Zwischen den Jahren – Neersen, Mönchengladbach, Neuss und der Nordkanal

Hallo zusammen,

man kommt ja zu nix, ich hab noch eine Tour aus dem letzten Jahr für Euch. Dieses Mal nehme ich Euch mit auf die Spuren Napoleons. Aber der Reihe nach, nach den Weihnachtstagen, in dieser merkwürdigen Zeit „zwischen den Jahren“, was ja eigentlich Quatsch ist, fühlt sich alles irgendwie….hm, unwirklich an. Der Mittwoch vor Silvester war, glaubt man der Wetterapp, der einzige, der einigermaßen trocken bleiben sollte. Nun ja, hat nicht so ganz geklappt, aufs Rad wollte ich aber trotzdem. Also ging es Morgens in Krefeld los, erstes Ziel war der Flugplatz in Mönchengladbach. Das sollte für mich der Einstiegspunkt in den Nordkanal-Radweg werden. In Krefeld findet sich immer mehr Farbe in der Stadt, die Stromkästen und Trafohäuschen werden bunt bemalt, entweder von Bürgervereinen, von Künstlerinnen und Künstlern oder von Privatleuten. Ich finde das klasse, mehr Farbe kann nicht schaden.

Über die Aachener Straße ging es dann raus in Richtung Neersen und Mönchengladbach. Das Wetter war dann doch recht trostlos und es nieselte ab und an immer mal wieder leicht. Trotzdem kam ich gut voran und hatte meist das Gefühl allein auf der Welt zu sein. Social Distancing war einfach, es war einfach niemand draußen.

Einen kurzen Stopp habe ich in Klein-Jerusalem eingelegt. Die dortige Kapelle aus dem Jahre 1660 wurde errichtet um den Menschen am Niederrhein die Möglichkeit zu geben die Geburtsgrotte und das Grab Jesu Christi zu sehen. In der Kapelle gibt es Nachbauten davon. Schon spannend. Vor der Kapelle gab es noch eine beleuchtete Krippenszene zu sehen. Ein toller Ort um mal einen Moment innezuhalten.

In Neersen angekommen fielen mir sofort bunten Poller ins Auge. Ein Stop, eine nähere Betrachtung und ein Gespräch mit einer netten Dame brachten jede Menge Infos zu Tage. In Willich gibt es einen „Deutsch-Lettischen Freundeskreis“ welcher ungemein aktiv ist. Aus diesem Kreis heraus wurden auch diese tollen bunten Verzierungen im Stadtbild gefertigt. Ich habe mich dann ein bisschen im Netz eingelesen und muss sagen, es ist schon beeindruckend, wie aktiv die Leute dort sind. Unbezahlt und unbeauftragt verlinke ich Euch mal hier die Website des Freundeskreises und empfehle Euch auch die dazugehörige Facebookseite. Tolle, was engagierte Menschen jeden Tag für die Freundschaft unter den Ländern tun. Hat mich ehrlich beeindruckt. WEBSITE HIER und FACEBOOKSEITE HIER.

Wenn ich schon mal in Neersen bin, muss ich natürlich auch kurz am Schloss anhalten. Vor Ewigkeiten floss hier mal die Niers vorbei, laut Wikipedia glauben Expertinnen und Experten auch, deshalb heißt der Ort heute Neersen. Auf jeden Fall steht das Schloss noch und ich habe bereits zwei Vorstellungen bei den Schloss-Festspielen erleben dürfen und kann Euch sagen, die Atmosphäre dort ist einfach herrlich. Wollen wir hoffen, dass solche Veranstaltungen bald wieder möglich sind.

Vom Schloss aus ist es ein Katzensprung zum Flugplatz in Mönchengladbach. Den Platz kenne ich auch schon sehr lange, als Kind bin ich da öfter mit meinen Eltern spazieren gegangen, damals standen da noch alte Flugzeuge die man sich anschauen konnte und Air Berlin verband den Platz mit London. Kinder ist das lange her. Heute liegt der Platz meist in einem Dornröschenschlaf, einmal im Monat gibt es, so denn keine Pandemie herrscht, ein großes Oldtimertreffen, sowohl Autos als auch Flugzeuge finden sich dann dort ein, es gibt eine Flugschule und die Firma RAS, welche Reparaturen, Wartungen und Vertrieb bestimmter Flugzeuge anbietet. Bei denen auf dem Hof entdeckt man schon mal die ein oder andere Besonderheit. Flugzeuge mit Schwimmern zum Beispiel sind bei uns ja eher selten. Diese Kodiak 100, Baujahr 2017, ist dann schon was Besonderes.

Ob die ATR 72 in FlyBe Lackierung wohl nochmal fliegen wird? Aktuell hat sie zumindest keine Motoren mehr. Der Flieger hat eine bewegte Geschichte, flog in den 90ern des letzten Jahrhunderts für American Eagle in den Staaten umher, und zuletzt eben in Großbritannien für Flybe. 23 Jahre alt und jetzt in Mönchengladbach geparkt, mal sehen.

Quer durch die Felder und über ziemlich aufgeweichte Feldwege führte mich meine Route dann in Richtung Nordkanal.

Der Nordkanal-Radweg ist in seiner Gesamtheit knapp 100 Kilometer lang und beginnt in den Niederlanden und endet in Neuss. Er verläuft über viele Kilometer parallel zum von Napoleon geplanten Nordkanal. Um die Maas mit dem Rhein zu verbinden wurde dieses Großprojekt 1806 geplant und gestartet. Politische Änderungen führten dazu, dass der Kanal nicht fertig wurde, heute liegt ein wunderbarer Radweg auf fast der gleichen Strecke. Bei Gelegenheit, und wenn man wieder in die Niederlande fahren darf, werde ich ihn sicher nochmal komplett fahren. Bei dieser Tour war es nur der Teil von Mönchengladbach nach Neuss. Auf dem Boden finden sich blaue Markierungen oder Steelen am Rand, gelegentlich steht auch ein großer „Vermessungsstab“ in der Gegend herum. Die Beschilderung ist so gut, man kann sich nicht verfahren. Das Stück zwischen Mönchengladbach und Kaarst ist jetzt nicht soooo spannend, aber man kommt gut voran.

Und rechts neben dem Weg ist dann tatsächlich ein Stück Nordkanal zu sehen. In Kaarst gibt es auch noch eine Kunstinstallation direkt am Kanal und der Haltestelle der S28 der Regiobahn.

Normalerweise trifft man auf der Strecke Züge der Regio-Bahn an, ich hatte aber das Glück einen „Integral“ der „Bayrischen Oberland Bahn“ zu erwischen. Diese Züge werden von der Regiobahn eingesetzt und sollen wohl einen Mangel an anderen Triebzügen ausgleichen. Schön für mich, war mein erstes Foto eines „Integral“ und dann auch noch im Rheinland und nicht in Bayern.

In Neuss angekommen führt der Radweg mitten durch die Stadt, allerdings meist auf einem extra Weg, ohne über Straßen radeln zu müssen. Nach wie vor am Kanal entlang. Dort gibt es dann auch noch ein tolles Bodendenkmal, das sogenannte „Epanchoir“, eine Vorrichtung mit der der Wasserstand im Kanal reguliert werden sollte. Auf Infotafeln wird erklärt wie das alles funktionieren sollte. Ein Besuch dort lohnt auf jeden Fall, ist ein spannendes Stück Geschichte mitten in Neuss.

Das Ende des Kanals befindet sich am Rhein, ganz in der Nähe der Erftmündung. Dort hat man einen großen Würfel aufgestellt, der einerseits eine Bank enthält und andererseits das Ende des Weges markiert. Wir sind in Deutschland, NATÜRLICH ist der Würfel von irgendwelchen Blitzbirnen beschmiert worden. Nun ja, hier endet, oder startet, je nachdem, der Nordkanalradweg.

Ein Stück am Rhein entlang ging es dann in Richtung Heimat zurück. Dieser wunderbare Weg findet sich auf der Deichkrone, von dort aus hat man einen tollen Blick auf die Josef-Kardinal-Frings und auf die Hammer Eisenbahnbrücke, sowie auf die Skyline von Düsseldorf.

An der Brücke hing auch dieses Transparent. Über den Wahrheitsgehalt kann ich nichts sagen, meine Gespräche mit Jesus und seinem Vater sind oft eher einseitiger Natur, aber wenn er bald kommt, ob es dann ausgerecht Neuss wird? Nun ja, warten wir es ab….

Ob das Streetart unter der Brücke in die gleiche Richtung geht, vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall ist es mal ein Statement. Vom Rhein aus bin ich dann durch den Neusser Hafen in Richtung Meerbusch gefahren.

Zwischen hohen Containerstapel hindurch ging es neben einer Eisenbahnbrücke weiter. Mit Blick auf die Haltestelle „Neuss – Am Kaiser“ habe ich nochmal eine kurze Pause gemacht und mir ein paar Züge angeschaut. Geruchsmäßig ist die Ecke aber dann doch eine Herausforderung, dort findet sich auch eine Ölmühle und deren Geruch ist….nun ja, speziell. Also ging es dann rasch weiter auf die Düsseldorfer Straße.

Dort duftete es nach Tee. Ich bin mir nicht sicher ob mein kalter Körper meinem Gehirn bei der Vorbeifahrt am Werk der Firma Teekanne diesen Geruch geschickt hat, oder ob er wirklich in der Luft lag, auf jeden Fall roch es sehr angenehm nach Tee. Wusstet ihr, dass Teekanne pro Jahr 7,5 Milliarden Teebeutel herstellt? Fand ich eindrucksvoll beim Blick in die Wikipedia.

In Büderich bin ich am dortigen Büdchen vorbeigekommen, eine echte Institution, bekommt man dort doch auch Champagner, sicher nicht die typische Büdchen-Ware. Das dann davor auch noch ein wunderschöner Citroen LN in einer Gulf-Lackierung stand machte das Foto irgendwie absolut nötig.

In Krefeld wollte ich unbedingt wieder über die Promenade fahren also bin ich via Strümp und Oppum nach Krefeld gefahren und zwischendurch nochmal schön nass geworden. Soviel zur Wetterapp und dem Versprechen, es bleibt trocken 😉

Die beiden hier reparieren übrigens seit Jahren an einer Fassade herum, egal bei welchem Wetter. Sind schon echt Klut die beiden Herren.

Über die Promenade bin ich dann die letzten Meter nach Hause gefahren, einen schnellen Blick über das Gleisvorfeld des Krefelder Hauptbahnhofes habe ich noch geworfen, außer dem Niers-Express fuhr aber nichts spannendes vorbei.

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein, es war die letzte Tour des Jahres 2020 für mich. Knappe 5200 Kilometer sind es geworden, ich habe in der Pandemie das Fahrrad und auch die An- und Abreise zu und von Touren mit der Eisenbahn für mich neu entdeckt. Zu meiner Motivation haben auch diese Blogbeiträge, in denen ich die Touren ja irgendwie ein zweites Mal mache, beigetragen, vor allem aber die vielen tollen Menschen die ich, in Echt, auf Abstand, oder hier digital kennen und schätzen gelernt habe. Dafür, und für die vielen lieben Worte hier, oder in den sozialen Netzwerken, bedanke ich mich herzlich.

Wollen wir alle zusammen hoffen, dass wir in 2021 zum einen viele tolle Radtouren unternehmen können und gesund bleiben und zum anderen dieses Erlebnis auch wieder vor Ort und „in Echt“ mit Menschen teilen können. In diesem Sinne wünsche ich Euch ein frohes neues Jahr 2021.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

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