Natur, Flugzeuge, Bahntrassen und ein neuer Bahnhof – Von Bilk nach Krefeld

Hallo zusammen,

die nächste Tour stand an. An einem Samstag Mitte März passte das Wetter perfekt und ich hatte mal wieder Lust auf eine Tour. Wenn ihr mögt, nehme ich euch gern wieder mit, unbezahlt und unbeauftragt natürlich. Los ging es in Bilk. In Bilk?

Genau. Ich bin vor gefühlten 100 Jahren dort zur Berufsschule gegangen, bzw. mit der Bahn gefahren. Der Niers-Express, damals noch von der Deutschen Bahn betrieben, fuhr immer bis in den Hauptbahnhof Düsseldorf und ich musste mit der S-Bahn ein Stück zurück bis zur Völklinger Straße. Schon damals hat man uns gesagt „Nicht mehr lange, dann halten die Züge auch direkt in Bilk“. Jetzt, kaum 20 Jahre später ist es soweit, der Niers-Express hält am, neu errichteten Bahnsteig in Bilk. Also haben ich an der „Jungfernfahrt“ teilgenommen und meine Radtour in Bilk gestartet. Los ging es noch vor Sonnenaufgang in Krefeld am Hauptbahnhof…

Unterwegs, kurz vor Düsseldorf, ging dann langsam die Sonne auf.

Seit dem 18. März fährt der Niers-Express wieder nach Düsseldorf, davor war er lange bis Duisburg umgeleitet worden, da er an der Baustelle in Bilk nicht vorbeikam. Zum ersten Mal am neuen Bahnsteig angehalten hat er am 19. März, also meiner Radtour 😉 .

Was soll ich sagen, so richtig cool ist das alles noch nicht. Auf der einen Seite gibt es noch keinen Ausgang und auf der anderen fehlt der Aufzug. Ich bin kein Experte, aber nach 3 Jahren Bauzeit hätte ich mir das irgendwie…nun ja…fertiger gewünscht.

Na ja, wie dem auch sein, ich habe meine Tour dort gestartet und bin, natürlich, erstmal zur Berufsschule gefahren 😉 . Um der alten Zeiten willen…

Ganz in der Nähe steht ein Fernrohr auf einem Sockel, eine Erinnerung an die Sternwarte in Bilk. 1943 wurde sie bei einem Bombenangriff vollständig zerstört. Der ganze Stadtteil ist astronomisch interessant, einige Straßen tragen Namen von Planeten und Kleinplaneten. Das liegt daran, weil sie von Bilk aus entdeckt wurden. Ein Stadtteil mit spannender Historie also…und mit einem Denkmal, welches daran erinnert, was Kriege alles zerstören und warum sie so sinnlos sind.

Mein Weg führte mich dann in Richtung Düsseldorf-Hamm, hinunter an den Rhein. Dabei gelang ein Blick auf den Rheinturm und das Stadttor, ein Bürogebäude aus dem Jahr 1998.

Direkt am Rheinufer erinnert eine Plakette an eine ehemalige Fährverbindung nach Neuss, heute gibt es ein paar Meter weiter eine Brücke.

Über was er wohl nachdenkt? Das Leben, das Universum und den ganzen Rest?

In der Zeit in der ich von Bilk aus bis hinunter an den Rhein gefahren bin, war der Niers-Express am Hauptbahnhof angekommen und mittlerweile wieder unterwegs zurück über Krefeld nach Kleve. Ich hab ihn dann auf der Abfahrt der Hammer Eisenbahnbrücke erwischt.

Die Hammer-Eisenbahnbrücke hat vier Gleise und wird von etlichen Regional- und S-Bahnen überquert. Und, so wie hier, von vielen Schiffen unterquert 😉 .

In einem weiten Bogen bin ich um den Hafen herumgefahren, dabei kam ich auch am Kraftwerk Lausward vorbei. Mit einem, in Glas gefassten Block „Fortuna“ ist es mittlerweile selbst zur Sehenswürdigkeit geworden, vor allem Nachts sieht es beeindruckend aus.

An einer Kunstgießerei, mit etwas merkwürdigen Skulpturen auf dem Hof, vorbei führte mich mein Weg auf die Medienhafenbrücke.

Ein Blick über den Rhein zeigt den Vodafone-Campus auf der anderen Rheinseite, ein Bürogebäude, Hauptsächlich von Vodefone genutzt.

Von der Brücke aus hat man einen tollen Blick auf die Plange-Mühle, erbaut 1906 und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut, beherbergt das Gebäude heute Büro- und Ausstellungsflächen und steht unter Denkmalschutz.

Am Landtag und Rheinturm vorbei bin ich dann zum Mannesmannufer geradelt. Um diese frühe Uhrzeit war dort noch, fast, nichts los. 130 Radfahrende waren allerdings schon vor mir hier vorbei gekommen.

Die Rheinuferpromenade entlang ging es weiter. Auch vor den Dienstgebäuden des Landes wehen aktuell die ukrainischen Farben.

Ab und an mal nach rechts und links zu gucken kann sich lohnen, tolle Streetarts gibt es auch in Düsseldorf zu entdecken.

Der Weg am Rhein entlang führt dann am Rheinpark vorbei und über die Cecilienallee weiter zur Rotterdamer Straße. Der breite Weg neben der Straße ist baumbestanden und herrlich zu fahren, zumal um diese frühe Uhrzeit.

Bei einer kurzen Pause habe ich den Blick über den Rhein schweifen lassen und das Flusskreuzfahrtschiff „Amasiena“ entdeckt. Noch sehr neu, Baujahr 2021, befährt sie die Strecke Basel – Amsterdam. Ich weiß nicht, ob das was für mich wäre, ruhiger als auf dem Meer liegt der Kahn ja sicherlich, aber ob es spannend ist, den Rhein entlang zu schippern? Vielleicht bin ich dafür auch noch zu jung….und die Kohle fehlt mir natürlich auch 😉 .

Mit einem knackigen Rechtsturn bin ich dann über die Straße und in den Nordpark gefahren. Zwischen Engländerwiese, japanischem Garten und dem Aquazoo hindurch ging es weiter in Richtung Flughafen. Bei bestem Wetter merkte man im Nordpark dann auch recht deutlich dass es Frühling wird.

Sagte ich eben bei dem Flusskreuzfahrer etwas zum Thema Geld? Nun, am Flughafen fiel mir als erstes diese schöne Falcon 900LX ins Auge. Sie wird von der Fort Aero betrieben und bietet Platz für 14 Passagiere. Wer auch eine möchte müsste wohl knappe 44 Millionen Euro auf den Tisch legen….aber hübsch is se ja schon, oder? 😉

Am Flughafen wird ja gefühlt immer gebaut. Aktuell schreiten die Bauarbeiten für die neue Stadtbahnlinie U81 voran. Neben einem beeindruckenden Brückenbauwerk entsteht auch ein unterirdischer Bahnhof am Terminal, inklusive eines Tunnels. Die Bauarbeiten kann man sich vor Ort anschauen, noch ist alles offen und wird ausgeschachtet. Schon ein echtes Mammutbauwerk.

Natürlich habe ich, wer mich kennt und die Beiträge hier verfolgt hat, ahnt es ja vielleicht schon, eine kleine Pause am Flughafen eingelegt und ein bisschen Flugzeuge geguckt ;).

Eine typische Szene aus Düsseldorf, der charakteristische Tower auf der Besucherterrasse und davor eine Airbusse von Eurowings.

Beim abrollen von der Bahn erkennt man bei diesem Airbus, einer Maschine der irischen Aer Lingus, die ausgefahrenen Spoiler. Diese Störklappen dienen im Anflug zur Reduzierung des Auftriebs der Tragflächen und erhöhen, voll ausgefahren, nach der Landung den Luftwiderstand. Zudem bricht der Auftrieb der Fläche dann zusammen und drückt den Flieger auf das Fahrwerk, an dem dann die Radbremsen greifen. Zusammen mit dem Gegenschub, also der Umkehr des Triebwerkstrahls, verzögert das Flugzeug dann soweit, dass es gefahrlos von der Landebahn in Richtung Parkposition rollen kann.

Ein letzter Blick auf den startenden Dreamliner von Tui Belgien auf dem Weg in die Karibik habe ich den Flughafen dann auch schon wieder verlassen. Die Faszination für das Fliegen packt mich einfach jedes Mal aufs Neue.

Über Ratingen ging es zum nächsten interessanten Fotopunkt, der Weg führte mich ins wunderschöne Angertal. Dort gibt es neben wilder Natur auch eine, eingleisige, Bahnstrecke zu einem Kalkwerk in Wülfrath. Es fährt zwar nicht viel, aber wenn ein Zug vorbeikommt ist das, wegen der tollen Szenerie drumherum, immer irgendwie cool. Ewig warten wollte ich nicht, ich hatte ja am Flughafen schon Pause gemacht, also habe ich mir 20 Minuten gegeben, in denen ich auf die Gleise gestarrt habe.

Unterbrochen nur von meiner Minipizza, die ich mir in Bilk am Bahnhof gekauft hatte. Lecker war es 😉 .

Gegenüber steht ein schönes Fachwerkhaus und ab und an kamen Menschen auf Fahrrädern oder mit Walkingstöcken bewaffnet vorbei.

Und dann erklang aus der Ferne der helle Pfiff einer Lokomotive. Die meisten Bahnübergänge auf der Angertalbahn sind unbeschrankt und so müssen die Lokführerinnen und Lokführer vor jedem Übergang das Signalhorn betätigen. Das bedeutet, man weiß recht früh, wenn ein Zug kommt. Wenige Minuten später rollte er dann auch unter der Brücke hindurch in Richtung Duisburg.

Apropos Bahn. Mein nächstes Ziel war die Niederbergbahn. Allerdings nur deren Trasse, anderenfalls hätte ich wohl eine Zeitreise unternehmen müssen. Der Panoramaradweg auf der der Niederbergbahn-Trasse ist wirklich ein geniales Stück Radinfrastruktur. Bis dahin ging es aber erstmal in Richtung Eggerscheidt bergan.

Kurz vor dem Ort habe ich dann auch die Autobahn A3 überquert, interessant, dass man bis nach Duisburg zu den Stadtwerken gucken konnte.

An einer Landstraße entlang führte mich der Weg dann in das Örtchen Unterilp, überraschend direkt neben Oberilp gelegen 😉 .

In Unterilp bin ich dann letztlich auf die Niederbergbahn-Trasse aufgefahren.

Herrlich zu fahren, leicht bergab, und wenn man rechts und links schaut findet man immer wieder wunderbare Ausblicke über die Landschaft. Von weitem erkennt man auch schon die Brücke über die Ruhrstraße, die der Radweg dort überquert.

Über eben jene Eulenbachbrücke führt dann wenig später der Radweg. Einfach wunderbar hier zu radeln, zumal es in dieser Richtung, wie schon gesagt, die ganze Zeit leicht bergab geht.

Parallel zur ehemaligen Trasse verläuft hier auch noch eine aktive Bahnlinie 😉 Das ermöglicht ganz schöne Ausblicke und Fotos.

Unten angekommen ist man fast in Kettwig. Schaut man von der Ruhrbrücke aus auf Kettwig, ist es fast zu kitschig schön. Was soll ich sagen, das hat schon was, zumal mit der blühenden Kirschen im Vordergrund.

Schaut man die Ruhr hinab in Richtung Nordwesten erkennt man die Mintarder Ruhrtalbrücke. Ich bin dann auch genau in diese Richtung an der Ruhr entlang nach Mülheim gefahren.

Schon ein beeindruckendes Bauwerk, diese Brücke. 65 Meter hoch und über 1,8 Kilometer lang. Bevor die hohen Zäune am Rand errichtet wurden, haben sich einige Suizide dort ereignet. Meine Oma hat immer von der „Selbstmörderbrücke“ gesprochen 🙁 .

An der Ruhr entlang zu fahren ist einfach ein wirklich schöner Abschnitt meiner Tour gewesen, es war immer noch nicht viel los und so kam ich dort gut voran. Die Seite habe ich ein, zweimal gewechselt und dann war ich in Mülheim am Wasserbahnhof angekommen.

Am Wasserbahnhof in Mülheim lagen alle drei Schiffe der „Weißen Flotte“. Sie befahren die Ruhr und sind elementarer Teil meiner Kindheitserinnerung. Oft sind wir an der Ruhr spazieren gegangen und diese eleganten Schiffe fuhren vorbei. Manchmal sind wir den Rückweg dann auch per Schiff gefahren. Schön war das immer. Die „Mülheim an der Ruhr“, die „Friedrich Freye“ und die „Heinrich Thöne“ lagen an diesem Samstag am Anleger.

An alten Villen vorbei bin ich dann in Richtung Radschnellweg 1 gefahren. Bei etlichen Touren in dieser Ecke habe ich immer wieder diesen tollen Vorzeige-Radweg genutzt.

Dieses Mal war die Fahrt nur kurz, über die Ruhr und dann weiter in Richtung Speldorf. Leider reicht der RS1 noch nicht so weit und ich bin an der Straßen entlang gefahren.

Eigentlich fotografiere ich jetzt nicht leidenschaftlich Lebensmittelläden, bei diesem REWE hier ist das aber etwas anderes. Er ist in Speldorf in einem alten Straßenbahndepot untergebracht, inklusive einem historischen Straßenbahnwagen vor der Tür. Finde ich klasse. Beides.

Über die Mülheimer Straße bin ich dann nach Duisburg gefahren. Schon spannend auf was für Tiere man in der Stadt am Rhein so trifft. Rechnet man ja erstmal nicht mit 😉 .

OK, die Mülheimer Straße führt direkt am Duisburger Zoo vorbei und ermöglicht diesen interessanten Einblick zu den Giraffen. Weiter ging es in Richtung Innenstadt, am Hauptbahnhof vorbei zum Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte. Da am Tag meiner Tour der „Tag der Luftrettung“ war, musste ich natürlich „meinem“ Rettungsheli, Christoph 9, einen Besuch abstatten. Als Duisburger mag und schätze ich den Heli und das Team dahinter sehr. Ein echter Engel der Lüfte.

Ohne große Umwege und Schnörkel ging es vom Heli aus langsam in Richtung Heimat, in Richtung Krefeld. Auf dem Weg zur Rheinbrücke in Uerdingen bin ich auch am Hüttenwerk in Hüttenheim vorbeigekommen. Ihr wisst ja, ich stehe auf Industriekultur. So ist eine kurze Pause und ein schweifender Blick über die Liegenschaften dort irgendwie immer Pflicht 😉 .

Manchen der Lokomotiven dort sehen aus, als kämen sie gerade aus der Produktion, anderen sieht man den harten Arbeitsalltag durchaus an.

Wenige Kilometer weiter ging es dann über den Rhein und zurück nach Krefeld. Die Rheinbrücke ist schon auch ein Wahrzeichen der Stadt, manche sprechen auch von der „Golden Gate am Rhein“, vielleicht ein wenig hochtrabend, aber gut aussehen tut sie ja durchaus.

Kurz hinter der Rheinbrücke kann man auf die vielen Gleisanlagen der Hafenbahn und der Deutschen Bahn blicken. Es lohnt immer, da mal genauer hinzuschauen, zumindest wenn man sich für Eisenbahnen interessiert. Auch dieses Mal hatte ich Glück, diese dunkelrote Baureihe 218 stand dort abgestellt. Baujahr 1971 und immer noch gut dabei. Sie wird von der Eisenbahn-Betriebsgesellschaft Neckar Schwarzwald Alb mbH betrieben und sieht doch aus wie neu. Ich finde es klasse, dass solche Lokomotiven gehegt und gepflegt werden.

Über einige Fahrradstraßen, vorbei am Moltke-Gymnasium, ging es nach Hause und dem Ende einer wirklich schönen Radtour entgegen.

Ich habe noch ein Relive Video für Euch und wie immer gilt natürlich, wenn irgendwelche Fragen auftauchen, immer her damit.

Das soll es auch schon wieder gewesen sein, wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen. Bleibt gesund und munter, schaut das ihr in diesen Zeiten ab und an auch mal das Positive seht und versucht da zu helfen, wo ihr es könnt.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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