Kaiserdom, Panzerwracks, Natur und die Augen und Ohren der NATO – Von Aachen nach Geilenkirchen

Hallo zusammen,

ich war wieder auf Tour, wenn ihr mögt, nehme ich euch gern mit. Auch dieses Mal ist dieser Blogbeitrag unbezahlt und unbeauftragt, schön war die Radtour trotzdem 😉 . Nachdem ich bei der letzten Tour vor der eigenen Haustür gestartet bin, ging es dieses Mal wieder mit dem Zug los. Mein Startpunkt war Aachen, eine ganz entspannte Direktverbindung der DB Region fährt, ohne das ich umsteigen musste, direkt dorthin.

Kurz nach Sonnenaufgang habe ich also in Aachen auf dem Rad gesessen und bin losgefahren. Immer wenn ich dort bin, mache ich einen kurzen Stopp auf dem Katschhof. Diese Freifläche, auf der auch immer ein Teil des Weihnachstmarktes stattfindet, bietet einen tollen Blick auf gleich zwei Highlights in Aachen. Einmal das Rathaus, welches auch schon von Albrecht Dürer porträtiert wurde.

Und natürlich, direkt gegenüber, der Aachen Dom. Immer wieder beeindruckend. Wenn ihr mal in der Nähe seid, unbedingt eine Führung buchen, nur dann gelangt man auch auf die Empore und zum Kaiserthron. Der ist zwar unspektakulär, der Blick in den Kirchenraum aber nicht.

An einigen Fenstern rund um den Platz klebten die Flaggen der EU und der Ukraine. Es sind angespannte Zeiten, das sollten wir in der Tat nie vergessen.

Recht fix ging es dann in Richtung Südwesten aus der Stadt hinaus und stetig bergan. Das nächste Ziel war der „Dreiländerpunkt“. Auf dem Weg dorthin bin ich auch am Gemmenicher Tunnel vorbeigekommen. Das Bauwerk ist ein Grenztunnel, die Züge fahren in Deutschland auf der DB Strecke 2552 in den Tunnel hinein und kommen auf der SNCB Strecke Spoorlijn 24 der belgischen Eisenbahn wieder heraus. Der Tunnel ist Teil der Montenzroute und recht intensiv von Güterzügen befahren. Ich hatte allerdings kein Glück und kann euch deshalb nur ein Bild des Ostportals des Tunnels zeigen….ohne Zug 😉

Weiter hinauf ging es, noch auf deutscher Seite der Grenze.

Oben auf dem Vaalserberg angekommen kann man es schaffen in drei Ländern gleichzeitig zu sein. Die Niederlande, Belgien und Deutschland grenzen dort aneinander.

Wenige Meter daneben markiert ein weiterer Stein den höchsten Punkt der Niederlande. Wobei das so ganz nicht mehr stimmt, seit 2010 ist das ein Vulkan auf der Insel Saba, dennoch ist der Berg etwas besonderes.

Im Hintergrund erkennt man den Baudouin-Turm, einen Aussichtsturm. Leider war er so früh Morgens noch geschlossen.

An einer Gedenkinstallation vorbei ging es für mich weiter. Hier wird an die Leiden Belgiens im Ersten Weltkrieg erinnert, der Würfel besteht aus Kriegsgerät der beteiligten Parteien.

Ein Blick in die belgische Landschaft zeigt dann auch wieder die Bahnstrecke in Richtung Montzen. Leider wieder ohne Zug, da hatte ich dieses Mal einfach kein Glück. Nun ja. Die Landschaft entschädigt aber durchaus dafür, finde ich.

Durch den Wald, immer noch auf belgischer Seite der Grenze, bin ich dann ein Stück nach Süden geradelt, bevor es wieder in Richtung Aachen ging.

Im Wald triff man immer wieder auf Reste des Westwalls aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese „Höckerlinie“ oder „Drachenzähne“ dienten als Panzersperren und finden sich an etlichen Stellen rund um Aachen und das Hohe Venn. Mahnmale, die uns erinnern sollten, wie sinnlos und überflüssig Kriege sind.

In einem Bogen bin ich zurück nach Aachen gefahren und dort auf den Vennbahnweg. Dieser Radweg führt von Luxemburg über Belgien nach Deutschland. Irgendwann möchte ich ihn mal komplett radeln, zwei Mal habe ich schon Teilstücke davon befahren, bei dieser Tour ging es von Aachen nach Brand.

Kurz vor Brand habe ich den Radweg verlassen und bin in das Naturschutzgebiet Aachen-Brand abgebogen. Die Wege waren dann auch deutlich matschiger, aber man kam trotzdem ganz gut voran, auch wenn die Klamotten und das Rad danach nicht mehr so ganz „Ausgehtauglich“ waren 😉 .

Es ist schon ein, sagen wir, interessantes Gefühl, wenn man über eine Lichtung radelt und am Horizont taucht ein Panzer auf.

Anders als in Ländern in denen kein Frieden herrscht, stellt dieser Panzer aber keine Bedrohung dar. Der alte M47 „Patton“ dient als Hartziel und Übungsobjekt. Das Naturschutzgebiet ist unter der Woche nämlich ein Standortübungsplatz der Bundeswehr. Und doch, mit den schrecklichen Bilder aus der Ukraine im Hinterkopf nähert man sich einem solchen Panzer anders als man es vorher getan hätte. Zumindest mir geht das so.

Ganz in der Nähe des Panzerwracks, es gibt noch einige weitere in der Ecke, befindet sich auch ein Modellfluggelände. Dort fliegen zum einen die Profis, zum anderen bildet der Luftsportverein Aachen dort auch Modellpiloten-Nachwuchs aus. Zu welcher Kategorie diese beiden hier gehören kann ich nicht sagen, ich bin noch vor dem Start der Modelle weiter geradelt.

Wenig später ging es wieder um die Fliegerei, dieses mal aber um die mit den echten Fliegern. Am Flugplatz Aachen Merzbrück habe ich eine längere Pause eingelegt und ein bisschen dem bunten Treiben zugeschaut. Zum einen ist mit der Firma Westflug eine Flugschule vor Ort, die auch an diesem Samstag etliche Flüge durchgeführt hat.

Die zweifelsohne meisten Flugbewegungen gab es aber von HANS 😉 . Der kleine Robinson R44 Hubschrauber mit der Registrierung D-HANS führte Rundflüge durch. Irgendwie hing die Sparkasse mit drin, deren Logo gab es auf jeden Fall am „Check-In“ für die Rundflüge zu sehen. Unermüdlich schwang sich der Heli in die Luft um nach kurzer Zeit wieder neue Passagiere aufzunehmen. Unterbrochen nur von einem Pilotenwechsel und, dem unvermeidlichen, Besuch der Tankstelle 😉 .

Nach dem hohen Motorgeräusch des Helicopters fiel das tiefe Blubbern des Sternmotors dieser T6 direkt auf. Das Flugzeug, heute im Privatbesitz, wurde 1952 an die kanadische Luftwaffe ausgeliefert und flog dort bis 1967. Über etliche Stationen im Zivilleben ist dieser Oldie 1999 auf die Kennung D-FUKK registriert worden und fliegt seitdem in Aachen-Merzbrück. Ein tolles Ding mit einem satten Klang.

In Aachen Merzbrück gibt es, neben der Flugschule und dem einen oder anderen tollen Oldie, auch den Rettungshubschrauber Christoph Europa 1. Der ADAC betreibt die Station und bei meiner Radtour kam der Hubschrauber gerade von einem Einsatz in der Nähe der Tagebaue zurück.

Nachdem ich genug Kerosin geschnuppert und meine mitgebrachten Brote gefuttert hatte, ging es wieder auf den Sattel und weiter.

Auf dem Weg nach Herzogenrath bin ich an Bardenberg vorbeigekommen. Der markante Wasserturm ist von weitem zu sehen. Jegliche schlechten, sexistischen, von Austin Powers inspirierten Sprüche kneife ich mir mal und erzähle euch lieber, dass das gute Stück seit 1982 unter Denkmalschutz steht und in privater Hand ist. Ein Hingucker ist der Turm auf jeden Fall.

In Herzogenrath habe ich an einer Tankstelle meine Getränkevorräte wieder aufgefrischt und mir die Burg Rode angesehen. Sie thront über der Stadt und war bis sogar mal das Rathaus von Herzogenrath.

Von Herzogenrath führte mich der Weg dann, parallel zum Fluss Wurm, oder Worm, wie er auf niederländischer Seite heißt, weiter. Genau in der Mitte des Flüsschen verläuft die Grenze zu den Niederlanden.

Durch das Naturschutzgebiet Wurmtal, zwischen Fluss und Bahnlinie kam ich ganz gut voran. Die Geschichte hinter diesem Gekritzel ist sicher interessant….

Meine Tour ging auf jeden Fall weiter, auch auf dem „Spahnferkel Weg“.
Meist auf der deutschen Seite, das Bild hier stammt aber aus den Niederlanden, mit Blick nach Deutschland. Als überzeugter Europäer genieße ich dieses friedliche wechseln zwischen den Ländern sehr, aktuell schätze ich es vielleicht noch ein ganzen Stück mehr als früher.

Etwa auf Höhe einer ehemaligen Braunkohleabgrabung habe ich die Bahnlinie nach Aachen überquert und hatte dieses Mal Glück einen Zug vor die Linse zu bekommen, auch wenn es „nur“ ein Regionalexpress nach Aachen war.

Weiter am Fluss entlang steht man irgendwann vor dem Schloss Zweibrüggen. Ein tolles Gebäude, welches durch den Eurolog bekannt wurde. Im Vorfeld des, in Aachen verliehenen, Karlspreises finden hier seit 2013 Gespräche zwischen Bürgerinnen und Bürgern und politisch handelnden Menschen der EU statt. Auf jeden Fall macht das Gebäude was her.

Vom Schloss aus war es dann  nur nach ein Katzensprung bis zur NATO-Airbase Geilenkirchen. Auf diesem Flugplatz, direkt an der niederländischen Grenze, sind die E3A der NATO stationiert. Das sogenannte AWACS ist ein fliegendes Radarsystem. Die Basis ist eine Boeing 707, ein vierstrahliges Passagierflugzeug aus den Anfängen des Jet-Zeitalters. Charakteristisch für die Aufklärungsflugzeuge ist aber das, etwa 9 Meter im Durchmesser messende, Radom auf dem Rumpfrücken. Die Abkürzung steht für „Airborne Warning And Control System“, also luftgestütztes Warn- und Kontrollsystem. Mit dem Radar können die Operatoren in den Flugzeugen fas 400 Kilometer Luftraum überwachen. Die Nato hat 13 dieser Flugzeuge in der Nähe von Geilenkirchen stationiert, besonders daran ist auch die multinationale Truppe. Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen Nato Mitgliedsstaaten dienen auf den Flugzeugen.

In normalen Zeiten bleiben die Jets am Wochenende in der Regel am Boden und es findet kein Übungsbetrieb statt. Aber wir wissen alle, es sind keine normalen Zeiten. Die Nato hat ihr Ostflanke verstärkt und auch für die AWACS sind die ruhigen Wochenenden keine mehr. Früh am Morgen war einer der Jets gestartet und sicherte seitdem den Luftraum. In großen Achten kreiste das Auge und das Ohr der Nato über Polen und blickte dabei weit in den ukrainischen Luftraum hinein. Die Flugzeuge sind aktuell wichtiger denn je.

Auf der Basis selbst war es ruhig, auch wenn die Gefahrenstufe sicher eine andere ist. Ich hatte kurz überlegt zu warten und die E3A bei ihrer Rückkehr zu fotografieren, aber der Einsatz dauerte zu lange. Später habe ich gesehen, um kurz vor 19 Uhr hatte sie wieder festen Boden unter dem Fahrwerk. So musste ein Blick auf die abgestellten Flieger genügen.

Neben den E3A findet man in GKE, so die Abkürzung von Geilenkirchen, immer wieder auch Lufttanker. In einem ständigen Austausch kommen amerikanische Tankflugzeuge von unterschiedlichen Stützpunkten nach Deutschland und fliegen von hier aus Tankmissionen. Dabei werden Kampfflugzeuge, oder auch die E3As, in der Luft betankt. Am 13. Januar 1999 endete eine solche Mission in Geilenkrichen in einer Katastrophe, bei einem Durchstartmannöver zog die Maschine so steil hoch, dass sie in einen „Stall“ geriet, einen Strömungsabriss. Das große Flugzeug kippte über die Fläche und zerschellte am Boden. Den Absturz und die folgende Explosion hat keines der Besatzungsmitglieder überlebt.

In einem Waldstück, direkt neben der Basis, erinnert eine kleine Gedenkstätte an den Vorfall und die Menschen, die dabei ihr Leben gelassen haben.

Kritisch von der örtlichen Fauna betrachtet habe ich dann die letzten Kilometer unter die Reifen genommen. Vom Flugplatz aus ging es in Richtung Geilenkirchen Bahnhof.

Vorbei an einem kleinen See und nochmal knackig bergan, dann war es geschafft.

Etwas über 80 Kilometer standen am Ende auf der Uhr, eine wirklich schöne Tour war das. Ich hoffe, es war für euch das ein oder andere Interessante dabei. Einen Relive Clip habe ich noch, ansonsten gilt natürlich wie immer, wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, achtet auf euch und eure Mitmenschen und bis bald,

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

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