Faszinierendes Rotterdam – auf dem Rad durch die Großstadt

Hallo zusammen,

es gibt mal wieder einen Eintrag zu einer Radtour. Ich hatte am vergangenen Wochenende mal wieder so richtig Lust darauf, in den Niederlanden zu radeln. Dieses Mal habe ich mir Rotterdam ausgesucht. Mit dem Zug ging es also in Krefeld los. Ich hatte Glück, mein Zug kam, wenngleich etwas verspätet, zumindest an. Das war nicht bei allen Verbindungen so.

Nun ja, durch die Verspätung wäre die Umsteigezeit in Viersen knapp geworden, aber, natürlich, der RE 13 nach Venlo war auch verspätet. Um eine lange Geschichte kurz zu machen, ich musste in Venlo ordentlich rennen um den Zug in Richtung Rotterdam der Nederlandse Spoorwegen, der niederländischen Eisenbahn, noch zu erwischen.

Der IC dort verließ den Bahnhof nämlich auf die Minute pünktlich. Unter der Woche sind die Zeiten der Fahrradmitnahme eingeschränkt, am Wochenende kann man das Bike immer mitnehmen, wenn denn Platz ist. Ich bin also bis Utrecht gefahren, umgestiegen und war nach etwa drei Stunden Gesamtreisezeit in Rotterdam Centraal.

Wären die Niederlande in Sachen „Fahrrad“ nicht so gut aufgestellt, wäre das wohl auch schon das Ende der Radtour gewesen. Ich hatte daheim nochmal Luft nachgepumpt und, offensichtlich, das Ventil nicht richtig zugedreht. Beim Aussteigen war der Hinterreifen platt. 😉 . Direkt am Bahnhof gibt es aber ein riesiges Fahrradparkhaus, inklusive kleiner Werkstatt und einer, kostenfreien, Luftstation. Und so konnte dann, dank einer sehr freundlichen Mitarbeiterin, meine Radtour starten.

Seid ihr schon mal in den Niederlanden in einer Großstadt geradelt? Wenn ihr aus Deutschland kommt, ist das ein bisschen wie ein Kulturschock. Es gibt, fast, immer eigene Radwege, baulich getrennt von der Straße und den Fußwegen. Die Ampelschaltungen kommen uns Radelnden oft zu Gute und wenn es mal „Bettelampeln“ gibt, also Überwege, bei denen ich als Radfahrer das „Grün“ anfordern muss, geht es in der Regel blitzschnell.

Da gelingt es dann sogar mitten in der City einer 650.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Metropole entspannt zu radeln. Mein erstes Ziel war das Naherholungsgebiet „Kralingse Bos“. Dafür ging es vom Bahnhof aus in Richtung Osten durch die Stadt. Ich mag es sehr, mit dem Fahrrad durch Städte zu fahren, die ich noch nicht aus dem FF kenne. Es gibt immer etwas zu entdecken. Eigentlich könnte ich die ganze Zeit Fotos machen 😉 .

Städte am Wasser haben immer ein ganz eigenes Flair, da macht Rotterdam keine Ausnahme. Immer wieder überquere ich kleine Kanäle, radel über Brücken oder parallel zu Wasserläufen durch die Stadt.

Nach kurzer Zeit öffnete sich das Gelände und mir kamen immer mehr Joggerinen und Jogger, Menschen mit Hunden oder auf Inlineskates entgegen. Das Gebiet rund um das „Karlingse Plas“ ist die grüne Lunge der Stadt und wird, zumal an einem Sonntag, von unzähligen Erholungssuchenden bevölkert.

Man kann dort jede Menge Sport treiben, an Land und zu Wasser. Aber auch einfach sitzen und den Moment genießen klappt gut. Zumal mit der Aussicht auf die Skyline von Rotterdam und, wir sind in den Niederlanden, Windmühlen.

Nach dem Bogen durchs Grüne führte mich meine Tour zurück in die City. Durch wunderschöne Vorstadtstraßen, vorbei an tollen Häusern, ging es dann in Richtung Innenstadt.

Ich mag Rotterdam tatsächlich sehr. Die Architektur, gerade in der City, ist so abwechslungsreich und obwohl ich schon einige Male dort war, gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Ein Hingucker ist auf jeden Fall das „Witte Huis“, also das Weiße Haus. 1897 gebaut erinnert es irgendwie am amerikanische Hochhäuser in alten Filmen.

Ganz in der Nähe findet sich mit den Kubushäusern ein weiteres Highlight. Die von Piet Blom entworfenen Wohneinheiten sind tatsächlich Kuben, die hier ein Ensemble bilden. Wenn ihr mal in Rotterdam seid, schaut sie euch an. Ich war vor einiger Zeit auch mal in einer solchen Wohnung und fand das Gefühl echt faszinierend.

Direkt dahinter, auf dem Foto sieht man es schon ein wenig, befindet sich die Markthalle. Seit 2014 ist das Gebäude fertig und ich finde es absolut beeindruckend. In der Mitte befindet sich ein Markt, an den Rändern Restaurants, Supermärkte und Wohnungen. Darunter eine Tiefgarage und Bahnanbindungen. Ein Besuch dort lohnt echt.

Apropos lohnender Besuch. Seit kurzem verfügt Rotterdam über einen Surfpark. Ja richtig, während Teile der Krefelder Politik einem Investor wöchentlich neue Steine in den Weg legen und der geplante Surfpark am Elfrather See längst nicht mehr mit rationalen Argumenten, sondern eher als Symbol, diskutiert wird, macht man in Rotterdam halt.

An einigen Stellen im Stadtbild, meist auf Bauzäunen, findet sich das Logo der Gemeinde und der Satz: Rottedam. Make it happen. Keine schlechte Maxime. Das Surfareal in Rotterdam war auf jeden Fall gut besucht. Auf dem Wasser fand ein Anfängerkurs statt, die Gastro war voll und rund um das Becken standen etliche Schaulustige. Ein echter Anziehungspunkt. Und verdammt cool aussehen tut es auch.

An Kunst im öffentlichen Raum vorbei führte mich meine Route dann über die Erasmusbrücke auf die andere Seite der Nieuwe Maas.

Neben klassischen Taxis fahren in Rotterdam auch Wassertaxis umher. Eine Fahrt mit diesen schnellen Booten kann ich euch nur empfehlen, das macht richtig Laune. Es gibt an vielen Stellen der Stadt Anlegestellen, da kann man sich ein solches Wassertaxi rufen.

Direkt am Fuß der Erasmusbrücke gibt es diese schöne Mural zu sehen. Ihr wisst ja, ich stehe auf Streetart und gute Graffiti Kunst und auch davon gibt es in Rotterdam immer wieder etwas zu sehen.

Rotterdam ist, wie schon gesagt, eine verdammt spannende und interessante Stadt. Natürlich gibt es dort auch Stadtrundfahrten. Neben den klassischen Bustouren fahren aber auch historische Straßenbahnen durch die Stadt. Die Fahrzeuge und das Personal stammen vom „Puplic Transport Museum“ und die Rundfahrten, ganz klassisch mit „Hop on / Hop off“ Möglichkeiten machen wirklich Spaß.

Für mich und mein Fahrrad ging die Tour weiter, einmal um den Maashaven herum. An dessen Spitze liegt die „SS Rotterdam“. Das wunderschöne, klassische geformte Passagierschiff stammt aus dem Jahr 1959 und wurde zuerst im Liniendienst zwischen den Niederlanden und New York eingesetzt. Später hatte es noch eine Karriere als Kreufahrtschiff. Seit 2009 ist es als Museumschiff fest verankert. An Bord gibt es auch eine wirklich gute Gastornomie und es wird als Hotel genutzt.

Meine nächsten Ziele waren der Euromast Turm und, natürlich, der Flughafen. Beide Punkte liegen aber wieder auf der anderen Maasseite, also musste ich wieder den Fluss queren. Dieses Mal aber nicht via Brücke übers Wasser, sondern via Maastunnel unter dem Wasser. Der Tunnel ist ein echtes Erlebnis. Man gelangt entweder mit dem Aufzug oder über wunderschöne Holzrolltreppen in die Tiefe. Im Eingangsbereich finden sich große Fotos auf den Fliesen und ein Gedicht von Jan Prins.

Een lichtbaan, die den nacht doorschrijdt,
Een pad door stilte en eenzaamheid,
Lever ik leven’s schatten uit:
Van Zuid aan Noord, van Noord aan Zuid.

Ich bin, wie die meisten anderen Radlerinnen und Radler auch, mit der Rolltreppe gefahren. Ein tolles Gefühl. An den Wänden hängen Fotos von Ereignissen der Rotterdamer Stadtgeschichte. Unten angekommen öffnet sich die Tunnelröhre vor dem Fahrrad und es geht los. Eine Etage tiefer befindet sich der Fußgängertunnel.

Auf der anderen Seite, zurück an der Oberfläche, fällt der Blick auf den 185 Meter hohen Euromast Turm. Er wurde in den 1960ern anlässlich der Floriade gebaut, hatte damals allerdings diese Spitze noch nicht und war „nur“ knappe 100 Meter hoch.

Beim näheren Hinsehen traute ich meinen Augen nicht, hingen da Menschen außen am Turm? Was ich zunächst für einen Einsatz eines Anti-Terrorkommandos hielt, ist in Wirklichkeit eine Touristenattraktion. Abseilen vom Euromast. Ich würde ja tausend Tode sterben und wohl ohnmächtig am Turm baumeln, aber wenn ihr auf sowas Bock habt – hier gibt es die INFOs.

Ein wenig in Richtung Westen ging es dann weiter für mich, wieder vorbei an Streetart und zum Stadtteil Delfshaven, einem der ältesten Bereiche der Stadt.

Im Merwehaven liegt zur Zeit die „Silja Europe“, eine Kreuzfahrtfähre, die lange Jahre die Ostsee befahren hat. Aktuell dient sie als Unterkunft für geflüchtete Menschen. Wohnraum ist auch in den Niederlanden knapp und für den Übergang, bis Wohnungen gefunden wurden, wohnen die Menschen, die alle schon eine Aufenthaltsgenehmigung für die Niederladen haben, auf dem Schiff.

Den Kopf voller Gedanken an Flucht, Vertreibung und unsere Weltlage gerade ging es weiter. Der Ton wird rauer, auch die, vermeintlich, so liberalen Niederländer haben eine stramm rechte Regierung gewählt, wir werden sehen, wie es weiter geht. Fakt ist wohl, Nationalismus, Hass, Hetze und Krieg führen am Ende dazu, dass Menschen aus ihrer Heimt fliehen müssen.

Wie gut es uns doch geht, oder? Ich kann mal eben in das Nachbarland fahren, weil ich da eine Radtour vorhabe. Keiner bombt mich aus, keiner foltert mich, keiner bedroht meine Familie. Ich kann einfach durch die schönen Niederlande radeln und mich des Lebens freuen. Was für ein Geschenk.

Von Delfshaven führte mich meine Tour an den Mühlen in Schiedam vorbei und dann weiter in Richtung Nordosten.

Vorbei an cooler Streetart unter einer Autobahnbrücke war das nächste Ziel der Flughafen von Rotterdam. Wer hier schon länger mitliest, weiß ja, so ganz ohne Flugzeuge oder Flughäfen sind meine Touren ja selten.

In Rotterdam ist die niederländische Airline Transavia recht aktiv und so konnte ich bei meinem kurzen Stopp auch zwei Maschinen ablichten.

In den Niederlanden gibt es, genau wie bei uns, auch ein Luftrettungssystem. Neben den Helis für die Küsten gibt es vier sogenannte „Lifeliner“ Helikopter, die alle vom ANWB, dem niederländischen Pendant zum ADAC, betrieben werden. Der, 24 Stunden verfügbare, Lifeliner 2, eine Airbus H135 Maschine, ist in Rotterdam am Flughafen stationiert. Klar, dass ich da auch mal vorbeigeschaut habe.

Vom Flughafen aus bin ich weiter nach Osten gefahren, an der Rotte entlang. Rechts und links Gewässer, immer wieder kleine Bote, Mühlen und Schleusenanlagen.

Hier zu radeln ist, ich wiederhole mich da gern, einfach ein Genuss. Es gibt so viel zu entdecken, soviel zu sehen.

In einem Bogen bin ich dann wieder zurück in die City geradelt und war nach knappen 67 Kilometern wieder am Hauptbahnhof. Es war sicher nicht meine letzte Tour durch niederländische Städte, wenn man damit einmal anfängt, kommt man schwer wieder davon los.

Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen, vielleicht habe ich euch ein bisschen Lust auf Rotterdam gemacht. Wenn ihr Fragen habt, nur keine Falsche Scheu, entweder hier in die Kommentare oder in den sozialen Netzwerken, immer her damit.

Haltet die Ohren steif, seid nett zu Euren Mitmenschen und tot ziens bis zum nächsten Mal 😉

Euer Martin

 

 

 

 

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