Hohes Wasser und eine hohe Halde – Tour durchs Ruhrgebiet

Hallo zusammen,

es gibt mal wieder einen Blogbeitrag und dieses Mal ist er sogar noch relativ aktuell 😉 . In den letzten Tagen zeichnete sich das Wetter vor allem durch Regen aus, langanhaltenden Regen. Umso schöner war es am zweiten Weihnachtstag auf dem Rad. Es gab eine Regenpause und die wollte genutzt werden.

Gestartet bin ich mit dem Rad in Duisburg. Dank Deutschland-Ticket ist die Bahn immer eine gute Option, wenn es um Radtouren geht, die vielleicht nicht immer direkt vor der Haustüre anfangen sollen. Und, seien wir ehrlich, meistens klappt es ja am Ende auch immer ganz gut mit der Bahn. Am zweiten Weihnachtstag gab es zwar das ein oder andere Problemchen, aber ich kam schließlich, mit nur vier Minuten Verspätung, in Duisburg an. Andere hatten nicht soviel Glück, zwischendurch fielen Züge auch mal ganz aus. Diese Anzeigetafel ist ja schon irgendwie witzig. Der eine Zug kommt gar nicht, der andere auf einem neuen Gleis und beim letzten fehlen einfach Wagen…nun ja, wird 2024 sicher besser 😉 .

In Duisburg angekommen ging es erstmal ein Stück nach Westen und dann in Richtung Ruhrort. Direkt auf dem Bahnhofsvorplatz prangt seit einiger Zeit der neue Solgan des Duisburger Stadtmarktings, passend zum Datum sogar mit Weihnachtsmütze. Duisburg ist echt.

Nach kurzer Fahrt kam die Kalr-Lehr-Brücke in Sicht, oder besser, die Karl-Lehr-Brücken. Eines der größeren Infrastrukturprojekte in Duisburg war und ist der Neubau der Karl-Lehr-Brücke. Nach einem ehemaligen Duisburger Oberbürgermeister benannt zieht sich der Brückenzug über die Ruhr, den Hafenkanal und einige Meter weiter auch noch über den Vinckekanal.

Die Brücke muss erneuert werden und so wurde in den letzten Monaten eine neue Brücke neben die alte gebaut. Seit Mitte Dezember ist die neue schon befahrbar. Im kommenden Jahr soll die alte Brücke abgerissen werden und bis 2025 die neue an die Stelle der alten verschoben werden. Schon beeindruckende Ingenieuerskunst.

Auf jeden Fall bin ich jetzt zum ersten Mal über die neue Brücke gefahren. Ist schön geworden, vor allem mit dem deutlich markierten Radweg.

Vorbei an einem Stromkasten mit maritimer Streetart ging es über die Brücken und weiter nach Ruhrort hinein.

Von der Brücke über den Vinkekanal gelingt der Blick zum einen auf die Boote der Wasserschutzpolizei, zum anderen konnte ich auf die Verladestelle von Haeger & Schmidt schauen. Dort lag ein sogenanntes KüMo, ein Küstenmotorschiff zur Bealdung. Diese Schiffe sind seegängig und verbinden die Binnenhäfen miteinander.

Keine Tour nach Ruhrort ohne einen Besuch in der Schimanskigasse. Der Duisburger Kommisar aus dem Tatort, gespielt von Götz George, hat immer noch Kultstatus in Duisburg, auch wenn er ein Image der Stadt verkauft hat, an dem das aktuelle Stadtmarketing immer noch zu knabbern hat.

Am zweiten Weihnachtstag stand das Wasser in Duisburg verdammt hoch. In Ruhrort lagen die großen Schubschiffe fast auf Augenhöhe auf dem Rhein. Es ist schon beeindruckend, welche Macht das Wasser hat und wie klein wir Menschen dann doch im Vergelich zur Kraft der Natur sind.

Mit knappen 9 Meter 40 war der Pegelstand zwar noch etwas vom Rekordpegel von 13 Metern irgendwas in den 1920ern entfernt, hoch stand das Wasser trotzdem.

Die Mühlenweide, eine große Wiese direkt am Rhein stand auf jeden Fall unter Wasser. Wo sonst Feste und Flohmärkte stattfinden, hätte es am zweiten Weihnachtstag maximal für ne Regatta gereicht.

Von Ruhrort aus habe ich dann einen Ort angefahren den ich, wenn ich in Duisburg bin, eigenlich nie auslasse. Die sogeannte Graffiti-Brücke oder den Graffiti-Tunnel in Meiderich. Dabei handelt es sich um eine Unterführung, deren Wände immer wieder mit starker Streetart bemalt wird. Auch dieses Mal gab es wieder eindrucksvolle Bilder zu sehen.

Besonders dieses Wikingermotiv ist richtig stark. Fotos sind eine Sache, die Werke live vor Ort zu sehen, eine ganz andere. Gerade da diese Ecke ziemlich, sagen wir, ranzig wirkt, kommt diese außergewöhnliche Kunst dort so richtig zur Geltung.

Mag ich sehr. Der „Grüne Pfad“ ist ein Radweg auf einer ehemaligen Industriebahntrasse und führte mich in Richtung Landschaftspark Nord. Ein toller Moment war es, als diese Lokomotive von Thyssen einen Güterzug über die Brücke gezogen hat, quasi „alt hergebrachte Nutzung“  trifft auf neue Mobilität.

Wer sich für Industriekultur interessiert ist im Landschaftspark Duisburg Nord goldrichtig. Es gibt nicht nur die Möglichkeit auf einen Hochofen zu steigen, es gibt auch Tauch- und Klettermöglichkeiten. Zudem finden immer wieder abwechslungsreiche Veranstaltungen dort statt. Die Palette reicht da von 24 Stunden Radrennen bis zu Open Air Kino Vorstellungen.

Und auch hier findet sich starke Streeetart. In einem ehemaligen Kohlelager lohnt es sich sehr, immer mal wieder einen Blick auf die Wände zu werfen.

Und wo wir gerade beim Thema Kunst sind, wer den „Grünen Pfad“ weiter radelt, kommt an kleinen Häusern vorbei.

Die 1:25 Modelle von Gebäuden aus dem Ruhrgebiet sind Teil des Emscherkunstweges. Das Projekt heißt „Neustadt“. Die Gebäude sind im Original alle längst abgerissen. Hier, zwischen Landschaftspark und Autobahn leben sie weiter. Mehr Infos dazu findet ihr HIER.

Schon irgendwie cool. Über den „Grünen Pfad“ bin ich weiter in Richtung Osten gefahren, weiter in Richtung Oberhausen Osterfeld.

In Osterfeld gab es sogar eine Bergmannskapelle zu sehen 😉 Die Jungs spielten allerdings nicht.

Dort befindet sich auch ein Bahnbetriebswerk und ein Rangierbahnhof. Wenn ich in der Ecke bin, fahre ich da eigentlich immer mal rum, irgendwas interessantes gibt es immer zu entdecken. Dieses Mal zum Beispiel diese Class 77 und eine kleine Rangierlokomotive.

Zwischen Emscher und Rhein-Herne Kanal fühtr mich mein Weg dann weiter in Richtung Tetraeder, meinem Ziel der Tour. Während der Rhein-Herne Kanal über Schleusen geregelt ist und vom Hochwasser nicht viel zu sehen war, führte die Emscher deutlich mehr Wasser als sonst.

Der tanzende Strommast heißt übrigens „Zauberlehrling“ und ist ein weiterers Kunstwerk auf dem Emsterkunstweg.

Von der Emscher weg, an Burg Vondern vorbei ging es weiter nach Osten.

Apropos Emscher. Der Tetraeder auf der Halde in Bottrop heißt eigentlich „Haldenereignis Emscherblick“ wird aber landläufig nur als Halde Bottrop oder eben Tetraeder bezeichnet. Die Idee, auf alten Halden im Ruhrgebiet Kunstwerke zu installieren, in diesem Fall sogar ein begehbares Kunstwerk, finde ich genial.

Die Aussicht von dort oben ist immer wieder beeindruckend. Ob es nun der Blick zu einem Fußballtempel ist, hier die Arena auf Schalke…

…oder zu einer katholischen Kirche, in diese Fall die 1924 fertiggestellte Sankt Jospeph Kirche.

Faszinierend ist es immer. Selbst der Doppelbock von Prosper Haniel ist in der Ferne zu erkennen. Also, wenn ihr mal in der Region seid, erklimmt die Halden des Ruhrgebiets.

Nach einer Pause ging es rasant bergab und dann weiter in Richtung Mülheim. Dort habe ich mich dann auf den RS1, den Radschnellweg gesetzt und bin zur Ruhr gefahren. Auch die hatte ordentlich Hochwasser und eine hohe Fließgeschwindigkeit.

Der nächste Halt war dann in Ratingen Lintorf. Normalerweise stoppe ich dort um Eisenbahnen zu fotografieren, dieses Mal wollte ich aber einfach einen kleinen Moment innehalten. Etwa an dieser Stelle habe ich meine 9.000 Kilometer Challenge geschafft. 😉

Anfang des Jahres 2023 hatte ich mir vorgenommen 9.000 Kilometer auf dem Rad zurück zulegen. Das hat dann am zweiten Weihnachtstag geklappt. Neben der Arbeit und trotz einiger Ausfälle des Materials und mir 😉 hat es am Ende gerreicht und ein wenig freue ich mich darüber schon. Was es damit auf sich hat und wie das Jahr so verlaufen ist könnt ihr HIER nachlesen.

Für mich ging es dann, bei immer schneller schwindendem Tageslicht, weiter in Richtung Heimat. Mittels Brücke ging es über die A52 und dann weiter in richtung Flughafen Düsseldorf.

Mit diesem Foto einer Boeing 757 der Condor war es das dann auch mit Bildern dieser Tour. Den Rest habe ich dann, bei einsetzendem Regen, mit der Kamera in der Tasche zurück gelegt. Am Ende der Tour waren es knappe 90 Kilometer und ich war echt zufrieden. Meine Herausforderung habe ich geschafft, und bei der Tour habe ich viel gesehen. Radfahren ist dann eben doch immer wieder auch ein kleines Abenteuer und Erlebnis.

Ich habe auch wieder einen kleinen Relive Clip erstellt und hoffe, wie immer, die Tour und der Blogbeitrag haben euch gefallen. Bleibt gesund und munter und seid nett zu euren Mitmenschen.

Bis bald,
Euer Martin

 

 

 

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