Eine alte Zeche, eine brennende Halde und frische Luft – Fahrt zur Halde Norddeutschland

Hi zusammen,

so richtig Glück hatte ich bislang bei meinen Touren im Jahr 2022 mit dem Wetter nicht, wobei, das ist ja schon jammern auf hohem Niveau, immerhin bin ich meist trocken geblieben. Bei der Tour auf die ich euch heute gern mitnehmen möchte gab es ein bisschen Nieselregen, aber man ist ja auch nicht aus Zucker ;). Wenn ihr mögt, nehme ich euch wieder, virtuell, mit auf den Sattel. Unbezahlt und unbeauftragt, natürlich.

Letzten Samstag hatte ich Vormittags noch Termine, wollte aber unbedingt noch ein wenig an die frische Luft. Also ging es um kurz nach 14 Uhr los. Es sollte eine eher kleinere Runde werden und so habe ich mir die Halde Norddeutschland als Ziel ausgesucht. Los ging es aber, wie so oft, in Krefeld.

Am Voltaplatz steht ein Ohr. OK, das ist ein wenig vereinfacht, aber die Kunst im öffentlichen Raum, welche seit 1992 dort steht, sieht halt schon irgendwie wie ein Ohr aus. Im Volksmund heißt das Kunstwerk denn auch so, auch wenn die Skulptur von Richard Deacon eigentlich „Building from the Inside“ heißt. Wenn ihr mal in der Nähe seid, geht mal das Stück über die Wiese und schaut euch das Ganze von Nahem an, es fasziniert tatsächlich.

Vom Voltaplatz aus ist ein Katzensprung bis zum Einstieg in die Krefelder Radpromenade. Direkt am Start ist auch die neue Feuerwache. Seit 2016 hat die Berufsfeuerwehr hier ihre neue Heimat.

Vor ein paar Tagen waren meine Kollegin, ein weiterer Kollege und ich bei der Feuerwehr um dort einen Film zu produzieren. Wenn man ehrlich ist, war ich dieses Mal dabei um ein paar Fotos zu machen und Technik zu schleppen, den tollen Clip hat meine Kollegin gemacht. Es geht darum, dass die Stadt Krefeld ausbildet, unter anderem auch Brandmeisterinnen und Brandmeister, also Feuerwehrleute. Wir haben beim Dreh einen Menschen vor der Kamera gehabt, den wir echt alle total beeindruckend fanden. Wenn ihr mögt, schaut gern mal in den Clip rein, mal sehen ob ihr Tim Mitterer so beeindruckend findet wie ich.

Na ja, ich bin auf jeden Fall die Promenade weiter in Richtung Großmarkt geradelt. Das Ding ist echt ein Gewinn, ich hoffe, dass bald weitere Teile gebaut und eröffnet werden, das radeln auf diesen Wegen, auch wenn es keine offiziellen Radschnellwege sind, ist einfach wunderbar.

Der Krefelder Großmarkt ist auch eine spannende Location, wie man so schön auf Neudeutsch sagt. Ein großer Fahrradhändler und jede Menge tolle Gastronomie, kleine Livemusik-Schuppen und Ateliers machen das Areal zu einem besonderen Ort. Direkt vor dem Fahrradladen steht ein Gin-Waggon. In dem echten Wagen der ehemaligen Hafenbahn, er steht seit 2020 wieder hier, befindet sich eine Gin-Bar. Bemalt wurde er vom Künstlerduo „Tubuku“, in Krefeld keine Unbekannten. Sie haben sich bereits mit einer Menge Streetarts in der Stadt verewigt.

Über die Jentgesallee ging es in Richtung Stadtwald weiter. Die Jentgesallee ist ganz schön zu fahren, viel los war nicht, und in der Mitte verläuft ein breiter Grünstreifen, generell ist Krefeld schon richtig grün.

Wenn man aus der Stadt hinaus in Richtung Norden radelt trifft man irgendwann auf die „Niepkuhlen“, ein Naturschutzgebiet. Das Ganze ist eine Altrheinrinne und geprägt von vielen kleineren Tümpeln oder Seen. Man kann dort an vielen Stellen ganz wunderbar spazieren gehen, Tiere beobachten und, natürlich, radeln.

Ich bin dann, recht unspektakulär, an der Landstraße entlang weiter geradelt. Dort kommt man am „Kliedter Hof“ vorbei. Man hat sich dort auf Milchviehhaltung spezialisiert, es gibt aber auch eine Partyscheune, in der ich auch schon die ein oder andere Nacht zum Tag gemacht habe. Die blaue Kuh an der Hofeinfahrt kennt in Krefeld wohl auch jeder….die Alpakas habe ich allerdings noch nicht gesehen, ich bin aber auch schon länger nicht mehr dort langgeradelt.

An einem Restaurant vorbei ging es weiter in Richtung Neukirchen-Vluyn. Ganz witzig finde ich, dass vor dem Restaurant lebensgroße Figuren stehen, bzw. sitzen, die auf die Besucherin oder den Besucher warten. Coole Idee.

Wenig später war ich dann in Neukichen-Vluyn und bin auf das Gelände der ehemaligen Zeche Niederberg zugefahren. Die Zeche war die westliche Grenze für den Steinkohlebergbau. Auch das Fördergerüst in Tönisberg gehört zu dieser Zeche. Um das Areal in Neukirchen-Vluyn findet man noch alte Zechenhäuser.

Und auf dem Gelände das Maschinenhaus und noch zwei Fördergerüste. Neben der Zeche ist ein Neubaugebiet entstanden, ganz interessantes Detail, die Straßennamen erinnern an Bodenschätze, etwa der Granitweg oder der Quarzweg.

Am Eingang zur neuen Sieglung steht eine über 4 Meter hohe Skulptur der Künstler Anatol Herzfeld und Frank Merks. Der „Bergmann“ blickt auf die alte Wirkungsstätte. Finde ich sehr passend und angemessen.

Mein Ziel lag in greifbarer Nähe. Die Halde Norddeutschland. Sie ist eine „brennende Halde“, das bedeutet im Inneren schwelt ein Kohlebrand vor sich hin. Hat mir aber auch nicht geholfen, es war kalt und wurde zusehens nasser auf dem Rad. Fieser Nieselregen durchnässte so nach und nach die Klamotten 😉

Oben auf der Halde steht das „Hallenhaus“, nicht „Haldenhaus“ wie man öfter mal liest. Es symbolisiert den Wandel im Ruhrgebiet, stellt es doch ein traditionelles Wohnstallhaus dar. Wenig später war ich dann oben auf der Halde, einen richtigen Weitblick gab es aber, wegen des Wetters, leider nicht.

Bei gutem Wetter ist es da oben oft recht voll, Menschen mit Gleitschirmen sind genauso unterwegs, wie Leute die ihre Walkingrunden drehen, mit dem Bike unterwegs sind oder Drachen steigen lassen. Das Plateau ist ein echter Treffpunkt in der Region. Dank des Wetters war ich am Samstag allerdings nahezu allein auf weiter Flur ;).

Mir ordentlich Schwung ging es von der Halde abwärts in Richtung Neukirchen. Dabei bin ich an dieser großen Plastik vor einem Fotostudio vorbei gekommen. Glaubt man dem Schild welches dort steht, ist die Plastik Teil der Bühnendeko der Oper „Turandot“ 2002 in Salzburg gewesen. Wie auch immer, auf jeden Fall ein Hingucker.

In Neukirchen ging es an der schönen Dorfkirche vorbei und dann so langsam wieder in Richtung Krefeld zurück.

Über die Krefelder Straße bin ich dann in Richtung Grafschafter Rad- und Wanderweg gefahren, auf dem ich dann bis zum Bahnhof Hülser Berg geradelt bin.

Der Rad- und Wanderweg ist einfach klasse, führt von Moers nach Hüls und ist gut ausgebaut und schön zu radeln. Eine echte Empfehlung.

Ganz in der Nähe des Bahnhofs am Hülser Berg, der von der historischen Eisenbahn „Schluff“ angefahren wird, wenn nicht gerade ne Corona-Pandemie herrscht, befindet sich das Umweltzentrum Krefelds. Dort gibt es, neben vielen Pflanzen, auch geniale Streetart zu entdecken. Unter dem Namen „Woodart-Gallery“ haben sich dort internationale Künstlerinnen und Künstler ausgetobt und Großartiges geschaffen. Wenn ihr mal da seid, schaut es euch an, es lohnt sich. HIER gibt es Infos dazu.

An der Pauluskirche vorbei habe ich dann die letzten Meter unter die Reifen genommen und hatte am Ende etwas über 50 Kilometer auf dem Tacho. Eine schöne, wenn auch bisweilen etwas nasse, Tour, die wirklich gut getan hat.

Wie so oft, habe ich auch noch einen kleinen Relive Clip für Euch. Wie immer gilt, wenn ihr irgendwelche Fragen, Anregungen und Hinweise habt, ab in die Kommentare damit.

Also, bleibt gesund und munter, haltet die Ohren steif und achtet auf euch und eure Mitmenschen.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

9 comments

  1. Hallo Martin,
    schön und interessant wie immer.
    Besonders der Beitrag zu der Feuerwehr hat mir sehr gut gefallen.
    Meine beiden Jungs sind auch beide bei der Berufsfeuerwehr einmal in Wuppertal und einmal als Brandmeisteranwärter in Dortmund.
    LG Dagmar

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