Die Seele brennt – und die Beine auch. Von Krefeld über Mönchengladbach nach Grefrath

Hallo zusammen,

ich bin mittlerweile fast im „Jetzt“ angekommen mit meinen Blogbeiträgen. Dieses Mal nehme ich Euch mit zum Fußball, zur einer Burg und zu Flugzeugen. Aber, fangen wir vorne an. Seid ihr Fußballfans? Fiebert ihr mit einem Verein, tippt ihr Ergebnisse, könnte ihr die Begeisterung für diese Sport teilen? Nun, meine Karriere als Fußballfan ist noch gar nicht sooo alt, hat aber trotzdem schon das ein oder andere intensive Erlebnis hervorgebracht. Gönnt mir ein paar Sätze der Einleitung, die mit einem Archivbild von mir endet und dann startet der Bericht über diese Radtour ;). Als gebürtiger Duisburger hat mein Vater mich ab und an, vielleicht drei, vier Mal, mit ins Stadion genommen, wenn der MSV Duisburg spielte. Ich fand es ganz interessant, mehr aber auch nicht. Recht früh wurde die Fleigerei meine Leidenschaft, sportlich kam der Motorsport hinzu. Fußball hab ich ab und an im TV geschaut, aber mehr war da nicht. Und dann bin ich nach Grefrath gezogen. Durch den Vater meiner Frau kamen wir irgendwann an Karten für ein Heimspiel von Borussia Mönchengladbach. Es war diese Phase der Mannschaft, als wenig zusammenlief, es muss so 2010 herum gewesen sein, vielleicht auch etwas eher. Mein erster Stadionbesuch seit, keine Ahnung, ewig. Und es hat mich gepackt, es war wie eine Erweckung. Die Stimmung im Stadion, die Gesänge, die Lautstärke. Es war anders als ich es in Erinnerung hatte. Seit diesem Tag versuchte ich wieder öfter Live dabei zu sein, für mich DAS Fußballerlebnis geschah dann am 19. Mai 2011. In der Nachspielzeit schoss Igor de Camargo das 1:0 in der Relegation gegen den VfL Bochum. Was dann im Borussia Park geschah hatte ich so noch nie erlebt. Emotion, Energie, Leidenschaft und unbändige Freude. Beeindruckend. Spätestens seit diesem Tag ist Borussia Mönchengladbach mein Verein, ich hab Spieler wie Reus, Neustätter, Dante, Stranzl, Arango, Bobadilla, ter Steegen und Daems erlebt, fieber heute mit Sommer, Hermann, Wendt, Stindel, Plea und Hofman mit und finde diese Art des Vereins aufzutreten, die Verbundenheit mit der Region und die ganze Tradition die hier mitschwingt einfach klasse. Man muss ins Stadion gehen um die Faszination hautnah zu erleben. Ein Spiel im TV kann dir niemals das bieten, was Du live erlebst.

So, und jetzt zur Tour, ich bin mal wieder von zuhause, also aus Krefeld, gestartet. Ziel war der Mönchengladbach, dort der Bökelberg, die einstige Heimspielstätte von Borussia Mönchengladbach und der Borussia Park, das aktuelle Stadion. Los ging es in der Krefelder Innenstadt. Viele meinen ja, die Stadt sein hässlich, das stimmt aber nicht, im Gegenteil, es gibt so viel wunderbares zu entdecken. Die Häuser am Corneliusplatz zum Beispiel haben richtig Charme.

Ich bin bis nach Willich geradelt und dort dann auf die alte Bahntrasse aufgefahren. Der Weg ist super und führt fast bis zum Flughafen in Mönchengladbach. Man kommt am alten Stahlwerk Becker vorbei, radelt an Bahnwärterhäuschen, einer aufgesockelten Lokomotive und immer wieder eisenbahntypischen Dingen vorbei. Kunstvoll bemalte und geschmückte Fahrräder gibt es am Wegesrand ebenfalls zu bestaunen. Eine wirklich schöner Weg ist das geworden.

Ihr kennt mich, so richtig kann ich ja an keinem Flugplatz vorbei fahren und so gab es auch einen Abstecher zum Flugplatz Mönchengladbach. Viel los war nicht, aber ein Foto der dort als Dekoration abgestellten Fokker reichte es in jedem Fall. Eigentlich eine Schande, dass sie da so vor sich hin gammelt, da stehen etliche Jahre Luftfahrtgeschichte. 1969 hatte sie ihren ersten Flug, damals ging sie an Korean Airlines, später flog sie noch für die isländische Flugleidir, Citylink Airways und schließlich WDL….tolles Flugzeug.

Die modernen Flieger der dortigen Flugschule standen abgestellt auf dem Vorfeld, genau wie Hubschrauber. Überhaupt war am Platz nicht viel los. Zwei Spaziergänger kamen mir entgegen, ansonsten war es still.

Das auch die Flughafengastronomie im Lockdown ist, zeigt der Blätterhaufen vor dem Tor zu Terrasse, eigentlich sitzen dort immer ein paar Wandernde oder Radelnde und machen Pause. Dieses Mal nicht.

Vom Flugplatz ging es, erneut vorbei an der Trabrennbahn, auf einen wundervollen Rad- und Fußweg an der Niers entlang. Schnurgerade, baumbestanden und gut zu radeln brachte er mich weiter in Richtung Mönchengladbach.

Ein paar Meter vor dem Hauptbahnhof erhält man freie Sicht auf das Gleisvorfeld. Dort standen einige Wagen der Centralbahn und diese V100 Lokomotive. Baujahr laut Netzrecherche 1969. Hat was, diese Form der Lokomotive gefällt mir eh, ein bisschen frische Farbe täte ihr gut.

Und dann? Durch das ein oder andere Wohnviertel, ein bisschen links, ein bisschen rechts und dann einmal steil bergauf. Wo man früher seinen Wagen abgestellt hat, seinen Schal und sein Trikot aus dem Auto nahm, da gibt es heute edles Wohnambiente und feine Straßenzüge. Und dann, einem kleinen Wegweiser folgend steht man auf den Rängen des ehemaligen Stadions am Bökelberg, die Abstufungen sind noch gut zu erkennen, es weht die eine oder andere Fahne von Borussia Mönchengladbach und irgendwie, nennt mich albern, fühlt es sich dort….geschichtlich an. Keine Ahnung, vielleicht auch nur sentimentaler Quatsch, aber dennoch irgendwie…schön.

Ein paar Meter weiter, an dem Platz, an dem früher mal die Geschäftsstelle war, gibt es heute ein Denkmal, ein paar Quadratmeter Kunstrasen, eine Anzeigetafel und eine Infosteele erklären dem interessierten Beobachter, dass hier die Keimzelle dessen ist, was heute in der Champions League spielt.

Von dieser historischen Stätte aus war klar, wo es als nächstes hingehen musste. Vorbei am Kaiserpark und dem Bunten Garten führte mein Weg in Richtung Borussia Park.

Kurz nachdem ich die Autobahn überquert hatte, wurde es grün, schwarz und weiß, die Farben der Borussia. Es ist komisch wenn man an einem normalen Tag zum Stadion fährt, an einem Tag ohne Heimspiel. Wenn man es dann noch zu Corona-Zeiten tut, Zeiten, in denen die Straßen leerer sind als sonst, an denen es still ist rund um den Borussia Park, dann ist es erst recht merkwürdig.

An der Gedenkstätte für die gefallenen Aktiven vorbei bin ich dann am Stadion angekommen. Ein paar Jogger kamen mir entgegen, ansonsten war es still. Ich merke, mir fehlen die Spiele, mir fehlt die Stimmung.

Ich hoffe, dass es bald wieder möglich ist, seinen Verein im Stadion anzufeuern, sich Gesangsduelle mit den Gästefans zu liefern, zu fachsimpeln und zu wissen, dass man, stünde man selbst auf dem Feld oder säße auf der Trainerbank, es deutlich besser könnte 😉 . Fußball gucken halt.

Vom Stadion aus ging es im Sattel weiter in Richtung Viersen Dülken. Dort wollte ich mir ein paar Eisenbahnen anschauen, durch Dülken führt die Trasse vom Ruhrgebiet nach Venlo und gelegentlich kriegt man dort ganz spannende Eisenbahnen zu sehen. Über wenig befahrene Landstraßen ging es also in Richtung Dülken.

An der Fotostelle am Bahngleis steht auch ein Wassertrum, 55 Meter hoch, Platz für 2000 m³ Wasser und früher gab es dort auch mal ein Restaurant, die Aussicht war sicher toll.

Richtig interessante Züge habe ich während meiner Pause leider nicht vor die Linse bekommen, lediglich den Umlauf der Eurobahn von und nach Venlo.

Kritisch beäugt wurde ich dabei von diesem Vogel hier. Er saß die ganze Zeit auf dem Fahrdraht und schaute zu mir runter….also, womöglich eher ins Feld um mich herum, ob es da was leckeres zu futtern gibt, aber auf jeden Fall fühlte ich mich beobachtet.

Als mir langsam kalt wurde, habe ich mich wieder aufs Rad geschwungen und bin weiter in Richtung Grefrath gefahren. Dazu bin ich durch das Waldgelände „Hoher Busch“ gefahren, dort steht auch, auf dem höchsten Punkt Viersens, der Bismarckturm, ehemals als Aussichtsturm gebaut, sind die Bäume drumherum mittlerweile höher als der Turm, außerdem ist er geschlossen, soll aber wohl saniert werden.

Von dort aus ging es an Süchteln vorbei an die Niers und weiter in Richtung Grefrath. Die Herbstfarben kamen in der langsam tiefer stehenden Sonne wirklich gut zur Geltung, Fahrradfahren ist so viel mehr als mit dem Fahrrad zu fahren. Der direkte Bezug zur Natur macht es zu etwas besonderem, finde ich.

Ein letzter, längere Stopp stand dann am Flugplatz in Grefrath auf dem Programm. Von der Burg Uda kommend habe ich die Niers überquert und bin dann zum Tower des kleinen, aber feinen Platzes gefahren.

Der Platz liegt direkt an der Niers und ist, besonders im Sommer, immer für das ein oder andere Flugzeugfoto gut. Die Gastronomie, die bei meiner Tour natürlich geschlossen war, liegt direkt am Rollfeld und so kann man dort Flieger gucken und was Essen und Trinken. Ich bin sehr gern an diesem Flugplatz, es gibt Fallschirmsprungbetrieb, Segelflieger, ab und zu Helikopter und viele Motorflieger. Auch Kunstflug findet hier des öfteren statt. Also, ein tolles Ausflugsziel. Ich habe mir den Start einer Piper angesehen und bin dann weitergefahren.

…und ab in den Sonnenuntergang. Es wurde langsam richtig frisch und knappe 20 Kilometer lagen ja noch vor mir. Also, der Sportmaschine hintergeschaut, auf den Sattel geschwungen und weiter ging es in Richtung Krefeld.

Man merkt, es wird Winter, die Sonne ist mittlerweile recht fix verschwunden. In Kempen war es dunkel und so musste das letzte Foto dieser Tour mit ruhiger Hand, aber ohne Tageslicht gemacht werden. Die Kapelle Sankt Peter in Kempen.

Eine schöne Tour am Niederrhein war das, mit ein bisschen Fußball-Begeisterung, dem einen oder anderen Flugzeug und vielen schönen Kilometern. Etwa 86 Kilometer waren es am Ende. Wie immer habe ich noch einen Relive Video für Euch und hoffe, Euch hat die Tour gefallen.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Die Seele brennt – und die Beine auch. Von Krefeld über Mönchengladbach nach Grefrath

  1. Martin, Du hast wieder eine sehr schöne Tour gefahren👏….nur für nicht Ebiker und aus DU zu lang😉, aber vielleicht in eine Mehrtages-tour einzubinden oder aufzuteilen???? Ich überlege dies, da wir in 2021 noch einmal in die Region Grefrath radeln wollen! Kannst Du mir die GPX-Daten schicken?
    Danke im Voraus
    Petra

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