Schwebebahn, Nordbahntrasse und ein Stausee – von Wuppertal nach Holzwickede

Hallo zusammen,

ich brauche meine Radtouren irgendwie für die Seele, es tut gut, einfach mal ein bisschen abzuschalten und auf dem Rad gelingt mir das in der Regel ganz wunderbar. Die Wettervorhersage für das letzte Wochenende war ganz gut und so ging es Samstag mal wieder auf Tour. Wenn ihr mögt nehme ich Euch wieder mit, dieses Mal von Wuppertal nach Holzwickede. Meine Ecke ist hier wunderbar für Radtouren, aber ab und an möchte ich auch mal was anderes sehen und Neues entdecken. Also los…ach ja, alles wie immer unbezahlt und unbeauftragt 😉

Mein, mittlerweile erprobter „Ich-sitze-in-Corona-Zeiten-alleine-im-Zug“-Trick hat auch dieses mal perfekt funktioniert. Der Trick ist, so früh zu fahren, dass kein normaler Mensch am Wochenende mit mir im Zug sitzt. Hat geklappt…

Ganz angenehm war die Tatsache, dass ich dieses Mal einfach sitzen bleiben konnte, der Zug fuhr mich in einem Rutsch bis nach Wuppertal. Dort angekommen habe ich erstmal gemerkt, dass ich die Temperatur doch etwas falsch eingeschätzt hatte, von meiner letzten Tour hatte ich es wärmer in Erinnerung ;). Also, raus aus dem, wirklich attraktiven Bahnhofsgebäude, und ab aufs Rad…warmstrampeln.

Ich hatte im Vorfeld schon einiges über die Wuppertaler Nordbahntrasse gelesen und wollte mir diesen Weg mal „in echt“ ansehen. Los ging es also am Bahnhof und dann in Richtung Osten, natürlich unter dem Fahrweg der Schwebebahn hindurch. Hätte ich gewusst, dass dieses tolle Verkehrssystem am 1. März 120 Jahre alt geworden ist, wäre ich vielleicht noch ein wenig andächtiger stehen geblieben, beeindruckt hat es mich aber trotzdem.

Ganz cool finde ich die Skulptur „I’m alive“ von Tony Cragg die auf der Friedrich-Engels-Allee steht. Hat was, besonders wenn die Sonne draufscheint. Leider war es noch recht diesig am Samstag Morgen, toll sieht das Stück trotzdem aus.

Und dann ging es rauf auf die Nordbahntrasse, wobei „rauf“ dabei wörtlich zu nehmen ist. Der Anstieg war dann doch recht steil, dafür wird man oben mit einer wunderbar ebenen und sehr gut ausgebauten Trasse belohnt. Anders als in manch anderen Kommunen ist es hier nicht nur Radelnden und Menschen die zu Fuß unterwegs sind erlaubt die Trasse zu nutzen, auch mit Inlinern ist man gern gesehen.

Hoch über Wuppertal radelt man dann dahin, wirklich klasse. Wenn man sich mal den Wikipedia-Artikel über die Trasse durchliest, weiß man das Ganze noch mehr zu würdigen. Viele kreative Köpfe haben mitgeholfen, dass das Bikeband da jetzt so liegt wie es das tut. Auch die Idee der „Meterspender“ finde ich toll, da haben Bürgerinnen und Bürger Geld gegeben und werde dafür jetzt mit Plaketten am Wegesrand geehrt. Tolle Sache.

An interessanten Punkten findet man Hinweistafeln mit Infos zu dem was man sieht, geschichtlichen Abrissen und vielen Fakten. Auch das, finde ich, wertet diese Trasse nochmal auf.

Spätestens wenn man am ehemaligen Bahnhof „Wuppertal Wichlinghausen“ vorbeikommt merkt man – man ist auf einer Bahntrasse. Dort ist ein großer Parkour-Park entstanden und die alten Bahnhofsdächer sind erhalten geblieben. So fährt man, quasi wie auf Schienen, am Bahnhof vorbei. Tolle Sache.

In schön geschwungenen Kurven führt die Trasse dann weiter in Richtung Spelleken. Oftmals sind Bahntrassen ja schön zu fahren, bieten aber wenig zu gucken. Das ist hier an einigen Stellen zwar ähnlich, aber es gibt immer wieder schöne Ausblicke oder Bahndevotionalien am Wegesrand.

Für mich sicherlich ein Highlight auf der Strecke, der Schee-Tunnel. Knappe 100 Jahre lang war er ein Eisenbahntunnel, jetzt ist er Teil der Nordbahntrasse und Winterquartier für Fledermäuse.

Er verbindet Wuppertal mit Sprockhövel und ist etwas über 700 Meter lang. Drinnen war es, im Vergleich zu draußen, recht warm, ich kann verstehen, warum die Fledermäuse hier abhängen wollen. Es wurden extra lichtarme LEDs angebracht um die Tiere nicht zu stören. Die nächsten beiden Fotos sind heller als es die eigentliche Situation vor Ort ist, die Kamera hellt ne Menge auf.

Ein bisschen StreetArt, bzw. TunnelArt gibt es im Tunnel auch, allerdings nur zu Beginn. Es ist ein interessantes Gefühl durch diese Röhre zu fahren. Überhaupt hat mir die ganze Trasse wirklich sehr gefallen.

Von der Nordbahntrasse geht es dann auf die Kohlenbahn, auch hier kommt man super voran, der Untergrund ist oft nicht mehr asphaltiert aber trotzdem hart und eben.

Und auch solche Wege kann man entdecken, allerdings ist es ein Privatweg, den man nicht befahren darf, toll aussehen tut er trotzdem. Der eigentliche Radweg zweigt kurz davor rechts ab und führt dann weiter in Richtung Vollmarstein. Nochmal ein Stück bergan über kleine Straßen durch Felder ging es dann.

Recht steil geht es dann hinunter in Richtung Ruhr. Wenn es am Ende einer Abfahrt verdächtig nach „Bremsscheibe“ riecht, war man wohl fix unterwegs. Ein tolles Gefühl und Höhenmeter abbauen geht auch deutlich schneller als sie draufzupacken. Einen kurzen Stopp habe ich dann noch in Hagen gemacht, bevor es an der Ruhr weiter ging in Richtung Hengsteysee.

Mit Blick auf das Koepchenwerk, ein Wasserkraftwerk, ging es weiter zum Hengstysee, einem der Ruhrstauseen. Mein nächstes Ziel war der Syberg, das Denkmal dort und der Ausblick über den See.

In einer geschwungenen Kurve und über Serpentinen ging es hinauf auf den Berg. Knapp 240 Meter über Null hat man einen tollen Ausblick über den See und auf das Kraftwerk.

Das Verfahren des Speicherkraftwerkes ist, theoretisch, einfach. In Zeiten in denen wenig Strom gebraucht wird, also Nachts zum Beispiel, wird mittels Strom das Wasser hochgepumpt. Bei Bedarf stürzt es dann den Berg hinab und treibt Turbinen zur Stromerzeugung an. Für die Ökologie des Sees scheint das nicht so ideal zu sein, das Netz spricht von starken Wasserstandsschwankungen.

Einen letzten Blick auf Kaiser-Wilhelm und dann ging es bergab weiter in Richtung Dortmund.

Bei der Anfahrt auf Dortmund Blickt man auf die Skyline mit dem Funkturm, Florian genannt, und einigen Bürogebäuden. Der knapp 209 Meter hohe Turm war mal der höchste in Deutschland. Auf jeden Fall ist er prägend für die Skyline.

Auch das 1974 fertiggestellte Westfalenstadion, heute der Signal Iduna Park ist ein prägnantes Gebäude in Dortmund. Als Fan von Borussia Mönchengladbach schaut man zwar aktuell ein bisschen zerknirscht auf dieses Stadion, eindrucksvoll ist es trotzdem. Ich habe dort, zu nicht Corona-Zeiten, mal ein Ligaspiel des BVB erlebt, das mit der gelben Wand hat schon was, keine Frage. Auch wenn es, so leid es mir für die Dortmund-Fans tut, eben die falsche Borussia ist ;).

Und dann merke ich, mein Ruhrpottherz beginnt wieder heftiger zu schlagen, ich fahre an alter Industrie vorbei, Stahlwerk, Hochofen…wunderbar. Ich mag dieses Flair ja sehr gern.

„Der Hüttenmann“ heißt eine Skulptur von Friedel Dornberg. Sie stand mal vor dem Hauptbahnhof und steht jetzt vor dem Areal Phönix-West. Um das Foto zu machen haben ich vor dem Dortmunder Impfzentrum angehalten. Vergangenheit und brandaktuelle Gegenwart zusammen. Die Skulptur passt aber perfekt vor das Stahlwerk.

Apropos Gegenwart, das letzte Stückchen meiner Tour führte mich um den Phönix-See, seit kurzem ein Maskenpflicht-Areal. Ich hab mich wirklich gefreut zu sehen das fast alle die mir entgegen kamen, egal ob zu Fuß oder auf dem Rad, eine Maske auf hatten. Ich natürlich auch, klar. Wobei es, glücklicherweise, noch nicht voll war.

Vorbei am Wasserschloss Haus Rodenberg führte mich mein Weg dann zum Dortmunder Flughafen. Hier war ich seit Jahren nicht mehr, zuletzt habe ich da irgendeine seltene Boeing 767 fotografiert. Das ist sicher 15 Jahre her.

Am Flughafen angekommen stand auf dem Vorfeld diese attraktive Cessna Citation von Star Wings. Wenn ihr mal reinschauen wollt, hier gibt es ein PDF zu dem Flieger. Man kann sicher schlechter reisen 😉

Apropos reisen, auf einem Parkplatz stand ein Lamborghini Urus. Wie bei allen Namen der Autos dieser Marke gibt es auch hier einen Bezug zum Stier oder zum Ochsen. Hier konkret zum Auerochsen Ur. Auf jeden Fall ein eindrucksvolles Gefährt, welches ich tatsächlich bislang nur im Konsolenspiel „Forza Horizon“ zu Gesicht bekommen habe.

Macht aber auch „in echt“ eine ganz gute Figur. Wie sinnvoll so ein Auto ist, ist vielleicht eine ganz andere Frage, attraktiv finde ich ihn ja irgendwie schon 😉

Auf dem Weg zum Bahnhof in Holzwickede konnte ich dann noch einen Airbus der ungarischen Wizz Air vor die Linse bekommen. Die Fluglinie hat in Dortmund eine ihrer Basen und der Flieger hier kam aus Vilnius.

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Eine anstrengende, aber wirklich schöne Tour. Am Ende, man sieht es am Airbus-Bild, war das schöne Wetter dann auch komplett verschwunden, es wurde erst wieder sonnig, als ich im, übrigens wieder sehr leeren, Zug saß 😉 Auch dieses Mal habe ich wieder ein Relive Video und ich hoffe, der Bericht und die Tour haben Euch gefallen.

Solltet ihr Fragen haben, nur keine falsche Scheu, immer her damit. Ansonsten wünsche ich Euch immer eine gute Fahrt und genug Luft im Reifen.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

15 comments

  1. Wie immer spannend: Nordbahntrasse und Kohletrasse kannte ich, bin ich schon gefahren, der Rest war mir neu. Danke dafür

  2. Super tolle Bilder und informativer Bericht. Super wäre es, die Strecke als gpx zu bekommen. (Gerne als persönliche Nachricht)
    Wir planen demnächst dort hinzukommen.
    Danke

  3. Bin zufällig auf deinen Blog gestoßen, sehr schön. Ich arbeite in W´ ´ ´tal Elberfeld und wohne bei Holzwickede (in Aplerbeck, in der Nähe des von dir erwähnten Wasserschloßes Rodenberg). Morgens fahre ich in nicht-Corona-Homeoffice-Zeiten mit dem Zug eben ab Howi-Town und nehme das Rad mit, um nachmittags bei jedem Wetter und rund ums Jahr die von dir gepostete Strecke – mit Variationen, meist aber ab der Kohlenbahn bei Haßlinghausen runter Richtung der recht neuen Trasse von Albringhausen und Wengern und dann ab Witten über den Rheinischen Esel und das Phönix-Gelände – zu fahren. Vielleicht auch für dich einmal eine Idee. Details sende ich dir gern.

  4. hallöchen, bin durch zufall auf deinen Blog gestoßen, sehr schön und inspirieren.
    Gibt es auch gps dateien zu den Touren zeichnest du mit komoot auf ? oder mit nem anderen programm wo man gps datei runterladen kann.
    Interessant und interesse Wuppertal – Holzwickede
    gruß aus Do
    rudi

    1. Hi, vielen Dank fürs Kompliment, ich biete die Touren nicht zum Download an, kann aber die GPS Tracks die nicht bei mir zu Hause starten und enden gern schicken 😉 Soll ich Dir den Track an die Adresse mailen, die Du hier angegeben hast?

      Beste Grüße, Martin

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