Das Ende einer Ära – Radtour von Bedburg nach Köln zur Verabschiedung einer Legende

Hallo ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für eine Radtour, oder besser für den Blogbeitrag dazu. Nach wie vor hinke ich der Gegenwart hinterher, ich arbeite und radel, komme aber nicht zum schreiben. 😉 OK, das letztere ist vielleicht ein bisschen ein Luxusproblem. Auf jeden Fall möchte ich euch heute mal wieder mit auf Tour nehmen. Dieses Mal geht es um den 17. August, mal kein Wochenende, sondern ein Dienstag. Ich hab mir extra Urlaub genommen. Warum? Erzähle ich euch jetzt. Ach ja, beauftragt oder bezahlt hat mich natürlich niemand. Schade eigentlich 😉

Kennt ihr das, wenn ihr eine gewisse emotionale Nähe zu Dingen aufbaut? Rational ist das vielleicht nicht, aber das Gefühl kennen wir alle, oder? Das erste eigene Auto, eine Schreibmaschine auf der man viel geschrieben hat, ein Fahrrad das voller Erinnerungen hängt. Sowas halt. Nun, ich, und das teile ich wahrscheinlich mit vielen Soldatinnen und Soldaten, habe eine, leicht verklärende, Beziehung zur Transall. 😉 Das bereits in den 1960er Jahren entwickelte Transportflugzeug hat viele Kameradinnen und Kameraden in den Einsatz und auch sicher wieder zurück geflogen. 6 Flüge habe ich mit ihr gemacht, keiner war langweilig, irgendwie schätzt man die dröhnende Hummel wenn sie angeflogen kommt.
Warum erzähle ich euch das, nun, die Dienstzeit dieses Flugzeugmusters neigt sich dem Ende entgegen. Im Dezember diesen Jahres ist Schluss. Das Lufttransportgeschwader 63 in Hohn hat einer ihrer „Tralls“ daher eine Sonderlackierung verpasst und das Flugzeug auf Abschiedstour geschickt. Nicht nur zur Transall, auch zu diesem Geschwader habe ich eine emotionale Beziehung, immer wenn wir im Urlaub die Eltern meiner Tante besucht haben, habe ich als kleiner Jungen am Zaun gestanden und die Flugzeuge bestaunt, sie wohnten direkt am Flugplatz.

Und am 17. August war es soweit, im Rahmen ihrer Abschiedstour sollte die Maschine mit der Sonderlackierung etliche Flugplätze überfliegen und bei uns in Növenich sogar landen. Also, ging es an die Tourplanung. Wie so oft in der letzten Zeit brachte mich die Eisenbahn zum Startpunkt, sehr früh, in einem sehr leeren Zug fuhr ich nach Bedburg.

In Bedburg ging es dann los, die Wettervorhersage für alle Tage der Woche drumherum war super, ausgerechnet für den Dienstag aber eher geht so, mit viel Regen am Nachmittag. Egal, sei es drum, als ich losgefahren bin, war das Wetter ganz OK.

Erster kurzer Stopp war dann das Schloss Bedburg, es stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde einige Male umgebaut und saniert. Jetzt macht es optisch auf jeden Fall etwas her und einen guten Eindruck.

Von dort aus ging es an der Kleinen Erft entlang bis zum Alten Schlammteich, mittlerweile ein tolle Naturschutzgebiet und Lebensraum für viele Tiere. Dort ging dann auch so langsam die Sonne richtig auf. Schon irgendwie faszinierend, man ist wenige Kilometer von DEM Raubbau an der Natur in unserer Region, dem Braunkohletagebau, entfernt und es ist dennoch ruhig, beschaulich und es wirkt richtig natürlich.

Nur wenige Meter dahinter ändert sich das, ich bin auf den „Speedway terra.nova“ abgebogen. Früher lagen hier Abraumbänder, die die Tagebauen und die Kraftwerke miteinander verbunden haben, jetzt ist das ein, etwa 14 Kilometer langer, Fahrradweg geworden. Schon auch irgendwie beeindruckend, auch wenn es sich fast surreal anfühlt, wenn man dort, mutterseelenallein Kilometer um Kilometer schnurgerade vor sich hinfährt.

Und am Ende steht man dann vor dem riesigen Loch. Ich habe das ja schon in ein, zwei anderen Beiträgen geschrieben, in denen ich rund um den Tagebau geradelt bin, in meiner Brust schlagen bei diesem Anblick immer zwei Herzen. Einmal das des Technikfans, welcher beeindruckt ist von dem, was wir Menschen so bauen und nutzen können, sowohl die Bagger, als auch die Eisenbahnen, das andere Herz, und das schlägt in Anbetracht der Weltlage deutlich vernehmbarer, steht fassungslos vor dieser Vernichtung von Natur. Zumal es ja mittlerweile deutlich bessere Alternativen zum Braunkohletagebau gibt.

Es gibt immer wieder entlang des Weges bis zum Terra Nova Forum, einer kleinen Gastro- und Infobebauung am Rand des Tagebaues, kleine Aussichtsplattformen, die den Blick in die Grube und auf die beeindruckenden Maschinen freigeben.

Auf einer dieser Plattformen hat sich Tim verewigt, ich weiß nicht, was er kompensieren muss, mein Verdacht geht aber in Richtung „kleiner Penis“ 😉

Die großen, mächtigen Bagger scheinen da was im armen Tim ausgelöst zu haben, sonst kommt man ja nicht auf die Idee, die frische Wand zu beschmieren, oder?

Also, wie gesagt, faszinierend und erschreckend zu gleich, wie bei jedem meiner Besuche dort.

Auf dem platten Land drumherum kann man dann sehen, wie der so teuer erkaufte Strom in Richtung Endverbraucher fließt.

Kurz drauf habe ich noch einen kurzen Stopp an der Hambachbahn gemacht. Wenn man sich ein wenig für Eisenbahnen interessiert, sind die dort eingesetzten Züge schon echte Highlights. Die Lokomotiven gibt es nur da. Ich hatte Glück und habe eine der alten und eine der neueren Lokomotiven vor die Kamera bekommen. Die grünen, älteren, sind zwischen 1954 und 1965 gebaut worden und laufen unter der Bezeichnung EL1, die etwas jüngeren, blauen, stammen aus 1999 und heißen EL2000.

Auf meinem Weg zum Fliegerhorst bin ich auch an der wundervollen Burg Bergerhausen vorbeigekommen. Etliche Filme und Serien wurden hier schon gedreht, ist aber auch eine verdammt schöne Kulisse. Die Anlage stammt aus dem 13. Jahrhundert.

In dem dazugehörigen Park bin ich auf eine Gruppe junger Wasservögel gestoßen, ich hab von sowas ja keine Ahnung, aber niedlich waren die flauschigen Gesellen auf jeden Fall.

Und dann war ich am Flugplatz, allerdings am Haupteingang, ein bisschen Zeit bis zur Ankunft hatte ich noch und so bin ich einmal um den Platz gefahren und habe mir noch das schöne Schloss Nörvenich angeschaut.

Wenn ich „Nicht-Flugzeug-Verrückten“-Menschen von meinem Hobby erzähle, schauen die mich immer an, als hätte ich nicht alle Latten am Zaun. Da ist vielleicht auch was dran ;). Auf jeden Fall ist es für mich immer wieder ein tolles Gefühl bei solchen Anlässen auf Menschen zu treffen, die genauso ticken wie ich. Seit Beginn der Pandemie fand im Grunde nichts mehr wirklich statt, viele Leute aus der „Szene“ habe ich eine gefühlte und eine echte Ewigkeit nicht mehr gesehen. Die Tatsache, dass man draußen stand, die Impfquote eine andere ist als noch vor ein paar Monaten und man trotzdem irgendwie Abstand hielt, machte das Ereignis für mich dann jetzt wirklich zu was besonderem. Bevor der „Stargast“ einschwebte flogen erstmal die Hausdamen – und herren mit ihren Eurofightern einige Runden.

Und auch bei den Eurofighter – Jets gab es etwas spezielles zu sehen. Das in Nörvenich stationierte Jagdbombergeschwader 31 trägt den Beinamen „Boelcke“, ein bekannter Kampfflieger aus dem ersten Weltkrieg. Vor 60 Jahren wurde dem Geschwader dieser Name verliehen, ihr merkt schon, militärische Traditionen sind in der Luftwaffe von jeher wichtig, gerade auch als Abgrenzung zum Dritten Reich. Auf jeden Fall gibt es einen speziell foliierten Eurofighter, die „Sword of Boelcke“. Sieht auch ganz fesch aus 😉

Und während der, ebenfalls in Nörvenich stationierte, Rettungshubschrauber zu einem Einsatz aufbrach, tauchte am Horizont die Transall auf.

Wer nicht gedient hat, wer das Kribbeln im Bauch und die Gänsehaut auf den Armen nicht spürt, wenn eine „Trall“ angeflogen kommt, der oder die kann sicher nicht verstehen, warum so viele Menschen dort waren, warum man Emotionen mit einem Stück fliegenden Metalls verbindet…nun, ich kann es 😉

Vorneweg flog eine Maschine in der regulären Lackierung, aus ihr wurde auch gefilmt und Fotos gemacht, danach kam dann die „Retrobrummel“ in der Sonderlackierung.

Und hier gibt es ein Video aus dem Heck des einen auf das andere Flugzeug gefilmt. Darin kommen Menschen zu Wort, die erzählen, was die Transall für sie bedeutet und es sind tolle Aufnahmen dabei, Ganz am Ende sieht man auch, wie der Platz in Nörvenich überflogen wird…übrigens auch aus Richtung Tagebau kommend.

Hach ja, verrückt, am Ende ist es halt doch nur ein Flugzeug….fast. Für mich ging es nach der Landung weiter, viele der andere Aviaktikfans sind noch geblieben, mein Regenradar mahnte aber zu Eile. Also, wieder auf den Sattel und weiter in Richtung Köln.

Zwischen Feldern entlang, auf schnurgeraden Wegen, habe ich mich in Richtung Domstadt bewegt. Dabei bin ich, ihr ahnt es vielleicht, schon wieder an einem Schloss vorbei gekommen. Dieses Mal war es die wunderschöne Anlage von Schloss Türnich. Vielleicht sollte man in der Region mal auf Schlössertour gehen. Das sind echte Schätze dabei.

Allzu lange stehen bleiben konnte ich nicht, dieser Schwan war irgendwie aggro drauf und hielt direkt auf ich zu. Ich habe mich für einen taktischen Rückzug entschieden.

Durch Waldwege und über viel befahrene Straßen, die wohl auch schon Opfer gekostet haben, führte mich meine Route dann immer näher an Köln heran.

Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es nicht mehr weit bis Köln ist? Wenn Du eine Autobahn überquerst ist dort mit hoher Wahrscheinlichkeit…Stau.

An teils wunderschönen Häusern vorbei bin ich dann von Westen her in die Stadt gefahren und habe dann am Bahnhof meine Tour beendet. Natürlich nicht ohne noch ein Foto vom Dom zu machen, klar, wenn man schon mal da ist.

Als ich im Zug saß fing es an zu regnen…und zwar so richtig. Ich war froh im Trockenen zu sitzen und dankbar einen Tag frei bekommen zu haben und diese Tour machen zu können. Ich hoffe, sie hat Euch gefallen, es gibt noch einen Relive Clip und wie immer gilt, solltet ihr Fragen haben, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, genießt die Zeit und fahrt immer vorsichtig. Bis bald.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

7 comments

  1. Als Pazifistin kann ich dem „militärischen Teil“ nichts abgewinnen, habe allerdings auch – trotz meiner Hoffnung, dass immer weniger Menschen fliegen – eine Affinität zu Flugzeugen. Vielleicht liegt das daran, dass mein Patenonkel Fluglehrer war am Egelsberg und ich jedes Jahr zu meinem Geburtstag einen Rundflug geschenkt bekam – und auch schon mal das Steuer in der Hand halten durfte. Vielleicht ist es auch Reinhard Mey geschuldet, keine Ahnung.
    Und trotz totaler Ablehnung des Tagebaus teile ich auch da die Faszination der Maschinen.
    Ach ja, und die Schlösser kannte ich noch nicht, vielen Dank.

    1. Hi Edith, Pazifismus ist eine schöne Theorie, an der aber alle Beteiligten teilnehmen müssen. Bis das erreicht ist, halte ich es eher mit der „wehrhaften Demokratie“ und dem „Staatsbürger in Uniform“. Die größten Stunden hat die Transall zudem, wenn auch als Kampfzonentransporter gebaut, in ihrer Rolle als „Engel der Lüfte“ bei humanitären Katastrophen gehabt. Übrigens, keine Soldatin und kein Soldat die oder den ich kenne möchte in eine kriegerische Auseinandersetzung geraten. Mich als ehemaligen Soldaten schließe ich da mit ein.

      LG Martin

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