Wächter in der Luft, wilde Tiere und viel Sakrales – Von Geilenkirchen nach Krefeld

Hallo ihr Lieben,

es ging wieder auf Tour, wenn ihr mögt, nehme ich euch mit, unbezahlt und unbeauftragt. Wenn ich Touren plane, lasse ich mich ja immer von irgendwas inspirieren. Entweder aktuelle Nachrichten oder Tipps in Radforen. Aber auch spezielle Eisenbahnen oder Flugzeuge führen schon mal dazu, dass ich eine Radtour dorthin plane. Und dann gibt es da natürlich noch die „Befriedigung des inneren Monks“. Wer hier schon länger mitliest, der weiß ja auch, dass ich immer versuche alle Touren eines Monats miteinander zu verbinden. Wer den Post zur 8.000 Kilometer-Challenge gesehen hat weiß auch…es hat geklappt 😉 Am Morgen des 20. März sah es allerdings noch so aus 😉 .

Und damit war dann auch klar, diese Tour führt mich von Geilenkirchen nach Krefeld. Früh Morgens bin ich also mit dem Zug nach Geilenkirchen gefahren und habe mich dann auf den Sattel geschwungen. Durch den Ortsteil Bauchem hindurch war das erste Ziel die NATO Basis in Teveren. In Bauchem fällt einem sofort der knapp 50 Meter hohe Wasserturm auf. Ich habe bei meinen Radtouren jetzt ja schon so einige Wassertürme gesehen, einen so gerade, rechteckigen allerdings noch nicht. Fällt auf jeden Fall auf, das gute Teil. Wenn mich meine Netzrecherchen nicht trügen ist er auch in Betrieb und fasst 200 Kubikmeter Trinkwasser.

Die NATO-Air Base in Geilenkirchen, bzw. Teveren, ist für mich als Flugzeugfan schon immer ein interessanter Ort gewesen. Dort hat das Atlantikbündnis 14 Flugzeuge des Typs E-3A stationiert. Diese Maschinen dienen der luftgestützten Aufklärung und Führung von Jagdflugzeugen. Spannend für Menschen die sich Flugzeuge interessieren ist die Tatsache, dass die Basis dieser E-3A die Boeing 707 ist. Die Boeing 707 war Ende der 1950er Jahre für viele Airlines der Einstieg ins Jetzeitalter. Seitdem hat es die Boeing 707 in etlichen zivilen und militärischen Varianten gegeben, eine davon ist eben auch die E-3A der NATO. Durch ein großes Radom auf dem Rumpfrücken wird sie leicht erkennbar. In Deutschland ist der Verband in Geilenkirchen die einzige Möglichkeit fliegende 707 zu sehen. Alle anderen sind mittlerweile im Museum oder Getränkedosen.

In der aktuellen Krise rund um die Ukraine haben die Flugzeuge eine besondere Aufgabe, sie sichern den NATO Luftraum an der Ostflanke. Jeden Tag sind die AWACS, die englische Abkürzung für luftgestütztes Warn- und Kontrollsystem, in der Luft, kreisen in großen Schleifen über Polen und blicken weit in den ukrainischen und russischen Luftraum hinein.

Am hellsten Tag, in schwärzester Nacht entgeht nichts Böses meiner Wacht!

Der Spruch stammt zwar aus dem Comic Green Lantern, aber ich habe ihn auch im Zusammenhang mit den Flügen der Jets aus Geilenkirchen schon gelesen. Am Morgen meiner Radtour bewegte sich nichts am Boden, über Polen kreiste eine französische AWACS-Maschine, die NATO ist wohl erst in der Mittags- und Nachtschicht dran gewesen. Ich habe euch aber ein Bild der startenden E-3A aus meinem Archiv gesucht, das Foto ist genau an der Stelle entstanden, an der ich auch bei meiner Radtour angehalten habe.

Schon faszinierend, im Rumpf hat der Jet modernste Technik verbaut, ein Blick ins Cockpit, den ich vor einiger Zeit machen konnte, zeigt aber einen klassischen Jetliner vergangener Zeiten inklusive der „Augenbrauen-Fenster“ die zur Astronavigation benutzt werden konnten, auch wenn es auch dort viele Modernisierungen gegeben hat.

Vom Flugplatz aus führte mich mein Weg dann in Richtung Gillrath weiter. Dort bin ich am Bahnhof der Selfkantbahn vorbeigekommen, einer Museumseisenbahn. Der erste Betriebstag in diesem Jahr ist der 16. April, ich konnte bei meiner Tour also nur ein bisschen Infrastruktur fotografieren, komme aber im Sommer auf jeden Fall nochmal wieder 😉 .

Das radeln in der Region ist eher eine Besinnung auf sich und das tun. Während man beim Radfahren im Ruhrgebiet gefühlt alle zwei Meter etwas spannendes zum fotografieren und stehenbleiben entdeckt, ist die Region rund um Geilenkirchen eher landschaftlich nett anzusehen. Viele Landstraßen und Feldwegkilometer kommen da zusammen.

Immer wieder trifft man aber auch auf Heiligenhäuschen oder kleine Kapellen. Exemplarisch dafür mal diese hier zwischen Gillrath und Waldenrath.

Kapelle Maria am Wege heißt diese Möglichkeit der Einkehr am Wegesrand.

Ich bin ganz gut voran gekommen, ein frischer Wind wehte mir beständig ins Gesicht und irgendwie hatte der Wetterbericht auch mehr Sonne versprochen. Egal, es war auf jeden Fall trocken.

Heiligenhäuschen, Kapellen und Kirchen säumten meinen Weg. Nun ja, wenn es sonst nicht viel auf dem Land gibt, ist das ein oder andere Gebet sicher keine falsche Beschäftigung. Die Kapelle in Scheifendahl aus dem Jahr 1890 macht auf jeden Fall einen einladenden Eindruck.

Wenig später gelingt dann auch ein, relativ, freier Blick auf die Kirche Sankt Josef in Laffeld. Sie wurde 1905 geweiht.

An einem großen Solaranlagenfeld vorbei bin ich dann auf Heinsberg zugefahren. Passend dazu brach sogar, ein wenig, die Sonne durch die Wolken. Kalt war es aber immer noch 😉 .

Ich bin dann gerade auf das 1912 erbaute Amtsgericht zugefahren, ein ziemlich eindrucksvolles Gebäude finde ich. Im davorliegenden Kreisverkehr habe ich die erste Ausfahrt genommen und bin weiter in Richtung Ortsmitte gefahren.

Direkt das nächste, optisch sehr spannende, Bauwerk fiel mir dort ins Auge, das Torbogenhaus. Warum es so heißt erklärt sich von selbst, auf jeden Fall macht es was her, finde ich.

Das Berg im Namen hat auch der nächste Ort auf meiner Strecke, Wassenberg. Dort gibt es zum einen eine ganz interessante „Outdoor-Galerie“ zu entdecken. In Corona-Zeiten ist diese Möglichkeit wohl entstanden, wenn ich das richtig verstanden haben. Streetart, Fotografie und Malerei finden sich dort umsonst und und draußen.

Ein Stückchen weiter bin ich dann an der Burg Wassenberg vorbeigefahren, dem Wahrzeichen der Gemeinde. Schon ein schönes Fleckchen. In der Burg ist heute ein Restaurant und ein Hotel.

Landschaftlich durchaus schön ging es von der Burg aus weiter. Das nächste Ziel war Niederkrüchten. Dabei führte mich der Weg an Landstraßen vorbei, aber auch über Waldwege und durch Felder.

Am Rakyweiher in Dalheim-Rödgen gab es zum einen tolle Natur zu erleben, aber auch ein interessantes Gebäude, ein ehemaliges Pförtnerhaus.

Und interessante Schilder die vor regional typischen Gefahren warnen.

Vor einem weiteren Gebäude in der Ecke saß noch diese, irgendwie gruselige, Puppe 😉 . Und, korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber ist diese Hasenfigur da links nicht Lehrer Lempel aus der Hasenschule?

Nun ja, weiter ging es. Wie schon gesagt, ich bin einige Male auf Warnschilder gestoßen, die vor regionalen Gefahren warnen. Deutlich rabiater als bei den Enten eben, kann es allerdings zugehen, wenn diese Gesellen hier aus dem Wald brechen. Hatte ich schon mal bei einer Radtour, brauche ich kein zweites Mal.

Rechts und links Waldstücke, kreuzendes Wild ist da durchaus an der Tages, bzw. Morgen- und Abendordnung. Bei meiner Tour kam mir allerdings nichts vor die Linse.

Nach einer Weile parallel zur Straße, knickte meine Route dann in den Wald ab, ein herrliches radeln unter Bäumen und auf dem Waldboden.

Am Rand stand dann eine große Maschine der Frostwirtschaft, ich kann mich ja durchaus auch für solche Geräte begeistern. Da ich aber am Wochenende unterwegs war, tat sich hier nix, gucken konnte ich aber trotzdem 😉 .

Der Rest meiner Tour brach an, als ich am Horizont den Wasserturm in Dülken erblickte. Ich hab ja eine Weile in Grefrath gewohnt und Viersen und Dülken und die ganze Umgebung gehörten lange zu meinem primären Radrevier.

Wenige Augenblicke später habe ich dann eine etwas längere Pause gemacht, mit Blick auf den Wasserturm. Hauptsächlich ging es mir aber um die Bahngleise, die davor verlegt sind. Die Strecke führt, über Kaldenkirchen, in die Niederlande und wird regelmäßig von Güterzügen befahren. Für mich als Eisenbahnfan immer eine ganz schöne Gelegenheit mal zu schauen, was so vorbeikommt. In der Zeit, in der ich dort stand kam zum Beispiel diese Lokomotive der RheinCargo GmbH vorbei. Diese moderne Lok zieht einen Güterzug aus Rotterdam kommend ins Ruhrgebiet.

Aus der Gegenrichtung rauschte die Firma Captrain heran, deren Lokomotive zog eine bunte Mischung aus Güterzugwagen in Richtung Niederlande.

Die restliche Tour war ja dann irgendwie ein Heimspiel. Durch Viersen hindurch, an einer ehemaligen Tankstelle, die jetzt ein Restaurant ist und ein Auto auf dem Dach hat 😉 , vorbei ging es so langsam aber sicher in Richtung Krefeld.

Ein ganz kurzes Stück bin ich auf dem Nordkanal-Radweg gefahren. Er führt von Neuss bis in die Niederlande und ist, zumindest in Deutschland, durch blaue Streifen auf dem Boden und solche geringelten Vermessungsmasten am Wegesrand gekennzeichnet.

Kurz hinter Süchteln bin ich dann auf die Schluff-Trasse eingebogen. Wie so oft in unserer Region ist da eine ehemalige Bahntrasse, sie führt, recht gradlinig nach Sankt Tönis und schließlich nach Krefeld. Man radelt auch an einem Autohändler vorbei, der sich auf Minis spezialisiert hat, die Autos im Hof dienen aber wohl, hoffentlich, als Ersatzteillager.

Herrlich zu radeln, wenn auch auf meiner Tour am Ende etwas fies….es fing nämlich dann doch noch an zu regnen 😉 .

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Die Lücke auf der Karte hatte ich geschlossen, ein paar schöne Eindrücke gesammelt und für euch, hoffentlich, einen einigermaßen interessanten Blogbeitrag geschrieben. 😉 .

Ich habe wieder ein Relive Clip für euch und hoffe ansonsten, euch hat es gefallen. Wie immer gilt, wenn ihr noch Fragen zu irgendwas habt, immer her damit.

Dank euch fürs lesen, bleibt gesund und munter, achtet auf euch und eure Mitmenschen und lest gern beim nächsten Mal wieder rein…

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 comments

  1. Hallo Martin,
    wieder einmal ein sehr interessanter Beitrag mit teilweise traurigem oder bedenklichen Hintergrund.

    Das wir zum Beispiel jetzt wieder verstärkt das Miltitär und Flugüberwachung nötig haben finde ich furchtbar.
    Leider hat der Spruch „Frieden schaffen ohne Waffen“ nicht funktioniert und wir sind wieder in die „Steinzeit“ zurück versetzt worden mit bescheuerten Machos an der Spitze von einigen Ländern, die immer noch an Grenzen auf der Landkarte glauben.

    Corona und der Klimawandel lachen sich wahrscheinlich jetzt kaputt über die blöde Menscheit!

    Wenn ich mir vorstelle, dass 100 Milijarden Euro demnächst in die Rüstung gesteckt werden müssen, wird mir dabei einfach nur schlecht.

    Bedenklich finde ich auch den Bulldozer mitten im Wald. Der hat in der Natur einfach nichts zu suchen, weil er im wahrsten Sinne des Worte alles platt macht. Aber auch in der „modernen Forstwirtschaft“ ist Umsatz wichtiger als Naturschutz.

    Aber dazu kannst du natürlich nichts und deine bilder sind einfach schön.

    Liebe Grüße und schönes Wochenende
    Dagmar

    1. Hi,

      vielen Dank. Wenn ich das richtig gesehen habe, war das allerdings kein Bulldozer, sondern ein Spezialfahrzeug um das Unterholz zu bearbeiten. Ich denke dass da schon nachhaltige Arbeit geleistet wird, ich kenne zwei Forstwirte persönlich, es gibt wohl kaum einen Job, bei dem Nachhaltigkeit wichtiger ist.

      Was das Militär angeht, ich weiß nicht, ob du Peter van Uhm kennst? Er war Kommandeur der niederländischen Streitkräfte. Er hat in Amsterdam mal eine Rede vor jungen Leuten gehalten. Aus ganz ähnlichen Gründen habe ich mich damals auch fürs Militär entschieden. Wenn Du magst, hör mal rein: https://youtu.be/LjAsM1vAhW0

      LG Martin

      1. Hallo Martin,
        den Bulldozer hatte ich auch nur als Metapher benutzt.
        Ich bin sehr überzeugt von Peter Wohlleben, der seinen Forst nicht mit schwerem Gerät bearbeitet und der Vertrauen in die Selbsterholung der Natur hat. Er Ist mit seiner Auffassung bei konvesionellen Forstbetrieben natürlich nicht gern gesehen.
        Erst gestern bin ich durch einen Forst bei uns in Witten gegangen. Und was ich da sah, hatte mich wirklich sehr nachdenklich gemacht.
        Der Wald (Plantagen) sah schon nach den Stürmen und anschließenden Borkenkäferbefall durch die Dürren schlimm aus.
        Seit allerdings die Forstwirtschaft dort „aufgeräumt“ hat, sieht es dort aus wie auf einem Schlachtfeld, nackter umgewühlter Waldboden mit den herausgerissenen Wurzelresten. Dazwischen sind dann zwar Setzlinge schön in Reihe und Glied gepflanzt worden, also wieder eine neue Plantage!
        Hingegen auf kleinen Lichtungen, die nicht ganz so in die Zange der riesengroßen und schweren Forstgeräten in Mitleidenschaft gezogen wurden und danach in Ruhe gelassenworden waren, wächst eine kunterbunte Pflanzengesellschaft heran, wo sogar noch ein paar Fichtenbäumchen von alleine nachgewachsen sind. Hier knallt im Sommer nicht die Sonne auf den ungeschützen Boden, auf der neuen Plantage sieht es da ganz anders aus.
        Den größten Irrtum den wir Menschen inne haben, ist das wir meinen der Natur nur immer irgendeinen „Nutzen“ abgewinnen zu müssen.
        Wir treten den Waldboden mit seinen unfassbar vielen Bewohnern, wie z.B. Pilze, Bakterien kleine Insekten usw. die mit Bäumen Symbiosen eingehen regelrecht mit den schweren Forstgeräten mit den Füßen. Durch das hohe Gewicht der Maschinen wird der Boden zusammengerdrückt und schädigt die Bewohner darin erheblich. Wir sollten wirklich mal versuchen die Natur in Ruhe zulassen und unsere wenigen wirklichen Wälder zu schützen. Und neue Naturwälder wachsen zu lassen. Dann haben wir in Zukunft auch noch genügend Grundwasser für unseren Bedarf.
        In vom Menschen nicht bearbeiteten Wäldern wächst und gedeiht alles bestens.
        Natürlich ist darin dann schwer mit Maschinen Nutzholz zu ernten.
        Wir sollten dazu übergehen den Waldbesitzern Geld dafür zu bezahlen, wenn sie die Bäume vor der Säge schützen, schließlich sind intakte Wälder mit die besten „Staubsauger“ des zu vielen CO2 in der Luft. Wir sollten das endlich zu schätzen wissen. Und Holz als Haupteinkommensquelle der Waldbesitzer vermeiden.

        Ich habe mir die beeindruckende Rede des von Peter van Uhm angesehen.
        Leider hat unser „Freund“ Putin diese Rede genauso wenig gekannt wie ich.
        Natürlich bin ich nicht so naiv, um zu wissen dass wir jetzt schleunigst sehen müssen in der EU eine eigene Schutzarmee zu gründen. Da schließlich nach der Amtszeit von Biden schlimmsten Falls so ein Vollpfosten wie Trump wieder an die Macht kommt.
        Und ich bin auch dafür, dass wir den Ukrainern die nötigen Waffen zu ihren Verteidigung zur Verfügung stellen. Trotzdem könnte ich schreien, dass das alles in der heutigen Zeit passiert, wo doch alljährlich berechtigter Weise Kränze an den Gedenkstätten des 2 Weltkrieges von Politikern hingelegt werden. Wir sind wieder im „Mittelalter“ angekommen. Und das viele Geld, was jetzt überall auf der Welt in Bomben und Co investiert werden wird, wäre viel besser aufgehoben bei den wichtigen Maßnahmen gegen den Klimawandel und der Seuchenbekämpfung z.B. Corona.
        Die kennen nämlich beide keine Grenzen die von machtgierigen Idioten auf der Landkarte gezogen werden.

        So jetzt habe ich dich aber genug zugetextet. Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
        Liebe Grüße Dagmar

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