Oberhausen, Bottrop, Kirchhellen, Dorsten und der Nudelsalat

Hallo zusammen,

ich bin nach wie vor dabei Euch auf Touren mitzunehmen, die ich in meinem Urlaub gemacht habe. Der ist schon wieder zwei Wochen vorbei, aber die Touren sind noch im Gedächtnis. Eigentlich war alles ja ganz anders geplant, wie bei so vielen Menschen in diesem Jahr. Eine Mehrtagesradtour mit meiner Mutter war angedacht, aber sowohl die unbeständige Wettervorhersage, als auch das Infektionsgeschehen rund um Corona haben dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also habe ich viele Tagestouren gemacht und mich überraschen lassen, wohin es mich verschlägt. Viele ganz allein, aber manche eben auch mit meiner Mutter und ihren radelnden Freundinnen und Freunden. Das wir uns dabei natürlich an alle, jeweils gültigen, CoronaSchutzVerordnungen und Erlässe gehalten haben und zudem noch mit gesundem Menschenverstand unterwegs waren, ist ja klar, oder?

Bei der Tour auf die ich Euch heute mitnehmen möchte hatte Hugo das Kommando als Tourleiter. Ziel war, zumindest für mich, eine Friko mit Nudelsalat. Offiziell ging es zum Hofladen von Bauer Dalhaus. Das das hier, wie immer, keine bezahlte oder beauftrage Werbung ist, wisst ihr, ich schreibe es aber trotzdem dazu. Der Hofladen liegt in Dorsten, und ich merke gerade, dass ich ganz automatisch Drosten getippt habe….verrückte Zeiten ;), gestartet sind wir zusammen in Duisburg und ich, da ich aus Krefeld mit dem Zug kam, ab Duisburg Hauptbahnhof. Mein Weg führte mich durch die City und dann schnell runter an den Rhein-Herne-Kanal. Dort kam mir das Wasserschutzpolizei-Boot WSP21 entgegen. Das Boot wurde 1988 in Dienst gestellt und gehört zur Wache Essen. Schon geschmeidig unterwegs.

Von Duisburg aus ging die Tour dann in Richtung Oberhausen los. Ziel war Oberhausen Osterfeld, genauer der sogenannte OLGA-Park. Im Rahmen der Oberhausener Landesgartenschau 1999 wurde dieser Park angelegt und dient heute der Naherholung. Vom 16 Meter hohen Aussichtsturm blickt man zum einen auf die Brücke über die wir auch in das Gelände gefahren sind…

…und zum anderen auf das Fördergerüst über dem „Paul-Reusch-Schacht“ der ehemaligen Zeche Osterfeld. 1992 wurde diese Zeche stillgelegt und die Zeche Lohberg übernahm die Förderung. Heute steht der Förderturm noch und bietet damit natürlich ein „Must-have-Bild“ bei einer Tour durchs Ruhrgebiet.

Im „Pott“ kommt man Zechen ja nicht vorbei, so war auch der nächste Punkt, an dem wir vorbei fuhren früher mal Zechengelände. Jacobi hieß die Zeche, die am Ende mit Haniel zusammengelegt wurde. Ihre Übertageeinrichtungen sind indes längst abgebaut. Auf dem Gelände findet sich heute ein öffentlicher Golfplatz. An der Mauer der Zeche, durch ein Waldstück, vorbei kommt man zum Golfplatz. An seinem Eingang erinnert eine Lore an die Vergangenheit, ein paar Meter weiter radelt man dann auf der alten Zechenbahntrasse. Ruhrgebiet halt.

Ich bin Ruhrpottkind, ich habe die Zechen noch in Aktion mitbekommen, ich mag auch diesen Charme und das, vielleicht etwas verklärte, Image der Kumpel und der ganzen Region, auf Kohle geboren halt. Ich hab jetzt schon so viele Radberichte rund ums Ruhrgebiet eingestellt und noch nie aufs Steigerlied verlinkt, das muss sich heute mal ändern, deshalb, wenn ihr ein bisschen Emotionen wollt, schaut Euch mal diesen Clip hier an 😉

So, jetzt aber weiter im Text, parallel zum Vorthbach kamen wir nach Bottrop, der Bach hatte mal die gleiche Funktion wie die Emscher, nämlich Abwasser zu transportieren. Ähnlich wie bei der Emscher wird aber auch hier kräftig Renaturiert und vor allem enstehen tolle Rad- und Fußwege an den Ufern.

Direkt neben dem Weg liegt das Werk der Firma Brabus. Mittlerweile gelten die auch als eigener Autohersteller, bekannt geworden ist das Unternehmen durch hochpreisiges Tuning an Autos der Marke Mercedes-Benz. So überrascht es dann auch nicht, dass sie hier die „Werkstraße“ und die „Brabus-Allee“ treffen ;). Schon faszinierende Autos die man dort auf dem Hof stehen sieht. Für welches Gelände man allerdings eine knapp 500.000 Euro 6×6 Variante des G-Modells mit 700 PS braucht….nun ja 😉

Aus Bottrop raus führte unser Weg dann in Richtung Kirchhellen, das ganze wurde deutlich landschaftlicher. Wirklich schön waren die ganze gelben Felder an denen wir vorbeikamen. Als absoluter Pflanzennullkenner habe ich es für Raps gehalten, musste mich aber eines besseren belehren lassen. Es soll sich um Gelbsenf handeln, welcher Stickstoff speichert und deshalb gut für den Boden ist. Wieder was gelernt.

Eine kurze Pause gab es dann an einem Hagelkreuz. Im Kirchhellener Ortsteil Overhagen gelegen steht dieses Kreuz dort bereits seit 1668. Nach einem schweren Hagelschlag wurde es errichtet und früher gab es sogar einen Hagelfeiertag, bei dem zu diesem Kreuz gezogen wurden. Wir haben es als Landmarke für unsere Pause genutzt. An dieser Stelle mal für die eigene Gesundheit „Danke“ sagen kann, zumal in diesen verrückten Zeiten, sicher nicht schaden.

Auf unserem Weg in Richtung Dorsten kamen wir dann auch am Movie Park vorbei. Dieser Freizeitpark hat auch eine wechselhafte Geschichte, 1996 ist er als Warner Brothers Movie World gestartet. Nach etlichen Wechseln der Besitzer und Lizenzen heißt er nun Movie Park Germany. Vieles ist hinzugekommen, manche Attraktionen sind abgebaut worden. Durch die verschiedenen Lizenzen änderten sich auch immer mal wieder die Namen der Fahrgeschäfte. Von weitem sieht man einen Freefalltower und die Achterbahn, die heute Lucky Luke heißt und auch mal Eraser, FX und MP Express ;). Bin ich selber schon etliche Mal gefahren und ich kann Euch sagen, das Dingen macht echt Spaß. Wenn man, so wie wir, dran vorbei radelt, dann hört man spitze Schreie, das Rattern der Wagen und gelegentlich duftet es nach Waffeln. Also, durchaus ein schönes Stück der Tour.

Der Park ist auch recht gut an den ÖPNV angeschlossen, direkt am Park gibt es eine Haltestelle für die Eisenbahn. Ganz in der Nähe hat auch die NordWestBahn einen Wartungsschwerpunkt errichtet und so kriegt man auch als Eisenbahnfan immer mal wieder was vor die Linse. Während wir kurz vor Dorsten scharf rechts abgebogen sind um uns unserem Ziel, dem Hofladen von Bauer Dalhaus zu nähern, wurden wir dann auch von einem Zug der NWB überholt.

Und dann gab es den Lohn der Mühen ;). Also, zumindest der ersten Hälfte der Mühen. Wir rollten auf den Hof von Bauer Dalhaus. Ein uriger Hofladen mit vielen Kuchenstücken, Salaten und allerlei Waren die eben typisch Bauernladen sind. Ich habe mich für eine Friko mit Nudelsalat und einer Apfelschorle entschieden und wurde nicht enttäuscht. Ob es wirklich hausgemacht war? Keine Ahnung, super lecker war es auf jeden Fall.

Gestärkt ging es nach dieser Pause wieder in den Sattel und weiter nach Kirchhellen. Unterwegs kamen wir an einem Arbeitsplatz vorbei, der jetzt mal so gar nix für mich wäre. Auf dieser Arbeitsbühne an einem Windrad wurde an einem der Flügel gearbeitet. In echt luftiger Höhe. Sicher eine tolle Aussicht aber…ne, eher nicht.

Kirchhellen selbst ist ein schönes Städtchen mit einem ansprechenden Stadtkern. Wir sind an der „Johannes der Täufer“Kirche vorbeigefahren, sie steht dort seit 1925, nachdem die alte Kirche an gleicher Stelle 1917 abgebrannt ist. In der aktuellen Kirche gibt es jedes Jahr in der Adventszeit ein beeindruckendes Krippengebilde, habe ich allerdings erst einmal gesehen und das ist lange her. Wie es dieses Jahr wird…wer weiß.

Ab dann wurde es wieder weniger dörflich und wir kamen durch mehr Natur. Am Heidesee vorbei ging es am Elsbach entlang in Richtung Rotbach. Während wir auf schönen Radwegen dahin fuhren knatterte das ein oder andere Flugzeug vom Flugplatz Schwarze Heide vorbei. Ein spannender Platz, hier baut Walter Extra seine Kunstflugzeuge. Wir haben aber keinen Abstecher gemacht, die Flieger konnte man bei einer kleinen Pause an einem See, von dem ich keinen Namen gefunden habe, trotzdem knipsen.

Am Wegesrand blühten tolle Blumen, man musste beim fotografieren nur aufpassen bei dem glitschigen Ufer nicht mit dem Hintern im Wasser zu landen.

Von hier aus ging es am Rotbach vorbei weiter bis zum Rotbachsee. Dort gibt es eine interessante, völlig autonom arbeitende Anlage um Gras aus dem Fluss zu fischen. Ein Greifarm taucht dabei ins Wasser ein und fischt alles was dort an der Oberfläche treibt und ein Wehr verstopfen könnte ab. Es hat durchaus etwas meditatives sich diesen Prozess anzuschauen.

Ein bisschen Streetart, heißt das eigentlich so, wenn da nur ein Radweg und keine Straße ist? Hm, also, ein bisschen „Bikewayart“ gab es an diesem Wehr dann auch zu sehen, kein Monet, aber trotzdem ganz witzig.

Am Rotbach entlang zu fahren ist schon echt schön, es gibt da echt viel Natur und immer wieder schöne Aus- und Einblicke. Knapp 22 Kilometer ist der Fluss lang, am Ende mündet er in den Rhein. Ich hab recht alte Erinnerungen an den Rotbach, als Kinder waren wir hier öfter spazieren und spielen. Einfach eine schöne Ecke dort.

Als wir aus dem Wald raus waren ist mir ein Namensschild an einem Haus aufgefallen, welches ich echt cool fand. Scheinen echte Scrabblefans zu sein. Auf jeden Fall eine super Idee finde ich. Daumen hoch.

Mittlerweile waren wir auch in Dinslaken angekommen. Die Tour von Hugo führte dann auch über einen Bahnübergang über die Bahnstrecke Oberhausen – Arnheim. Diese Strecke ist eine viel befahrene Güterzugstrecke und dank einer Brücke der Autobahn A3 und einer Senke kann man dort tolle Fotos der langen Güterzüge machen. Hier im Bild zieht eine Siemens Vectron Lok einen Zug in Richtung Dinslaken.

Über Wehofen und den Mattlerbusch ging es dann zurück nach Neumühl. Eine kurze Pause unter Bäumen gab es dabei noch und es wurde gequatscht und Radlerlatein ausgetauscht. In einem Wehofener Vorgarten habe ich dann noch dieses Kunstwerk entdeckt, hat irgendwie was.

Dann löste sich die Gruppe auf und ich bin den Rest zurück zum Hauptbahnhof allein gefahren. Wieder am Landschaftspark vorbei ging es nach Ruhrort. Duisburg ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen. Ich lebe gern in Krefeld, habe hier einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden, aber Duisburg, nun Duisburg wird halt immer die Stadt bleiben, in der ich aufgewachsen bin. Industrie, Kohle, Hafen, aber auch viel Grün und viele tolle Ecken um zu spielen. Überregional kennt man Duisburg aus den Schimanski-Tatorten. Dreckig, rau, grau aber eben mit Charme. Duisburg ist heute anders, ganz anders….aber Schimanski ist eben Schimanski….und seit einiger Zeit gibt es auch eine Horst-Schimanski-Gasse….finde ich super 😉

Dieser Blogbeitrag startete mit einem Schiff, er endet auch mit einem Schiff. Im Hafen in Ruhrort, gar nicht weit weg von der Schimanski-Gasse, liegt aktuell der Seenotrettunsgkreuzer „Fritz Behrens“. Er gehörte mal der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, wurde dann verkauft und gehört mittlerweile einem britischen Unternehmen mit Sitz in Southampton. Eigentlich sollte er als Windparkversorger eingesetzt werden. Was er aktuell im Duisburger Hafen treibt…keine Ahnung.

Und damit ging dann auch diese wunderbare Tour zu Ende. Vielen Dank an Hugo für die Tourleitung und Planung, vielen Dank an alle die Mitgeradelt sind und sich vorbildlich an die CoronaSchutzMaßnahmen gehalten haben. War eine schöne Runde mit Euch. Wie immer gibt es ein Relive Video für und wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen. Wenn Fragen auftauchen, immer her damit.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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