Hallo zusammen,
vorneweg muss ich mich nochmal bei Euch bedanken, das Feedback auf die letzten Beiträge war wirklich schön für mich. Es freut mich sehr, dass Euch die Bilder und die Texte, offenbar, gefallen. Für mich ist das ja irgendwie immer so, als würde ich die Radtour ein zweites Mal unternehmen. Ich hoffe, ich komme in 2026 mal wieder öfter dazu, meine Touren zeitnah zu „verbloggen“ 😉 .
Gestern, also am 30. Dezember, habe ich meine letzte Radtour für 2025 gemacht. Damit habe ich dieses Jahr gute 4.600 Kilometer auf dem Rad gesessen, das ist fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor, aber nur die Hälfte von 2023. Also, gutes Mittelfeld. Aber es geht ja auch nicht immer nur um Höchstleistungen, sondern um Spaß, um den Ausgleich vom Job und, dieses Jahr auch recht oft, um das schnelle Vorankommen von A nach B. Also, wenn ihr mögt, starten wir in die letzte Tour 2025, auch die ist, wie immer, unbezahlt und unbeauftragt.
Was fehlt diesem Blog? Richtig – Sex. Der folgende Satz mag nicht so recht zur Frage passen, aber, bleibt dran, die Überleitung ist holprig, führt aber ans Ziel. Also, in diesem Jahr gab es in NRW, und somit auch in Krefeld, Kommunalwahlen. Bei uns hier ist der Amtsinhaber, und mein Chef, Frank Meyer, von der SPD, zur Wiederwahl angetreten. Spoiler: Er hat sie in der Stichwahl gegen den CDU Mann Timo Kühn gewonnen. Worauf ich aber hinaus will, natürlich waren in der heißen Phase des Wahlkampfs überall Wahlplakate, Flyer, Aufkleber und Postwurfsendungen zu sehen. Die SPD hat den Wahlkampf über das Kampagnenmotto „Ein Herz für Krefeld“ geführt. Dazu gab es dann das Konterfei Frank Meyers auf den Plakaten und ein Herz drumherum. So weit, so gut.
In Krefeld haben aber einige Spaßvögel einen ganz anderen Meyer wählen wollen. Dazu tauchten Aufkleber auf, die exakt so aussahen wie die des Kandidaten, allerdings war dort nicht Frank Meyer zu sehen, sondern Russ Meyer. Statt SPD stand dort dann SEX und es gab etliche davon 😉 . Falls ihr zu jung seid, oder zu brav, um Russ Meyer zu kennen, schaut mal im Netz nach Meisterwerken wie „Die Satansweiber von Tittfield“ oder „Supervixens – Eruption“. 😉 Immerhin sind Filme von ihm im „Museum of Modern Art“ und er hat an einer Documenta in Kassel teilgenommen. Ich musste über die Aktion auf jeden Fall schmunzeln und würde ja gern wissen, wer dahinter steckt. Wenn man heute durch Krefeld radelt, entdeckt man noch den einen oder anderen dieser Aufkleber.

Der Kontrast könnte kaum schärfer sein, oder auch nicht, schaut man hinter die Kulissen, aber mein erstes Ziel führte mich zu dem christlichen Symbol schlechthin, dem Kreuz. Es ging hinauf auf den Kapuzinerberg. 77 Meter über Normalnull gelegen, bietet diese ehemalige Deponie einen schönen Blick über Krefeld. Gerade an einem so eisigen und sonnigen Tag wie gestern.

Auf dem Plateau findet sich sogar ein Gipfelkreuz, umrahmt von zwei Bänken, kann man hier schön sitzen und durchatmen.

Das Ziel meiner Tour sollte die Halde Norddeutschland bei Neukirchen-Vluyn sein, also ging es vom Berg wieder unter und durch das Hülser Bruch. Dieses Naturschutzgebiet ist einfach herrlich. Ich mag an Krefeld sehr, dass diese Stadt so viele Facetten hat. Von richtig urban über industriell, historisch bedeutend bis hin zu üppiger Natur und tollen Weiden oder tiefem Wald.

Kalt, die Luft über mir klar, über den Feldern hing noch leichter Nebel. Dort mit dem Rad zu fahren, ist einfach wunderbar. Man muss sich schon dick einpacken, keine Frage, gerade die Hände, das Gesicht und die Füße kühlen schnell ab, aber es lohnt sich.

Vom Hülser Berg aus bin ich ein kurzes Stück auf dem Grafschafter Rad- und Wanderweg gefahren. Wie so oft in unserer Region ist das eine ehemalige Bahntrasse und auf ihr gelangt man, sehr entspannt und landschaftlich schön, von Krefeld nach Moers.

Ich bin allerdings recht fix wieder abgebogen und am Golfplatz Niep vorbei in Richtung Neukirchen-Vluyn geradelt. An einigen Stellen war es ziemlich glatt, immer da, wo die Sonne noch nicht den Boden hat erwärmen können. Meist glitzerte es aber deutlich sichtbar, so dass ich, wenn ich dort etwas vorsichtiger gefahren bin, gut durch kam. Aber Achtsam muss man bei solch tiefen Temperaturen schon sein.

Durch manche Ortschaften radelt man und fühlt sich direkt willkommen, manche Gehöfte haben Automaten in denen sie frische Lebensmittel anbieten, oftmals radelt man an „Willkommen“ – Schildern vorbei oder trifft auf nette Menschen. Radfahren ist, für mich, auch immer Kommunikation, Austausch und Gastfreundlichkeit. An manchen Ecken fühlt es sich allerdings eher wie „Big Brother“ an 😉 .

Ob sie wohl schon den Hörer in der Hand hatten, als ich abgestiegen bin um das Foto zu machen? Zum Thema „Groß- und Kleinschreibung in der englischen Sprache“ gibt es übrigens super Kurse in unserer VHS. Die kooperiert zudem eng mit Neukirchen-Vluyn 😉 .
Während eine Gruppe Zugvögel vorbei zog, fiel mein Blick in die Ferne, das Fördergerüst der Zeche in Tönisberg tauchte auf, da könnte ich auch nochmal hinfahren. Na ja, nächstes Jahr.


Jetzt wohne ich schon so lange hier in der Region, also eigentlich ja mein ganzes Leben, aber die „Baummanufaktur Florenz“ kannte ich bis gestern nicht. Die Baumschule macht wohl auch Hoffeste und der Hof ist bekannt für historische Traktoren. Wieder was gelernt. Das Gebäude macht auf jeden Fall was her, muss ich mir im Sommer nochmal genauer anschauen.

Bergbau. Ohne die Zechen wären wir heute sicher nicht da, wo wir sind. Bergbau hat in der Region eine lange Tradition und ich mag es sehr, dass wir das Erbe davon an vielen Stellen bewahren. Sicherlich verklären und romantisieren wir aus heutiger Sicht auch, aber die Arbeit und vor allem das „Drumherum“ in Museen zu zeigen und „Orte der Industriekultur“ zu erhalten finde ich klasse. Für mich als gebürtigen Duisburger ist es immer ein Stück Heimat, wenn ich ein Fördergerüst sehe. Wenn man früher aus dem Urlaub an Nord- oder Ostsee kam, über die Autobahn nach Duisburg fuhr und die ersten Schornsteine und Fördergerüste auftauchten, war das immer irgendwie – Zuhause.
Und so freue ich mich auch jedes Mal, dass die beiden Türme der ehemaligen Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn noch da sind. Auch wenn das Drumherum ziemlich trostlos wirkt.

Seit 2017 steht, ganz in der Nähe, eine 4,40 Meter hohe Skulptur eines Bermanns. Wie immer in Deutschland war das Werk der Künstler Anatol Herzfeld und Frank Merks nicht unumstritten, mittlerweile gehört der Bergmann aber einfach hierher. Ich mag die Skulptur aus Stahl, irgendwie hat sie was.


Die Halde Norddeutschland, mein Tagesziel, ist Abraum der Zeche Niederberg und so ist auch dieses touristische Highlight direkt mit der Bergbauhistorie verbunden. Auf dem Haldenplateau befindet sich das „Hallenhaus“, eine Skulptur des niederländischen Kollektivs „Observatorium“. Immer wieder wird es in weitere Kunstaktionen eingebunden, zuletzt von Danuta Karsten mit ihren „Windzeichnungen“. Schaut mal HIER.

Die Halde brennt übrigens. Das ist schon ein spannendes Phänomen, welches gar nicht so selten ist. In den Abraumhalden befindet sich immer auch ein bisschen Kohle und je nach Druck und Lagerung, können da tatsächlich Glutnester entstehen. Bei der Halde Norddeutschland ist das so. Sehen tut man davon allerdings nix. Faszinierend, oder?

Von dort oben hat man einen tollen Blick ins Ruhrgebiet und nach Kamp-Lintfort. Hier fällt natürlich der Zechenpark sofort ins Auge.

Hach ja, ich mag unsere Region sehr. Mit Schwung ging es von der Halde wieder runter und durch Wiese und Wald in Richtung Krefeld zurück.

Vorbei am Elfrather See ging es in Richtung Uerdingen und Linn. Bei drei Grad unter Null konnte ich der Versuchung gegen das Badeverbot zu verstoßen ganz gut widerstehen.

Schauen wir mal, wie der See und das Areal drumherum sich in Zukunft entwickeln werden. Der „Masterplan E-See“ sieht Sportflächen und eine Reaktivierung des Badesees vor, der privat geplante Surfpark würde dem Areal, welches ja am Ende das Baggerloch für den A57 Ausbau ist, neue Impulse geben und sicher die ganze Ecke aufwerten. Nun ja, schauen wir mal.

Bislang ist von begeisterten Menschen auf Surfbrettern nichts zu sehen, dafür haben sich Gänse breit gemacht. Gar nicht so unproblematisch, nicht zuletzt wegen den vielen Tonnen an Hinterlassenschaften der gefiederten Freunde.

In Uerdingen bin ich durch den wirklich schönen Stadtpark geradelt, vorbei an einer Büchertelefonzelle. Ich kann mir nicht helfen, ich kann diesen Dingern nichts abgewinnen. „Sharing is caring“, ich weiß, aber bei Büchern bin ich da irgendwie eigen. Egal, jede und jeder wie sie oder er mag. Fakt ist: In so einem Ding MUSS es zwingend einen John Grisham, meist „Die Firma“ oder „Die Jury“, und einen Konsalik geben, sonst isset nicht original 😉 .

Der Springbrunnen lief und so konnten die Enten auswählen, ob sie auf dem Eis am Rand des Teiches sitzen, oder im offenen Wasser dümpeln wollten.


Vorbei an Burg Linn habe ich die letzten Meter unter die Reifen genommen. Der Wind war nicht so fies wie an Heiligabend oder am ersten Weihnachtstag, kalt war mir aber mittlerweile trotzdem. Die Sonne tat aber wirklich gut. Und, ich habe es schon mal gesagt, die frische Luft tief einzuatmen tut gut und macht den Kopf frei.

Über die Krefelder Radpromenade bin ich dann in die Innenstadt gefahren, dieser Weg ist wirklich großartig und ich hoffe sehr, dass der Ausbau fortgesetzt und bestehende Lücken geschlossen werden. SO macht radeln nämlich richtig Laune.

Mit einem letzten Blick auf den RB37, welcher Krefeld und Neuss miteinander verbindet, soll es das dann auch schon wieder gewesen sein. Wie immer hoffe ich, euch haben die Einblicke gefallen.

Knappe 60 Kilometer waren es am Ende, ein schöner Abschluss meines Fahrradjahres. Wenn ihr mögt, bleibt mir gewogen, ich hoffe, ich schaffe es in 2026 wieder regelmäßiger zu bloggen und tolle Touren zu machen.

Jetzt bleibt mir, Euch einen guten Rutsch, viel Gesundheit, spannende Eindrücke und insgesamt ein wundervolles Jahr 2026 zu wünschen. Bis dahin…
Euer Martin
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