Hügel, Halde, Christoph und Natur

Hallo zusammen,

es ist mal wieder Zeit für einen neuen Blogbeitrag. Die Tour dazu ist auch schon wieder ein paar Tage her, ihr wisst ja, man kommt zu nichts ;). Dieses Mal nehme ich Euch mit auf eine Tour, die bei mir vor der Haustür gestartet ist. Nachdem ich zuletzt viele Touren mit einer Bahnfahrt begonnen habe, ging es dieses Mal direkt in Krefeld los. Früh Morgens, damit man lange was vom Tag hat, ging es in Richtung Kapuzinerberg. Vorbei am Mies van der Rohe Business Park ging es in Richtung Inrath. Ich mag das Ensemble rund um den Business Park sehr. Diese klaren Linien, bester Bauhaus-Stil, und die tolle ganze Kulisse dort. Vor einiger Zeit habe ich dort auch mal eine Tanzveranstaltung besucht und das Ambiente ist ziemlich genial.

Wie immer ist hier alles unbeauftragt und unbezahlt. Wisst ihr ja. Nun ja, von dort aus führte mich mein Weg dann zum Kapuzinerberg, in Krefeld auch oft MountMüll oder Monte Müll genannt. Das liegt daran, dass der 77 Meter hohe Hügel eine ehemalige Müllkippe ist. Begrünt und Anfang der 2000er Jahre für die Öffentlichkeit freigegeben ist er jetzt wunderbar zum wandern oder eben zum rauf radeln geeignet.

Der Blick auf Krefeld ist auch ganz interessant, zumal im Sonnenaufgang. Man sieht, unter anderem, auch den Schornstein des Kesselhauses des Business Parks. Aber auch die vielen Kirchen der Stadt. Um die frühe Uhrzeit war ich fast allein und konnte ein wenig den Ausblick und die Ruhe genießen.

Vom Kapuzinerberg ging es dann wieder runter und durch das wundervolle Hülser Bruch. Dort zu radeln ist jedes Mal ein bisschen wie Urlaub, Waldwege, viel grün und tolle Natur. Überhaupt eine schöne Ecke. Ich bin in Richtung des Bahnhofs des Schluff am Hülser Berg gefahren.

Auf dem Weg dorthin bin ich am Umweltzentrum vorbeigefahren, nach wie vor finden sich dort die genialen Kunstwerke der „Wood Art Gallery“ , welche im Rahmen des Krefelder Perspektivwechsels entstanden sind. Schon fünf Jahre alt, aber immer noch richtig stark. Wenn ihr in der Ecke seit, unbedingt mal anschauen.

Am Bahnhof Hülser Berg angekommen, kann man wunderbar auf den Grafschafter Rad- und Wanderweg einschwenken. Wie so viele wunderbare Radwege in der Region ist auch dieser größtenteils auf einer ehemaligen Bahntrasse angelegt und führt, unterbrochen von der A57 von Hüls bis nach Moers. Genau an dieser Unterbrechung, man radelt einen kleinen Umweg um unter einer Brücke die Autobahn zu unterqueren, liegt auch das Schloss Lauersfort. Das ehemalige Rittergut ist in Privatbesitz und für uns Krefelder nicht uninteressant, dort wurden die sogenannten Lauersforter Phalera gefunden. Was es damit auf sich hat und warum das für Krefeld spannend ist, könnt ihr Euch in diesem Clip hier mal in Ruhe anschauen, für den Inhalt ist, natürlich, der Ersteller verantwortlich 😉

Nach dem kurzen Abstecher ging es wieder auf den Radweg und weiter in Richtung Moers. Mein Ziel war, wieder mal, der Eisenbahnabzweig Meerbeck für eine kurze Pause und ein bisschen Eisenbahnen gucken. Der Weg dorthin ist einfach klasse, die Idee des Grafschafter Rad- und Wanderweges kann man echt nur loben.

In Moers angekommen bin ich dann zum Abzweig Meerbeck gefahren. Hier kommen etliche Güterzüge vorbei, die ins Ruhrgebiet fahren oder von dort kommen. Direkt nebenan liegt ein Standort der Firma Ineos, welche auch über die Schiene beliefert wird. Als ich gerade ankam, fuhr gerade in langer Kesselwagen aus dem Werksgelände heraus.

Überhaupt kann man, wenn man sich für Eisenbahnen interessiert dort ne Menge entdecken. Einmal den Abzweig mit recht viel Verkehr, aber dahinter liegt auch ein Brachgelände auf dem man einige alte Lokomotiven findet. Durchaus auch sehr spannend.

In diesem EuroTec Gleände findet man, neben etliche alten Grubenlokomotiven auch eine „Jung ED 80 t“, 1971 wurde die Lokomotive an die Eisenbahn und Häfen ausgeliefert und sie tat ihren Dienst bis in den Juli 2007. Jetzt steht sie als Denkmal dort. Ich hoffe, sie wird noch ein bisschen aufgehübscht und bekommt irgendwann mal einen prominenteren Platz als auf einem Hinterhof. Überhaupt findet man dort eine Menge Patina auf den alten Gerätschaften.

Mein nächstes Ziel war die Halde Rheinpreußen und das dortige „Geleucht“. Also ging es weiter, einmal um die Firma Ineos herum, auf der einen Seite wurden ja Kesselwagen herausgezogen, auf der anderen Seite konnte ich Rangierarbeiten auf dem Gelände beobachten. Die M700 von Krauss Maffei war gut beschäftigt und schon und zog Wagen hin und her.

Jetzt aber genug mit Eisenbahnen, es ging auf die Halde. Auch dieser Fotopunkt ist, gerade in Zeiten in denen vieles geschlossen ist, sehr gut besucht. Ich hatte Glück, ähnlich wie neulich am Baldeneysee, war ich recht früh dort und so traf ich auf zwei Mountainbiker und eine Familie die Versuchte einen Luftvogel steigen zu lassen und ansonsten war niemand da. Herrliche Ausblicke, auch über die bunten Herbstfarben bieten sich von dort oben. Das Geleucht an sich, die große Nachbildung einer Grubenlampe, war geschlossen, und ist es aktuell wegen Corona gleich ganz, aber auch von dessen Fuß ist die Sicht grandios.

Eben noch von hoch oben fotografiert, ging es dann die Halde hinab und runter an den Rhein. In Baerl bin ich dann direkt am Fluss entlang in Richtung Orsoy gefahren. Dabei ist man dann auch den Schiffen sehr nah. Hier zum Beispiel die „Stiro“, Baujahr 1973, hieß mal „Teuteburger Wald“ und ist aktuell in den Niederlanden zugelassen. Ich mag das ja sehr, den Schiffen zu zusehen, es hat was meditatives, irgendwie.

Der Weg dort ist aber auch wirklich schön, die ganze Kulisse ist so „typisch Niederrhein“, es gibt Kühe, aktuell viele Gänse, dazu tolle Bäume, den Rhein und beim Blick zurück schaut mal auf das Geleucht.

Ein bisschen ging es dann weg vom Rhein, Richtung Binsheim und dann auf Orsoy zu, die Region ist toll zum radeln, und man entdeckt auch immer was interessantes. Das hier ist wohl einer dieser Schlafschaf-Herden von denen die Querdenker immer so gern sprechen. Wusstet ihr übrigens, dass Schafe absolut intelligente Tiere sind, die bis zu 70 verschiedene Gesichter erkennen können? Sollte man im Hinterkopf haben, wenn man von uninformierten Menschen mit Youtube-Ausbildung mal wieder als Schlafschaf bezeichnet wird. Nur mal so am Rande…

In Orsoy angekommen war es dann Zeit für eine Pause und einen kleinen Snack. Wie überall sonst auch, geht das natürlich aktuell nur „für auffe Hand“, das tut dem Geschmack aber keinen Abbruch. Und wenn man sich dann noch mit seiner CurrywurstPommes auf den Deich setzten und Schiffe gucken kann…herrlich.

Gestärkt und voller Tatendrang habe ich den Rest der Tour geplant. Mit der Fähre sollte es über den Rhein gehen, dann auf die HOAG Trasse und später vielleicht noch an der Unfallklinik in Duisburg vorbei, ein, zwei Fotos vom Rettungsheli Christoph 9 machen. Also, weiter ging es zur nächsten Etappe, der Fähre von Orsoy nach Walsum. Die „Glück Auf“ fährt schon seit 1958 hin und her und ich finde das immer klasse, es gehört für mich als gebürtiger Duisburger irgendwie zu vielen Ausflügen einfach dazu.

Kurz vor der Auffahrt auf die HOAG Trasse, ebenfalls eine alte Bahntrasse, welche von Duisburg Walsum nach Oberhausen Sterkrade führt, steht dieser schöne alte Mercedes auf einer Wiese. Was er wohl für eine Geschichte hat? Mal sehen, wie lange er dort noch steht.

An vielen Stellen findet man mittlerweile weiße Fahrräder, sogenannte „Ghost Bikes“, die auf Unfallopfer im Straßenverkehr hinweisen sollen. An der Auffahrt zur Trasse findet man so etwas hier in Duisburg in Orange und mit einer Botschaft drauf. Finde ich eine gute Idee.

Jetzt ging es aber endlich auf die Trasse und in Richtung Oberhausen. Die Strecke ist super ausgebaut und man radelt quer durch den Pott, hier wurde es erstmals auf dem Tour ein wenig voller. Während ich gedankenversunken vor mich hin radelte, drang ein bekanntes Geräusch an mein Ohr, das klang nach einem tieffliegenden Hubschrauber. Sekunden später drehte Christoph 9 über dem Sportplatz des TV Walsum Aldenrade ein. Da ich kein Gaffer, aber begeisterter Helifotograf bin, habe ich gewartet, bis die Polizei die medizinische Crew zum Einsatzort gebracht hatte und habe dann ein, zwei Bilder des Hubschraubers gemacht. Wer meinem Blog schon länger folgt, der weiß das ich seit langem eine „Beziehung“ zu diese Hubschrauber und seinen Einsätzen habe. Hier gibt es ein paar Infos dazu: Christoph 9

Recht fix kam die Crew auch zurück und es wurde wieder gestartet. Ich bin jedes Mal aufs Neue davon beeindruckt, wie routiniert und schnell sowas abläuft. Ich hoffe, ich brauche sie nie, bin aber froh, dass es sie gibt, „Helden von Buchholz“ 😉

Für mich ging es dann wieder auf die Trasse und weiter nach Oberhausen. Man kommt sehr gut voran, auch wenn es, wie schon geschrieben, etwas voller wurde. In Sterkrade angekommen ging es am Fördergerüst der ehemaligen Zeche dort vorbei. Es ist schon spannend, dass man, wenn man nach so einer Tour ein bisschen recherchiert interessante Dinge herausfindet. So ist diese Gerüstbauart nach Anton Friedrich Zschetzsche benannt, welcher auch an der Müngstener Brücke mitgewirkt hat. Das ganze Ensemble ist erhalten geblieben und ein, viel fotografiertes, Denkmal geworden.

Gemächlich knatterte auch ein Bannerflieger über die Zeche. Ob das jetzt wirklich DER Shop ist, den man per Flugzeug bewerben muss? Nun gut, jeder wie er mag. Ein kurzer Test hat übrigens bei mir gerade ergeben…die Seite ist nicht erreichbar 😉

Von der HOAG Trasse bin ich dann, nahtlos, auf den Weg „Grüner Pfad“ abgebogen. Der Weg, Überraschung, führt auf einer alten Bahntrasse von Sterkrade nach Duisburg Ruhrort. Anders als bei einigen anderen ehemaligen Gleisanlagen kann ich mich hier noch sehr gut an Eisenbahnverkehr auf der Strecke erinnern. Schon beeindruckend, dass man dort jetzt ganz entspannt radeln kann. Unter anderem führt der Weg auch am Landschaftspark Duisburg vorbei, jedes Mal einen Stop wert.

Neben tolle Streetarts, ich hatte Euch hier schon mal ein paar gezeigt, gibt es auch ne Skateranlage und bei dem schönen Wetter waren auch einige Leute mit ihren ferngesteuerten Autos unterwegs. Aus der ehemaligen Industrie ist ein richtig tolle Angebot für die Gestaltung der Freizeit geworden. Finde ich super.

Eigentlich wollte ich bis nach Hause radeln, aber ein schleichender Platten machte dem einen Strich durch die Rechnung. Ich bin dann über Ruhrort und das Ruhrwehr in Duisburg in die Duisburger Innenstadt gefahren. Dort habe ich dann den Zug für die letzten Kilometer genommen. Trotzdem war es eine wunderschöne Tour bei bestem Wetter und mit 78 Kilometern auch mit einer schönen Länge.

Ich habe noch einen Relive Clip für Euch und hoffe, die Einblicke und Fotos haben Euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Beste Grüße, euer
Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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