Von Krefeld nach Gelsenkirchen – Halden, Natur, Bauwerke

Glückauf ihr Lieben,

es geht wieder auf Tour, es geht wieder ins Ruhrgebiet und wenn ihr mögt nehme ich Euch, unbezahlt und unbeauftragt, wieder mit. Der Gruß weist schon auf das Ziel hin, der „Pott“ soll es sein. Gestartet bin ich von Zuhause aus, also in Krefeld ging es los. An einer Wand findet sich dieses Bild, es gibt schlechtere Menschen die man porträtieren kann ;).

Durch den kleinen, aber sehr feinen Kaiser-Friedrich-Hain führte mich mein Weg dann Richtung Bismarckviertel und Stadtwald.

Im Bismarckviertel fallen nach wie vor die Stromkästen auf, welche mit historischen Motiven beklebt sind. Es wirkt gleich ganz anders als wenn da nur die langweiligen grauen Kästen stehen. Eine klasse Idee ist das.

Erst am Stadtwald vorbei und dann auf den Herman-Kresse Weg ging es weiter in Richtung Moers. Dabei habe ich einen kurzen Stopp an den Niepkuhlen eingelegt, ruhig war es und herrlich. Es ist am Ende des Tages dann eben doch eine verdammt schöne Ecke in der wir hier wohnen.

Durch Traar ging es weiter zum Schloss Lauersfort. Das ehemalige Rittergut ist ein wunderbares Fotomotiv und auch aus archäologischer Sicht durchaus spannend. Ganz in der Nähe wurden römische Ehrenabzeichen gefunden, Nachbildungen davon findet man im Museum Burg Linn bei uns in Krefeld. Schaut mal diesen Clip hier:

Ach ja, ein wunderbares Fotomotiv schrieb ich, schaut mal, es ist wirklich ein tolles Schloss.

Vom Schloss aus führte mich mein Weg nach Moers. Dazu bin ich den „Grafschafter Rad- und Wanderweg“ gefahren. Ihr ahnt es vielleicht, das ganze ist eine ehemalige Bahntrasse. Von Hüls nach Moers fuhr dort bis in die 1950er die Eisenbahn, heute ist es ein toller Radweg.

In Moers habe ich dann einen Moment Pause am Schacht IV der Zeche Rheinpreußen gemacht. Ganz interessant das ganze mal bei Lichte zu betrachten, aus meiner wilden Jugend kenne ich das Gebäude nur bei Nacht und mit grimmigen Türstehern davor ;). Bis 2014 war dort eine Disco, das PM, ansässig. Die ein oder andere kurze Nacht habe ich da verbracht. Das war toll damals, Livemusik gab es, Donnerstags Abend Buffet…hach ja, Erinnerungen. Auf jeden Fall macht das Top-erhaltene Fördergerüst auch heute noch eine Menge her. Ich finde es toll, dass man diese Zeugnisse der Vergangenheit bewahrt.

Apropos Zeche Rheinpreußen. Ganz in der Nähe liegt auch die Halde Rheinpreußen, sie war die erste Halde die begrünt wurde und mittlerweile ist sie mit ihrem „Geleucht“ auf dem Gipfel eine echte Attraktion geworden. Der Joker unter einer Brücke weist den Weg 😉

Das „Geleucht“ ist ein Aussichtsturm in Form einer Grubenlampe. Weithin sichtbar ist sie das Symbol für die Bergbrautradition in der Region.

Die Aussicht von dort oben ist grandios, zumindest wenn nicht, wie bei dieser Tour, ein dunstiger Nebel über allem liegt. Auf jeden Fall lohnt ein Besuch der Halde.

Ich hab die Pause da oben, und die Tatsache ganz allein zu sein, dazu genutzt von langer auf kurze Hose umzusteigen und mich ordentlich einzucremen. Die Sonne gewann zunehmend an Kraft.

Die Halde runter geht fixer als rauf und so hab ich den Abschwung echt genossen. Über die Rheinbrücke auf dem Foto da oben ging es dann über den Fluss nach Duisburg.

Auf der anderen Rheinseite ging es an der Kaltwalzanlage von Thyssen vorbei in Richtung Alsumer Berg. Das ist eine schöne Ecke finde ich, rechts Industriekulisse und links der Rhein mit seinen Auen davor.

Am Alsumer Steig kann man ein bisschen am Rhein sitzen und Schiffe gucken, hier kommt auch die Kohle für das Stahlwerk an.

Die Strecke bin ich schon oft gefahren, vorbei an der Kokerei Schwelgern. Wer dem Blog hier schon länger folgt, der weiß ja, ich stehe auf diese ganze Schwerindustrie. Ich finde das spannend und faszinierend. Ein Blick in den Löschturm der Kokerei zeigt, wo der charakteristische Wasserdampf herkommt. Der Löschwagen, voll mit 1100 Grad heißem Koks, wird unter den Löschturm gefahren, wo das Ganze dann mit Wasser abgekühlt wird. Dabei entsteht eine Menge Wasserdampf.

Und auch den Kalk aus dem Angertal von einer meiner letzten Touren (HIER) findet man im Stahlwerk wieder. Wie gesagt, Industriekulisse hat seinen ganz eigenen Reiz, finde ich.

Weiter ging es nach Duisburg Marxloh, dort an der Merkez-Moschee vorbei. Ich als gebürtiger Duisburger Jung kann genug Türkisch um zu wissen, dass Merkez Mitte heißt und damit Zentralmoscheen bezeichnet werden. In der Landessprache käme dahinter aber wohl eher ein Camii als das deutsche Wort Moschee. Die Moschee ist ein kulturelles Bindeglied in der Gemeinde und hat aktuell auch eine wichtige Rolle in der Pandemiebekämpfung inne. Marxloh ist als eng besiedelter Stadtteil ein Corona-Hotspot und die Moschee hat über ihre Reichweite und Netzwerke die Werbtrommel für Imfpaktionen im Stadtteil gerührt.

Am Park „Jubiläumshein“ vorbei bin ich dann zur „Kleinen Emscher“ gefahren. Die geschotterten Wege neben dem Flüsschen wecken Kindheitserinnerungen, hier bin ich als junger Hüpfer auch schon mit dem Rad langgedüst. Da war damals toll, das ist es heute auch noch.

Über die Fiskusstraße, vorbei an einem sehr schön bemalten Stromkasten, führte mich mein Weg dann nach Oberhausen.

Nicht nur auf dem platten Land am Niederrhein gibt es Windmühlen, auch hier in Oberhausen steht dieses schöne Exemplar. Die Geschichte der Baumeister Mühle, und die aktuelle Nutzung, sind durchaus interessant, Infos dazu findet ihr HIER.

Krankenhäuser sind ja in der Regel Zweckbauten, so richtig attraktiv sind sie selten, und eigentlich will man ja auch gar nicht hin und rein schon gleich gar nicht. Das Johanniter-Krankenhaus in Oberhausen, Eröffnung 1895, sieht aber optisch schon wirklich klasse aus. Trotzdem möchte ich es nicht nutzen müssen, als Fotomotiv taugt es aber auf jeden Fall.

Über einen sehr schönen, baumbestandenen, Radweg bin ich dann weiter zum OLGA Park gefahren. Was nach russischer Ringerin klingt ist die Abkürzung für „Oberhausener Landesgartenschau“. Die fand 1999 statt und der heutige OLGA Park war, wie sollte es im Pott auch anders sein, mal eine Zeche. Die Zeche Osterfeld nämlich. Heute steht noch der Turm über Schacht III.

Osterfeld? Wer hier öfter mitliest ahnt vielleicht was kommt. Da ist doch diese Eisenbahnfotopunkt. Genau, ich habe natürlich wieder in der Zufahrt auf den Rangierbahnhof Osterfeld Pause gemacht. Aber nur kurz und ich hab auch nur diesen 2003er Bombardier TRAXX von BLS Cargo aus der Schweiz fotografiert.

Mit Blick auf den Oberhausener Gasometer, der mittlerweile eine Ausstellungshalle ist und gerade saniert wird, ging es dann von Osterfeld in Richtung Emscher und Rhein Herne Kanal weiter.

Entlang der Emscher findet sich immer wieder auch Kunst im öffentlichen Raum. Ein sehr bekanntes Kunstwerk ist sicher der „Zauberlehrling“ von IngesIdee. Infos dazu gibt es HIER. Ich finde den Bruch mit dem, was man erwartet wenn man einen Strommast sieht schon irgendwie spannend. Das Projekt gefällt mir wirklich gut.

Nach der Kanalüberquerung ging es ins Hexbachtal. Als ich dort das letzte Mal gefahren bin, war es andersherum, permanent bergab…dieses Mal ging es bergan. 😉 Die Ecke ist aber wunderschön und man fährt unter Bäumen und auf schönen Wegen. Bei der Wärme wirklich sehr angenehm.

„Oben“ angekommen war Essen meine nächste Station. Das Stammhaus der Familie Krupp und im heftigen Kontrast dazu die aktuelle Konzernzentrale. Schon beeindruckend was daraus geworden ist.

Ein paar Meter weiter steht auch ein Denkmal für die Herstellung von Tiegelstahl. Alle Schritte der Produktion sind in diesem eindrucksvollen Monument dargestellt. Irgendwie hat im Ruhrgebiet ja nahezu alles eine industrielle Vergangenheit.

Heute ist die „Alter Synagoge“ das „Haus jüdischer Kultur“ in Essen. Der beeindruckende Bau hat den Zweiten Weltkrieg, äußerlich, gut überstanden und ist ein tolles Zeugnis der Vorkriegsarchitektur. Das heute, im Jahr 2021, davor ein Streifenwagen stehen muss ist eine Schande, aber wohl leider eine Notwendigkeit. Gegen dumme Parolen und verdeckten, wie offenen Antisemitismus aufzustehen war vielleicht lange nicht mehr so wichtig wie heute.

Ein paar Kilometer weiter habe ich dann eine ganz interessante Lösung für einen Radweg entdeckt. Rechts auf dem Foto befindet sich ein Radweg welcher in beide Richtungen befahren werden kann, in der Mitte sind Parkplätze und Links ist dann die eigentliche Straße. Sozusagen sind die geparkten Autos eine bauliche Trennung. Habe ich so explizit auch noch nicht gesehen.

Wenig später gab es dann auch noch Fahrradstraßen zu entdecken, bevor ich dann in Essen Kray angekommen bin.

Alles in allem sehr gut zu fahren an dieser Stelle. In Essen Kray gab es dann die nächste ehemalige Zeche zu sehen, Bonifacius um genau zu sein. Heute finden sich dort Kultur- und Gastroangebote und natürlich das Fördergerüst.

Ganz interessant, vor dem Gerüst ist eine Rettungskapsel in Form einer „Dahlbuschbombe“ der Grubenwehr ausgestellt. Damit kann man verschüttete Bergleute auch durch enge Bohrlöcher retten.

Auf der anderen Straßenseite gibt es dann noch ein schönes Wandgemälde zu sehen, es ist schon so, wir Ruhrpottkinder lieben unsere Heimat und verklären vielleicht auch ein wenig die Historie, auf jeden Fall werden Traditionen gelebt.

Und so langsam näherte ich mich auch dem Ende der Tour. Eine letzte Halde galt es aber noch zu erklimmen, die Halde Rheinelbe. Anfang der 1930er Jahre bereits stillgelegt ist von der Zeche Rheinelbe nicht viel übrig, die Halde ist aber einen Besuch wert. Die etwas merkwürdige Skulptur auf dem Gipfel ist vielleicht nicht für jede und jeden was, aber die Aussicht ist klasse.

Auf einer, natürlich, Bahntrasse, dieses Mal die Kray-Wanner Bahn, führte mich mein Weg dann weiter in Richtung Ziel. Ich wollte mit dem Zug zurück fahren, dieses Mal von Gelsenkirchen aus.

Ganz kurz vor dem Bahnhof fällt noch der „Solarbunker“ auf. Ein ehemaliger Hochbunker für Erz ist heute mit etlichen Solarpanelen bedeckt.

Und das soll es gewesen sein. Knappe 87 Kilometer war diese Tour lang, ich hoffe die Ein- und Ausblicke haben Euch gefallen. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Ich habe noch einen Relive-Clip für Euch, schaut mal hier:

Bleibt gesund und munter, fahrt immer vorsichtig und genießt das Leben wo immer es geht 😉

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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