angesehen habe, ging es wieder runter auf den Boden der Tatsachen und zurück auf den Sattel. Am Rhein-Herne-Kanal entlang bin ich dann in Richtung Duisburg gefahren. Ein Blick zurück auf den Gasometer gab es natürlich auch noch.

Richtung Buschhausen ging es kurz an der Emscher entlang und dann auf den Grünen Pfad. Ich habe das schon so oft gesagt, Radeln im Ruhrgebiet ist einfach ein Traum, es gibt so viele tolle Radwege und eigentlich immer was zu entdecken und zu sehen.

Der Grüne Pfad ist eine Bahntrasse und führte mich von Oberhausen bis zum Landschaftspark Duisburg Nord. Der Pfad ist eigentlich kein Pfad, sondern ein wunderbar ausgebauter Radweg, das „Grün“ im Namen stimmt aber völlig.

Vorbei an einem Kunstprojekt bin ich dann auf den Parkplatz des Landschaftsparks gefahren. Beim Projekt „Neustadt“ handelt es sich um Modelle von ehemals real existierenden Gebäuden im Ruhrgebiet. HIER findet ihr Infos dazu.

Schon auf dem Parkplatz des ehemaligen Stahlwerks und jetzigem Ort der Industriekultur fiel mir das ein oder andere amerikanische Fahrzeug auf.

Schnell wurde klar, es findet ein US-Car Treffen statt. Interessante Autos gab es zu sehen…und interessante Menschen. Generell war viel los und wieder faszinierten mich die Streetarts die man rund um den Park und auch in den Überbleibseln der Industrie findet.

Wie gesagt, nicht nur starke Bilder, auch spannende Autos gab es zu sehen. Der Abstecher am Landschaftspark hat sich, wieder einmal, definitiv gelohnt.

Auf einer Freifläche war auch ein Entertainer der Seifenblasen gemacht hat. Er hatte jede Menge Kiddies um sich herum, die nach den Blasen sprangen. Irgendwie ein Bild voller Lebensfreude.

Vorbei an den Relikten der Industrie bin ich dann nach Neumühl gefahren, dort sind vor einige Zeit etliche Zechenhäuser restauriert worden und erstrahlen seitdem in neuem Glanz.

Die Bauweise der Häuser und ihre Farbe sind ganz typisch für diese Siedlungen für die Kumpel der Zechen und ihre Familien. Meine Heimat, bin halt auf Kohle geboren.

Der Ausflug in meine Jugend führte mich dann auch noch an meinem alten Gymnasium vorbei und an der Zeche in Hamborn entlang in Richtung Thyssen Krupp.

Wenn man zwischen dem Hauptquartier von Thyssen und dem Werk vorbeiradelt kann man interessante Einblicke ins Werk erhaschen, Eisenbahnen und Produktionsanlagen. Wie gesagt, ich interessiere mich wirklich sehr für solche Bilder und Eindrücke.

Und dann wurde es kultig. Seit ein paar Monaten rückt eine einfache Tanke immer mehr in den Fokus. Unter Industriefotografie-Fans ist dieses Tankstelle als Motiv schon länger bekannt, aber dank sozialer Netzwerke wurde sie in den letzten Wochen zum Hotspot. Das ging soweit, dass sogar der WDR da war und einen Bericht gemacht hat. Der Grund ist simpel, die Tankstelle liegt vor den beiden Duisburger Hochöfen und bildet somit ein klassisches Industriefoto. Also, wenn ihr mal in der Ecke seid…angucken 😉

Überhaupt sind die beiden Hochöfen in der Ecke sehr dominant, klassische „ArbeiterPottStahlkochen-Fotos“ lassen sich von einigen Stellen dort machen.

Hach ja, Duisburg. Und nache Schicht gibbet ne Currywurst und nen Bier. Manches ist Klischee, manches Alltag, alles zusammen ist es halt das Ruhrgebiet.

Weiter ging es durch Laar und Ruhrort in Richtung Krefeld zurück. In Ruhrort habe ich dann den Rhein wieder überquert, dieses Mal über die Friedrich-Ebert-Brücke.

Nächstes Ziel war dann Rumeln und von dort aus war es dann nur noch ein Katzensprung bis nach Hause. Ganz spannend fand ich, dass ich ja schon öfter durch Rumeln gefahren bin, diese Zecheninstallation ist mir allerdings noch nie aufgefallen. Eine Schande, ich finde das nämlich ziemlich cool ehrlich gesagt. Die meisten jüngeren Leute kennen die Bergbaubegriffe, die ich noch in der Schule hatte, gar nicht mehr.

Am Elfrather See vorbei ging es weiter. Die ehemalige Kiesgrube ist ein Überbleibsel des Baus der A57 und hat sich mittlerweile zu einem guten Ort für Wassersport entwickelt. Die Stadt Krefeld plant dort mit einem Masterplanprojekt das ganze Gelände aufzuwerten und, unter anderem, einen Surfpark anzusiedeln. Ich hoffe sehr, dass das klappt, wäre eine gute Sache für die Region und den E-See. Warten wir es ab.

Home sweet home 😉

Und auch in Krefeld haben wir eine Menge Streetart, durchaus auch ziemlich coole Sachen dabei. Das hier zu Beispiel findet sich zwischen Häuserzeilen an einem kleinen Park.

Knappe 90 Kilometer waren es am Ende und es war eine richtig tolle Tour. Wie immer habe ich einen Relive Clip für Euch und wie immer gilt: Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit.

Ich hoffe, es hat Euch ein wenig gefallen, bleibt gesund und munter, achtet auf Euch und Eure Mitmenschen und bleibt mir, wenn ihr mögt, gewogen 😉

Bis zum nächsten Mal,
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 comments

  1. Hallo Martin,

    wow wieder ein super schöner Beitrag von dir.
    An das Amphibien-Auto kann ich mich auch noch erinnern, cool das es noch Exemplare davon noch gibt.
    Die Amischlitten vor der Kulisse richtig schön!
    Einen Besuch zum Gasometer muss ich auch unbedingt mal machen, alleine schon die Aussicht von ganz oben ist der Hammer.
    Die Webseite der Streetartkünstler habe ich mir auch angesehen, wirklich beeindruckend was man mit Farbe alles machen kann.
    Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent und wie immer bin ich sehr gespannt, was du nächste Woche im nächsten Beitrag zeigen wirst.

    Liebe Grüße
    Dagmar

  2. Ich finde Deine Berichte immer wieder inspirierend: das meiste kenne ich ja theoretisch, auch wenn wir kleinere Strecken fahren – aber Du hast immer mal wieder einen neuen Fokus, wie schön 🙂

  3. Hallo, gibt es die Tour auch auf Komoot zum nachradeln? Und hab ich deine alte Schule richtig erkannt, das Clauberg Gymnasium? Falls ja von wann bis wann wärst du da? VG und danke für eine Antwort.

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