Heller Schnee und dunkle Geschichte – Fahrt von Schmidtheim nach Düren

Hallo zusammen,

heute nehme ich euch mit in den Schnee. Keine Sorge, völlig coronakonform. Es geht zwar in die Eifel, aber ich habe auf der ganzen Radtour genau 7 Menschen gesehen, und die auf Abstand. Ich hab extra gezählt. Aber, fangen wir vorne an. Davor natürlich noch die Infos, der Beitrag hier ist weder beauftragt, noch bezahlt. Neulich bin ich durch die Nacht geradelt, ein völlig anderes Fahrradfahren als am Tag, dieses Mal ging es in die kalte und verschneite Eifel, die übrigens riesig ist und sicherlich nicht nur aus Skipisten besteht ;). Letztere sind mit dem Rad eh nicht so prickelnd. Wenn man so eine Tour in der aktuellen Zeit machen möchte, muss man sich vorbereiten, überlegen wie man es schafft, möglichst keine Menschen zu treffen. Nun, wer will schon an einem Sonntag Morgen um 5 Uhr in einem Zug sitzen? Richtig. Niemand. Und so habe ich am Bahnhof, unter den wachsamen Augen von Carsten Maschmeyer, um kurz vor 5 Uhr gestanden und auf meinen Zug gewartet.

Im Zug gab es dann das gleiche Bild wie am Bahnhof….alles leer, mein Plan funktionierte also. Auch an den Umsteigebahnhöfen war nichts los, in Mönchengladbach fegte zwar ein kalter Wind durch den Tunnel, aber das war es dann auch.

In Köln konnte ich dann eine Lokomotive der Baureihe 111 von Railadventure ablichten. Die Lok ist Baujahr 1978 und war mal bei der Bahn unterwegs. Die Firma Railadventure bietet Services im Bereich von Überführungen oder das Abschleppen liegengebliebener Züge an. Seit einiger Zeit hat sie auch einen luxuriösen Salonwagen, den man mieten kann. Auf jeden Fall mal was anderes als das langweilige „Verkehrsrot“ welches man sonst auf unseren Bahnhöfen so oft sieht.

Auch der letzte Zug dieses frühen Morgens war leer, außer mir saß nur ganz vorne noch eine Familie. Der Zug brachte mich dann von Köln in den kleinen Ort Schmidtheim in der Eifel. Ganz in der Nähe ist der Flugplatz Dahlemer Binz, da habe ich 2011 mal Flugzeugbilder gemacht, deshalb kenne ich die Ecke da oben ganz gut. Die Familie fuhr weiter, ich stieg in dem verschlafenen Nest aus.

Pünktlich zum Sonnenaufgang stand ich also im Schnee und meine Tour ging los. Vom höchstgelegenen Bahnhof in NRW, wieder was gelernt, ging es zuerst zum Schloss Schmidtheim, eine tolle Anlage, die laut Wikipedia zwischen dem 16 und 18 Jahrhundert erbaut wurde.

Die Straßen waren größtenteils geräumt, so das man zwar konzentriert aber recht normal fahren konnte. Ich hatte mich gut vorbereitet und war warm eingepackt, so das ich das fahren und die Ausblicke dabei wirklich genießen konnte.

Gelegentlich waren Straßen wegen Schneebruchs gesperrt, das bedeutet, die Schneelast auf den Bäumen ist so hoch, dass sie abbrechen, durchaus nicht ungefährlich. Auf solchen Straßen war der Autoverkehr gesperrt und es war, natürlich, auch nicht geräumt.

Dank Navi, Ortskenntnis und Experimentierfreude ging es aber auf anderen Wegen immer irgendwie weiter. Die verschneiten Landschaften und die Stille waren wirklich herrlich. So als Städter kann man sich diese Ruhe kaum vorstellen, bei uns ist ja immer irgendwas das ein Geräusch macht. Bei meiner Tour habe ich manchmal angehalten und 2, 3 Minuten einfach nur neben meinem Rad gestanden, die frische Luft genossen und der Stille gelauscht. Eindrucksvolles Erlebnis mit dem Gefühl, der einzige Mensch auf dem Planeten zu sein.

Weiter ging es nach Kreuzberg, dort sind die Nächte allerdings nicht lang, in dem kleinen Dörfchen ist es, ebenso wie bislang überall, menschenleer und still um die Zeit als ich dort vorbeigeradelt bin. Eine kleine Kapelle gab es zu sehen und ein Pferd schaute neugierig zu mir herüber. Ansonsten auch hier…Stille.

Von Kreuzberg ging es nach Winten, von dort aus hatte ich dann einen herrlichen Blick auf die Burg Wildenburg. Laut Wikipedia ist sie 1235 fertig geworden und war damals nur über eine Straße zu erreichen. Das ist übrigens bis heute so. Macht schon was her, wie sie da so auf dem Berg thront.

Durch das Tal führte mich mein Weg, über geräumte Straßen und zwischen wunderbaren, schneebedeckten Hügeln entlang nach Olef. Sowohl der Stadtteil von Schleiden, als auch der dortige Fluss heißen so. Olef hat einen wundervollen historischen Ortskern. Dort habe ich mir die Fachwerkhäuser angesehen, bevor es wieder in den Sattel ging. Einfach nur schön die Ecke dort.

Die nächste Etappe ging bergan. Mein nächstes Ziel war die Burg Vogelsang. Heute ein sogenannter „Internationaler Platz“ hat die Burg eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zusammen mit zwei weiteren wurde sie von Adolf Hitler in Auftrag gegeben und sollte als Schule dienen. Anfang der 1940er Jahre kam dann der Begriff „NS-Ordensburg“ auf. Nach dem Krieg übernahmen erst die Briten, dann das belgische Militär und das Areal drumherum wurde zum Truppenübungsplatz. Heute gibt es ein Besucherzentrum, welches aktuell natürlich geschlossen ist, und viele Informationen. Es gibt viele Pläne der weiteren Nutzung und das Gelände ist frei und kostenlos begehbar. Die Aussicht über den Stausee und die Eifellandschaft ist schlicht traumhaft von dort oben.

Meine Route führte mich dann weiter in Richtung des Flusses Urft, am Fuße des Berges auf dem die Burg Vogelsang liegt. Vorbei am „Sonnenwendplatz“ und der Plastik „Fackelträger“ ging es hinunter zur Urft. Die Plastik diente in der Zeit des Nationalsozialismus dazu, den dortigen Schülern immer das Ideal des Herrenmenschen vor Augen zu halten, in der Wand prangte die Inschrift

Ihr seid die Fackelträger der Nation,

ihr tragt das Licht des Geistes voran,

im Kampfe für Adolf Hitler

Hitlers Name und ein Teil des Wortes Fackelträger sind entfernt worden, außerdem zeigen sich viele Einschusslöcher in der Figur. Das waren wohl amerikanische Soldaten nachdem sie das Gelände eingenommen hatten. Heute gibt es neben dem Monument erklärende Tafeln und Hinweise und auch in der, aktuell geschlossenen, Ausstellung wird auf das Herrenmenschenbild im 3. Reich hingewiesen und viel dazu erklärt. Es sollen sich wohl auch immer wieder rechte Spinner an diesem Ort einfinden, vornehmlich zur Sommersonnenwende. Aber man bezieht da wohl sehr klar Stellung und hat eine gute Haltung gegen Rechts. Laut Presseberichten sind dort auch schon rechte Gruppen des Platzes verwiesen worden. Es ist offenbar eine Herausforderung diese Liegenschaft als Mahnmal und Infozentrum zu betreiben und gleichzeitig zu verhindern, dass sie zu einer braunen Pilgerstätte wird. KLARE HALTUNG GEGEN NEONAZIS

Da ist es dann doch schön zu sehen, dass einige Kinder dort einen Schneemann gebaut haben, Kinder die im Frieden aufwachsen und auf Schulen gehen können, die sie nicht zu treuen, fanatischen Nazi machen, sondern zu selbst bestimmten und aufmerksamen Erwachsenen. Wollen wir alles dafür tun, dass uns so eine dunkle Zeit wie die, aus der diese Plastik stammt, in Zukunft erspart bleibt.

Recht steil bergab führte mich der Weg dann weiter. Ein Blick auf die Burg noch und dann ging es in Richtung Victor-Neels Brücke.

Die Brücke gibt es erst seit 2009 und sie überspannt die Urft und verbindet so den Wanderweg auf der anderen Seite mit dem IP Vogelsang. Die Brücke ist nach einem ehemaligen belgischen Standort-Kommandanten benannt, der viel soziales und viel für die Annäherung der Bevölkerung getan hat.

Nicht wirklich viel Wasser drin, in der Urft. Trotzdem war ich ganz froh, dass ich trockenen Fußes über die Brücke fahren konnte ;).

An der Urft entlang ging es dann in Richtung Osten weiter, bis ich, laut meiner Planung, auf einen Radweg nach Wolfgarten abgebogen bin. Wie ich dann herausfand, war das allerdings ein Wildnis Trail. Durchaus anstrengend und mit einigen „Jetzt reicht es mir, ich schiebe jetzt“ – Passagen ging es, ab und an fluchend, durch das Naturschutzgebiet Kermeter 😉 Auf jeden Fall muss ich hier im Sommer noch mal hin, die Ausblicke sind fantastisch und wenn der Boden kein Schlamm-Schnee-Saugmatsch ist, kommt man da sicher auch mit dem Rad gut voran.

Bis nach Walbig ging es im Grunde durch Matsch und Schnee, wobei letzterer immer weniger wurde. Ich war dann doch recht froh, als ich wieder auf einer Asphaltierten Straße stand. Allerdings sah ich auch aus, als wäre ich durch den Schlamm gefahren. Der Moment, in dem ich mir selbst auf die Schulter klopfte und froh war, Wechselklamotten eingepackt zu haben, so wieder in einen Zug zu steigen wäre mir dann doch peinlich gewesen ;).

Ein Blick an den Horizont zeigte mir die Richtung, der Dampf der Kraftwerke rund um Garzweiler wiesen den Weg. In Düren wollte ich wieder in den Zug steigen und heim fahren.

Langsam wurde die Schneedecke dünner, ich kam aus den Höhenlagen heraus. Das stetige bergabrollen war ganz angenehm und wurde immer nur kurz durch Anstiege unterbrochen.

Immer weniger Schnee, dafür kam in Düren selbst dann die Sonne raus. Den Zug hatte ich knapp verpasst und so konnte ich noch ein bisschen am Bahnhof fotografieren. Immerhin eine Garnitur der Rurtalbahn und einen Güterzug habe ich erwischt.

Die Rurtalbahn Wagen trugen alle schwarze Schleifen an Front und Heck, es scheint so zu sein, dass das getan wird, weil der Geschäftsführer Ende letzten Jahres wohl sehr plötzlich verstorben ist, das ist allerdings Hörensagen, genau wissen tue ich es nicht. Auf jeden Fall sind die Wagen mit einer schwarzen Schleife unterwegs.

Auf dem Weg zurück zeigte sich dann auch, mein Plan ging auf, auch in den letzten beiden Zügen saß ich allein auf meinem Platz. Wer fährt schon Sonntag von Düren nach Krefeld 😉 . Alles in allem war das eine sehr anstrengende, aber wundervolle Tour. Die meiste Zeit war ich völlig allein unterwegs und habe keine Menschenseele getroffen, was eben auch zeigt, die Schneegebiete sind riesig und man muss sich nicht mit Tausenden an einem Hang knubbeln und die CoronaSchutzVerordnung ignorieren um seine Freizeit zu gestalten.

Wie immer habe ich auch noch einen Relive Clip für Euch. Ich war ja schon oft in der Eifel, aber noch nie wirklich mit dem Fahrrad, es ist eine wundervolle Gegend und diese Momente der absoluten Stille haben mich tief beeindruckt. Auf jeden Fall habe ich mir fest vorgenommen, eine ganz ähnliche Tour im Sommer nochmal zu machen, vielleicht haben wir ja Glück und bis dahin haben auch wieder Gaststätten und Restaurants geöffnet. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 comments

  1. So eine herrliche Tour lieber Martin! Ich lieeeebe diese Schneelandschaften und diese absolute Stille, die herrscht, wenn man alleine in weiter Natur unterwegs ist. Einfach traumhaft! Auch die Bilder sind wunderschön, besonders die mit Ausblick auf die Gewässer inmitten der Hügel…*hach*… da hast Du dir was richtig Gutes für Körper und Seele getan! Die herrliche Landschaft, die gute Luft und wahrscheinlich warst Du hinterher auch noch schön ausgepowert.

    Viele liebe Grüße und hab ein schönes Wochenende,
    Lony

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