Hallo ihr Lieben,
ich war mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs und komme heute endlich dazu, darüber einen kleinen Blogbeitrag zu schreiben. Vergangenen Sonntag war ich am Nachmittag zu einem Spieleabend verabredet, das Wetter am Morgen versprach aber super für eine Radtour zu werden. Also ging es früh los und ich nehme euch, wenn ihr mögt, unbezahlt und unbeauftragt, mit auf eine Tour nach Kamp-Lintfort.
Los ging es direkt bei mir vor der Haustür in Krefeld. Gelegentlich lese ich in Fahrradforen oder der „Radbubble“, dass man in Krefeld nicht mit dem Rad unterwegs sein kann. Das ist, wie so oft, natürlich totaler Quatsch. Nach wie vor gibt es sicherlich Ecken und Wege, da muss man dringend ran, allerdings kommt man mit dem Rad in Krefeld ganz gut zurecht. Für mich ging es aus der City in Richtung „Mies-van-der-Rohe-Campus“.

Sieht schon toll aus im Morgenlicht, oder? Die Gebäude gehörten mal zur VerseidAG, der Vereinigten Seidenwebereien Aktiengesellschaft, und stammen aus der Feder Ludwig Mies-van-der-Rohes. Sie stehen unter Denkmalschutz und beherbergen heute Büros und ein Café. Ich bin ein großer Bauhaus-Fan, die klaren Linien mag ich sehr.
Weiter ging es in das „Hülser Bruch“, ein Naturschutzgebiet im Norden Krefelds. Viel Wald, frische Luft und sowohl auf den Straßen, als auch auf den Wegen gut mit dem Rad zu befahren.

Manchmal sieht man sogar Rehe. Ich hatte Glück und eines der scheuen Tiere blieb brav so lange stehen, bis ich angehalten hatte, abgestiegen war und die Kamera im Anschlag hatte. Vielen Dank, Bambi 😉 .

So langsam ging die Sonne auf. Das ist immer wieder ein ganz mystischer Moment, finde ich. Die Nacht weicht, ein neuer Tag voller Möglichkeiten beginnt. Mag ich.


Der Hülser Berg ist die höchste natürliche Erhebung in Krefeld, auf dem Gipfelplateau steht dann auch noch der Johannesturm, ein gut 30 Meter hoher Aussichtsturm aus Metall. Wenn ihr mal dort seit, die knapp 160 Stufen sind zwar anstrengend zu erklimmen, die Aussicht ist aber toll.

Am Fuße des Hülser Bergs liegt auch das „Haus Heusgen“, ebenfalls in Bauhausstil fällt die Villa vom Stil her deutlich aus dem Rahmen, blickt man auf die anderen Villen, die man dort hinter hohen Hecken entdecken kann. Wie gesagt, ich mag den Bauhaus-Stil sehr.


Ein kurzes Stück des „Grafschafter Rad- und Wanderweges“ habe ich dann unter die Räder genommen. Er führt, auf einer ehemaligen Bahntrasse, von Krefeld-Hüls nach Moers, ich bin aber kurz nach dem Start in Hüls nach Norden abgebogen.

Der nächste Stopp war dann schon der Zechenpark in Kamp-Lintfort. Es ist schon faszinierend, aus einem Ort der „Maloche“ ist ein Ort der Freizeitgestaltung geworden. Die Fördergerüste sind Wahrzeichen der Stadt Kamp-Lintfort und drumherum gibt es Natur, Infos und Action zu entdecken.

Heute blickt man über eine Skate-Anlage auf die Reste der Zeche, es gibt sogar Streetart zu entdecken.


An ähnlicher Stelle habe ich auch schon 2008 ein Foto gemacht, damals durch ein geöffnetes Werkstor auf das Zechengelände.

Heute gibt es immer noch Zechentechnik und Bergbau-Charme zu erleben, allerdings als Museum und in einem Lehrstollen. Wenn ihr mal dort seid, schaut es euch an, die Thematik hat nichts von ihrer Faszination verloren.


Ich radel ja immer ganz gerne mit einem konkreten Ziel, dieses Mal war es der KALISTO Tierpark direkt am Zechenpark. Schafe, Vögel, Ziegen, Erdmännchen oder Kaninchen, es gibt einiges zu entdecken.

Der Park ist schön angelegt, überschaubar und man hat die Möglichkeit mit den meisten Tieren auf Tuchfühlung zu gehen. Aktuell wird eine Menge gebaut, weshalb der Eintritt reduziert ist.



Es gibt, natürlich, auch einen Streichelzoo und bei dem schönen Wetter letzte Woche, strömten auch etliche Familien mit Kindern in den Park. Für eine Pause beim radeln ist er auf jeden Fall ein super Ziel. Zum einen kann man „Tiere gucken“, zum anderen gibt es auch eine schöne Gastro direkt am Park.




Also, wenn es euch mal nach Kamp-Lintfort verschlägt, ein Besuch dort lohnt sich, finde ich.

Wenn ihr Kiddies dabei habt, direkt vor dem Park gibt es auch einen coolen Spielplatz, der ebenfalls die Bergbauhistorie aufgreift und mit Fördergerüsten und Krabbelstollen viele spannende Spielbereiche hat.

Die vielen Kiddies und ihre Eltern habe ich dann weiter spielen und toben lassen und habe mich wieder aufs Rad geschwungen. Über gut ausgebaute Radwege ging es dann weiter in Richtung Kloster Kamp.

Vorbei an der Feuerwache bin ich gut voran gekommen und den Kamper Berg hinauf gefahren.


Der Terrassengarten des Klosters ist wirklich schön, dort durch zu spazieren ist irgendwie beruhigend und tut gut.

Ich war vor Ewigkeiten mal bei einem Konzert im Rokokosaal dort, hatte was. Also, spazieren gehen dort, radeln, innehalten, Musik hören.

Ein ganzes Stück bin ich dann neben einer Landstraße hergefahren, dank eines tollen Radweges war das aber kein Problem, sondern gut zu bewältigen.

Respekt! Kann ja nie schaden…

Noch schöner als die Landstraße mit dem ausgebauten Radweg war dann aber eine Fahrradstraße zwischen den Feldern hindurch. Das nächste Ziel war das Schloss Bloemersheim, abseits von Hauptstraßen war das ein wirklich schöner Abschnitt der Tour.

Beim Schloss Bloemersheim schließt sich ein wenig der Kreis zu meinem Tourstart in Krefeld. Es wurde nämlich um 1800 herum von Friedrich Heinrich von der Leyen erworben, einem Seidenproduzent aus Krefeld. Mein Büro im Rathaus liegt am Von-der-Leyen-Platz. Das Schloss ist bis heute der Stammsitz der Familie.

Und wo wir gerade bei toller herrschaftlicher Bebauung sind, ganz in der Nähe liegt der „Maurische Pavillon“, einst als Teehaus gebaut, ist es heute eine Top-Hochzeitslocation. Falls ihr da Ambitionen habt, laut Webseite ist 2026 bereits ausgebucht.

Mein Heimweg führte mich über Tönisberg, vorbei an der Bäckerei Hoehnen. Die haben sogar einen Bäcker vor der Tür stehen.

Und auch hier gibt es wieder Bergbautradition zu erleben, die Schachtanlage Niederberg soll zu einem Gewerbegebiet entwickelt werden. Aktuell gibt es das Fördergerüst zu sehen, ansonsten scheint das Gelände im Dornröschenschlaf zu liegen.

Direkt daneben steht eine Bockwindmühle, vor einiger Zeit noch ohne Flügel, die wurden, meine ich, restauriert. Jetzt erstrahlt sie wieder in voller Schönheit. Die beiden Orte direkt nebeneinander werfen einen beim vorbeiradeln direkt in die Vergangenheit. Hat was.

Vorbei an einer kleinen Kapelle bin ich nach Krefeld Hüls gefahren. Dort habe ich auf dem Marktplatz im Schatten der Sankt Cyriakus Kirche Pause gemacht, bevor ich die letzten paar Kilometer nach Hause gefahren bin.


Ihr wisst ja, dass ich ein großer Streetart-Fan bin. Auf der Inrather Straße in Krefeld, prangt an einer Mauer, ich glaube, es ist die Seitenwand einer Garage, ein Bild einer Frau. Und das schon Ewigkeiten. Immer wenn ich dort vorbeifahre, schaue ich mir das Bild an. Anders als oft bei Streetart, ist es noch nicht übermalt worden, sondern es altert, setzt Patina an, bekommt Risse – ich finde das spannend und bin gespannt, wie lange es wohl noch bleiben wird.

Und das soll es auch schon wieder gewesen sein. Gute 58 Kilometer waren es, bei bestem Radelwetter und wunderbarer, klarer Luft.

Ich hoffe, die Eindrücke haben euch gefallen, wenn ihr Fragen habt, immer her damit. Ansonsten wünsche ich Euch eine gute Zeit, seid nett zu Euren Mitmenschen und bleibt gesund.
Euer Martin
Ganz ganz tolle Tour. Vielen Dank für’s Teilhaben. Im Kalisto war ich in der Tat auch schon das ein oder andere Mal. Herrlich ist dort das Vogelhaus, bei dem die Vögel einfach mal bei einem auf der Hand, Schulter oder dem Kopf landen.
Vielen Dank fürs Lob. Und Du hast Recht, das Vogelhaus ist klasse. Auch zum fotografieren.
LG Martin
Hallo Martin,
immer wenn ich am Hülser Markt vorbei komme, erinnere ich mich an an meine Großtante Sophie und meinen Großonkel Willy. Auf deinem Foto ist das Haus in dem sie und ihre 4 Kinder wohnten, gut zu erkennen. Hinter dem Baum rechts, mit hölzerner Tür.
In den 1960er Jahren besuchten wir sie als Kinder (wir wohnten Wedau) ganz besonders gerne am Nikolaustag.
Dann hatte der Nikolaus seinen großen Auftritt auf dem Markt und wir hatten Logenplätze im Wohnzimmerfenster von Tante Sophie und Onkel Willy.
Nachdem der Nikolaus durch die Menschenmenge auf dem Marktplatz gezogen war und Süßigkeiten verteilt hatte, steig er auf den Kirchturm und ließ von ganz oben einen großen Sack mit Geschenken an einem Seil hinunter. Uns wurde gesagt, die Geschenke würden an „arme“ Kinder verteilt.
In einem Jahr gab es ein großes Unglück. Das Seil riß und der Sack krachte vor das Kirchenportal. Ob die Geschenke danach noch brauchbar waren, konnten wir aus unserer Loge heraus nicht erkennen.
Zu Nikolaus hatte die Bäckerei am Markt einen riesigen Weckmann im Schaufenster. Onkel Willy hatte einen „heißen Draht“ zum Bäcker, so dass der Weckmann auf wunderliche Weise auf dem Wohnzimmertisch landete und anschließend verspeist wurde.
An was man sich auch nach 60 Jahren so alles erinnert.
Vielen Dank für deine Tourbeschreibungen. Vieles kenne ich und so manches deiner Ziele habe ich später auch angeradelt.
Beste Grüße aus Wanheim
Hermann
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