Stahlwerke, Zauberer, Schiffe und Bahntrassen – Krefeld, Oberhausen, Mülheim und Duisburg

Hallo zusammen,

aktuell komme ich unter der Woche kaum aufs Fahrrad, umso mehr freue ich mich aufs Wochenende. Richtig klasse ist es dann, wenn die Sonne scheint, die Temperaturen angenehm sind und man entspannt radeln kann. All das gab es letztes Wochenende…nicht ;). Geradelt bin ich trotzdem. Wenn ihr mögt, nehme ich euch gern wieder mit, unbezahlt und unbeauftragt.

Wer mir hier schon etwas länger folgt, der kennt meinen „Alle-Touren-müssen-verbunden-sein“ Monk-Spleen, allen andere erkläre ich es kurz ;). Also, am Ende eines Monats schaue ich immer, welche Touren ich im abgelaufenen Monat gefahren bin, irgendwie finde ich es ganz schön, wenn diese irgendwie alle miteinander verbunden sind. Ja, ist albern, ist aber so. Das bedeutet, nach meinen Touren zu Anfang des Jahres und der Tour von Wuppertal nach Oberhausen am letzten Wochenende, fehlte jetzt das Stück von Krefeld nach Oberhausen. Damit war klar, wo es hingehen würde, als ich Sonntag Morgen das Rad startklar gemacht habe.

Am Kaiser-Wilhelm Museum vorbei führte mich mein Weg als erstes über den Südwall in Richtung Ritterstaße und damit auf die Rückseite des Krefelder Hauptbahnhofes.

Am Südwall gibt es seit 2019 einen Spielplatz mit einem Südwall-Klettergerüst, finde ich irgendwie ziemlich cool.

Am Hauptbahnhof angekommen, bin ich aber nicht mit dem Zug gefahren, sondern habe mir ein Abrisshaus etwas genauer angeschaut. Hinter dem Bahnhof entstehen gerade zwei moderne Bürogebäude und alte, ziemlich abgeranzte Immobilien werden dafür abgerissen. In einer dieser Abrissruinen habe ich diese Streetarts entdeckt. Keine Ahnung ob die entstanden sind, nachdem mit dem Abriss begonnen wurde, oder ob die schon in den leer stehenden Häusern zu finden waren. Auf jeden Fall hat das was, finde ich.

Direkt gegenüber vom Bahnhof liegt der, vor einiger Zeit sanierte, Platz der Wiedervereinigung und die Fabrik Heeder. In der ehemaligen Tapetenfabrik befindet sich heute unter anderem das Jugendtheater Kresch.

Normalerweise radel ich in Richtung Linn dann ab der Feuerwache auf der neuen Krefelder Radpromenade. Dieses Mal wollte ich mal vor der Feuerwache entlangfahren, ein wirklich tolles Gebäude für unsere Berufsfeuerwehr hier.

Danach ging es dann aber auf das nächste Teilstück der Promenade, es führt dann von Oppum bis nach Linn, fast bis zur Burg Linn sogar.

Die Burg Linn ist, neben den Kunstmuseen, sicher einer der bekanntesten Touristenhotspots der Stadt, kein Tag an dem dort nicht jemand ein Foto macht….mich auch dieses Mal wieder eingeschlossen.

Von Linn aus wollte ich in Uerdingen über den Rhein wechseln. Also fuhr ich weiter in Richtung Rheinhafen und dann über die Uerdinger Brücke. Das gute Stück hieß bei ihrer Eröffnung 1936 Adolf-Hitler Brücke, wie verdammt viele Brücken zu der Zeit. Heute lautet der offizielle Name „Krefeld-Uerdinger Brücke“, finde ich deutlich besser.

Man sieht schon, es war mal wieder nebelig, diesig und….frisch. Ein Blick auf den Rheinhafen zeigt auch die historische Drehbrücke. 116 Jahre alt und immer noch in Funktion. Gerade eben wurden Sanierungsarbeiten daran abgeschlossen.

Wenn ihr mögt, schaut Euch mal diesen Film hier zur Drehbrücke an, den hat meine Kollegin gerade fertiggestellt, nachdem vor ein paar Tagen die Brücke gedreht wurde.

Unter der Brücke fuhr gerade die „Marla Duo“ mit ihrem Vorschiff „Marla“ hindurch. Schon irgendwie beeindruckend, diese langen Schubverbände. Sie war unterwegs mit Containern nach Antwerpen. Wahrscheinlich als Zubringer für eines der großen Überseeschiffe dort.

Industrie mag ich irgendwie. Wer hier schon länger mitliest, der weiß das. Kurz hinter der Rheinbrücke, in Richtung Duisburg, kommt man an HKM vorbei. Die Abkürzung steht für „Hüttenwerke Krupp Mannesmann“, ein Stahlwerk direkt am Rhein. Eine Brücke führt über etliche Gleise und es gibt irgendwie immer was zu gucken. Ich mache dort immer ein paar Minuten Pause und schaue mir das Gewusel an.

Am Ende kommen aus dem Stahlwerk fertige Brammen, das sind diese Stahlelemente die die kleine Lokomotive hier gerade aus der Halle zieht. Das Stahlkochen ist für mich, obwohl, oder gerade weil, ich gebürtiger Duisburger bin, immer wieder ein Prozess voller Faszination.

Das die Region davon lebt und stolz darauf ist, sieht man immer wieder im Stadtbild, etwa an diesem tollen Trafohäuschen.

Durch Hüttenheim hindurch führte mich die Tour dann weiter in Richtung Sechs-Seen-Platte. An der Stelle wo die Mündelheimer Straße den Angerbach überquert, gab es noch ein attraktiv bemaltes Trafohäuschen zu sehen. Dieses Mal allerdings mit einem naturnahen Motiv.

Die Wege rund um die Sechs-Seen-Platte waren alle recht matschig, aber trotzdem noch ganz gut zu befahren. Das Naherholungsgebiet rund um die Seen Wambachsee, Masurensee, Böllertsee, Wolfssee, Wildförstersee und Haubachsee ist an sich immer einen Besuch wert. Normalerweise mache ich ja auch immer einen Stopp an der dortigen Unfallklinik, dort ist nämlich der Rettungshubschrauber „Christoph 9“ stationiert. Der bleib aber bei meiner Tour, wohl wegen des miesen Wetters, in seiner Halle und so habe ich direkt Kurs auf das ehemalige Ausbesserungswerk der Bahn genommen.

Mittlerweile sind bereits große Teile abgerissen, aber der Ort war lange für Lost Places Fotografinnen und Fotografen ein El Dorado. Daten und Fakten zu dem Komplex findet ihr, unter anderem, HIER.

Mülheim war die nächste Station auf meiner Tour, unterwegs gab es mal wieder einen Frisörladen mit typischem Namen zu sehen. rundHAIRrum….nun ja, jede und jeder eben so wie sie oder er kann 😉 Es gibt übrigens mittlerweile Instagramaccounts zu Frisörnamen…DIESEN HIER zum Beispiel.

Mittels der „blauen Brücke“ in Mülheim ging es über die Ruhr. Wie so oft handelt es sich auch hier um eine ehemalige Bahntrasse. Bis 1973 fuhren hier Züge, seit 1991 gibt es diese Brücke, welche auch Teil des Ruhrtalradweges ist.

Nach der Überquerung der Ruhr ging es an die Überquerung von Bahngleisen, vorbei an einem toll bemalten Stellwerk weiter nach Mülheim-Styrum hinein.

Ganz kurz hinter der Brücke, in der Albertstraße habe ich dann dieses wunderbare Wohnhaus entdeckt. Es stammt aus dem Jahr 1900 und steht seit 1987 unter Denkmalschutz. Zu Recht wie ich finde. Wenn ihr mal in der Gegend seid, schaut es euch auf jeden Fall an, es gibt unzählige Details zu entdecken.

Wenig später bin ich dann in Oberhausen am Bahnhof angekommen. Damit hatte ich die Mission der Tour erfüllt und die Lücke auf der Karte geschlossen. Am Bahnhof war ich wieder auf dem Museumsbahnsteig, dort gibt es neben einer alten Lokomotive auch noch Torpedowagen und Gießpfannen zu bestaunen. Ein kurzer Halt lohnt dort immer, Einblicke in die Industriegeschichte des Ruhrgebietes sind garantiert.

Obwohl das Wetter nicht so der Brüller war, hatte ich aber noch Lust weiterzufahren und bin vom Bahnhof aus in Richtung Schloss Oberhausen gefahren um dann weiter in Richtung Rhein-Herne Kanal zu fahren.

Absteigen und schieben musste ich, als ich den Kanal überquert habe. Die geniale Brücke „Slinky Springs to Fame“ ist nur ein Fußweg und man darf nicht drüber radeln. Es lohnt aber, drüber zu laufen, sie ist bunt, hat Höhen und Tiefen und schlängelt sich über den Kanal. Sie ist vom Frankfurter KünstlersTobias Rehberger entworfen und erinnert an eine dieser laufenden Federn aus dem Kinderzimmer.

Spannend, was so alles im Kanal treibt, wollen wir hoffen, dass keiner diesen Pfosten vermisst und sich unwissend in Lebensgefahr begibt. Wird wohl ein anderer Vollpfosten für verantwortlich sein, dass dieser Pfosten jetzt unterwegs nach Herne ist.

Schiffe gibt es im Kanal aber auch, hier ist zum Beispiel die „Sterrebos“, das Schiff ist nur ein Jahr jünger als ich und war unterwegs nach Gelsenkirchen.

Ein ganz kurzes Stück ging es dann für mich an der Emscher vorbei und dann auf den „Grünen Pfad“. Ihr ahnt es vielleicht schon, das ist eine ehemalige Bahntrasse. Auf einem wirklich toll ausgebauten Radweg gelangt man so von Oberhausen nach Duisburg Meiderich.

Der „Grüne Pfad“ führt auch an „Neustadt“ vorbei, einem Kunstprojekt, bei dem es Gebäude aus dem Ruhrgebiet in Miniatur zu sehen gibt. Die echten Gebäude sind längst abgerissen und aus dem Bild der Städte in denen sie standen verschwunden…hier leben sie in klein weiter.

Sicherlich das Highlight auf der Strecke ist der Landschaftspark Duisburg Nord. Das ehemalige Stahlwerk ist mittlerweile ein Ort mannigfaltiger Freizeitgestaltung geworden. Tauchen im ehemaligen Gasometer, Klettern an alten Wänden, jede Menge Natur ist zurückgekehrt, man kann einen Hochofen besteigen, es gibt 24 Stunden Radrennen, eine Skateranlage und so vieles mehr. Eigentlich lohnt ein Besuch dort immer.

Ihr wisst ja, ich bin Streetartfan, auch als solcher gibt es dort immer was zu entdecken. In der Nähe der Skateranlage finden sich Wände, die kunstvoll verziert werden, man mit einer Botschaft, mal einfach so. Cool und intensiv sind die Bilder aber eigentlich immer.

Manche Verkehrsschilder sieht man so auch nicht alle Tage 😉 Das Ziel habe ich allerdings so nicht gefunden 😉

Auf meinem ersten Foto aus dem Landschaftspark hier oben erkennt man es ganz gut, wenn man auf den unteren Bildrand schaut, da liegen Gleise. Rechts davon stehen einige alte Wagen aus der Zeit des Stahlwerkes, links sind die Gleise nach wie vor an das Schienennetz angeschlossen. Normalerweise fährt dort nichts mehr, ab und zu ein Sonderzug, in Corona-Zeiten aber auch das nicht mehr. Umso überrascht war ich, als dort plötzlich eine Lokomotive von Thyssen-Krupp mit einigen Wagen auftauchte und begann zu rangieren. Spannend, hatte ich so auch noch nicht gesehen.

Bevor es wieder auf den grünen Pfad ging habe ich mir noch die Dampfwalze angeschaut, die seit kurzem wieder im Landschaftspark steht. Ich bin mir echt nicht sicher, aber wenn hier alte Hamborner sind, war die Walze nicht mal ein Spielgerät irgendwo in Hamborn? Irgendwie meine ich mich zu erinnern. Nun ja, man wird nicht jünger, auf jeden Fall steht sie jetzt im Landschaftspark.

Streetart ist an einigen Ecken von Duisburg ein Thema, meist entdeckt man sie im vorbeifahren oder indem man ein bisschen sucht. Am Ende des ausgebauten Radweges „Grüner Pfad“ landet man in Duisburg Untermeiderich. Dort gibt es eine Unterführung, die ich vor ein paar Jahren schon entdeckt habe. Dort finden sich immer wieder andere, meist richtig gute Streetarts. Deshalb baue ich diese Wände eigentlich immer in meine Routen ein, wenn ich in der Ecke unterwegs bin.

Überregional bekannt wurde das Stückchen Fußweg unter der Brücke jetzt aber durch Harry Potter. Aktuell finden sich einige Motive aus der beliebten Buchserie um den Zauberschüler an den Wänden dort. Und das wurde über die Medien bekannt und so radelt man dort jetzt nicht mehr allein an toller Kunst vorbei, sondern fährt um Kiddies in Umhängen und mit Zauberstäben in der herum ;). Alle machen Selfies vor den Bildern oder die Eltern dirigieren sie in Pose ;). Na ja, Lord Voldemort oder Hedwig sind dann aber auch schon echt cool.

Nur einen langsam gemurmelten unverzeilichen Fluch später war ich dann in Ruhrort an der Rheinbrücke, und wenige Augenblicke später auch auf der anderen Rheinseite.

In Duisburg Homberg bin ich dann direkt am Rhein entlang weiter in Richtung Krefeld geradelt. Ein Blick zurück zeigt, neben der „Symphony“, die Rheinbrücke, einen der alten Brückentürme und das Kraftwerk Hermann Wenzel. Dort werden Gase aus der Stahlproduktion verbrannt und im Gegenzug Strom in die Produktion geliefert.

Unter der Rheinbrücke Neuenkamp hindurch führte mich mein Weg dann weiter. Die Brücke wird aktuell durch eine neue ersetzt, Teile davon kann man schon erkennen, es ist aber noch viel Arbeit nötig.

Unterwegs zum Elfrather See bin ich noch an diesen schönen Garagentoren vorbei gefahren. Da scheint es offenbar einen weiteren Eisenbahnfan ;).

Am Elfrather See vorbei habe ich die letzten Meter unter die Reifen genommen, bin noch an einem interessanten Gebäude vorbeigefahren und war dann so gut wie zu Hause.

Ganz spannend fand ich, dass ich offenbar schon etliche Mal an diesem burg- oder schlossähnlichen Gebäude vorbeigefahren bin, es aber noch nie wahrgenommen habe. Das zeigt ja wieder, man sollte mit offenen Augen durch die Gegend düsen ;).

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein mit meiner Tour. Einen Relive Clip habe ich noch und ansonsten gilt natürlich wieder: Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit 😉

Bleibt gesund und munter,
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 comments

  1. Hallo Martin,
    wiedermal ein total interessanter Beitrag von dir.
    Besonders beeindruckend finde ich die uralte Drehbrücke, von der ich bisher garnicht wusste, das es sie gibt.
    Wirklich erstaunlich was damals unter einfachsten Bedingungen schon gebaut wurde. Hut ab!
    Auch die Infos über die neue Rheinbrücke bringt mich nur zum staunen und bewundern über so ein Bauwerk.
    Obwohl es mich gleichzeitig etwas nachdenklich stimmt, weil hier wieder voll auf das Auto gesetzt wird und ich das einerseits verstehen kann, aber mir nicht vorstellen kann, ob wir mit so einem Verkehrskonzept den Klimawandel in den Griff bekommen werden. Wir werden sehen.
    Tolle Bilder und Infos, vielen Dank für diesen schönen Beitrag und schönes Wochende.
    Liebe Grüße
    Dagmar

    1. Hi, ja unsere Drehbrücke ist schon was besonderes. Meine Kollegin hat da echt gute Filmarbeit geleistet, ich hab nur Fotos gemacht und mir den Hintern abgefroren 😉 Die Rheinbrücke ist ein Megabauwerk, keine Frage, es gibt aber den charmanten Vorteil, dass man den RS1 darüber verlängern will bis Moers, das heißt, für uns Radelnde springt da auch was bei raus 😉

      LG Martin

Kommentar verfassen