Von alten Trassen und neuen Wegen – von Wuppertal nach Oberhausen über ehemalige Bahntrassen

Hallo zusammen,

ich war mal wieder auf Tour und würde euch gern, wenn ihr mögt, mitnehmen. Unbezahlt und unbeauftragt, einfach weil es mir Spaß macht ;). Starteten meine ersten beiden Touren in neuen Jahr vor der eigenen Haustüre, ging es dieses Mal mit dem Zug nach Wuppertal. Vom dortigen Hauptbahnhof aus ging es los. Direkt vor dem Bahnhof stehen sich zwei Gebäude gegenüber, die ich irgendwie spannend finde. Zum einen ist es ein Haus in moderner Architektur, bezogen von einem Klamottendiscounter.

Auf der anderen Seite das Gebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion. Aktuell versucht die Stadt Wuppertal neue Nutzungen dort unter zu bringen, das Jobcenter, einige Ämter und Teile der Universität. Auf jeden Fall ist die Architektur so völlig anders.

Mein erstes Ziel war ein Zugang zur Nordbahntrasse. Die Nordbahntrasse ist ein Radweg auf einer ehemaligen Bahnstrecke und für mich eines der Paradebeispiele, wie sowas aussehen kann. Wenn ihr mal ein paar Infos dazu lesen wollt, schaut mal was die Wikipedia dazu schreibt. Na ja, auf jeden Fall ging es für mich durch Weuppertal in Richtung Trasse. Dabei musste ich natürlich ein Foto der Schwebebahn machen, wenn man schon mal da ist ;).

Ganz cool fand ich, dass ich auf meiner kurzen Strecke durch die Stadt gleich einige Impfstationen entdeckt habe. Also auch in Wuppertal bemüht man sich um kurze Wege zu Impfung. Gute Sache.

Vorbei am Rathaus Elberfeld, auch hier gab es im Umfeld einige Teststationen, ging es dann weiter.

An der Briller Straße in Elberfeld bin ich dann auf die Trasse gefahren. Manchmal passen Werbeschilder nicht zur Realität, es war nasskalt und das letzte was ich gebraucht habe war….mobile Kälte 😉

Egal, es ging auf die Nordbahntrasse in Richtung Osten. Direkt an der Zufahrt auf die Trasse gab es Streetarts und ein urbanes Basketballfeld zu entdecken.

Neben Brücken der alten Bahnlinie werden auch Tunnelbauwerke genutzt. Der erste auf meiner Tour war der „Tanztunnel“, der Dorrenberg-Tunnel. Es wurde früher wohl tatsächlich auch mal in diesem Tunnel getanzt.

Toll an der Nordbahntrasse finde ich, dass man rechts und links eine Menge geboten bekommt. Es sind viele Infotafeln aufgestellt, man kann immer wieder weit über Wuppertal schauen und es gibt immer wieder Gastronomie oder Ateliers oder Projekte am Wegesrand.

Immer wieder gibt es Streetarts zu entdecken. An einem Teilstück findet sich noch ein altes Bahngleis, das wird heute als Draisinentrasse benutzt. Schon richtig cool. Muss ich mir im Sommer mal anschauen.

Am Wegesrand finden sich kleine Schilder mit Namen drauf, das sind die sogenannten „Meterspender“. Knappe 900 Stück gibt es und sie dienen als sichtbarer Dank an diejenigen, die zu Beginn der Nordbahntrasse gespendet haben um den Eigenanteil zu stemmen, der nötig war um an Fördergelder zu kommen. Finde ich ne gute Sache. Beides, die Aktion und die Schilder 😉

Nicht nur die Draisinenstrecke weißt auf die Eisenbahnvergangeneheit der Trasse hin, es gibt auch immer wieder Signale, Gebäude oder, wie hier, Gleise die es zu bestaunen gibt. Gefällt mir sehr gut, sowas haben ja mittlerweile viele der ehemaligen Bahntrassen.

Vor dem nächsten Tunnelbauwerk habe ich dann eine Pause gemacht und erstmal nen Happen gegessen. Der Schee – Tunnel ist was besonderes, finde ich. Dort wohnen Fledermäuse.

Der Tunnel hat zwei Röhren, eine ist zum Radweg ausgebaut, in der anderen wohnen die Fledermäuse. Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Tunnelröhren Triebwerksbauteile für die ME 2626 gefertigt. 1984 wurde er dann stillgelegt. Und heute ist er ein tolle Radbauwerk. Klasse Sache.

Vom anderen Ende aus führt dann die „Kohlenbahn“ weiter in Richtung Hattingen. Ihr ahnt es natürlich, auch das ist eine ehemalige Bahntrasse. Das Wetter war nicht so dolle, diesig und nach wie vor recht frisch war es, trotzdem kam ich gut voran und Spaß hat es auch gemacht. So ein bisschen was cooles hat Nebel ja auch.

Kurz vor Sprockhövel war die Trasse dann gesperrt, nur ein kurzes Stück, kein Problem also. Was ich wirklich klasse fand, es gab eine sehr gut ausgeschilderte Umleitung, welche mich zielsicher wieder zurück auf die Trasse gebracht hat. In Belgien und den Niederlanden sicherlich selbstverständlich, bei uns durchaus eine lobende Erwähnung wert.

Auch an der Kohlenbahn, oder Glück-Auf-Trasse, wie sie auch genannt wird, gibt es schöne Einkehrmöglichkeiten. Am alten Bahnhof heißt eine dieser Möglichkeiten, ich hatte ja schon was gegessen und bin vorbei geradelt, das Ganze sah aber wirklich nett aus, habe ich mir für die nächste Tour mal vorgemerkt.

Einige Kilometer weiter in Richtung Norden kam ich dann in Hattingen an. Was soll ich sagen, ich war überrascht. Hattingen kannte ich bislang nur aus dem Auto heraus und, ehrlicherweise, auch eher im vorbeifahren. Mit dem Rad war ich jetzt in der Altstadt und muss sagen, das ist richtig schön dort. Wenn ich mal etwas länger Zeit habe und das Wetter besser ist, muss ich hier nochmal hinfahren. Das ist sicher toll wenn die ganzen Cafés geöffnet haben.

Aus der Altstadt raus bin ich dann an die Ruhr gefahren, gegenüber der Birschel-Mühle gab es einen Zaun mit Liebesschlössern, es braucht also nicht zwingend eine Brücke dafür ;).

Ein kurzes Stück an der Ruhr entlang führte mich mein Weg dann wieder vom Fluss weg zur Henrichshütte. Ganz ähnlich wie im Landschaftspark Duisburg Nord hat man auch hier die Möglichkeit sich alte Hüttentechnik im Original anzuschauen, allerdings kostet der Besuch hier ein paar Euro Eintritt ins LWL Museum. Schaut mal HIER gibt es Infos zur Geschichte und zu einem Besuch der Hütte.

Von der Hütte zum Fluss zurück waren es nur wenige Meter, über die Kosterbrücke ging es dann über die Ruhr. Sie stammt aus der Zeit der aktiven Hütte und wirkt mit ihren vier Fahrspuren schon arg mächtig. Über die Brücke habe ich dann Hattingen verlassen und bin nach Bochum gefahren.

Zwischen Wiesen und Feldern hindurch ging es dann weiter in Richtung Bochum Mitte. Dabei kam ich an diesem schönen Raubvogel vorbei. Schon eindrucksvoll, wie große diese Vögel sind.

Vorbei am wirklichen coolen Kinderspielplatz „Max und Klaras Drachenland“ ging es weiter in die Innenstadt hinein.

Über die Alleestraße, die mit einem großen Blumentopf geschmückt ist, ging es dann in Bochum in Richtung Erzbahntrasse.

Ihr merkt schon, dieses Tour hatte viele Bahntrassen-radel Anteile. In Bochum bin ich auf die Erzbahntrasse aufgefahren. Diese Trasse ist sicherlich ein Highlight im Ruhrgebiet, sie verbindet Bochum mit Gelsenkirchen und das nahezu kreuzungs- und störungsfrei. Der Einstieg ist die sogenannte „Erzbahnschwinge“, eine tolle Brückenkonstruktion über alte Bahngleise hinweg.

Und dann radelt man auf einem top ausgebauten Radweg in Richtung Norden weiter, dabei kommt man an vielen Relikten der Bergbauzeit vorbei, kann immer mal wieder anhalten und eine Menge entdecken. Die Trasse ist, natürlich, eine alte Eisenbahnlinie die die Zechen miteinander verband und am Rhein-Herne Kanal endete. Einige Fördergerüste stehen noch, zum Beispiel das der Zeche Carolinenglück in Bochum.

Auf der Trasse gibt es auch einen Kiosk mit Kult-Status. Holgers Erzbahnbude. Eigentlich ein Container, aber wenn der geöffnet hat, ist es das Snack-Paradies 😉 Eis, Getränke, Frikos – was das Herz begehrt ;). An dieser Stelle zweigt auch die Kray-Wanner Bahntrasse von der Erzbahn ab und man kann dort optimal Pause machen. Der alte Einmann-Bunker der dort steht und bemalt ist fällt direkt ins Auge. Bei meiner Tour war allerdings alles dicht, ich hatte aber ein Brötchen dabei und hab trotzdem ne Pause eingelegt.

Man überradelt etliche Brückenbauwerke auf seinem Weg nach Norden, ehemalige und neu errichtete Brücken gehören einfach zur Erzbahntrasse dazu, An ihrem Ende gibt es, ähnlich wie am Start, noch eine besondere Brücke.

Die sogenannte Grimberger Sichel überspannt den Rhein-Herne-Kanal. Ich bin allerdings dort noch nicht über den Kanal gefahren, sondern bin ihm ein Stück auf dieser Seite in Richtung Oberhausen gefolgt.

Ein wenig weiter ging es dann über den Kanal und über die parallel dazu verlaufende Emscher. Dort gibt es ebenfalls einen ganz schönen Radweg, dem bin ich in Richtung Gelsenkirchen Hafen weiter gefolgt.

Im Hafen selbst gab es zwei ganz interessante Lokomotiven zu sehen. Schalke ist nicht nur ein Stadtteil von Gelsenkirchen und der Name eines Fußballvereins, es gibt auch eine Lokomotivfirma die so heißt. Sie bauen Grubenlokomotiven und auch Streckenloks. Zwei von diesen Lokomotiven mit einem recht kleinen Lichtraumprofil, das ist die Ansicht von vorn, standen bei meiner Tour im Hafen Gelsenkirchen.

Nur wenige Meter weiter liegt auf der anderen Kanalseite der Hafen Gelsenkirchen Horst. Der kleine Stichhafen dient der Firma BP als Umschlagsort. Meist liegen dort Tankschiffe. Ganz interessant ist die Ölsperre die es dort gibt. Aus in Kanalboden verlegten Rohren strömt Luft aus und verhindert so, dass Öl in den Kanal gerät, sollte es mal zu einem Leck oder Zwischenfall kommen.  Man sieht das auf dem Foto an dem aufgewühlten Wasser vor der „Saskia Reich“. Der Schifffahrtsbetrieb Reich hat aktuell 9 Schiffe in seiner Flotte, bei meiner Tour habe ich gleich zwei von ihnen vor die Linse bekommen. Neben der Saskia hier, später noch die „Werner Reich“.

Nach einem erneuten Seitenwechsel des Kanals ging es dann mit großem Elan in Richtung Oberhausen weiter. Es wurde auch wieder nebeliger und kälter. Ein bisschen Wärme gab es an diesem Zufluss in die Emscher, neben der ich mittlerweile wieder entlang radelte, hier. Früher hätte man wahrscheinlich irgendwas toxisches vermutet, da die Emscher aber seit Anfang des Jahres abwasserfrei ist, wird es wohl einfach nur warmes Wasser gewesen sein….hoffe ich 😉

Nach ein paar Kilometern führte mich der Weg wieder an den Kanal und ich konnte die, eben schon angesprochene, „Werner Reich“ fotografieren. 110 Meter lang und Baujahr 2011, also noch gar nicht so alt. Die Schiffe wirken, zumal wenn sie nicht voll beladen sind, in einem engen Kanal immer ziemlich groß, finde ich.

In einem kleinen Bogen ging es dann nochmal kurz vom Kanal weg, bevor ich knapp vor dem Gasometer in Oberhausen den Kanal dann final überquert habe. Beim kurzen Bogen haben ich einen Stopp an der Ortseinfahrt von Bottrop Ebel gemacht. Dort „weidet“ seit 2014 eine Herde „Schafe“ ;). Gestaltet von Kindern der Schillergrundschule stehen diese Betonskulpturen direkt am Ortseingang und Radweg.

Ein typisches „Pottbild“ gelang dann bei der schon angesprochenen Querung der Kanals. Das, noch recht neue, Tankmotorschiff Burmester 100 ist unterwegs in Richtung Rhein und passiert gleich das Gasometer in Oberhausen.

Mein Plan war es bis nach Oberhausen Hauptbahnhof zu radeln und von dort aus mit der Bahn die Heimreise anzutreten. Das klappte wunderbar und so stammt das letzte Foto dieser Tour vom Bahnhof in Oberhausen. Nach vielen Kilometern auf ehemaligen Bahntrassen ist ein Foto einer ehemaligen Industrielokomotive vielleicht auch ein ganz würdiger Abschluss. 😉 In Oberhausen gibt es einen Museumsbahnsteig im Bahnhof, dort steht, neben einigen Wagen, auch diese Lokomotive von Jung aus dem Jahr 1971. Seit 1998 steht sie jetzt als Industriedenkmal an dieser Stelle.

Wie so oft habe ich auch dieses Mal ein Relive-Video für Euch, wie immer hoffe ich, die Tour und der Bericht haben Euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, achtet aufeinander und habt Spaß 😉

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 comments

  1. Boh Martin, was für ein toller Bericht, du hast ein sehr gutes Auge für die schönen und interessanten Dinge am Rande.
    Da bekomme ich tatsächlich Lust so eine Tour auch mal zu unternehmen… vielen Dank

  2. Hallo Martin,

    wieder ein schöner Beitrag.
    Von der Nordbahntrasse kenn ich nur das kleine Stück wo die Wicked Woods BMX Halle steht.
    Ich muss gestehen, dass ich das mal ändern muss, mal sehen vielleicht komme ich ja dieses Jahr mal dazu.

    Liebe Grüße und schönen Sonntag
    Dagmar

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