Die Quelle, der Schotter, das Hebewerk und der Fluss

Hallo zusammen,

das Arbeitsleben ist stressig zur Zeit, deshalb komme ich mit dem bloggen kaum hinterher. Heute bietet sich aber ein Zeitfenster und das schöne an einem Blogbeitrag ist es ja, dass man seine Radtour quasi nochmal erlebt. Besonders heute ist das eine schöne Sache, es regnet sich nämlich draußen ein, deshalb ist ein Schwelgen in Erinnerungen gar nicht so schlecht ;). Also, ich hatte vor einiger Zeit zwei Wochen Urlaub und nach der längeren Tour mit meiner Mutter, den Bericht gibt es HIER, wollte ich zumindest noch eine zweite Tour machen. Ich kann Euch gar nicht mehr sagen wo ich es gelesen habe, aber irgendwo stand etwas vom Emscherradweg. Ich bin gebürtiger Duisburger, also mit der Emscher aufgewachsen und irgendwie klang die Idee, mir mal die Quelle anzuschauen ganz spannend. Und so war der Entschluss gefasst, in Holzwickede sollte meine Tour starten. Früh am Morgen ging es also für mich zum Krefelder Hauptbahnhof und dann mit dem RE7 nach Holzwickede. Anders als neulich bei der Bahn, lief es dieses Mal beim privaten Anbieter National Express richtig gut. Ach ja, natürlich hat mich auch für diesen Beitrag hier keiner bezahlt oder beauftragt, auch wenn das mal ne nette Geste wäre ;). Also, der Zug war pünktlich und bis Köln saß ich auch fast allein im Wagen. Nach wie vor finde ich es ziemlich nervig, dass ein Fahrrad im Zug extra bezahlt werden muss, aber nun gut.

Während der Fahrt ging langsam die Sonne auf und der klare Himmel versprach, zumindest im Tagesverlauf, warme Temperaturen.

Im Tagesverlauf…bei der Ankunft eher nicht ;). Ich wollte ein wenig Gewicht sparen und hab extra keine Packtaschen mitgenommen, sondern nur dieses Gepäckträgerdingens, deshalb gab es auch keine lange Hose. Was soll ich sagen, um kurz nach 8 Uhr war es echt frisch in Holzwickede.

Teilstücke in der Sonne waren ein Traum, Passagen durch den Schatten ziemlich frostig. Im Laufe des Tages war der Wohlfühleffekt dann genau andersherum ;). Mein Weg führte mich vom Bahnhof aus zum Emscherquellhof. Dort gibt es einen kleinen Teich, in dem sich das Wasser der Quelle sammelt. Die wirklich echte Quelle ist noch ein paar Kilometer weiter im Wald, aber mein Weg sollte hier starten.

Und dann ging es los, in Richtung Dortmund. Vorweg, der Weg ist, eigentlich, ganz gut ausgeschildert. Etliche Umleitungen wegen Baumaßnahmen machen ihn aber nicht nur deutlich länger als die geplanten 101 Kilometer bis zur Quelle, auch die Beschilderung leidet darunter. Zudem sind die Schilder oft versteckt angebracht und man muss ein bisschen suchen. Sagen wir es so, an der ein oder anderen Stelle war ich ganz froh, dass das Handynavi mitlief.

Vom Quellhof aus führte mich der Weg am restaurierten Wetterschacht der ehemaligen Zeche „Vereinigte Magarethe“ vorbei. Dort hat der Heimatverein Holzwickede eine Infotafel und ein altes Seilsystem installiert. Ein Blick lohnt auf jeden Fall.

Nach kurzer Zeit beginnt, was dann bis zum Ende meiner Tour ständig passierte, man radelt neben der Emscher her, mal links mal rechts davon, ich habe keine Ahnung, wie oft ich sie überquert habe ;). Der Fluss hat im Ruhrgebiet ein wahrlich „beschissenes“ Image, lange Jahre war er ein offener Abwasserkanal für die Industrie und tausenden von Haushalten. Nach dem Ende des Bergbaus begann man mit der Renaturierung der Emscher und verlegte das Abwasser in einen unterirdischen Kanal. Fertig sind diese Maßnahmen noch lange nicht, aber gerade das macht eine Radtour an der Emscher entlang sehr spannend. Es gibt schon etliche Bereiche, die renaturiert sind, an vielen Stellen zeigt der Fluss aber noch ein typisches kanalisiertes Bett. Zu Beginn, in der Nähe der Quelle ist es ein herrliches Radeln auf gut ausgebauten Wegen.

In Dortmund Aplerbeck führt der Radweg direkt am Wasserschloss Haus Rodenberg vorbei. Die wirklich nette Location beherbergt heute eine Puppenbühne und Räume der Dortmunder VHS. Heiraten kann man dort natürlich auch ;).

Weiter ging es in Richtung Phönix-See. Vorbei an bemalten Wirtschaftsgebäuden der Emschergenossenschaft. Das sieht schon alles sehr nett und hübsch aus, zumal bei diesem wunderbaren Wetter.

Der Phönix-See ist ein künstlicher See auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerkes. Drumherum gibt es neue Bebauung, spannend ist es, sich mal ein wenig in die Sanierung einzulesen und welche Auflagen die Anwohner haben und wie da was entsorgt wurde. Vor Ort ist es auf jeden Fall wirklich nett geworden und vom „Neuen Kaiserberg“ aus hat man auch einen tollen Blick über den See und die Dortmunder Skyline.

So ein wenig hat man das Gefühl, der Weg führt um den Signal Iduna Park, das Stadion von Borussia Dortmund, herum, man sieht es nämlich immer wieder mal, aber nach wie vor radelt man konsequent an der Emscher entlang. Es lohnt sich dieses mit offenen Augen zu tun, es gibt immer wieder spannende Dinge zu entdecken, so wie dieses Kunstwerk an einer schnöden Brücke der B54.

In Dortmund Dorstfeld radelt man durch einen kurzen Tunnel, auf der einen Seite der Radweg, auf der anderen Seite der Fluss, das hat wirklich Stil.

Auch für Kunstfreunde lohnt es sich, den Emscherradweg zu radeln, es gibt immer mal wieder Kunstobjekte zu sehen. Seit 2016 gibt es zum Beispiel das Kunstwerk „Kunstpause“, das Atelier le balto hat dazu in einem kleinen Wäldchen begehbare Stege installiert, müsst ihr Euch einfach mal anschauen. Es gibt viele solcher Kunstaktionen entlang des Flusses. Schaut mal HIER, da gibt es Infos. In diesem Wäldchen fand ich dann auch diese Botschaft hier 😉

Dank einer größeren Baustelle musste ich dann die Emscher eine Weile verlassen und einer Umleitung folgen. Anders als damals in Belgien, wo ich tatsächlich quasi „an die Hand“ genommen wurde, gab es dieses Mal nicht wirklich konsequente Umleitungsschilder, so das ich ein bisschen raten musste. Nun ja, es hat ja geklappt und bei Mengede stieß ich dann wieder auf den Fluss und den Radweg.

Der Radweg an sich besteht zum Großteil aus Schotterwegen. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind viele Abschnitte eigentlich Wirtschaftswege, welche die Emschergenossenschaft freigegeben hat. Man kommt ganz gut darauf voran, muss aber, gerade beim abbiegen, schon etwas aufpassen, der Schotter ist gelegentlich recht lose.

Auf Höhe Ickern habe ich den Emscherweg verlassen und einen Abstecher zum Schiffshebewerk nach Henrichenburg gemacht. Ein faszinierendes Denkmal vergangener Ingenieurskunst. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein wurden hier Schiffe gehoben und abgesenkt, heute ist das Hebewerk ein Museum, welches einen besuch auf jeden Fall lohnt.

Direkt neben dem Hebewerk gibt es auch noch die alte Schachtschleuse, heute eine, wenn man von der richtigen Seite kommt, tolle Bergabpassage mit dem Rad 😉

Von dort aus bin ich, parallel zum Rhein-Herne Kanal wieder in Richtung Emscher geradelt. Der Rhein-Herne Kanal bleibt jetzt ständiger Begleiter und oft radelt man zwischen Emscher und Kanal entlang. So kommt man tatsächlich unmittelbar mit Industrie und ehemaliger Industrie in Kontakt. Wirklich ein spannender Teil des Ruhrgebietes.

Die Emscher zeigt auf recht kurzem Weg jetzt ganz verschiedene Gesichter, den „klassischen“ Look, den ich aus meiner Jugend kenne, den renaturierten Fluss und irgendwas dazwischen 😉

Unterwegs wird man von dicken Rohren begleitet und nach und nach näherte ich mich Wegen und Abschnitten, die ich schon mal gefahren bin, wenn ich Touren von Duisburg aus gemacht habe. Die Wege, immer noch Schotter, wurden etwas breiter, aber und an radelte ich auch über Asphalt und unter Bäumen hindurch.

Ein bisschen Kunst, eher einfach gehalten, findet man immer mal wieder am Wegesrand, etwa wie dieser Behälter hier. Irgendwie entlockt es dem Betrachter aber ein Lächeln und hat damit seinen Zweck erfüllt und aus langweiligem Bedarf einen netten Nutzen gemacht ;).

Komplexere und anspruchsvollere Kunst gab es dann wenige Kilometer weiter zu sehen. An der Wand eines Tierheims in Gelsenkirchen prangte dieses geniale Gemälde. Ein Blick auf die Homepage lohnt und zeigt, da hat jemand Ahnung von dem was er tut. Die Farben sind auf jeden Fall richtig kräftig und ein echter Hingucker an dieser Stelle…

Wieder führte der Weg etwas von der Emscher weg, über den Rhein-Herne Kanal an der Schleuse Gelsenkirchen. Jetzt fuhr ich also wieder neben dem Kanal entlang in Richtung Nordsternpark.

Und weil der ewige Wechsel von Kanal- und Flussseiten ja mittlerweile zum guten Ton gehört, ging es vom Nordsternpark aus direkt wieder über den Kanal und neben die Emscher. Von der Kanalbrücke aus, die 1997 im Rahmen der Bundesgartenschau fertiggestellt wurde, gelang das Bild der Manouk II, ein Tankmotorschiff aus Terneuzen. Sie war gerade aus dem Hafen ausgelaufen und fuhr in Richtung Duisburg unter mir hindurch.

Im Verlauf der Emscher gibt es vier Klärwerke, dieses hier ist in Bottrop, soweit bin ich nämlich mittlerweile schon. Bei dem warmen Wetter würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass das Klärwerk höllisch stinkt, aber von duften würde ich jetzt auch nicht sprechen ;). Zum ersten Mal während der ganzen Emschertour roch es tatsächlich mal etwas streng.

Die A42 hat den Kanal mittlerweile abgelöst, der Weg führt jetzt zwischen Emscher und der Autobahn entlang. Kurz bevor man die Autobahn dann unterquert kommt man an einer Schafherde vorbei, allerdings sind die gemütlichen Grasfresser nicht aus Fleisch und Blut, sondern eine Kunstinstallation von Grundschülern aus dem nahe gelegenen Ortsteil. Auf jeden Fall ein Hingucker und eine süße Idee.

Der Weg führte jetzt wieder in Richtung Rhein-Herne Kanal und bei Oberhausen verlief er dann wieder zwischen den beiden Gewässern. Vorbei am Gasometer und der Schleuse in Lirich ging es dann für mich weiter in Richtung Duisburg. Ursprünglich hatte ich ja geplant, bis zur Mündung in Dinslaken zu fahren, aber dank einiger Baustellen und vielen Fotos und dem einen oder anderen Stopp, um meinen Magen und den Handyakku wieder aufzuladen, habe ich beschlossen in Duisburg zum Bahnhof zu radeln und von dort die Heimreise anzutreten. Aber, es gab ja auch in Duisburg noch was zu sehen.

Der Radweg am Rhein-Herne Kanal führt runter bis zu dessen Ende in Duisburg Meiderich. Dort ging mittlerweile die Sonne unter und so gab es einen schönen, sogar maritim angehauchten, Sonnenuntergang zu bestaunen.

Ganz spannend fand ich, dass mir die Manouk II erneut vor die Linse fuhr, sie hatte gerade den Kanal verlassen und lief in Richtung Rhein. Viel schneller als ich war sie also auch nicht gewesen.

Mit dem Blick auf das Stadttheater in Duisburg endet dann auch meine knapp 111 Kilometer lange Tour von Holzwickede nach Duisburg, auf den Spuren der Emscher. Ich kann die Route und die Tour nur empfehlen, wenn man sich etwas länger Zeit nimmt, gibt es auch viele lohnende Abstecher entlang der Route. Für mich war es ein schöner Urlaubsausklang und ich hoffe natürlich, Euch haben die Einblicke gefallen.

Wie immer gibt es noch ein Relive Video und ansonsten bleibt mir noch, Euch allzeit gute Fahrt zu wünschen und euch anzubieten, solltet ihr Fragen haben, die Kommentarfunktion fleißig zu nutzen.

Liebe Grüße, Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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