Von Köln nach Düren – Rhein, Flugzeuge, Schlösser

Hallo zusammen,

und wieder ging es aufs Rad. „Davidstern und Eisernes Kreuz“ titelte die Rheinische Post neulich und leitete damit einen Artikel über eine Übung der Bundesluftwaffe und der Luftwaffe der israelischen Armee ein. Das Besondere daran ist die Tatsache, dass diese Übung auf und von deutschem Boden aus stattfindet, ein Novum, welches es zuvor noch nie gegeben hat. Warum schreibe ich Euch das? Nun, ich bin ja bekennender Flugzeug-Fan und wann hat man schon mal die Gelegenheit einen israelischen Kampfjet vor die Linse zu bekommen? Eben. Also, habe ich geschaut, ob ich irgendwann in den nächsten zwei Wochen mal nach Nörvenich, dort sind die Israelis nämlich zu Gast, komme um mir so einen Jet mal anzusehen. Als sich die Gelegenheit jetzt ergab, wollte ich es direkt mit einer Radtour verbinden, zumal man in diversen Foren auch viele Infos rund um Sperrungen für Autos am Flugplatz lesen konnte. Es waren wohl ne Menge Flugzeugbegeisterte vor Ort.

Meine Idee war also eine Tour von Köln über Nörvenich nach Düren. Los ging es um 5.35 Uhr mit dem Zug in Krefeld. Es war um diese Zeit sogar richtig angenehm kühl.

Die Fahrt klappte aber problemlos, und ich war pünktlich in Köln. Besonders schön zu sehen, dass die wenigen Menschen die mit mir im Zug saßen alle ihre MundNasenBedeckungen trugen. In Köln angekommen war er erste Blick natürlich zum Dom, wenn man schon mal da ist ;).

Danach ging es um den Bahnhof herum und in Richtung Hohenzollernbrücke über den Rhein. Auf der Seite, auf der ich aufgefahren bin ist die Auffahrt über zwei Schienen möglich, eine rechts, eine links der Stufen. Für einspurige Räder geht das, mit Anhängern oder einem Lastenrad wird das sicher schwieirg.

Überm RTL 😉 ging gerade die Sonne auf. Ein Blick auf den Rhein ist ja immer irgendwie schön. Seit ein paar Jahren hat sich auf der Hohenzollernbrücke der Brauch der Liebesschlösser durchgesetzt. Auf Wikipedia findet man eine Schätzung von etwa 500.000 Schlössern. Gewichtsmäßig scheint das kein Problem zu sein.

Über die historische Drehbrücke am Hafen Deutz ging es dann am Rhein weiter. Das gute Stück ist immerhin auch schon von 1907 und mit Drehbrücken kenne ich mich als Krefelder ja aus. Ich finde es immer ziemlich beeindruckend, wenn solche technischen Bauwerke auch über 100 Jahre nach ihrem Bau noch funktionieren.

An den Poller Wiesen vorbei, mit Blick auf die Kranhäuser, radelte ich dann am Rhein entlang in Richtung Süden. Immer noch sehr angenehme Temperaturen und eine tolle Aussicht.

Links der Rhein, rechts das ehemalige militärische Sperrgebiet Westhovener Aue, heute ein Naherholungsgebiet. Jede Menge Menschen waren so früh schon unterwegs, entweder joggend oder auf dem Rad. Ist aber auch wirklich eine schöne Ecke da, erwartet man gar nicht, so in Großstadtnähe.

Über dem Rhein lag stellenweise noch ein wenig Nebel, die Schiffe fuhren vorbei und der Radweg, super asphaltiert und direkt am Fluss, machte richtig Spaß. Ich wollte noch einen Abstecher zur Wahner Heide machen, musste also irgendwann links abbiegen, aber nicht ohne zurückzuschauen und ein bisschen Schiffe zu gucken.

Die 2008 gebaute „Bohemia II“ fährt hier bergan. Das 125 Meter lange Tankschiff habe ich mit dem Rad überholt und später an anderer Stelle auf dem Rhein nochmal wieder getroffen 😉 .

Eigentlich wollte ich am Flughafen Köln den einen oder anderen Flieger fotografieren, aber als ich vorbei fuhr flog nix und die Wahner Heide lag so friedlich da, dass ich ersatzweise diese Ziege fotografiert habe ;). Auch schön irgendwie. Nach einer kleinen Runde durch das Gebiet ging es dann weiter in Richtung Spich.

Dort führte mich mein Weg ein bisschen durch Wohngebiete und über ruhige Straßen. Dort fand ich dann auch dieses Wandbild hier. Ich muss mir die Bände nochmal genau durchlesen, aber ich kann mich einfach nicht an die Szene mit Harry Potter in Köln erinnern 😉 . Auf jeden Fall ein netter Hingucker.

Langsam aber sicher ging es wieder in Richtung Rhein. Zwischen Bergheim und der Sieg, schon fast mit Blick auf Bonn, führte mich ein schöner Radweg zwischen Feldern hindurch. Dann ging es über die Sieg, die wenige Meter weiter in den Rhein mündet.

Etwas verduzt war ich, als ich dann plötzlich über die „Balkanroute“ gefahren bin. Der begriff ist ja in unserer heutigen zeit recht klar besetzt. Ich musste dann schon ein wenig recherchieren, warum die Strasse, direkt neben einer alten Bahntrasse, denn so heißt. Das Gebiet dort war hauptsächlich von Landwirtschaft und Obstgärten dominiert und wurde vom Volksmund deshalb „Balkan“ genannt. Spannend.

Über die 1967 eröffnete Friedrich-Ebert Brücke ging es dann erneut über den Rhein nach Graurheindorf hinein. An einer großen Kläranlage vorbei ging es mit vier, fünf Kurven wieder an den Rhein. Dort dann auf einem schönen Uferweg in Richtung Norden. Hier habe ich dann übrigens auch die „Bohemia II“ wieder gesehen.

Über einen langen, sehr geraden 😉 Radweg ging es dann nach Weseling. Dort habe ich am Naturschutzgebiet Entenfang, gibt es in Duisburg witzigerweise auch, eine kurze Pause gemacht. In der Stille am dortigen See meinte ich zum ersten Mal das grollen von Jettriebwerken zu hören, ganz in der Ferne, aber wahrnehmbar. Kurz drauf erhielt ich auch eine Nachricht eines Bekannten, die Jets sind gerade gestartet. Nun, dann hieß es also wieder in den Sattel und weit, ich wollte sie ja bei der Landung fotografieren.

Brühl war das nächste Ziel. Interessanterweise war das das erste Mal, dass ich das Schloss Augustusburg „in Echt“ gesehen habe. Schon ein beeindruckendes Gebäude, auch die Parkanlagen drumherum machen was her. Es wirklich lohnendes Ausflugsziel, mein Stopp war allerdings kurz, die Jets waren ja schon auf ihrer Übungsmission.

Von Brühl ging es über Gymnich dann in Richtung Fliegerhorst Nörvenich. Die Anfahrt in Richtung eines Kieswerkes führte über einen laaaaangen Weg durch die Felder, warm, eintönig und flirrend.

Ein helles Pfeifen erfüllte die Luft, noch bevor ich am Platz ankam, überflog mich ein sogenanntes AWACS Flugzeug. Mit dem großen Radom auf dem Dach dient es der Luftraumüberwachung. Diese Maschinen sind in Geilenkrichen stationiert.

Rund um den Flugplatz Nörvenich standen etliche Flugzeugfans, mit Leitern, Kameras und vielen kalten Getränken und suchten den Himmel ab. Die Polizei war auch vor Ort und die Luftwaffensicherungssoldaten auf der anderen Zaunseite hatten die Lage im Blick. Auch hier wurde, zumindest in dem Bereich, wo ich stand, der Abstand eingehalten, da wo das nicht ging, wurden MundNasenBedeckungen getragen.

Die Polizei hat auch ein, zwei Fotografen darauf angesprochen. Alles sehr unaufgeregt. Von einem Rettungseinsatz kam zuerst die UH-1D zurückgeknattert. SAR 41 ist ins Luftrettungsnetz eingebunden und fliegt von Nörvenich aus Primär- und Sekundäreinsätze.

Und dann kamen die israelischen F-16 tatsächlich angeflogen. Keine Angst, ich schütte euch hier nicht mit Flugzeugbildern zu, aber eine F-16 C und eine F-16 D habe ich dann doch für Euch, wie gesagt, das ist schon was Besonderes. Es ist das erste Mal, dass die israelische Luftwaffe hier ist und das Wüstentarnmuster hebt sich dann schon deutlich von den Fliegern die wir hier sonst so sehen ab.

Kurz drauf kamen dann auch die Eurofighter der Luftwaffe zurück, erst in Formation und dann mit einem Break, also einem Ausbrechen aus der Formation, kamen sie zur Landung rein.

Das soll es dann auch mit den Flugzeugen gewesen sein. Für mich ein echtes Highlight und auch ein bisschen wieder so wie früher, als ich stundenlang nach Flugzeugen geschaut habe. Das es zudem noch einen gemeinsamen Überflug über die Gedenkstätte Dachau und den Flugplatz Fürstenfeldbruck gegeben hat, rundet den Besuch der Delegation aus Israel ab.

Mein Plan sah vor, dass ich vom Bahnhof Düren aus zurück fahren würde, es waren also noch ein paar Kilometer bis dahin. Einen kurzen Abstecher in die Gemeinde Nörvenich habe ich dann noch gemacht, zum einen musste ich meine Getränkevorräte so langsam wieder auffüllen, zum anderen wollte ich mir das Schloss Nörvenich mal ansehen. Ich hatte im netz gelesen, dass es aus dem 14 Jahrhundert sei und für Veranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt würde. Was soll ich sagen, es macht schon was her.

Von dort aus ging es dann über Feldwege in Richtung Düren weiter, vorbei an der Siedlung Lindenkreuz und Eschweiler über Feld führte mich mein Weg an vielen Feldern vorbei. Die landwirtschaftliche Arbeit war an vielen Stellen im vollen Gange.

Auf der Karte hatte ich gesehen, dass es im Örtchen Binsfeld eine Burg gibt, die habe ich mir natürlich auch noch angesehen. Der Weg dorthin führte wieder zwischen Feldern hindurch, teilweise über staubige Schotterwege. Die Burg an sich war eingezäunt, ein Foto war aber möglich. Sieht ganz hübsch aus, zumindest, wenn man sie so fotografiert, dass man einen modernen Anbau, der die Optik irgendwie kaputt macht, nicht mit drauf hat 😉 .

Nach etwas über 100 Kilometer bin ich dann, k.o. aber ganz zufrieden, in Düren angekommen. Dort hatte ich Glück, der Zug in die richtige Richtung stand schon im Bahnhof und ich habe auch einen freien Radplatz bekommen. Mit einem Umsteigehalt in Düsseldorf ging es dann zurück nach Krefeld.

Ich habe noch ein Relive Video für Euch und hoffe, die Tour und die Einblicke haben Euch gefallen. Wenn Fragen auftauchen, immer her damit.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Von Köln nach Düren – Rhein, Flugzeuge, Schlösser

  1. Hihi, ich bin gerade auf dem Rurtalradweg nach Jülich geradelt und habe die AVACS auch mehrmals gesehen. Vor allem in der Dämmerung mit eingeschalteten Lämpchen eindrucksvoll. Ich wusste gar nicht dass sie alten Mühlen aus den 80ern immer noch unterwegs sind.

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