Von Arnheim nach Goch – Die Brücke von Arnheim und viel Natur

Dag allemal en hartelijk welkom,

ich war mal wieder, unbeauftragt und unbezahlt, auf dem Rad unterwegs. Wenn ihr mögt, nehme ich Euch mit auf eine Tour vom niederländischen Arnheim nach Goch. Die Niederlande. Ein echtes Paradies für radelnde Menschen. Das hört man immer wieder und ich kann das auch genauso bestätigen. Eigentlich ist die Grenzregion rund um Venlo, die Maasdünen, Arcen und diese ganze Ecke dort ein bevorzugtes Radrevier von mir.

Die Bitten der beiden Regierungen Besuche vorerst zu unterlassen und sehr hohe Inzidenzzahlen erst auf beiden Seiten, zuletzt immer noch in den Niederlanden, haben mich aber von Radtouren zu den wunderbaren Nachbarn Abstand nehmen lassen. Stattdessen habe ich das Ruhrgebiet erkundet. Bei meiner Tour von Hamminkeln nach Duisburg vor einiger Zeit (HIER) habe ich dann zum ersten Mal davon gehört, dass der Regionalexpress RE19 bis ins niederländische Arnheim fährt….und das zum normalen VRR Preis, also ohne für den Grenzübertritt noch ein paar Euro drauflegen zu müssen. Schon damals hatte ich die Idee, das auf jeden Fall mal zu machen. Wie gesagt, die Coronalage sprach bislang dagegen.

Die aktuellen Zahlen auf beiden Seiten der Grenzen ließen die Tour jetzt aber zu, trotzdem habe ich natürlich einen frühen Zug genommen um möglichst allein zu sein, habe in den Niederlanden, wenn ich mal in einem Geschäft war, natürlich meine FFP2 Maske getragen und ansonsten Menschenansammlungen vermieden. Das ging auch ganz gut, ich könnte mir vorstellen, dass das in Venlo, Domburg, Rotterdam oder Amsterdam schwieriger ist. Los ging es um 5.59 Uhr in Krefeld. Na ja, eigentlich um 4.59 Uhr, allerdings war ausgerechnet die Tür bei der ich in den Zug steigen wollte defekt….und bis ich zur nächsten sprinten konnte fuhr der Zug ab. 😉 Doof gelaufen.

Also ne Stunde später los, dann klappte aber alles reibungslos. Der RE19, auch der Rhein-IJssel-Express genannt, hat mich vom Umsteigehalt in Duisburg nach Arnheim gefahren. Interessantes Detail, Kurz vor dem Halt am Zielbahnhof bekommt man eine Karte mit einem QR Code überreicht, sie dient dazu, in Arnheim aus dem Bahnhof zu kommen, dort gibt es elektronische Gatter, die man damit öffnen muss.

Die ganze Gegend rund um Arnheim, generell viele Ecken in den Niederlanden, ist durchdrungen von Spuren des Zweiten Weltkrieges. Ich weiß nicht, wie historisch bewandert ihr seid, aber in der Region fand die „Operation Market Garden“ statt. Es gibt viel Hintergrundliteratur dazu, wenn ihr mögt, lest Euch gern mal ein. Die absolute Kurzfassung ist, die Alliierten versuchten 1944 den Westwall zu umgehen und über eine gigantische Luftlandeoperation in den Provinzen Noord-Brabant und Gelderland ins Ruhrgebiet vorzustoßen. Dabei gab es auch heftige, verlustreiche Kämpfe um die „Brücke von Arnheim“, die damals Rijnbrug hieß. Am Ende konnten die deutschen Truppe die Brücke halten, die Operation schlug fehl und viele Soldaten verloren ihr Leben. Mein erster Weg führte mich dann auch zu einem kleinen Denkmal bei Lichtenbeek.

Los ging es am Bahnhof und dann über schöne Radwege in Richtung Lichtenbeek.

Um dann wenig später beim Denkmal anzukommen.

Nochmal was zum Thema „Radeln in den Niederlanden“, das hier ist mal eine bauliche Trennung zwischen Straße und Radweg.

In Arnheim sind auch die, mittlerweile, einzigen Oberleitunsgbusse der Niederlande unterwegs. Schon ein faszinierender Anblick wenn die Busse am Strom hängen. Eine Straßenbahn ohne Straßenbahnschienen quasi.

1684 Soldaten des Commonwealth, 79 polnische und 3 niederländische Soldaten, dazu 243 unbekannte im Krieg gefallene Menschen. Das sind die nackten Zahlen der Gräber auf dem Arnhem Oosterbeck Soldatenfriedhof. Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte, Ängste, Träume Hoffnungen. Es bleiben Angehörige zurück, Freunde, Verwandte. Wenn ich an solchen Orten bin, nehme ich mir in der Regel immer ein paar Minuten Zeit, blättere in den Verzeichnissen, recherchiere Geschichten. Ich halte das für wichtig, zum einen werden die Menschen nicht vergessen, zum anderen macht es mich demütig und dankbar. Ich bin jetzt knapp Mitte 40, ich musste nie Krieg, Elend oder Vertreibung erleben. Was für ein Geschenk.

Irgendwie passte es da ganz gut dass mein weiterer Weg in Richtung Schaarsbergen über einen Weg führte, der mit seinen Bäumen fast wie eine gotische Kathedrale wirkte.

An einem großen Waldgebiet entlang ging es in Richtung Norden, am „Arnhems Oorlogsmuseum“ vorbei. Wie gesagt, in dieser Region nicht an Spuren des Krieges vorbeizufahren ist fast schwieriger als andersherum.

In einem Bogen ging es dann wieder in Richtung Arnheim Innenstadt. Dabei bin ich über gut ausgebaute Straßen mit Radwegemarkierungen gefahren und hab am Haus Zypendal und seinem wunderbaren Park einen kurzen Stopp eingelegt. Nach den ganzen düsteren Themen zu Beginn der Tour, war das hier richtig schön. Ein tolles Haus aus dem Jahr 1762.

Die Innenstadt von Arnheim war das kommende Ziel. Wie bei den meisten größeren Städten klappt das radeln auch in Arnheim problemlos. Eigene Radwege, gute Verkehrsführungen und jede Menge andere Menschen auf Fahrrädern machen das immer zu einem besonderen Erlebnis. Unter einer Brücke habe ich dann auch ein cooles Streetart entdeckt.

An der Rheinpromenade habe ich dann mal einen Moment Pause gemacht, auf den Fluss geguckt und nen Happen gegessen. Dabei fiel mein Blick auch auf einen kleinen Hafen gegenüber, dort besonders auf den alten Hafenkran. Ich kann mir ja nicht helfen, ich bin für sowas ja echt zu begeistern.

An einem weiteren Streetart vorbei bin ich dann zur John Frostbrug gefahren, das ist die berühmte Brücke von Arnheim. Die Brücke, die so hart umkämpft war im Zweiten Weltkrieg. Es ist, und ich wiederhole mich da gern, ein so wunderbares Gefühl im Frieden auf einer Radtour ganz entspannt über diese Brücke radeln zu können.

Ein Blick auf ein begrüntes Dach von dort oben lässt interessante Einblicke zu. Was sich manche Menschen so aufs Dach stellen ;).

Aus der Stadt heraus ging es dann über Land weiter. Gegenwind gab es natürlich gratis dazu ;). Aber es war schon echt herrlich dort zu fahren. Relativ allein unterwegs, frische Luft und eine ganze Weile parallel zum Nederrijn.

Nach dem fulminanten Staat der Oranje Elftal, der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft, bei der diesjährigen Europameisterschaft, die ja dem Titel nach die letztjährige EM ist ;), sieht man in den Niederlanden viele geschmückte Häuser, Autos und ganze Straßenzüge. Die Fußballbegeisterung im Land scheint hoch zu sein, mal sehen, wie weit das Team kommt.

Von Huissen, wo dieses Foto entstanden ist, bin ich dann in Richtung Doornenburg weitergefahren. Es macht wirklich Spaß dort zu radeln, das System mit der roten Farbe auf den Straßen funktioniert dort auffallend gut. Irgendwie fährt man entspannt und kommt sich mit den Autos kaum ins Gehege.

In den allermeisten Fällen klappt das mit der gegenseitigen Rücksichtnahme ganz gut.
Kurz hinter dem Dorf Angeren steht ein seltsames Denkmal am Wegesrand. Ich fand es spannend und habe mal angehalten.

Rechts und links neben dem Teil sind angedeutete Schienen verlegt. Das ganze Ensemble weißt auf den Spoortunnel Pannerdensch Kanaal hin. Dabei handelt es sich um einen Tunnel im Verlauf der Eisenbahnlinie Betuweroute, welche über 160 Kilometer von der DeutschNiederländischen Grenze bis zur Maasvlakte in Rotterdam verläuft. An der Stelle war erst eine Brücke angedacht, da es sich aber um ein Naturschutzgebiet handelt hat man sich dann doch für einen Tunnel entschieden. Bei den Ausschachtungen wurden dann auch noch römische Münzen gefunden.

Heute rauschen die Züge durch den Tunnel. Knapp 1600 Meter ist er lang und hat nur etwas über ein Jahr Bauzeit gebraucht. Schon beeindruckend.

Kurz vor Doornenburg gab es dann noch diesen Storch inklusive Nachwuchs zu sehen.

Ganz in der Nähe des Dorfes Doornenburg liegt auch die gleichnamige Burg. Das Dorf war mein Ziel, weil ich dort mit der Fähre über die Waal setzen wollte. Ein Abstecher zur Burg lohnt sich aber in jedem Fall. Die Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Von der Burg war es ein Katzensprung bis runter ans Ufer der Waal. Bis vor wenigen Kilometern war das noch der Rhein, hier spaltet er sich auf in Waal und Pannerdensch Kanal, welcher dann später zum Nederrijn wird. Am Fähranleger gibt es Schild mit einer Abstandsregel…die hat aber wohl nichts mit Corona zu tun, denke ich ;).

Die Wasserbüffel gucken dann auch ein bisschen muffig aus der Wäsche…

Für schlanke 2 Euro transportier einen der Fährmann auf die andere Seite des Flusses. Er ist übrigens vertrauenswürdig, man muss es nicht wie Chris DeBurgh halten ;).

Auf der Waal kam uns das Bunderboot „Waalplus“ entgegen, überhaupt waren einige Schiffe unterwegs, die Waal war ziemlich befahren am Sonntag. Neben den Binnenschiffen waren auch viele kleine Motorboote oder Jetski unterwegs.

Zwischen Millingen aan de Rijn und Keeken habe ich dann die Grenze überquert und war wieder in Deutschland. Man merkte es an den Ortsschildern, nicht aber, wie so oft, an den Radwegen und den Straßen, die waren auf dem Weg nach Kleve durchweg gut zu fahren.

Niederrhein halt. Typisches Bild am Deich.

Ein ganzes Stück bis nach Kleve hatte ich an einer Landstraße geplant, das war aber so gar kein Problem, selbige wird nämlich gerade komplett saniert und ist deshalb gesperrt. Kein Auto weit und breit, herrliche Ruhe und ich kam super voran.

Kurz vor Kleve hörte ich ein markantes Geräusch, das klang nach Hubschrauber im Anflug. Als ich wenig später am Krankenhaus vorbeigeradelt bin bestätigte sich mein Gehörverdacht. Mit der D-HYAC stand „Christoph Westfalen“, ein Airbus H145, auf dem Helipad. Es ging wohl um eine Intensivverlegung. Ich habe das schon oft gesagt, ich finde die Technik faszinierend, kann mich für einen Hubschrauber immer begeistern, ziehe vor den Menschen, die täglich aufstehen und ihre Zeit und ihr Engagement in die Rettung und die Hilfe anderer Menschen stecken, aber tief den Hut. Dank Euch.

Über die sehr lange, sehr gerade Trifterstraße 😉 ging es weiter. Schön zu fahren, keine Frage, aber doch ein wenig reizarm. Da hab ich mich dann sehr über das herrliche Käfer-Cabrio gefreut welches an mir vorbei fuhr.

Ein Stück an der Niers vorbei führte mich mein Weg dann schließlich nach Goch. Am Wegesrand standen diese kleinen Figürchen, keine Ahnung ob das ein Minialtar war, oder ob jemand seinen Porzellankrempel verklappen wollte….mir hat es irgendwie gefallen 😉

In Goch selbst war ich erst etwas überrascht, was manche Menschen sich so in den Garten stellen 😉

…dann aber sehr positiv angetan von den Stadtwerken, welche mit der Regenbogenflagge mehr Haltung beweisen als die UEFA in der aktuellen Zeit. Vielen Dank dafür.

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Knappe 70 Kilometer war die Tour lang, sie hat mir aber wieder großen Spaß gemacht. Ich hoffe, euch haben die Beschreibungen gefallen, wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Ich habe, natürlich, noch einen Relive Clip für Euch.

Bleibt gesund und munter, passt auf Euch auf und fahrt vorsichtig,

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

3 comments

  1. Hallo Martin,
    Deine Beiträge begeistern mich immerwieder. 👍🚴‍♂️🤗
    Danke dass Du sie ins Netz stellst.

    Freue mich auf Deine nächsten Beiträge
    Ilona

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