Von Duisburg nach Essen – eine Tour durchs Ruhrgebiet

Hallo zusammen,

eine weitere Radtour stand am letzten Wochenende auf dem Programm. Dieses Mal sollte es das Ruhrgebiet werden, mit Zechen und Halden und Bahntrassen und allem drum und dran. Als Startpunkt habe ich mir den Duisburger Hauptbahnhof rausgesucht. Los ging es, recht früh, also in Krefeld am Bahnhof mit dem Zug.

Um diese Uhrzeit, zumal an einem Sonntag, ist das ganz schön, man sitzt fast allein im Zug. Pünktlich war die Bahn dieses Mal auch wieder und so stand einer Tour ab Duisburg nichts im Wege. Dort angekommen stolpert man direkt über ein großes Relief der Stadt auf dem Fußboden.

Ein wenig weiter radelt man am Denkmal für die Verstorbenen der Loveparade vorbei. Schon eine eindrückliche Sache. Zum einen das Denkmal, zum anderen bekommt man in dem Tunnel, welcher viele Gleise unterquert, schon beim durchradeln an einem sonnigen, ruhigen Sonntag Beklemmungen, sich vorzustellen, wie es hier bei einer Massenpanik zugeht, macht einem eine heftige Gänsehaut und lässt einen, mich zumindest, sehr nachdenklich zurück. Die menschlichen
Silhouetten an den Wänden tun ihr übriges.

Ich war froh, wieder an der frischen Luft weiter zu fahren. Aber, und das ist wichtig, einen Ort gegen das Vergessen und für eine Trauerarbeit zu haben, halte ich für wichtig. Das ehemalige Güterbahnhofgelände wird zur Zeit abgerissen und somit zu einem echten Filetstück in Innenstadtnähe. Aktuell sieht es dort aber eher aus wie Kraut und Rüben als nach Fielt 😉

Immer wieder interessant zu sehen, wie schnell sich die Natur in solchen Ruinen ihre Plätze zurück erkämpft. Das Grün dort ist halt schon recht kraftvoll. Mal sehen, wie sich dieses Areal in den kommenden Jahren entwickeln wird. Ich weiß grad gar nicht, was dort geplant ist, ich glaube vor Ewigkeiten war mal ein Einkaufszentrum in der Diskussion, ist aber ,glaube ich, abgelehnt worden?

Am Bahnhof vorbei ging es dann in Richtung Rhein-Herne-Kanal. Dabei kam ich dann auch an einem Bauzaun vorbei, auf dem jemand seine Phobie verewigt hat. Nun gut, so hat halt jeder seins. Ob ich meinen Hass auf Rosenkohl allerdings an eine Bretterwand kritzeln würde? Nun, eher nicht.

Vorbei am Rathaus und der Salvatorkirche, ein echte Landmarke und mit ihrem charakteristischen Turm sehr markant in der Stadt, führte mein Weg dann durch Kasslerfeld und parallel zum Hafenkanal. Somit radelte ich dann auf die Schleuse in Meiderich zu.

Dort ging es dann über den Verbindungskanal zwischen Rhein-Herne-Kanal und Ruhr und dann neben dem Rhein-Herne-Kanal weiter in Richtung Oberhausen.

Von Friseuerläden kennt man es ja, die Namenswahl ist dann oft, nun ja, speziell. Werbetexter können aber durchaus auch schlechte Wortspiele. Dieses hier prankt über der Autobahnbrücke an der A59. 😉

Vom Rhein-Herne-Kanal ging es dann recht bald schon wieder weg, zwischen Meiderich und Obermeiderich hindurch zum Landschaftspark Duisburg Nord. Dort fällt einem natürlich der tolle Radweg „Grüner Pfad“ auf. Ein wirklich sehr gut zu fahrendes Stück Radweg.

Ebenfalls im Landschaftspark steht diese Lokomotive der Firma Krupp. Schon faszinierend, sie war ihr ganzes „Leben“ lang eine Duisburgerin, wurde 1957 ausgeliefert und tat dann bis 2008 Dienst. Jetzt steht sie, etwas abseits, auf einem Gleis und wartet auf ihre Restaurierung.

Durch Hamborn ging es dann an einem Kumpel-Streetart und einem alten Förderturm vorbei nach Neumühl, kurz bei meiner Mama „Hallo“ sagen. Sie stand auch kurz vor einer Radtour und so war es nur ein kurzer Aufenthalt.

Aus Neumühl ging es, tatsächlich auf exakt meinem alten Schulweg, an meinem Gymnasium vorbei. Mittlerweile ist es kein Gymnasium mehr, damals war es das und ich hab ne Menge guter, und einige verrückte, Erinnerungen an das Claubger-Gymnasium. 😉 Ich hätte nicht gedacht, dass die nach unserem Abi-Scherz diese Schleife je wieder sauber kriegen….

Einen Katzensprung weiter findet man das „Pollmann-Kreuz“, eine große Kreuzung in Duisburg Marxloh. In den letzten Jahren hat sich hier ein Hotsport der Brautmode etabliert. Die, meist türkischen, Geschäfte bieten Brautkleider und Anzüge in jeder erdenklichen Form an. Solltet ihr also da auf der Suche sein…wo, wenn nicht hier 😉

Durch Marxloh durch ging es dann nach Walsum und dort dann auf die erste Bahntrasse des Tages. Die HOAG Trasse, welche in Gänze von Walsum bis nach Oberhausen führt liegt auf der ehemaligen Trasse der Hüttenwerke Oberhausen Aktien Gesellschaft, eben HOAG, und ist top ausgebaut.

Ich bin ihr gefolgt bis zur Emscher, dort kommt man an einem großen Klärwerk vorbei und muss, zumindest aktuell, die Trasse verlassen, dort wird offenbar gebaut.

Dafür wird man, mit einer sehr guten Beschilderung, umgeleitet und erhält diesen typischen Ruhrgebietsblick. Landschaft, Wohnbebauung und das alles vor Industriekulisse.

Über die Emscher ging es dann weiter. Ihr bin ich auf dem Rad schon von der Quelle aus gefolgt, durchaus auch eine schöne Tour. So richtig duften tut dieser Abwasserfluss immer noch nicht, aber die Belastung steht in keinem Vergleich zu meiner Jugend. Da konnte man nicht kilometerlang neben der Emscher herradeln. Es stank höllisch. Das ist heute anders.

So langsam hielt ich dann auf das erste Ziel meiner Tour zu. Die Halde Haniel. Mit knapp 160 Metern ist diese Halde mit die höchste im Ruhrgebiet und über einen Weg, den sogenannten Kreuzweg, zu erreichen. Hier findet man beim Erklimmen der Halde biblische Bilder un Werkzeuge aus dem Bereich des Tagesbaus vor. Auf der Halde steht ein großes Holzkreuz. Noch ein wenig höher, am höchsten Punkt des Berges, findet man den Windkamm, eine Installation aus Totems. Absolut beeindruckend das Ganze, zumal gepaart mit einer unglaublichen Aussicht.

Die Halde ist der Abraum der Zeche Prosper-Haniel, welche direkt daneben noch einen Förderturm hat. Hier wurde 2018 das letzte Stück Steinkohle in Deutschland gefördert. Wenn man, so wie ich, im Pott aufgewachsen ist, weiß was ein Flöz ist, und warum man auch tief unter der Erde Angst vor einem Wetterumschlag haben kann, dann bewegt einen das schon. Es ist ein elementarer Teil unserer Geschichte.

Die Abfahrt von der Halde, mit Geschwindigkeiten um die 50 km/h herum, war dann echt ein riesen Spaß, ging auch schneller als bergauf ;). Weiter ging es in Richtung Gladbeck. Wie gesagt, ne Ruhrgebietstour halt. Ich finde die Mischung aus Natur und Industrie, beziehungsweise ehemaliger Industrie, ja wirklich reizvoll und spannend. In Gladbeck kam ich am Nordpark vorbei, ein schönes Areal mit Spielplatz und einem kleinen See, hier eine Pause einlegen tat ganz gut, mit Blick auf Wasser ist das immer was schönes, finde ich.

Nach kurzer Rast ging es wieder in den Sattel und weiter, am alten Gladbecker Rathaus vorbei. Auch ein wirklich schöner Bau aus dem Jahr 1910.

Kreativ auf Probleme aufmerksam machen, sowas finde ich immer gut, hier sind es die Landwirte ;).

Im Ruhrgebiet gehen die Städte ineinander über und ehe man sich versieht ist man in Gelsenkirchen Buer und über ein Stück der „Trasse Hugo“ zu eben jeder Zeche gefahren. Die Zeche Hugo wurde 2000 geschlossen und heute radelt man an alten Gebäuden und einem Förderturm über Schacht 2 vorbei. Diese Reste liegen am Rand der Halde Rungenberg.

Diese, etwa 70 Meter hohe Halde, habe ich natürlich auch noch mitgenommen. Auch von hier oben bietet sich eine interessante Aussicht auf die Umgebung. Sicherlich am eindrucksvollsten ist dabei der Blick auf die Arena auf Schalke oder Veltins Arena. An dieser Stelle auch fix der Hinweis, der Blogeintrag hier ist unbezahlt und unbeauftragt. Das 2001 fertiggestellte Stadion des FC Schalke ist schon ein Hingucker, zumal von der Halde aus. Etwa 2 Kilometer Luftlinie liegen zwischen mir und dem Stadion bei diesem Foto.

Ebenfalls von dort, aber etwas weniger glamourös, fand auf einem Sportplatz noch ein Fußballspiel statt. Durch den günstigen Wind hörte man die Rufe der Spieler bis rauf auf die Halde. Unterbrochen vom Krach der Autos auf der A2, die zwischen der Halde und dem Platz vorbeiführt.

Von der Halde runter ging es zum Rhein-Herne-Kanal. Schon wieder 😉 Erst über die Emscher und dann an diesem prägnanten Bauwerk vorbei in Richtung Osten weiter.

Am Hafen „Graf Bismarck“ ist eine wirklich schöne Marina entstanden, das hatte ich bisher so noch gar nicht mitbekommen. Ich war wohl schon lange nicht mehr in dieser Ecke unterwegs. Auf jeden Fall ziemlich schön und mit einer tollen Brücke über die Hafeneinfahrt.

An der „Grimberger Sichel“, einer prämierten Stahlbrücke von 2009, vorbei ging es dann auf die Erzbahntrasse. Die war ich ja neulich schon mit Thomas vom Reisen-Fotografie-Blog gefahren. Allerdings andersherum und auch nicht bis an dieser Stelle. Jetzt war die Brücke also der Einstieg auf diese Trasse für mich.

Auf der Trasse kam ich gut voran, auch wenn sie an diesem sonnigen Sonntag Mittag ein wenig der Brennerautobahn glich. Es war richtig voll. Überholmanöver und permanentes Ausweichen waren notwendig. Auf der 345 Meter langen Pfeilerbrücke habe ich dann mal kurz ein Foto gemacht und dann ging es weiter. Erneut war die Erzbahnbude für mich ein wichtiger Wegpunkt. Ich bin dann weiter in Richtung Zollverein gefahren.

Also genau wie bei der Tour neulich mit Thomas ging es über die Kray-Wanne Bahn bis zum Zollvereinweg. Am Weltkulturerbe Zollverein gab es, natürlich, die lang ersehnte Currywurst. Ihr wisst ja, eine Tour durch den Pott ohne Currywurst geht gar nicht! 😉

Vorbei am Doppelbock von Schacht 12 ging es nach der Pause weiter. Mein eigentlicher Plan war, in Essen in den Zug zu steigen und nach Hause zu fahren, allerdings hielt mein Zug Sonntag natürlich nicht, wie sonst, in Essen, sondern in Essen-Altenessen

Also ging es zum dortigen Bahnhof und dann mit dem Zug nach Hause. Immerhin waren es wieder knapp über 90 Kilometer. Auf den letzten Kilometern vorm Bahnsteig kam ich noch an diesem Schild vorbei, ich weiß nicht, ob das jetzt rassistisch oder sexistisch ist, müsst ihr entscheiden…

Wie so oft habe ich auch noch ein Relive Video der Tour, könnt ihr Euch hier anschauen. Ich hoffe, euch hat der Bericht gefallen, ich hatte auf jeden Fall Spaß an der Tour durchs Ruhrgebiet. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Von Duisburg nach Essen – eine Tour durchs Ruhrgebiet

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